Ein trauriges Kapitel Papageienkunde
Der Dünnschanabelnestor Nestor productus

Über den taxonomischen Stellenwert des Dünnschnabelnestor existieren in der Literatur zwei Auffassungen. Einige Autoren rechnen ihn als Unterart dem Kaka Nestor meridionalis zu, dann lautet seine Bezeichnung Dünnschnabelnestor Nestor meridionalis productus , die meisten Autoren halten ihn für eine eigene Art mit der Bezeichnung Nestor productus . Peterson, Arndt und Robillier wertet ihn als eingene Art. Die Gattung Nestor, die auch den Kaka und den Kea umfaßt wurde 1830 Rene Primevere Lesson benannt. Der bekannte Ornithologe John Gould beschrieb wenig später im Jahr 1836 den Dünnschnabelnestor.
Das letzte Tier der Art starb 1851 in einem ein Londoner Käfig, nachdem die Art im Freiland schon vorher erloschen ist. Auch die deutschsprachigen Bezeichnungen varieren etwas, Luther verwendet Dünnschnabelnestor, Arndt und Robillier Norfolk Kaka.

 Dünnschnabelnestor
Kopfportrais, Fotomontage

Dünnschnabelnestoren waren ca. 41 cm lang. Das Gefieder olivbraun, Kopf und Hals graubraun, Kinn, Wangen und Zügel gelb bis orange. Der Hinterhals grünorange. Dunkelrot waren Unterrücken, Bürzel und Unterschwanzdecken. Die Flügeldecken grünlich. Unterbrust gelb Bauch und Schenkel orangerot. Besonders auffällig ist der lange dünne Schnabel. Über die Augenfarbe habe ich keine Angaben gefunden, oben habe ich daher schwarz und ein unauffälliges braun gewählt.

Dünnschnabelnestor

Ihr Vorkommen war lokal vermutlich nur auf das Bergland der nur 35 qkm großen Norfolk Insel und Philip Insel nördlich von Neuseeland begrenzt, auf der Philip Insel soll sich der Dünnschnabelnestor länger gehalten haben. Ob er auch auf den Lord-Howe-Inseln lebte ist fraglich. Über das Verhalten und die Lebensweise der Vögel ist praktisch nichts bekannt, Ähnlichkeiten mit dem Kaka werden vermutet. Die Tiere sollen wenig scheu gewesen sein. Vermutlich nistete der Papagei in Baumhöhlen und legte 4 Eier. Die Nahrung dürfte aus Früchten, Wurzeln, Insekten und Insektenlarven bestanden haben, andere Quellen weisen auch auf Blüten hin. Als Grund für das Aussterben wird angenommen, dass die europäischen Siedler zuviele Tiere einfach gegessen haben.

 Verbreitungskarte

Nur noch 15 bekannte Präparate zeugen von dieser schönen Papageienart. Das Senckenbergmuseum in Frankfurt besitzt in seiner Sammlung einen Balg den ich fotografieren durfte. Es handelt sich um ein Tier von der Philip Insel, das 1836 dem Museum ohne weitere Angaben von Dr. E. Rüppell geschenkt wurde. Solche Exemplare sind große Kostbarkeiten und müssen entsprechend behandelt werden. Daher habe ich nur eine Gesamtübersicht des auf dem Rücken liegenden Tieres und Detailaufnahmen des Kopfes, Schnabels, der Füße und des Etikettes, da ich ein Berühren oder Bewegen des Tieres vermeiden musste.

Dünnschnabelnestor Dünnschnabelnestor
Füße und Orginaletikett

Quellen und Links

Arndt, T.: Nestor productus im LEXICON OF PARROTS.
Pfeffer, H.J.: Die Nestorpapageien
Luther, D. (1995): Die ausgestorbenen Vögel der Welt. Magdeburg 4. unveränderte Auflage der 3. Auflage von 1986
Peterson, A. P.(2002): "Zoonomen Nomenclatural data"
Rieser, M.: Extinct Birds of the World
Robillier, F. (1997): Norfolk-Kaka. In: Papageien. Handbuch der Vogelpflege Bd. 2 S.36.

Weitere Bilder im Web

Zeichnung mit Vergleich zwischen Kaka und Dünnschnabelnestor (CITES-Instruktion für den grenztierärztlichen Dienst ...)
Foto eines montierten Präparates (Text ungarisch)

 Zur Homepage:
D. Franz
Arbeitsgemeinschaft Papageien- Netzwerk
 © Oktober 2002