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Veterinärmedizinische Rückschau des Eulenpapageien-Betreuungs-Programms

von Andrew Greenwood
aus dem Englischen übertragen von Franziska Vogel

Nach l8 Monaten Diskussion und Schwierigkeiten wegen der Finanzierung kam endlich im April 1997 die Einladung, Neuseeland zu besuchen. Don Merton und seine Kollegen, also das Eulenpapageien- Management-Team des Ministeriums für Tierschutz von Neuseeland (DoC), baten mich zwei Wochen mit ihnen zu verbringen um alle veterinärmedizinischen- und Pflege-Aspekte ihres Programms zu beurteilen.

Unnötig zu sagen, daß man mich nicht zweimal bitten mußte, und ca. Mitte April war ich unterwegs. Das Timing erwies sich als perfekt. Wir haben viel über den Eulenpapagei /Kakapo (Strigops habroptilus) und seine mißliche Lage in den letzten Ausgaben der "PsittaScene" zum Glossargelesen.


"Zephyr" das Kakapoweibchen mit ihrem 40 Tage alten Jungen
(1,24 kg) "Tiwai" auf Insel Codfish - Photo: Don Merton
Es genügt zu sagen, daß die Population bis zum April 1997 50 Vögel betrug; mit einem hohen Übergewicht an Männchen, und alle Vögel waren in Halbgefangenschaft auf kleinen der Küste vorgelagerten Inseln "ausgesetzt", wo sie sich unter zunehmend intensiver Betreuung befanden. Ein einziges in Gefangenschaft handaufgezogenes Weibchen "Hoki" resultierte aus der letzten erfolgreichen Brut, die 1992 stattfand. Die Spezies ist in der Wildnis offiziell ausgestorben.

Nach Neuseeland zu gelangen ist kein Spaß. Der schnellste Flug ist mit der Air New Zealand via Los Angeles, und sogar dieser benötigt lähmende 24 Stunden, wobei man frühmorgens ankommt. Dies erlaubte mir einen Inlandflug über die volle Länge des Landes nach Invercargill an der südlichsten Spitze und dem der Insel "Codfish" (Kabeljau) am nächsten gelegenen Flughafen zu erwischen. Dort lebt der Großteil der überlebenden Eulenpapageien, und sind die Betreuungsbemühungen vorläufig am größten. Am Invercargill Flughafen, der ein bißchen wie Stornoway oder Bangor ist, traf ich Bill Moffat, der mich in seinem kleinen Flugzeug zur Insel hinüber fliegen sollte. Es würde eine Verspätung bis zum späten Nachmittag geben wegen der Gezeiten, sagte Bill irgendwie rätselhaft. Ich nahm dies nicht voll wahr und brach in die kleine Stadt auf um das Southland Museum zu besuchen, wo ich einiges über das Leben auf der Südinsel erfuhr und dessen faszinierende und einzigartige Ausstellung über die Zucht von Tuatara (Sphenodon punctatus) ansah.

Invercargill ist im April eine kalte, feuchte, kleine Stadt, die sich leicht in den Hybriden befinden könnte.Zurück nachmittags am Flughafen verlud mich Bill in ein kleines einmotoriges Flugzeug zusammen mit Treibstofftanks und anderen Vorräten, und mit einem gewaltigen Gebrüll eines sehr starken Motors hoben wir direkt über den südlichen Ozean ab, offenbar mit Kurs auf die Antarktis. Die nächsten 45 Minuten fühlte ich mich extrem ungemütlich bis der beruhigende Umriß der Insel Stewart vor uns erschien, aber wir passierten sie zu unserer Linken und peilten eine viel kleinere Insel an: Codfish. (Ich hatte keine Zeit gehabt meine Geographiehausaufgaben vor dem Start zu machen.) Das offensichtliche Merkmal von Codfish sind seine Buckelform und Hügel; unmöglich konnte sich eine Landepiste verbergen, worauf ich die Bedeutung der Gezeiten verstand – wir würden auf einem Strand landen! Ein schneller Vorbeiflug um sicher zu gehen, daß alles klar war, und Bill zog das Flugzeug flink herum, ließ es, wie es schien, nur Zentimeter entfernt von einigen hervorragenden Felsen fallen und machte eine perfekte Landung gerade an der Wassergrenze. Ich war endlich am anderen Ende der Welt angekommen.


