Erleichtert wird dies durch das industriell hergestellte Handaufzuchtfutter, was dem Züchter
die Aufzucht wesentlich erleichtert. Dies trägt dazu bei, daß die Anzahl der jährlich nachgezogenen
Papageien stetig steigt. Allein die Mitglieder der Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und
Vogelzucht (AZ) e.V. haben in den Jahren 1994 - 1997 laut vereinseigener Nachzuchtstatistik 8136
Großpapageien nachgezogen. Da sich im Durchschnitt nur 10,9 % der über 20.000 Mitglieder an
dieser Statistik beteiligten, dürfte die Anzahl der tatsächlich gezüchteten Papageien um ein Vielfaches
höher liegen.
Wie hoch der Anteil der handaufgezogenen Tiere am gesamten Zuchterfolg ist, ist aus den Nachzuchtstatistiken
nicht zu entnehmen. Überhaupt fehlen jegliche empirischen Daten zur Handaufzucht. Es kann lediglich festgestellt
werden, daß im amerikanischen Raum der Anteil der handaufgezogenen Papageien extrem hoch ist. Auf über 500
Internetseiten werben amerikanische Züchter für ihre handaufgezogenen Tiere und auf den Vogelmärkten sind es
zu über 90% handaufgezogene Papageienküken, die noch vor dem Erreichen der Selbstständigkeit verkauft werden .
In Deutschland liegt der Anteil der handaufgezogenen Papageien sicherlich nicht so hoch, doch zeigt auch hier ein Blick
in die Anzeigenteile der lokalen Presse, daß zu jeder Zeit handaufgezogene Papageien angeboten werden.
Alleine in der Ausgabe 4/99 der Zeitschrift "Papageien" wurden 390 Papageien aus Nachzuchten angeboten,
davon 7,7% Handaufzuchten. Hierbei fällt auf, daß es bezüglich der Nachzuchten erhebliche Unterschiede
zwischen den einzelnen Familien gibt. Während keine der dort angebotenen Amazonen eine Handaufzucht
war, lag der Anteil der Handaufzuchten bei Aras bei 20,7 %, bei Graupapageien bei 25,0 %.
Dies spiegelt die Beliebtheit der Papageien als Heimtiere wieder. Während Amazonen mit Erreichen der Geschlechtsreife
äußerst aggressiv werden und somit als Heimtiere nicht sehr beliebt sind, erfreuen sich Graupapageien aufgrund ihrer
Sprachbegabung und Aras aufgrund ihrer attraktiven Färbung größter Beliebheit als Heimtiere. Aus diesem Grund lohnt
sich bei beiden Familien die Handaufzucht, zumal handaufgezogene Tiere einen wesentlich höheren Preis erzielen als
Naturbruten. Der hohe Anteil an Handaufzuchten in den Inseraten ist um so bemerkenswerter, wenn man bedenkt, daß es
sich bei der Zeitschrift Papageien um eine Zeitschrift handelt, die sich hauptsächlich an Züchter wendet, die nicht das
eigentliche Klientel für Handaufzucht bilden. Handaufzuchten werden vielmehr bevorzugt in Wohnungshaltung verkauft,
da sie durch ihre Prägung auf den Menschen hierfür besonders geeignet sind. Ein Blick in die Tiermarktanzeigen der
lokalen Presse verdeutlicht dies, finden sich hier doch regelmäßig Inserate, in denen handaufgezogene Papageien
angeboten werden.
Seit es Handaufzuchten gibt, gibt es jedoch auch die Warnung, handaufgezogene Papageien seien fehlgeprägt und
nicht zuchttauglich. So stellt Steffen Patzwahl, Kurator des Loro Parques/Teneriffa, der größten europäischen
Papageiensammlung, fest, daß der Park die Anzahl der Handaufzuchten gering hält, um späteres Fehlverhalten
auszuschließen (Patzwahl 1993). Sollte es durch Handaufzuchten tatsächlich zu Fehlprägungen kommen, würde
dies die Bemühungen im Sinne einer "Arterhaltung durch Zucht" in Frage stellen, da mit fehlgeprägten Tieren eine
Zucht nicht oder nur schwer möglich wäre.
Andererseits wird es immer wieder Situationen geben, wo der Züchter auf Handaufzuchten zurückgreifen muß, gerade
bei besonders bedrohten Arten, deren Population bereits bedrohlich geschrumpft ist, so z.B. beim Spix-Ara, der nur
noch in ca. 40 Exemplaren bekannt ist. Und es gibt Beispiele, daß auch handaufgezogene Tiere durchaus zuchttauglich
sind (Schwarzwälder 1997).
Die vorliegende Arbeit versucht einen wissenschaftlichen Ansatz zur Klärung der Frage, ob es zu Fehlprägungen bei
handaufgezogenen Papageien kommt und wenn ja, unter welchen Umständen diese entstehen. Aus diesem Grund
wurde ein Fragebogen entwickelt, der Verhaltensweisen handaufgezogener Tiere mit denen von Naturbruten vergleicht,
wobei vor allem das Verhalten bei der Jungenaufzucht betrachtet wird. Die vorliegende Arbeit versteht sich dabei nur
als erster Schritt auf dem Weg zur Klärung der Frage der Fehlprägungen; aufgrund der knapp bemessenen Zeitgrundlage
ist eine vollständige Bearbeitung der Fragestellung, wozu u.a. auch genaue Verhaltensstudien notwendig wären, unmöglich.
2 Prägung bei Papageien
An Papageien ist eine Vielzahl von ethologischen Studien durchgeführt worden. Dabei stand jedoch meist das
Spielverhalten sowie der Werkzeuggebrauch der Papageien im Vordergrund (Boswall 1978, Deckert 1982,
Dieffenbach 1979 u.a.). Auch die Kognition der Papageien, speziell des Graupapageien, wurde ausführlich
untersucht, einen gewissen Ruhm erlangte in diesem der Graupapagei Alex, dem es gelang Gegenstände
und Wörter auseinanderzuhalten und im richtigen semantischen Zusammenhang einzusetzen (Pepperberg 1987).
Auch zum Sozialverhalten der Papageien wurden zahlreiche Versuche durchgeführt. Lantermann (1987) hat an dem
von ihm gegründeten Institut für Papageienforschung besonders die Sozialstruktur in Amazonengruppen, deren
agonistisches Verhalten sowie die Fortpflanzung dieser Familie untersucht.Bei all den Untersuchungen blieben
jedoch Prägungsphänomen weitgehend unbeachtet. Auch wenn Hellmann mit seinen Untersuchungen an Wellensittichen
und Rowley und Chapmann (1986) mit ihren Beobachtungen an freilebenden Kakadus erste Hinweise auf
Prägungsphänomene erbracht haben, sind die Erkenntnisse über Prägung bei Papageien eher spärlich.
