Der Gelbohrsittich (Ognorhynchus icterotis)
zwei Mitteilungen des "Fonds für bedrohte Papageien"

Umsetzung für das World Wide Web von Stefan Seifert [APN]
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Fonds für bedrohte Papageien

Zum Status des Gelbohrsittichs

von Volker Würth

Der Gelbohrsittich (Ognorhynchus icterotis) ist durch Habitatverlust und Bejagung eine der meistgefährdeten Papageienarten. Fast 20 Jahre lang galt die Art als womöglich ausgerottet. Die Berichte über den Gelbohrsittich seit seiner “Wiederentdeckung” Anfang der 90er Jahre beschränkten sich auf zwei Schwärme mit je maximal 24 Exemplaren. Die beiden Populationen fanden sich in einem Wachspalmenwald in den “Central Cordillera” (Kolumbien) bzw. in einem großteils gerodeten Waldstück in Ecuador. Neben einem in Ecuador laufenden Projekt wurde 1998 das “Proyecto Ognorhynchus” in Kolumbien ins Leben gerufen.
Im April 1999 wurde ein Schwarm von 61 Gelbohrsittichen beobachtet, fotografiert und auf Video dokumentiert. Die örtliche Guerilla sagte zu, die Kolonie zu schützen. Der Bestand hat sich dank der Schutzmaßnahmen, finanziert von der Loro Parque Fundacion und dem FONDS FÜR BEDROHTE PAGEIEN, auf knapp 100 Tiere erhöht. 2000 wurde nun in Kolumbien eine weitere Population entdeckt (s. folgender Bericht). Es sind nun also zwei Populationen (die Population in Ecuador, seit fünf Jahren nicht mehr gesichtet, ist wahrscheinlich verschwunden) mit insgesamt über 150 Individuen bekannt. Da wiederholt Brutaktivitäten dokumentiert wurden, bleibt zu hoffen, dass sich der Weltbestand eines der seltensten Papageien weiter erholen kann.


Weitere Population des Gelbohrsittichs in Kolumbien entdeckt

von Paul Salaman, Alex Cortes und Juan Lazaro Toro übersetzt und bearbeitet von Franz Amberger

Im Dezember 2000 wurde in Kolumbien während einer Expedition in der „Cordillera Occidental“ eine Gelbohrsittich-Population (Ognorhynchus icterotis) entdeckt. Alex Cortes und Juan Toro konnten im Januar zwei Schwärme mit 39 bzw. 24 Individuen erfassen. Bis dahin waren nur Populationen in Ecuador bzw. Kolumbien bekannt.

Lebensraum und Bedrohung
Die neu entdeckte Population lebt in einer Schlucht auf 2.200 – 2.600 m Höhe. Das Verbreitungsgebiet, nur 580 ha, besteht aus aufgegebenen Viehweiden sowie Primär- und Sekundärwald. Die häufigsten Baumarten sind Wettinia kalbreyeri (Macana-Wachspalme) und Cedrela montana (ein Mahagoni-Gewächs). Es gibt nur wenige Wachspalmen (Ceroxylon quindiuense), von deren Nüssen die Gelbohrsittiche abhängen. Diesen Lebensraum teilen sie sich mit Kolumbiasittichen (Aratinga wagleri), die Nahrungskonkurrenten sein könnten. Wahrscheinlich bevorzugt Aratinga jedoch tiefer gelegenes Gebiet. Einheimische berichteten, dass es vor zwei Jahren noch 100 Individuen gab. Überrascht stellte man fest, dass beide Schwärme nicht in Gebieten rasten, in denen Wachspalmen häufiger sind. Mehrere Paare konnten beim Kopulieren, Fressen von Sapium und an Baumhöhlen beobachtet werden.
Der Lebensraum dieser Gelbohrsittich-Population steht bereits unter Schutz, da er ein wichtiges Wasserreservoir für die Kommunen ist. Trotzdem gibt es potentielle Gefahren für die Sittiche. So werden die Palmen stark genutzt und dadurch Futter-, Rast- und Nistbäume vernichtet. Fällen von Harthölzern vermindert den Baumbestand ständig. Weidewirtschaft mit immer größeren Viehherden zerstört das Unterholz und dringt auch in das Reservat vor. Welche Auswirkung Jagd auf die Papageien hat, ist derzeit unklar. Es besteht jedoch der starke Verdacht, dass Einheimische den Vögeln nachstellen. Am meisten Sorge bereitet jedoch die intensive Nutzung der Palmen u. a. durch die katholische Kirche, die Palmwedel für ihre Osterfeiern benötigt. Noch sind mehrere größere Waldstücke intakt oder werden nur wenig durch Menschen gestört, da das Gebiet nach einer Regierungsanweisung als Siedlungsraum aufgegeben wurde. In den vergangenen Jahren wurde es in der Region nach dem Rückzug der Guerilla auch wieder sicherer.

Fazit und Schlussfolgerung
Die neu entdeckte Gelbohrsittich-Population ist, auch wenn sie offenbar abnimmt, relativ groß und deshalb für den Bestand der Art von herausragender Bedeutung. Sie lebt über 150 km von der nächsten bekannten Population entfernt. Ihre Überlebenschancen sind groß, da die Vögel in einem bereits geschützten Gebiet leben, obwohl es keine spezifischen Schutzmaßnahmen gibt. Nun sollen Forschungs- und Erhaltungsmaßnahmen eingeleitet werden. Sie sollten permanente Überwachung, Untersuchung der Wanderungsgewohnheiten, Aufzeichnung der Futter-, Rast und Nistplätze sowie die Untersuchung der Palmen und Waldzusammensetzung beinhalten. Die lokale Bevölkerung muss in die Bemühungen einbezogen werden. Das Verteilen von Postern, Gespräche etc. kann die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Palmen und Papageien steigern, vor allem zu Ostern.

Vorgehensweise und Kosten
Um diese Ziele zu realisieren, planen Cortes und Toro die Arbeit eines Feldbiologen (Populationserforschung) sowie eines lokalen Mitarbeiters (Kooperation mit den Einheimischen, Assistenz bei Feldforschung und Schutzmaßnahmen) für neun Monate. Die Schutzmaßnahmen sollen im Jahr 2001 beginnen. Die Kosten werden auf 13.500 US$ geschätzt.


Das Projekt Proyecto Ognorhynchus wird von der Loro Parque Fundacion, vom Fonds für bedrohte Papageien, der American Bird Conservancy, der Barbara Delano Fondation und dem WORLD PARROT TRUST unterstützt. In Kolumbien hilft zudem die Sociedad Antioquena de Ornitologia das Projekt mittragen.


Weitere Berichte über das Projekt zur Rettung des Gelbohrsittichs sind hier und hier sowie hier zu lesen.

Bearbeitet von:
© Stefan Seifert für die Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk 07 / 2001

Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
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Quellennachweis:
ZGAP Mitteilunge Mai 2001 www.zgap.de
© FONDS FÜR BEDROHTE PAPAGEIEN (ZGAP)