Andrew Heaphy bei seinem
Nestbeobachtungsposten

Andrew Greenwood & Co. an Bord
von Trevor Geens Helikopter

Eulenpapageien-Betreuungs-Team
(v.l.n.r.): Graeme Elliot (Wissenschaftler),
Don Merton (dienstältester, technischer Leiter),
Paul Jansen (Leiter) und Daryl Eason
Zur Abholung erwarteten mich Don Merton, legendärer Retter des Schwarzkehlchens und der führende Eulenpapageiexperte, Grant Harper und seine Kollegin Ros Cole, die die Insel betreuen, und eine Auswahl der Belegschaft des DoC und Freiwilliger, die mit den Vögeln arbeiteten. Sie alle packten meine Taschen und die restlichen Vorräte und führten mich durch die Sanddünen zu einem extrem gut eingerichteten Holzhaus, welches die Basisstation der Insel war. So wie es auf allen raubtierfreien Inseln Neuseelands die Regel ist, konnte nichts geöffnet werden bis alle Taschen in einem abgedichteten Raum plaziert waren, dann wurde alles gründlich nach nagenden blinden Passagieren abgesucht. Dann hieß es eine Schlafstelle zu finden und zu versuchen sich an alle Namen zu erinnern, das Inselreglement zu lesen und zu unterschreiben (z.B.: Vermeide die Nistgebiete sehr seltener Sturmvögel zu betreten) und sich zu einer von scheinbar endlosen Tassen Tee hinzusetzen. Ich fand heraus, daß das DoC von Tee lebt, und ich fühlte mich ein wenig als Fremder indem ich immer versuchte Kaffee zu trinken.

Trotz der Entferntheit der Insel und den Schwierigkeiten sie mit Vorräten versorgt zu halten, war die Basisstation sehr komfortabel und gut ausgerüstet, obwohl Grant bei so vielen Leuten die Hilfe seiner Mutter heranziehen mußte um für alle zu kochen. Zu Spitzenzeiten arbeiteten l6 Leute bei der Basis, die meisten von ihnen sahen nach den Eulenpapageien, aber ein paar arbeiteten mit den nistenden Sturmvögeln. Die große Nachricht war, daß ich mitten in der ersten Brutsaison der Eulenpapageien seit 1992 auf Codfish angekommen war, und das Team bewachte zwei Nester mit Küken und zog einen geretteten Vogel mit der Hand auf.

Die Kernmitglieder des Eulenpapageien-Betreuungsteams sind vier Personen. Die Auslegung der verschiedenen Rollen, die sie spielen, ist meine eigene, aber grundsätzlich sah ich Don Merton als den Manager für das Freileben, Graeme Elliot als den wissenschaftlichen Vogelkundler und Paul "Scratch" Jansen als den Team-Manager und Elektronik-Zauberer, obwohl jeder von ihnen auch gut die Rolle des anderen ausfüllen konnte. Das 4. Mitglied, Daryl Eason, hatte ich kennengelernt, bevor er nach England kam um Handaufzuchttechniken an der Basis des WPT, dem Paradise Park bei Shirley Lawton zu studieren. Daryl's entscheidender und wenig beneidenswerter Job war es, gerettete Küken mit der Hand aufzuziehen.Während meines Aufenthaltes kam zeitweise das ganze Team über die Insel, um eine Rolle bei der Arbeit zu spielen. Andere Belegschaftsmitglieder des DoC kamen von überall her, um für kürzere Perioden auszuhelfen, und jedes von ihnen hatte faszinierende Geschichten seiner Arbeit über den ganzen südlichen Ozean, von den Pazifischen Inseln zur Subantarktis, vom Neuseeland-Regenpfeiffer bis zum richtigen Wal zu erzählen.