Weder der Beginn und Zeitraum der sensiblen Phasen, noch ist bekannt, ob Prägungsvorgänge bei Papageien
tatsächlich irreversibel sind (Lantermann1990).
In der Literatur finden sich jedoch immer wieder Hinweise auf mögliche Fehlprägungen bei Papageien, speziell bei
handaufgezogenen Papageien. Dies bleiben jedoch meist vage und oberflächlich, werden nicht mit Fakten untermauert,
so daß ihr wissenschaftlicher Wert gering ist (Dühr 1996). Zwar schreibt Lantermann (1990), daß uns menschengeprägte
Papageien überall dort begegnen, wo es sich um Handaufzuchten handelt, eine Begründung für diese doch recht
allgemeingehaltene Behauptung liefert er jedoch nicht.
Dennoch scheinen Fehlprägungen bei Handaufzuchten nicht unbekannt zu sein, denn in der Literatur finden sich immer
wieder Hinweise auf Fehlprägungen bei Handaufzuchten. So führt Bergerhausen (1981) in seinem Vortrag zu
Erhaltungszuchtprojekten an, daß es bei Handaufzuchten zu Fehlprägungen kommen kann. Dies erwähnt auch
Patzwahl (1993), der angibt, daß in der Zuchtstation der Loro Parques auf Teneriffa Handaufzuchten möglichst
selten praktiziert werden, um Fehlverhalten zu vermeiden.
Neben der Behauptung Lantermanns, daß alle handaufgezogenen Tiere fehlgeprägt seien, gibt es jedoch auch
Beispiele für erfolgreiche Verpaarungen und Bruten bei Handaufzuchten. So erwähnt Silva (1988), daß alle von
ihm handaufgezogenen Tiere sich reproduziert haben, zum Teil sogar deutlich früher als gattungsgleiche
Naturbruten. Schwarzwälder(1997) berichtet von einer erfolgreichen Zucht mit handaufgezogenen Graupapageien,
wobei hier beide Partner Handaufzuchten waren. Angaben über den Zeitpunkt der Entnahme zur Handaufzucht
fehlen jedoch, was keine Rückschlüsse auf die Dauer und den Zeitpunkt der sensiblen Phase erlaubt, er erwähnt
lediglich, daß die Jungtiere mit Beginnen der Selbstständigkeit in einem Käfig neben den Elterntieren untergebracht
wurden. Ähnliche Erfolge erzielte auch Weinheimer mit seinen Papageien, die er vom Ei an aufgezogen hatte
(Weinheimer briefl. 1999).
Trotz dieser positiven Erfahrungen enthält die Literatur zur Papageienhaltung und -zucht immer wieder Hinweise auf
Fehlprägungen. Blanchard (1997) weist auf die Bedeutung der Sozialisation von Papageien hin. Sie sieht in der
fehlenden Sozialisation die eigentliche Ursache für fehlende Bruterfolge und bezweifelt, daß diese durch Prägung
auf den Menschen verursacht werden. Sie sieht die Prägung nicht als irreversibel an, sondern beruft sich auf ihre
Erfahrung als Züchterin, wenn sie Prägungsvorgänge als "nicht in Stein gemeißelt" ansieht (Blanchart 1997),
wissenschaftliche Beweise für ihre These bleibt sie jedoch schuldig.
Eine der wenigen wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Folgen der Handaufzucht bei Papageien haben Preiss
und Franck (1973) durchgeführt. Sie wählten für ihre Versuche Rosenköpfchen ( Agapornis roseicollis), eine afrikanische
Zwergpapageienart, die in sozial deutlich strukturierten Schwärmen lebt, wobei stets ein Weibchen die Alpha-Stellung
innehat. Insgesamt zogen Preiss und Franck 6 Rosenköpfchen per Hand auf, drei wuchsen völlig isoliert (ohne jeglichen
Kontakt zum Pfleger und Artgenossen), die anderen drei wurden "normal" handaufgezogen, d.h. mit ständigem Kontakt
zum Pfleger. Desweiteren hatten diese drei Tiere die Möglichkeit beim Freiflug mit Artgenossen in Kontakt zu treten. Im
Alter von sechs Monaten (alle Tiere waren geschlechtsreif) wurden Resozialisierungsversuche mit ihnen durchgeführt.
Preiss und Franck fanden heraus, daß sich die isoliert handaufgezogenen Tiere langsamer entwickelten, sie erreichten
die Selbstständigkeit im Durchschnitt zehn Tage später als die unter ständigem Sozialkontakt aufgezogenen Tiere. Im
Vergleich zu den normal aufgezogenen Tieren fiel auf, daß sich die isoliert aufgezogenen Tiere langsamer bewegten
und weniger lebhaft waren. Beim ersten Zusammensetzen der Tiere zeigte sich, daß auch die isoliert aufgezogenen
Tiere über eine Reihe wichtiger sozialer Verhaltensweisen verfügten. So würgte ein Männchen beim Anblick eines
Weibchens sofort Futter hoch, dieses wehrte es mit geöffnetem Schnabel ab. Die beiden isoliert aufgezogenen
Weibchen zeigten untereinander stark aggressives Verhalten und Schnabelfechten. Diese Verhaltensweisen
kann man auch bei Naturbruten beobachten, sie entsprechen dem natürlichen Verhalten. Bei den normal
handaufgezogenen Tieren gab es bei der Resozialisation keine Schwierigkeiten. Zwei der Tiere verpaarten sich
im Schwarm, das dritte Tier blieb zunächst unverpaart, wohl weil Tiere des Schwarms bereits verpaart waren, später
gelang die Verpaarung mit einem in Geschwistergemeinschaft handaufgezogenen Männchen. Offensichtlich blieb
jedoch die große Aggressivität der handaufgezogenen Weibchen dem Menschen gegenüber.
Bei den isoliert handaufgezogenen Weibchen gelang die Verpaarung im Schwarm nicht. Aufgrund ihres aggressiven
Verhaltens mußten sie aus dem Schwarm entfernt werden. Eine gezielte Einzelverpaarung gelang nur bei einem der
beiden Weibchen, das zweite Weibchen war für ein Verpaarung zu aggressiv. Auch das dritte isoliert aufgezogene
Tier, ein Männchen, verpaarte sich nicht. Er hielt sich stets abseits des Schwarms auf und es gelang ihm nie die
Individualdistanz zu einem anderen Vogel zu überwinden. Eine gezielte Einzelverpaarung endete mit seinem
Tod. Zwar würgte er beim Anblick des Weibchens Futter hoch, zu einer Futterübergabe kam es jedoch nicht, da
das Männchen deutliche Furcht vor dem Weibchen zeigte. In der Folge nahm das Männchen aufgrund geringer
Futteraufnahme 7g ab und verstarb, obwohl das Weibchen zwei Tage vorher entfernt worden war (Preiss und Franck 1973).
