Für Elke Kapp
Ein Halsbandsittich und die Dame mit dem Einhorn (um 1480-1500)

Auf einem Wandteppich, der zu dem berühmten Gobelinensemble "Dame mit dem Einhorn", gehört ist ein Papagei Hand der Dame dargestellt. Die sechs Teppiche sind je einem der fünf Sinne des Menschen und "a mon seul desir" zugeordnet. Die auf diesen Teppichen dargestellte Welt ist nicht an Zentralperspektive orientiert, sondern aus einzelnen Figuren (Tieren, Pflanzen ...) zusammengestellt, die eine symbolische Bedeutung haben. Das Einhorn ist ein Symbol der Reinheit. Es wurde es hinsichtlich seiner Kraft auf Christus bezogen. Durch seine Eigenschaft, seinen Kopf in den Schoß einer Jungfrau zu legen und sich dadurch zähmen zu lassen, wurde es zum Symbol der Keuschheit Marias. Vergleicht man wie dieses Sutherland Lyall, getan hat, die Bedeutung der Frau so schwankt deren Bedeutung zwischen Mutter, Mätresse und Jungfrau. Auf der den Geschmackssinn darstellenden Tapisserie, trägt die Dame einen männlichen Halsbandsittich auf ihrer linken Hand. Vieles erinnert an diesem Motiv an die mittelalterlichen Altarbilder, die auch mehrfach Maria mit einem Halsbandsittich - der dort ebenfalls Reinheit und der unbefleckten Empfängnis symbolisiert - darstellen.

Wandteppich: Dame mit dem Einhorn, Geschmackssinn
 
Wandteppich: Dame mit dem Einhorn, Geschmackssinn

Eine Frau in nahezu identischer Pose mit einem Papagei auf der Hand zeigt auch ein im Wormser Dom hängender Wandteppich, bei dem vermutet wird, dass er eine Kopie eines gotischen Wandbehangs ist.

Die Teppiche "Die Dame mit dem Einhorn" finden sich heute im Musee de Cluny in Paris.

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© Text und HTML Detlev Franz
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
 © 11/2001