The World Parrot Trust
The World Parrot Trust

Kommt das Gespräch auf Artenschutzprojekte, sind vielen Papageienliebhabern Berichte über die Wiederansiedlung des Spixaras oder die gefährdeten Kakapos ein Begriff. Auch über den Schutz der Hyazintharas hat fast jeder schonmal etwas gehört, denn diese Papageienarten wurden in den letzten Jahren oft in den Medien erwähnt und haben eine (wenn auch durch ihre Gefährdung traurige) Berühmtheit erlangt.

Neben diesen bekannten Problemfällen, gibt es aber viele andere, die mindestens genauso dramatisch sind und ebenfalls unserer Hilfe und Unterstützung bedürfen. Die Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk möchte deshalb regelmäßig auch auf die Papageien hinweisen, deren Hilferuf noch nicht bis an die Öffentlichkeit gedrungen ist.


Kritische Situation bei der Bestandsentwicklung
des gefährdeten Gelbohrsittichs (Ognorhynchus icterotis)

Paul Salaman und Bernabe Lopez-Lanus
Eine Arbeit des WORLD PARROT TRUST, Glanmor House, Hayle, Cornwall, Great Britain
Übersetzung vom Englischen ins Deutsche: Lars Lepperhoff, Ittigen, Schweiz

Im 20. Jahrhundert wurden wir Zeugen des Verschwindens zahlreicher Tierarten, die empfindlich auf Biotopveränderungen, ausgelöst durch den Menschen, reagierten. Von den 353 Papageienarten sind 30% vom Aussterben bedroht.So auch der Gelbohrsittich, der wohl zu den gefährdetsten Papageienarten überhaupt gehört. Er lebt in den Anden Südamerikas.

Gelbohrsittich -

Um die Jahrhundertwende wurde dokumentiert, dass der Gelbohrsittich noch zahlreich in den Bergwäldern in einem grossen Gebiet der nördlichen Anden vorhanden ist. Der Gelbohrsittich ist von den Wachspalmen - die mit 40 Metern weltweit höchste Palme - abhängig, da er in deren Stämmen brütet, auf ihr übernachtet und sich von den Früchten ernährt.

In den Jahren nach 1980 wurde klar, dass die Anzahl Gelbohrsittiche einen kritischen Bestand erreicht hat. Es war alarmierend, dass die grossen Schwärme verschwanden. Im Jahre 1991 waren nur noch zwei grössere Schwärme bekannt mit weniger als 50 Sittichen in Gebieten Kolumbiens und Ecuadors.

Anders als viele andere südamerikanische Sittiche brütet der Gelbohrsittich nicht unter menschlicher Obhut. Es sind zur Zeit keine Exemplare in Menschenobhut bekannt. Bei den beiden verbliebenen Schwärmen handelte es sich in der Tat noch um die gesamte Population dieser Art, und es wurde klar, dass dieser Sittich ohne schnelle Schutzmassnahmen aussterben wird.

Mitte der Neunzigerjahre erstanden Feldforscher in Ecuador mit Hilfe der Loro Parque Fundacion einen Bestand an Wachspalmen und Wald. Die Population in Ecuador war auf diese Palmen angewiesen, da die Vögel früher dort brüteten. Nun stellte sich aber schon während vieler Jahre kein Bruterfolg mehr ein. Im Jahre 1997 wurde in einer bekannten Region der Cordilleren Kolumbiens ein Schwarm von 24 Gelbohrsittichen entdeckt. Ein Ergebnis dieser Entdeckung war die Initiierung eines Schutzprojektes durch Paul Salaman und Niels Krabbe mit Hilfe kolumbianischer und internationaler Hilfe. Im Juni 1998 begannen die Feldforschungen von Bernabe Lopez-Lanus und dadurch auch die Schutzbemühungen indem mit Hilfe einer internationalen Kampagne auf den kritischen Status dieser Spezies aufmerksam gemacht wurde. Trotz intensiver Suche nach geeigneten Lebensräumen in den kolumbianischen Anden, wurde kein einziger weiterer Gelbohrsittich gesichtet.