Wenn auch die geringe Anzahl von Aufzuchten bei Preiss und Franck keine allgemeinen Rückschlüsse zulassen, so zeigen
sie doch deutlich Problem auf, die durch die Handaufzucht entstehen können. Ein Problem, welches besonders bei
handaufgezogenen Weibchen auftritt, scheint die große Aggressivität zu sein.
Da in der Untersuchung von Preiss und Franck die isoliert aufgezogenen Tiere deutliche Problem in der Sozialisation
aufwiesen, stellt dieses Ergebnis besonders die Handaufzucht im großen Stil, wie sie einige Züchter praktizieren, in Frage.
Bei einer Jungenanzahl von hundert oder mehr, wie sie in großen Zuchtsstationen durchaus vorkommt, kann dem einzelnen
Tier kaum Zeit gewidmet werden, die sozialen Kontakte beschränken sich ausschließlich auf die Fütterung. Wird diese dann
mittels Kropfsonde ausgeführt, wird der Kontakt auf ein Minimum reduziert.
3 Auswertung
An der Untersuchung haben sich insgesamt 43 Züchter beteiligt, von denen 12 Züchter Aras, 22 Züchter Amazonen,
24 Züchter Graupapageien züchten. Kakadus sind in 16 Zuchten, sonstige Arten in 19 Zuchten vertreten. Insgesamt
halten die an der Untersuchung beteiligten Züchter 312 Paare. Aras wurden mit 31 Paaren (7), Amazonen mit 58 Paaren
(12) und Graupapageien mit 99 Paaren (42) gemeldet (In Klammer ist die Anzahl der Paare angegeben, von denen
mindestens ein Partner eine Handaufzucht ist). Bei den Kakadus konnten 38 Paare (davon 14 mit mindestens einer
Handaufzucht), bei den sonstigen Arten 86 (davon 18 mit mindestens einer Handaufzucht) in die Untersuchung
aufgenommen werden.
Bei den sonstigen Arten waren vor allem die Gattung Poicephalus mit 25 Paaren stark vertreten, aber auch 20 Paare
der Gattung Pionus und 12 Paare der Gattung Electus wurden dieser Gruppe zugeteilt. Da diese Gruppe hierdurch
sehr inhomogen wurde, sind die Ergebnisse dieser Gruppe nur bedingt aussagekräftig, die Anzahl an gemeldeten
Paaren war jedoch zu gering, um hier eine weitere Aufteilung vorzunehmen.
Bei der Frage nach der Haltung der Tiere zeigte sich, daß die Paare entweder in Innenvolieren oder in Innenvolieren
mit angeschlossenen Außenvolieren gehalten werden. Nur ein geringer Anteil der Paare wird im Käfig, bzw. in einer
reinen Außenvoliere gehaltenen . Um Einflüsse der Haltungsart auf das untersuchte Fehlverhalten auszuschließen,
wurde die Haltungsform mit den aufgetretenen Verhaltensformen in Relation gesetzt, hierbei zeigte sich jedoch keine
Signifikanz für ein häufigeres Auftreten von Fehlverhalten in Innenvolieren gegenüber der Haltung in Innenvolieren mit
angeschlossener Außenvoliere (Chi2- Test: Chi2 = 0,175, df 0 1, p = 0,6755). Bei er Auswertung wurden alle Gruppen
(Aras, Amazonen, Graupapageien, Kakadus, Sonstige) und alle Verhaltensweisen (Schreien, Rupfen, Sonstiges)
zusammengefaßt, da lediglich der Einfluß der Haltung auf Fehlverhalten insgesamt überprüft werden sollte.
Mit der Frage nach den Futtermitteln, die den Paaren zur Verfügung stehen, sollte ein Einfluß der Futtermittel auf die
Häufigkeit von Fehlverhalten bei der Jungenaufzucht geklärt werden. Um dies genauer analysieren zu können,
wurden die Futtermittel in sechs Kategorien eingeteilt: Körnerfutter, Obst, Eifutter, tierisches Eiweiß, Keimfutter,
sonstige Futtermittel. Die Unterteilung in tierisches Eiweiß und Eifutter ist vor dem Hintergrund, daß einige Züchter
die Eiweißversorgung der Tiere über gezielte Gabe von Lebendfutter (z.B. Mehlwürmer) oder Knochen erhöhen, sinnvoll.
Da bei Verfütterung von Körnerfutter und Obst kaum Unterschiede zwischen den Züchtern herrschte, konzentrierte
sich die Auswertung auf die anderen vier Bereiche. Hier zeigte sich, daß bis auf wenige Ausnahmen, kein signifikanter
Zusammenhang zwischen den verfütterten Futtermitteln und dem Auftreten von Fehlverhalten in der Jungenaufzucht
besteht (Signifikanztests siehe Anhang). Beim Eifutter ergab die Auswertung jedoch bei Aras und Graupapageien,
daß diese bei Eifuttergabe signifikant häufiger zu Fehlverhalten neigen, als Tiere, denen kein Eifutter zur Verfügung
steht (Chi2-Test: Aras: chi2 = 4,8, df = 1, p = 0,0289; Graupapageien: chi2 = 4,6, df = 1, p = < 0,0315). Da gleichzeitig aber
keine Signifikanz zwischen der Verfütterung von tierischem Eiweiß und Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte,
läßt sich nicht mit eindeutiger Sicherheit feststellen, daß die Verfütterung von Eifutter zu Fehlverhalten bei der Jungenaufzucht
führen kann. Die wird unterstützt durch die fehlende Signifikanz bei den anderen Gruppen. Denkbar ist allerdings, daß die
Elterntiere bei einem zu hohen Eiweißanteil im Futter erneut in Bruttrieb geraten und so ihre Jungen nicht füttern oder die
Jungen in einer Übersprungsreaktion zu rupfen beginnen. Eine befriedigende Erklärung dieses Zusammenhangs kann
nur eine gezielte Untersuchung erbringen, die auf den hier gewonnenen Erkenntnissen aufbaut.
Bei den Aras trat eine weitere Besonderheit auf. Hier zeigte sich, daß Paare, denen sonstige Futtermittel zur Verfügung
stehen (dies waren neben Grünfutter und Nudeln zu 60,00% Pellets), signifikant weniger zu Fehlverhalten neigen, als
Paare, denen diese Futtermittel nicht zur Verfügung stehen. Dies läßt sich vielleicht durch die optimale Versorgung
der Tiere erklären, die Pellets erhalten, da diese Pellets optimal auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt sind.