Ich erhielt regelmäßig genaue Anweisungen von Don per Fax und Telefon bezüglich dem Fortschreiten der Brutsaison. Von neun der zehn Weibchen glaubte man, daß sie sich gepaart hatten, 6 hatten bereits gelegt. Von 7 befruchteten Eiern waren 5 geschlüpft, 2 Versuche waren gemacht worden die Eier zu entnehmen. Es blieben 4 überlebende Küken, aber eines war bei einem Weibchen, das nicht zugefüttert wurde und nicht imstande war es aufzuziehen. Das Küken wurde mit l2 Tagen entnommen, von Daryl bis zum 2l. Tag handaufgezogen, dann einem gefütterten Weibchen untergeschoben, das noch auf einem unbefruchteten Gelege saß. Es wurde anscheinend gut angenommen. Die drei anderen Küken waren in zwei anderen Nestern mit gefütterten Weibchen. Don brachte mich dann auf den aktuellen Stand. Das untergeschobene Küken, nun "Gromet" genannt, mußte wegen nicht entsprechender Gewichtszunahme nochmals gerettet, werden. So kam es zurück in Daryl's Pflege. Bei den zwei Küken in einem Nest gab es wegen der Atmung des einen Vogels Besorgnis, obwohl er gut wuchs, die anderen schienen wohlauf.

Die Eulenpapageienbetreuung fällt in zwei Teile. Im Winter, und in den Jahreszeiten, wenn nicht gebrütet wird, erhält der Großteil der Vögel Zufütterung. Jeder Vogel trägt einen Radiosender an einem Geschirr, so daß er einfach lokalisiert werden kann, und die Sender haben Alarmsignale, die anzeigen, wenn ein Vogel sich zu lange nicht bewegt.

Eulenpapageien werden an Futterstationen gefüttert, die speziell entworfene Futterbehälter haben, die Ratten und andere Vögel ausschließen. Um die Futterbehälter zu erreichen müssen sie auf eine Waage steigen, die ihr Gewicht aufnimmt und es auf einen Datenspeicher, der nebenan vergraben ist, umladet.


Andrew Greenwood vom World Parrot Trust, UK,
mit dem verletzten Kakapo "Ken" - Photo: Don Merton
Die Fütterung wird meistens von Freiwilligen auf Besuch zusammen mit den ständig anwesenden Inselbetreuern getätigt. Das Futter wird in einer für diesen Zweck gebauten Küche zubereitet, und alle Futterzutaten werden vor und nach der Fütterung gewogen, um Futteraufnahme und Vorlieben der Vögel zu bestimmen. Zu den Fütterungszeiten wird die Information der Datenspeicher gesammelt und zur Basis zurückgebracht. Die Aktivität der Vögel und ihre Bewegungen werden verfolgt indem ihre Positionen mit Radioempfängern gepeilt wird.

Wenn eine Brutsaison beginnt, nimmt die Aktivität dramatisch zu, sowohl bei den Vögeln wie den Biologen. Eulenpapageien sind nachtaktiv, und die Biologen müssen ebenfalls nachtaktiv werden. Die Vögel brüten nach einem bestimmten System: Die Männchen geben tief tönende Laute von sich ("boomen") von angelegten Balzplätzen aus, und die Weibchen begeben sich zu ihnen für die Paarung. Bald danach zeigen lange Perioden von Immobilität der Weibchen mögliches Nisten an, und jedes Nest wird lokalisiert und ein Beobachtungsposten errichtet.

