Die gemeinsame Geschichte von Mensch und Papagei

Das Zusammenleben von Mensch und Papagei hat seine Wurzeln lange vor Beginn unserer Zeitrechnung. Nach Europa sollen die ersten Papageien gelangt sein, als Alexander der Große im Jahre 327 v. Chr.während dem Feldzug gegen Persien bis nach Indien vorgedrungen war. Von dort aus wurden die ersten Exemplare, der nach ihm benannten Alexandersittiche, auf dem Seeweg nach Griechenland gebracht. Oft wird behauptet, daß Alexander der Große diesen Transfer selbst getätigt hätte. Dieser allerdings starb im Alter von 33 Jahren in Babylon und sah seine griechische Heimat nicht wieder. Es soll sich vielmehr um einen Angehörigen seiner Flotte, den Obersteuermann Onesikritos, gehandelt haben.

In seinen Heimatländern fand der Papagei von jeher Beachtung durch den Menschen. Die südamerikanischen Ureinwohner schätzten ihn als amüsanten und zutraulichen Hausgenossen. Doch diente er nicht nur der Unterhaltung, sondern auch als Lieferant für Federn, mit denen sie sich schmückten. Nicht zuletzt stellte er eine angeblich wohlschmeckende Nahrungsquelle dar. Vom Ara maracana wird berichtet, daß er sich hervorragend für die Zubereitung delikater Süppchen verwenden ließ. Hinweise für den Verzehr von Papageienfleisch finden wir auch an anderer Stelle.

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Alexandersittich, Originalscan aus:
Conrad Gesner (Zürich):"Geschichte der Tiere, Drittes Buch, Über die Vögel" Zürich: Froschover 1554(Calvörsche Bibliothek Clausthal [H 1:2]).
Die Einleitung lautet ungefähr:" Der Psitacus ist ein Vogel, der mit menschlicher Stimme redet. Er kommt aus Indien und wird Sitacus genannt, grün am ganzen Körper, sagt Plinius."

In seiner australischen Heimat wird der Wellensittich (Melopsittacus undulatus) in der Sprache der Aborigines zum Glossar"Betcherrygah" genannt, was soviel wie "Gutes Essen" bedeutet. Aus diesem Wort wurde später die englische Bezeichnung "Budgerigar", bzw. dessen Kurzform "Budgie" abgeleitet. Auch in den alten Religionen, Mythen und Märchenerzählungen spielten Papageien des öfteren eine Rolle. Sie galten als Wächter der Liebe, Träger menschlicher Seelen und mitunter als heilige Vögel, deren Leben es zu schützen galt. Bei den Wohlhabenden der alten Römer schließlich, dienten die Papageien als Statussymbol; ein Luxusobjekt, das auf der Schulter umhergetragen wurde und Beweis für den Wohlstand seines Halters sein sollte. Für die Erstellung von Sitzstangen, Fußketten und Käfigen wurden die edelsten Materialien verwand.

Als im 16. und 17. Jahrhundert die Entdeckung der neuen Welten begann, war endgültig der Grundstein für die Einfuhr von Papageien nach Europa gelegt. Es wurde begonnen sie zu erforschen und zu katalogisieren. Immer mehr und immer neue Exemplare wurden von den Reisen mitgebracht. Die Nachfrage wurde im Laufe der Jahrhunderte immer größer und bald hatte er sich als beliebtes Haustier etabliert.

Ein jähes Ende dieser Importe fand im Jahre 1934 -zumindest für die deutschen Papageienliebhaber- statt. 1930 trat eine bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte und lebensgefährliche Krankheit auf, die Papageienkrankheit zum Glossar oder Psittakose zum Glossar. Der Ausbruch dieser damals auch als Papageienseuche bezeichneten Krankheit war Anlaß für ein striktes Einfuhrverbot für Psittaciden, das erst im Jahre 1964 wieder aufgehoben wurde. Unter Beachtung der sogenannten Psittakoseverordnung zum Glossar entstand ein bisher nie dagewesener, intensiver Import von Papageien, der sich in Kürze zu einem Millionengeschäft entwickeln sollte. Unzählige Vögel fanden ihren Weg nach Deutschland und das restliche Europa, ohne Rücksicht auf den Bestand der Arten in ihren Heimatländern. Erste Bedenken, die von Naturschützern und Forschern geäußert wurden, verhallten ungehört. Erst im Jahre 1973 entschlossen sich einige Staaten dazu, den Handel wildlebender Arten gesetzlich zu regeln. Es entstand das Washingtoner Artenschutzabkommen, CITES zum Glossar.

Über die Wirksamkeit dieses Abkommens sind sich die Experten bis zum heutigen Tage unschlüssig. Nach wie vor boomt der illegale Schwarzmarkthandel mit aus der Wildnis gefangenen Papageien. Wir als Halter sollten uns deshalb beim Kauf eines Vogels verpflichtet fühlen darauf zu achten, daß es sich nicht um einen importierten Wildfang, sondern um ein in unserem Land nachgezüchtetes Tier handelt. Somit tragen wir maßgeblich zum Schutz dieser wunderbaren Geschöpfe bei.

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Umsetzung
© Stefan Seifert für die Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk 08/'99

Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
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