Um den Einfluß der Pelletfütterung näher zu analysieren, wurden die Paare, denen Pellets verfüttert werden, näher
betrachtet. Es stellte sich heraus, daß Paare mit Pelletfütterung signifikant weniger zu Fehlverhalten bei der Jungenaufzucht
neigen, als Paare, denen keine Pellets verfüttert werden (Chi2-Test: Aras: chi2 = 8,3 ; df = 1, p = 0,0041). Dies scheint zu
bestätigen, daß die optimale Nährstoffabstimmung der Pellets tatsächlich einen Einfluß auf das Verhalten in der Brutzeit hat.
Um diesen Sachverhalt zu klären wurde auch bei den anderen Gruppen die Relation zwischen Pelletfütterung und
Fehlverhalten untersucht. Dabei ergab sich ein uneinheitliches Bild. Während bei Graupapageien und Kakadus
die Paare, denen Pellets gefüttert werden, signifikant weniger zu Fehlverhalten neigen, ist bei Amazonen und
sonstigen Arten keine Signifikanz festzustellen (Chi2-Test: Amazonen chi2 = 0,5, df =1, p = 0,4775; Graupapageien: chi2 =
14,7, df = 1, p = 0,0001; Kakadus: chi2 = 8,3, df = 1, p = 0,0039; Sonstige: chi2 = 1,35, df = 1, p = 0,2453). Die Variationen
zwischen den Gruppen lassen zwei Schlüsse zu:
- Die Pelletfütterung hat keinen Einfluß auf das Verhalten in der Brutzeit, sie ist nicht Ursache für geringeres Fehlverhalten
- Die Pelletfütterung hat Einfluß auf das Brutverhalten, ihre Wirkung ist jedoch abhängig von der Gattung, die mit Pellets gefüttert wird.
Da die zweite Schlußfolgerung unlogisch erscheint, da auch zwischen Aras, Graupapageien und Kakadus ein großer
Unterschied in den Ernährungsgewohnheiten in der Natur besteht, der durch Pelletfütterung nicht kompensiert wird,
jedoch keinen Einfluß auf das Ergebnis der Untersuchung hat, ist es unwahrscheinlich, daß der Unterschied in der
Ernährung von Amazonen und sonstigen Arten im Vergleich zu den anderen Gruppen so groß ist, daß er als Begründung
für die unterschiedlichen Ergebnisse hinreichend wäre. Es ist deshalb anzunehmen, daß andere Gründe für
Verhaltensabweichungen ausschlaggebend sind, der Einfluß der Futterzusammensetzung ist nicht sicher nachweisbar.
Um Einzeltiere, bei denen ein Verhalten in der Brutzeit nicht untersucht werden kann, aus der Untersuchung herauszufiltern,
diente Frage 4 als Kontrollfrage. In den weiteren Fragen wurde dann gezielt nach dem Verhalten der Tiere gefragt, wobei
besonders das Paarungsverhalten und eventuell vorhandenen Fehlverhalten erfaßt wurden.
Probleme bei der Verpaarung der Zuchttiere zeigten sich bei allen Gruppen, bei Aras, Graupapageien und Kakadus traten
diese Probleme signifikant häufiger bei Handaufzuchten auf, bei Amazonen und sonstigen Arten waren es die Naturbruten,
die signifikant mehr Probleme in der Verpaarung aufwiesen (Chi2-Test: Aras: chi2 = 14,1, df = 1, p = 0,0002; Amazonen chi2
= 0,6, df =1, p = 0,4243; Graupapageien: chi2 = 21,7, df = 1, p = < 0,0001; Kakadus: chi2 = 8,3, df = 1, p = 0,0039; Sonstige: chi2
= 0,01, df = 1, p = 0,9198). Warum die Handaufzucht nicht bei allen Gruppen zu Problemen bei der Verpaarung führt, läßt sich
nicht abschließend erklären, da hierfür unterschiedlichste Faktoren verantwortlich sein können. So kann z.B. der Zeitpunkt der
Entnahme zur Handaufzucht einen wesentlichen Einfluß auf die sexuelle Prägung haben, da bei einer frühen Entnahme die
sexuelle Prägung evtl. noch nicht abgeschlossen ist, was zu Fehlverhalten u.a. bei der Verpaarung führen kann. Da aber
hierzu die entsprechenden Daten fehlen, ist eine wissenschaftliche Klärung der Fragestellung im Rahmen dieser Arbeit nicht
möglich. Bei 26 Züchtern zeigten die Zuchttiere Verhaltensabweichungen, daß heißt in 60,40% aller Zuchten traten
Fehlverhalten wie Rupfen oder Schreien auf. Die größte Zahl der Verhaltensstörungen trat bei den Kakadus auf, bei
31,57% der untersuchten Paare rupfte mindestens ein Partner, 10,53% der Paare zeigten sonstige Verhaltensstörungen.
Unter sonstigen Verhaltensstörungen wurde besonders häufig die Aggressivität der Männchen genannt, ein in der
Kakaduzucht bekanntes Problem. An zweiter Stelle der Häufigkeit von Verhaltensstörungen stehen die Graupapageien
, 5,00% der Paare sind Schreier, 27,27% rupfen und 2,02% der Paare wiesen sonstige Fehlverhalten auf. Bei den Aras
rupfen 9,76% der Paare, 4,87% sind Schreier, sonstige Fehlverhalten zeigen 9,76% der Paare. Die sonstigen Arten
zeigten lediglich in 8,14% Paare Fehlverhalten in Form von Rupfen, andere Fehlverhalten traten nicht auf.
Nachdem die Aufgetretenen Fehlverhalten in Relation zur Aufzuchtart (Handaufzucht oder Naturbrut) gesetzt worden waren,
zeigte sich, daß Handaufzuchten nicht signifikant häufiger zu Fehlverhalten neigen als Naturbruten (Chi2-Test: Aras: chi2 = 2,6,
df = 1, p = 0,1094; Amazonen chi2 = 0,6, df =1, p = 0,4402; Graupapageien: chi2 = 1,2, df = 1, p = < 0,27; Kakadus: chi2 = 0,0, df = 1,
p = 0,9428; Sonstige: chi2 = 021, df = 1, p = 0,6521). Dieses Ergebnis, welches auf den ersten Blick verwundern kann, ist jedoch
keineswegs unerwartet, zeugen Fehlverhalten von gekäfigten Papageien doch meist von Streß, der durch die Haltung
verursacht ist. Dieser Streß scheint für Handaufzuchten und Naturbruten gleichermaßen angelegt zu sein, eine bessere
Eignung der Handaufzuchten für die Haltung in Menschenobhut, wie sie oftmals propagiert wird, läßt sich zumindest durch
die vorliegenden Daten nicht bestätigen. Daß bei bis zu 40,00% der gehaltenen Tiere Fehlverhalten auftreten, zeigt jedoch
auch, daß die Haltungsbedingungen der Papageien intensiver untersucht werden müssen, um Ursachen für diese Fehlverhalten
ausfindig zu machen.
