Um die Jahrhundertwende wurde dokumentiert, dass der Gelbohrsittich noch zahlreich in den
Bergwäldern in einem grossen Gebiet der nördlichen Anden vorhanden ist. Der Gelbohrsittich
ist von den Wachspalmen - die mit 40 Metern weltweit höchste Palme - abhängig, da er in deren
Stämmen brütet, auf ihr übernachtet und sich von den Früchten ernährt.
In den Jahren nach 1980 wurde klar, dass die Anzahl Gelbohrsittiche einen kritischen
Bestand erreicht hat. Es war alarmierend, dass die grossen Schwärme verschwanden.
Im Jahre 1991 waren nur noch zwei grössere Schwärme bekannt mit weniger als 50
Sittichen in Gebieten Kolumbiens und Ecuadors.
Anders als viele andere südamerikanische Sittiche brütet der Gelbohrsittich nicht unter
menschlicher Obhut. Es sind zur Zeit keine Exemplare in Menschenobhut bekannt. Bei den
beiden verbliebenen Schwärmen handelte es sich in der Tat noch um die gesamte Population
dieser Art, und es wurde klar, dass dieser Sittich ohne schnelle Schutzmassnahmen aussterben wird.
Mitte der Neunzigerjahre erstanden Feldforscher in Ecuador mit Hilfe der Loro Parque
Fundacion einen Bestand an Wachspalmen und Wald. Die Population in Ecuador war auf
diese Palmen angewiesen, da die Vögel früher dort brüteten. Nun stellte sich aber
schon während vieler Jahre kein Bruterfolg mehr ein. Im Jahre 1997 wurde in einer
bekannten Region der Cordilleren Kolumbiens ein Schwarm von 24 Gelbohrsittichen
entdeckt. Ein Ergebnis dieser Entdeckung war die Initiierung eines Schutzprojektes
durch Paul Salaman und Niels Krabbe mit Hilfe kolumbianischer und internationaler
Hilfe. Im Juni 1998 begannen die Feldforschungen von Bernabe Lopez-Lanus und dadurch
auch die Schutzbemühungen indem mit Hilfe einer internationalen Kampagne auf den
kritischen Status dieser Spezies aufmerksam gemacht wurde. Trotz intensiver Suche
nach geeigneten Lebensräumen in den kolumbianischen Anden, wurde kein einziger weiterer
Gelbohrsittich gesichtet.
.
Eine regionale Kampagne mit Poster wurde von Proyeto Ognorhynchus, einer zu diesem
Zwecke gegründeten Organisation, lanciert. Dadurch meldete sich glücklicherweise ein
kolumbianischer Feldforscher, welcher den gefährdeten Bergtapir beobachtete (der Bergtapir
ist ebenfalls von den Früchten der Wachspalme abhängig). Der Feldforscher hatte einen Schwarm
von 20 Gelbohrsittichen am 13. Dezember 1998 entdeckt.
Das Gebiet wurde von Bernabe und seinem Assistenten Julian Pena im April 1999 besucht.
Noch am selben Tag wurde Bernabe Zeuge einer schier unwahrscheinlichen Szene. Über die
Wachspalmen flogen zwei Schwärme von total 61 Gelbohrsittichen in einem geschützten Gebiet
von Zentralkolumbien. Zu früheren Zeiten wurden diese Vögel nie gesichtet, weder im Flug noch rastend.
Bernabe fand eine Bruthöhle mit einem Jungvogel, der von seinen Eltern gefüttert wurde! Nach
einer elfmonatigen Sucharbeit durch Bernabe zahlten sich seine Bemühungen endlich aus.
Diese phänomenale Entdeckung verdoppe1te die bekannte Population des Gelbohrsittichs und
unterstrich die Wichtigkeit dieses Gebietes für den Erhalt der Bestände. Bernabe fasste
eine Fülle von Informationen zusammen:
- Es gibt mindestens ein Küken, das von seinen Eltern und verschiedenen anderen
Helfern beschützt und gefüttert wird.
- Die Art rastet und nistet in Bestände von Wachspalmen.
- Ein regelrichtiges Ritual wurde täglich am Nachmittag beobachtet.
Der ganze Schwarm besuchte eine tote Wachspalme. Alle Vögel
nagten am trockenen Stamm. Dieses Verhalten dient wahrscheinlich
einem Schärfen des Schnabels oder aber der Gewinnung von Mineralien.
- Lokale Bauern gaben Auskunft über die Baumarten die der Gelbohrsittich
zur Futteraufnahme aufsucht. Es handelt sich nicht nur um die Wachspalme
sondern auch um einige andere Fruchtbaumarten, die im Gebiet vorkommen.
- Die lokalen Bauern waren bereits für den Schutz des Gelbohrsittichs,
und sie jagten die Art nicht.
Die kritische Situation des Gelbohrsittichs spitzt sich zu. 61 Idividuen repräsentieren
offensichtlich den noch grössten Schwarm. Sorgen bereitet nun die Tatsache, dass offenbar
nur ein Paar von vermutlich 30 Paaren brütete. Dies stellt alles andere als eine ausreichende
Reproduktionsrate für diese Art dar. Zusätzlich gefährden Jäger, Fänger und die Zerstörung
des Waldes die Art. Das Überleben der Vögel hängt vom guten Willen der lokalen Bauern
und der übrigen Bevölkerung ab, die darauf verzichten sollten, die Vögel zu jagen
oder sie zu fangen um sie als Haustiere zu halten.
Zum grossen Glück hat das Projekt Proyeto Ognorhynchus die bereitwillige Hilfe der
lokalen Behörden sowie vieler Bauern, so dass langfristige Schutzmassnahmen sofort
lanciert werden können.
Das Wettrennen mit der Zeit beim Erhalt des Gelbohrsittichs hat begonnen.
Das Projekt Proyeto Ognorhynchus wird von der
Loro Parque Fundacion,
vom Fonds für bedrohte Papageien,
der American Bird Conservancy, der Barbara Delano Fondation und dem
WORLD PARROT TRUST
unterstützt. In Kolumbien hilft zudem die Sociedad Antioquena de Ornitologia das Projekt mittragen.
Ein weiterer Bericht über das Projekt zur Rettung des Gelbohrsittichs ist
hier
zu lesen.