. Eine regionale Kampagne mit Poster wurde von Proyeto Ognorhynchus, einer zu diesem Zwecke gegründeten Organisation, lanciert. Dadurch meldete sich glücklicherweise ein kolumbianischer Feldforscher, welcher den gefährdeten Bergtapir beobachtete (der Bergtapir ist ebenfalls von den Früchten der Wachspalme abhängig). Der Feldforscher hatte einen Schwarm von 20 Gelbohrsittichen am 13. Dezember 1998 entdeckt.

Das Gebiet wurde von Bernabe und seinem Assistenten Julian Pena im April 1999 besucht. Noch am selben Tag wurde Bernabe Zeuge einer schier unwahrscheinlichen Szene. Über die Wachspalmen flogen zwei Schwärme von total 61 Gelbohrsittichen in einem geschützten Gebiet von Zentralkolumbien. Zu früheren Zeiten wurden diese Vögel nie gesichtet, weder im Flug noch rastend.

Bernabe fand eine Bruthöhle mit einem Jungvogel, der von seinen Eltern gefüttert wurde! Nach einer elfmonatigen Sucharbeit durch Bernabe zahlten sich seine Bemühungen endlich aus.

Diese phänomenale Entdeckung verdoppe1te die bekannte Population des Gelbohrsittichs und unterstrich die Wichtigkeit dieses Gebietes für den Erhalt der Bestände. Bernabe fasste eine Fülle von Informationen zusammen:

  • Es gibt mindestens ein Küken, das von seinen Eltern und verschiedenen anderen Helfern beschützt und gefüttert wird.
  • Die Art rastet und nistet in Bestände von Wachspalmen.
  • Ein regelrichtiges Ritual wurde täglich am Nachmittag beobachtet. Der ganze Schwarm besuchte eine tote Wachspalme. Alle Vögel nagten am trockenen Stamm. Dieses Verhalten dient wahrscheinlich einem Schärfen des Schnabels oder aber der Gewinnung von Mineralien.
  • Lokale Bauern gaben Auskunft über die Baumarten die der Gelbohrsittich zur Futteraufnahme aufsucht. Es handelt sich nicht nur um die Wachspalme sondern auch um einige andere Fruchtbaumarten, die im Gebiet vorkommen.
  • Die lokalen Bauern waren bereits für den Schutz des Gelbohrsittichs, und sie jagten die Art nicht.

Die kritische Situation des Gelbohrsittichs spitzt sich zu. 61 Idividuen repräsentieren offensichtlich den noch grössten Schwarm. Sorgen bereitet nun die Tatsache, dass offenbar nur ein Paar von vermutlich 30 Paaren brütete. Dies stellt alles andere als eine ausreichende Reproduktionsrate für diese Art dar. Zusätzlich gefährden Jäger, Fänger und die Zerstörung des Waldes die Art. Das Überleben der Vögel hängt vom guten Willen der lokalen Bauern und der übrigen Bevölkerung ab, die darauf verzichten sollten, die Vögel zu jagen oder sie zu fangen um sie als Haustiere zu halten.

Zum grossen Glück hat das Projekt Proyeto Ognorhynchus die bereitwillige Hilfe der lokalen Behörden sowie vieler Bauern, so dass langfristige Schutzmassnahmen sofort lanciert werden können.

Das Wettrennen mit der Zeit beim Erhalt des Gelbohrsittichs hat begonnen.

Das Projekt Proyeto Ognorhynchus wird von der Loro Parque Fundacion, vom Fonds für bedrohte Papageien, der American Bird Conservancy, der Barbara Delano Fondation und dem WORLD PARROT TRUST unterstützt. In Kolumbien hilft zudem die Sociedad Antioquena de Ornitologia das Projekt mittragen.


Ein weiterer Bericht über das Projekt zur Rettung des Gelbohrsittichs ist hier zu lesen.


Bearbeitet von:
© Stefan Seifert für die Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk 11 '99

Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
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Quellennachweis:
  • Mitteilung des World Parrot Trust


© Bild und Haupttext: WPT