Insgesamt zeigen 104 Paare ein abweichendes Brutverhalten, was einem Prozentsatz von 33,33 % entspricht. Auffällig ist, daß
bei den Graupapageien 43,43% der Paare abweichendes Verhalten zeigen, bei den Kakadus sind es sogar 55,26%. Die
Zuchtpaare werden größtenteils durch Zwangsverpaarung zusammengestellt. So wurden bei den Aras 100,00% aller an
der Untersuchung beteiligten Paare vom Züchter zwangsverpaart, bei den Graupapageien waren es 76,74%. Kakadupaare
wurden zu 70,59% zwangsverpaart, ebenso 77,78% der Paare der sonstigen Arten. Bei den Amazonen hingegen sind nur
33,33% aller Paare zwangsverpaart worden, bei 44,44% der Paare werden keine Angaben zur Verpaarung gemacht. Es
ist jedoch anzunehmen, daß auch hier ein Großteil der Paare zwangsverpaart wurde, da dies die übliche Methode der
Paarzusammenstellung ist, denn kaum ein Züchter besitzt den Platz und den finanziellen Hintergrund, um eine größere
Anzahl von Tieren zu erwerben, so daß sich die Paarpartner im Schwarm selber finden können.
Bezogen auf die Gesamtzahl aller an der Untersuchung beteiligten Züchter, zeigte sich, daß 26,00% aller Züchter
abweichendes Brutverhalten lediglich bei Paaren, bei denen mindestens ein Partner eine Handaufzucht ist, haben.
Bei 14,00% aller Züchter traten die Probleme nur bei Naturbruten auf, bei 23,00% traten die Probleme sowohl bei
Handaufzuchten als auch bei Naturbruten auf. Leider machten 37,00% der Züchter keine näheren Angaben, was
eine Aussage über die Relation zwischen Handaufzucht und Fehlverhalten in der Brutphase unmöglich macht. Die
fehlenden Angaben sind um so unverständlicher, wenn man bedenkt, daß die folgenden detaillierten Fragen genauestens
beantwortet wurden. Für die Auswertung der Arbeit spielen die fehlenden Angaben jedoch keine Rolle.
50 Paare, deren Partner ausschließlich Naturbruten sind, zeigen Fehlverhalten bei der Brutpflege. Hierbei ist der hohe
Anteil an rupfenden Elterntieren auffällig. So rupfen 64,29% der Graupapageien ihre Jungen, bei den Kakadus sind es
53,33%, bei sonstigen Arten 58,82%. Da es sich bei den an der Untersuchung beteiligten Arapaare ausschließlich um
Naturbruten handelt, läßt sich keine Aussage treffen, ob diese Häufung von rupfenden Zuchtpaaren charakteristisch
für alle Naturbruten ist. Auch die geringe Anzahl an Amazonen (4 Paare), läßt einen allgemeinen Schluß nicht zu. Da
das unruhige Brüten drei Paare der selben Zucht betrifft, ist anzunehmen, daß hier äußere Faktoren für dieses Verhalten
verantwortlich sind, es scheint kein allgemeines Problem von Naturbruten zu sein. Hierfür spricht auch die geringe Anzahl
an gleichartigen Störungen in den anderen Gruppen.
Das diese Verhaltensstörungen dauerhaft sind, zeigt sich darin, daß das gezeigte Verhalten bei 66,67% aller Amazonen
regelmäßig, daß heißt jede Zuchtsaison, auftritt. Bei den Graupapageien zeigen 85,71% regelmäßig das gleiche
Fehlverhalten, bei den sonstigen Arten sind es 88,24%. Bemerkenswert ist, daß bei den Kakadus sogar 100,00% aller
Paare jede Zuchtsaison dieselben Fehlverhalten zeigen.
Insgesamt zeigten 54 Paare Fehlverhalten bei der Brutpflege (50 Paare bei Naturbrut). Alleine 29 Paare der Graupapageien
weisen Fehlverhalten auf, bei den Aras waren es 5 Paare, bei den Amazonen 4 Paare. 6 Paare der Kakadus verhielten sich
auffällig, ebenso 10 Paare bei den sonstigen Arten. Bei den meisten Paaren ist nur ein Partner eine Handaufzucht, lediglich
bei den sonstigen Arten bestehen 50,00% der Paare komplett aus Handaufzuchten. Auffällig war, daß bei den Aras nur die
Männchen Handaufzuchten waren, wohingegen bei den anderen Gruppen Partner beiderlei Geschlechts Handaufzuchten
sind. Eine Signifikanzprüfung, um den Zusammenhang zwischen Geschlecht und Art des Fehlverhaltens zu untersuchen, war
aufgrund fehlender Informationen (Gesamtzahl der Handaufzuchten eines Geschlechts) nicht möglich, so daß die Ergebnisse
dieser Beobachtung lediglich als Hinweise zu werten sind, die jedoch nicht statistisch begründet sind. Bei den näheren
Untersuchungen des Zusammenhangs Geschlecht – Art des Fehlverhaltens fiel auf, daß es bei zwei Fehlverhalten bzw.
Auffälligkeiten deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. So sind bei 24 Paaren, die ihre Jungtiere nicht füttern,
19 Partner weiblich. Dieses Ergebnis ist nicht verwunderlich, sind doch die Weibchen in den ersten Tagen alleine für die
Versorgung der Jungtiere zuständig, das Männchen füttert lediglich das Weibchen, welches das Futter normalerweise an
die Jungen weitergibt. Bei den sonstigen Auffälligkeiten zeigte sich, daß von insgesamt 7 genannten Paaren, 6 Paare stets
unbefruchtete Gelege zeitigen, in allen Fällen war das Männchen die Handaufzucht. Auch dieses Ergebnis ist nicht
verwunderlich, da das Männchen, sollte es fehlgeprägt sein, das Weibchen nicht als Sexualpartner ansieht, der
Tretakt also unterbleibt.
Wie auch bei den Naturbruten, so kann auch bei den Handaufzuchten festgestellt werden, daß bei den Fehlverhalten,
die in der Brutzeit vorkommen, ein Schwerpunkt zu erkennen ist. War bei den Naturbruten das Rupfen der Jungtiere
die Verhaltensstörung, die am häufigsten auftrat, so ist es bei den Handaufzuchten das Nichtfüttern der Jungtiere.
Wieder sind es die Graupapageien, bei denen das Fehlverhalten am deutlichsten zutage tritt, 72,41% der Paare
mit Handaufzuchten füttern ihre Jungtiere nicht, bei den Aras sind es 40,00%, bei den Kakadus 50,00%. Während
bei 40,00% der sonstigen Paare das Problem des Nichtfütterns der Jungtiere auftritt, zeigt erstaunlicherweise kein
Paar der Amazonen dieses Fehlverhalten. Worin dies begründet liegt ist unklar, denkbar wäre, daß die Tiere erst
nach Abschluß der Prägungsphase entnommen wurden oder vermehrt mit Artgenossen aufgezogen wurden. Denkbar
wäre auch, daß Amazonen, anders als Graupapageien, Aras und Kakadus, sich eher wieder einem arteigenen Partner
zuwenden, weil z.B. ihre Prägung nicht eine so starre Form bildet, wie z.B. bei Graupapageien, bzw. weil ihre Bindung
an den Menschen nicht so eng ist, was der Erfahrung des Verfassers entspricht. Eine nähere Untersuchung dieses
Sachverhalts kann die vorliegende Arbeit jedoch aufgrund ihres zeitlich begrenzten Rahmens nicht leisten.
Um die Unterschiede zwischen Naturbruten und Handaufzuchten im Bezug auf ihr Brutverhalten zu untermauern, wurden
Signifikanztests durchgeführt. Dabei zeigte sich, daß Handaufzucht nicht signifikant häufiger unruhig brüten als Naturbruten
(Chi2-Test: Aras: chi2 = 0,0; df = 0, p = 0,000; Amazonen chi2 = 0,04, df =1, p = 0,8254; Graupapageien: chi2 = 0,7, df = 1, p
=0,3883; Kakadus: chi2 = 06, df = 1, p = 0,4484; Sonstige: chi2 =0,8, df = 1, p = 0,3644). In diesem Punkt scheint die Handaufzucht
keinen Einfluß auf das Brutgeschehen zu haben. Dies war so zu erwarten, sind handaufgezogene Tier doch an den Menschen
gewöhnt, so daß sie bei Annäherung eines Menschen nicht sofort den Nistkasten verlassen, wie dies z.B. Wildfänge (d.h. aus
der Natur entnommene Tiere) tun. Auch bei Nistkastenkontrollen bleiben die Handaufzuchten wesentlich ruhiger, eine
Beschädigung der Eier durch das im Kasten tobende Weibchen ist somit nahezu ausgeschlossen.
Auch das Fressen der Eier kommt bei Handaufzuchten nicht signifikant häufiger vor, bei den an der Untersuchung beteiligten
Aras kam es gar nicht, bei den Amazonen nur bei einem Paar vor, so daß bei diesen Gruppen keine Aussage getroffen
werden kann, bzw. die bei den Amazonen auftretende Signifikanz relativiert werden muß. (Chi2-Test: Aras: chi2 = 0,0, df =
0, p = 0,000; Amazonen chi2 = 3,9, df =0, p = 0,0483; Graupapageien: chi2 = 1,5, df = 1, p = 0,2200; Kakadus: chi2 = 0,6,, df = 1,
p = 0,4389; Sonstige: chi2 = 0,3, df = 1, p = 0,6048).
Auch dieses Ergebnis ist so zu erwarten gewesen, da das Eierfressen einerseits bei Kalkmangel vorkommt, dieser bei den
angewandten Fütterungmethoden nicht zu erwarten war. Ein weiterer Grund der zum Eierfressen führt ist die Zerstörung der
Eier, weil das Weibchen unruhig brütet und die Eier dabei zerstört. Da aber in diesem Punkt keine signifikanten Unterschiede
zwischen Handaufzucht und Naturbrut nachgewiesen werden konnten, ist es verständlich, das auch beim Fressen der Eier
keinerlei Signifikanz erkennbar ist.
Das Fressen der Jungtiere tritt bei Amazonen signifikant häufiger bei Handaufzuchten auf, da aber auch hier nur ein Paar
(Handaufzucht) dieses Fehlverhalten zeigt, ist das Ergebnis kaum aussagekräftig. Bei allen anderen Gruppen ist nachweisbar,
daß Handaufzuchten ihre Jungen signifikant häufiger fressen als Naturbruten, bei den Aras und den Graupapageien trat dieses
Verhalten bei keinem Paar auf (Chi2-Test: Aras: chi2 = 0,0, df = 0, p = 0,000; Amazonen chi2 = 3,9, df =0, p = 0,0483; Graupapageien:
chi2 = 0,0, df = 0, p = 0,000; Kakadus: chi2 = 0,2,, df = 1, p = 0,6670; Sonstige: chi2 = 0,3, df = 1, p = 0,6048). Da Papageien selten zu
Kanibalismus neigen und selbst tote Jungtiere nur in seltensten Fällen von ihren Elterntieren gefressen werden, ist auch dieses
Ergebnis nicht unerwartet.
Deutliche signifikante Unterschiede im Verhalten zeigen sich jedoch bei Füttern der Jungtiere, bei Handaufzuchten kommt
es signifikant häufiger dazu, daß die Jungtiere nicht von den Eltern gefüttert werden, als bei Naturbruten (Chi2-Test: Aras:
chi2 = 7,3, df = 1, p =0,0068; Amazonen chi2 = 0,3, df =1, p = 0,6064; Graupapageien: chi2 = 29,3, df = 1, p = < 0,0001; Kakadus:
chi2 = 0,5,, df = 1, p = 0,466; Sonstige: chi2 = 11,2, df = 1, p = 0,0008). Ausnahmen bei diesem Ergebnis stellen die Amazonen
und die Kakadus dar, bei denen keine Signifikanz nachzuweisen ist. Dies liegt daran, daß die Anzahl der Tiere, die dieses
Verhalten aufweisen nicht ausreicht, um eine verläßliche Aussage treffen zu können, bei den Amazonen zeigt nur ein Paar
(Naturbrut) diese Verhalten, bei den Kakadus sind es sechs Paare (davon 3 Handaufzuchten). Insgesamt erscheint die
Anzahl an Paaren bei Amazonen (58 Paare) und Kakadus (38 Paare) zu gering für eine statistische Auswertung. Auch die
Anzahl der untersuchten Arapaare (31 Paare) ist gering, so daß die festgestellte Signifikanz nicht als gesichert gelten kann.
Anders sieht dies bei den Graupapageien und den sonstigen Arten aus, mit 99 Paaren (Graupapageien) bzw. 86 Paaren
(sonstige Arten) ist die Anzahl der untersuchten Paare so groß, daß die ermittelten Ergebnisse durchaus als aussagekräftig
angesehen werden dürfen. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, daß die Auswahl der Probanden keineswegs
repräsentativ ist, so daß auch diese Ergebnisse erst in weiteren Studien erhärtet werden müßten, um als gesicherte
Erkenntnisse anerkannt zu werden. Keine signifikanten Unterschiede zeigen sich beim Rupfen der Jungtiere durch die
Elterntiere, hier rupfen Handaufzuchten nicht signifikant häufiger als Naturbruten (Chi2-Test: Aras: chi2 = 0,0, df = 0, p = 0,000;
Amazonen chi2 = 0,0, df =0, p = 0,000; Graupapageien: chi2 = 2,9,, df = 1, p = 0,0844; Kakadus: chi2 = 3,4, df = 1, p = 0,0670; Sonstige:
chi2 = 0,6, df = 1, p = 0,4424). Da das Problem des Rupfens bei Papageien bis heute auch nicht ansatzweise geklärt ist, die Ursachen
für dieses Verhalten nur vermutet werden, ist dieses Ergebnis äußerst interessant, zeigt es doch, daß Naturbruten und Handaufzuchten
gleichermaßen reagieren und das Rupfen nicht allein durch Gewöhnung an den Menschen erklärt werden kann. Wenn dies so wäre,
müßten Handaufzuchten, die an den Menschen gewöhnt sind, signifikant weniger rupfen als Naturbruten.
Die Untersuchung der sonstigen Fehlverhalten, zu denen vor allem unbefruchtete Gelege, die eigentlich nur als Folge eines
Fehlverhaltens, nämlich dem fehlenden Tretakt angesehen werden können, und Aggressivität der Paarpartner untereinander
zählen, zeigte sich, daß diese Verhaltensweisen signifikant häufiger bei Handaufzuchten auftreten (Chi2-Test: Aras: chi2 = 11,4,
df = 1, p = 0,0007; Amazonen chi2 = 3,9, df =1, p = 0,0483; Graupapageien: chi2 = 4,2, df = 1, p = 0,0405; Kakadus: chi2 = 0,0,, df =0,
p = 0,000; Sonstige: chi2 = 3,9, df = 1, p = 0,0475). Lediglich bei den Kakadus kam es bei keinem Paar zu Verhaltensstörungen,
die in diesen Bereich fallen, was erstaunlich ist, zumal besonders die Kakadumännchen in der Haltung immer wieder durch
große Aggressivität auffallen. Diese hat in vielen Fällen sogar schon zum Tod der Weibchen geführt. Das diese
Verhaltensweise bei den untersuchten Paaren nicht auftrat kann durch die geringe Anzahl an Paaren erklärt werden,
aber auch dadurch, daß Paare mit aggressivem Männchen keinerlei Gelege zeitigen und meist vom Züchter getrennt
werden, um den Verlust des Weibchens zu vermeiden. Hierdurch werden sie von der vorliegenden Untersuchung nicht
erfaßt, da diese nur verpaarte Tiere, die regelmäßig brüten, untersucht.
Wie schon bei den Naturbruten sind auch bei den Handaufzuchten die Fehlverhalten gefestigt, daß heißt sie treten regelmäßig
auf. So kommen bei 80,00% der Aras, 75,00% der Amazonen und 93,10% der Graupapageien diese Verhaltensabweichungen
in jeder Brutsaison vor, bei den Kakadus sind es sogar 100,00% der Paare, die dieses Fehlverhalten regelmäßig zeigen, bei
den sonstigen Arten 70,00%. Diese Dauerhaftigkeit spricht für starre Formen der Verhaltensweisen und genau diese starre
Form weist auch ein geprägtes Verhalten auf. Dies deutet darauf hin, daß die Prägung bei den gezeigten Fehlverhalten,
speziell beim Nichtfüttern der Jungen und bei den sonstigen Fehlverhalten eine Rolle spielt. Unterscheiden hiervon muß
man sicherlich das Rupfen der Jungtiere, welches vermehrt bei den Naturbruten auftritt, da hier andere, bisher noch nicht näher
untersuchte Faktoren eine Rolle spielen, die nichts mit Prägungsvorgängen gemeinsam haben. Mit den folgenden Fragen
wurde versucht, Anhaltspunkte zur Länge und Dauer der Prägungsphase bei Papageien zu ermitteln. Leider waren die Angaben
zum Zeitpunkt zu dem die späteren Zuchttiere zur Handaufzucht entnommen wurden, zahlenmäßig nicht ausreichend, um eine
statistisch gesicherte Aussage treffen zu können, dies gilt auch für die Angaben zur Art der Aufzucht sowie zum Zeitpunkt der
Vergesellschaftung.
Betrachtet man jedoch den Zeitpunkt der Entnahme zur Handaufzucht bei den Graupapageien, so fällt auf, daß bei den Tieren,
bei denen der Zeitpunkt bekannt ist (immerhin 44,82%), die Entnahme vor der 5. Woche erfolgte. Es ist davon auszugehen, daß
zu diesem Zeitpunkt die sexuelle Prägung keineswegs abgeschlossen ist, daß die Tiere also innerhalb der sensiblen Phase
entnommen werden, was Fehlprägungen verursachen kann, die sich in den oben genannten Fehlverhalten ausdrücken können.
Werden die Tiere einzeln aufgezogen, daß heißt von artgleichen Individuen getrennt und erfolgt eine Vergesellschaftung zu einem
späten Zeitpunkt, werden die negativen Prägungseffekte wahrscheinlich verstärkt, so daß die Fehlverhalten häufiger auftreten. Um
hierzu genaue Aussagen treffen zu können, ist eine weitere Untersuchung erforderlich, bei der alle untersuchten Tiere unter
kontrollierten Bedingungen aufwachsen, um störende Fremdeinflüsse, die das Ergebnis beeinflussen könnten, auszuschalten
Zum Abschluß des Fragebogens wurde versucht, die Aufzuchtpraxis der Züchter zu erfragen. Im Mittelpunkt stand dabei die
Frage, wie häufig die Züchter zur Handaufzucht greifen. Dies sollte auch die Relevanz der vorliegenden Untersuchung klären,
da diese an Bedeutung gewinnt, je mehr Tiere mit der Hand aufgezogen werden.
64,52% aller an der Untersuchung beteiligten Züchter geben an, nur im Notfall zur Handaufzucht zu greifen, lediglich
19,35% geben an regelmäßig Handaufzucht zu betreiben. Dem widersprechen die Angaben über den Prozentsatz
der jährlich handaufgezogenen Jungtiere. So ergab die Auswertung, daß 11,11% aller Züchter 40,00% und mehr aller
Jungtiere der Aras handaufziehen, bei den Amazonen machen dies 15,38% der Züchter, 23,07% der Züchter ziehen
40,00% und mehr aller Jungtiere sonstiger Arten mit der Hand auf. Kakadus werden von 64,23% der Züchter zu 40,00%
und mehr handaufgezogen, Graupapageien von 56,25%. Besonders auffällig ist, daß 43,75% der Züchter angeben, daß
sie bei den Graupapageien mehr als 90,00% der Jungtiere handaufziehen. Dies bedeutet, daß die 43 erfaßten Züchter
jedes Jahr alleine zwischen 70 und 100 junge Graupapageien handaufziehen, was nahezu der Hälfte der insgesamt 233
nachgezogenen Graupapageien entspricht. Da kaum Notfälle bei der Aufzucht in so großem Umfang auftreten, muß davon
ausgegangen werden, daß die Jungtiere gezielt entnommen werden, damit sie später als Handaufzuchten besser vermarktet
werden können.
Hier ist die Gefahr groß, eine zuchtunfähige Population zu erzüchten, da gerade bei den Graupapageien die Fehlprägungen
der Handaufzuchten nachgewiesen werden konnten.
Die Gefahr der Fehlprägung wird verstärkt durch den frühen Zeitpunkt der Entnahme zur Aufzucht, 44,44% der Aras werden
bis zur 4. Lebenswoche aus dem Kasten entnommen, bei den Amazonen sind es 40,00%. Graupapageien werden zu 63,13%
innerhalb der ersten vier Lebenswochen zur Handaufzucht entnommen, Kakadus zu 57,15%, bei den sonstigen Arten sind es
61,53%. Die tatsächliche Zahl könnte noch höher liegen, da ein Großteil der Züchter keine Angaben zum Zeitpunkt der Entnahme
machte (Aras 55,56%, Amazonen 60,00%, Graupapageien 21,05%, Kakadus 28,57%, sonstige Arten 38,47%). Auch wenn die
meisten Jungtiere zusammen mit arteigenen Individuen aufgezogen werden (Aras 44,44%, Amazonen 30,00%, Graupapageien
66,67%, Kakadus 54,55%, sonstige Arten28,57%), so ist es doch fraglich, ob die Aufzucht mit Artgenossen ausreicht, um eine
Fehlprägung zu vermeiden. Ob diese durch rechtzeitige Vergesellschaftung mit Artgenossen vermieden werden kann, müßte
in einer gesonderten Untersuchung geklärt werden. Die an der vorliegenden Untersuchung beteiligten Züchter konnten zumeist
keine Angaben über den Zeitpunkt der Vergesellschaftung machen, was sicherlich darin begründet liegt, daß ein großer Teil
der Nachzuchten in Wohnungshaltung verkauft wird, so daß der Züchter den weiteren Werdegang der Tiere nicht verfolgen kann.
Das die Handaufzucht Einfluß auf das Verhaltensrepertoire hat, zeigt sich am Verhalten der Tiere dem Menschen gegenüber.
89,74% der handaufgezogenen Aras werden von den Züchtern als zahm eingestuft, dies gilt auch für 94,52% der Amazonen,
62,72% der Graupapageien, 75,00% der Kakadus und 98,63% der sonstigen Arten. Immerhin 37,28% der handaufgezogenen
Graupapageien werden als menschengeprägt eingestuft, dies scheint in Hinblick auf die ermittelten Fehlverhalten der
handaufgezogenen Graupapageien ein Hinweis auf die fatale Wirkung der Handaufzucht im Bezug auf die sexuelle Prägung
sein. Bei den Aras werden 10,26%, bei den Amazonen 5,48% als menschengeprägt eingestuft, ebenso 22,06% der Kakadus
und 1,37% der sonstigen Arten. Die Schwierigkeit bei dieser Einstufung liegt darin, daß jeder Züchter individuell unterschiedliche
Kriterien anwendet. Was für den einen Züchter noch zahm ist, ist für den nächsten bereits menschengeprägt. Es scheint deshalb
sinnvoll, die Kriterien in folgenden Arbeiten klar umrissen zu definieren, um einheitliche Aussagen zu erhalten.
3.1 Schlußfolgerung
Die der Untersuchung zugrundeliegende Hypothese, daß bei Handaufzucht von Papageien vermehrt Fehlverhalten in der
Jungenaufzucht auftreten, wurde bestätigt. Bei den Graupapageien und den sonstigen Arten konnte eindeutig ein Zusammenhang
zwischen Handaufzucht und auftretendem Fehlverhalten nachgewiesen werden. Dieses Fehlverhalten, speziell das Nichtfüttern
der Jungtiere, ist so gravierend, daß eine erfolgreiche Brut ohne menschliches Eingreifen nicht möglich erscheint. Das dieser
Zusammenhang bei Aras, Amazonen und Kakadus nur bei den sonstigen Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte, liegt
sicherlich an der geringen Anzahl der untersuchten Paare. Um die gewonnenen Erkenntnisse zu vertiefen, ist es sinnvoll, eine
erneute Untersuchung durchzuführen, die sich auf eine größere Anzahl von Paaren stützt, so das sie an Aussagekraft gewinnt. Das
die gezeigten Fehlverhalten auf Handaufzucht zurückzuführen sind, konnte durch den Einbezug von weiteren Faktoren, z.B.
Haltungsform und Fütterrungsweise, die sich jeweils als nicht signifikant erwiesen, aufgezeigt werden.
Die Einschätzung der Züchter, die 37,28% der handaufgezogenen Graupapageien als menschengeprägt ansehen, unterstützt
die im Rahmen der Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse, daß die Handaufzucht zu Fehlprägungen führen kann. Somit ist
die Praxis der Handaufzucht allgemein in Frage zu stellen, zumal das Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung
von Papageien eindeutig fordert, daß Jungvögel so aufzuziehen sind, daß sie artgeprägt sind (BML 1995). Dies kann die
Handaufzucht eindeutig nicht gewährleisten, auch wenn Handaufzucht nicht zwingend zu Fehlprägungen führen muß.
Es besteht also weiterer Klärungsbedarf, besonders was den Beginn und die Dauer der sensiblen Phase angeht und ob der
Zeitpunkt der Entnahme zur Handaufzucht Einfluß auf die Fehlprägung hat.
Diese Fragen konnte und wollte die vorliegende Arbeit nicht klären, es ist ihr jedoch gelungen erstmals durch fundierte
empirische Arbeit nachzuweisen, daß die Handaufzucht einen signifikanten Einfluß auf sexuelle Prägung ausübt.
Das dies sich vor allem im Nichtfüttern der Jungtiere äußert ist erstaunlich, wurde doch bisher angenommen, daß sich
die sexuelle Prägung ausschließlich auf die Findung eines Sexualpartners bezieht. Bei den Papageien scheint jedoch
auch die Annahme der Jungtiere, bzw. das Füttern derselben Prägungsvorgängen unterworfen zu sein, die vorliegenden
Ergebnisse deuten dies an. In welchem Umfang der Begriff der sexuellen Prägung erweitert werden muß oder ob es weiter,
bisher nicht erkannte Prägungsvorgänge gibt, wäre in einer weiteren Untersuchung zu klären.