Das Nestmanagement von Kakapos ist die erstaunlichste Tätigkeit, die ich je gesehen habe. Die Biologen praktizieren eine Mischung von Personenschutz-Kommando und Einheit für Frühgeburten. Ein Lager wird 50m vom Nest errichtet, welches sich üblicherweise in einem Loch unter einem umgestürzten Baum befindet und dessen Standort mit einem Sender markiert worden ist. Während das Verhalten des Weibchens konstant mit Radiosender überwacht wird, wird ein Gitter zur Fernhaltung von Raubtieren mit Rattenfallen und ausgelegten vergifteten Ködern im Umkreis von l00m plaziert. Zum Glück ist das einzige Raubtier auf Codfish die Pazifische Ratte "Kiore" (Rattus exulans), die klein aber trotzdem imstande ist Eier oder Junge zu rauben. Ein Videokamera-System auf Infrarotlicht-Basis ist im Nest eingerichtet, von dem die Kabel ins Lager zu einem Zeitraffer-Aufnahmegerät führen. Die Nester werden von der Abend- bis zur Morgendämmerung beobachtet, also wenn die Weibchen auf Nahrungssuche gehen. Wenn die Nestwächter also ankommen, schalten sie im Zelt den Bildschirm an um das Nest zu überprüfen.

Wenn das Weibchen zur Futtersuche aufbricht löst ein Peilstrahl einen Klingelalarm im Zelt aus. Der Bildschirm wird angeschaltet und ein Wächter schaut nach Ratten aus, während sich der andere zum Nest begibt und es solange bewacht, bis sich die Rückkehr des Weibchens durch den Sender ankündigt. Wenn eine Rattenattacke während der Zeit erfolgt, die der 2. Wächter benötigt um zum Nest zu gelangen, drückt der erste den "Entry" Knopf, der per Fernsteuerung eine kleine Sprengkapsel auf der Kamera auslöst, um die Ratte zu erschrecken! Befindet sich das Weibchen auf dem Nest, können die Wächter ruhen bis sie von der "Türklingel" geweckt werden, wenn sie es erneut verläßt. Das batteriebetriebene Zeitrafferaufnahmegerät läuft ständig, und die Bänder werden zur Basis gebracht für die Auswertung und detaillierte Aufzeichnung. Und dies geschieht Nacht für Nacht die gesamte Nistzeit hindurch. An der Basisstation steht der Nestkontrolleur mit den Wächtern via Radiofunk oder Mobiltelefon die ganze Nacht hindurch in Kontakt, um bei Problemen oder Entscheidungen zu helfen.

Bei meiner ersten Inseltour untertags zeigte mir Graeme Elliot das Layout der Futterplätze und die Balzplätze, wo die Männchen ihre Einladung während der späten Winter- und ersten Frühlingsmonate 'boomen'. Wir hatten auch Gelegenheit in einer kleinen Höhle auf den Felsen schlafende Neuseeland-Pelzrobben (Arctocephalus forsteri) zu sehen.

Zwei Tage später, nachdem sich meine Knie erholt hatten, nahm mich Don für eine Nacht in den Wald mit. Es war eine Nacht zum Kükenwiegen, und so konnten wir direkt zu einem Nest gehen und eines der Küken aufnehmen. Ich habe nie einen erwachsenen freilebenden Eulenpapagei außer auf Video gesehen, aber Don ließ sie über seine Füße laufen, während er im Dunkeln saß. Die Küken werden alle 2 Tage gewogen und vorsichtig untersucht und während der Abwesenheit der Mutter, wenn sie jung sind, warm gehalten mit einer Heizdecke am Ende eines langen Stabs. Einige der Nester können recht feucht se i n, und die sichere Entfernung des Kükens bedarf eines geschickten Umgangs mit Stangen und Taschen.

Sich nachts im Wald nur mit Scheinwerferlicht zu bewegen kann ganz knifflig sein, und man weiß nie was man antreffen wird. Meine einzige Sichtung des seltenen Cook-Sturmvogels (Pterodroma cookii) ereignete sich, als ich über einen stolperte, und es war für mich erstaunlich Gelbaugenpinguine (Megadyptes antipodes), die seltensten Pinguine der Welt, 200m vom Meer entfernt zwischen den Bäumen umhergehen zu sehen wie Pooh der Bär auf Honigsuche. Ich hatte einfach nicht realisiert, daß diese Meeresvögel weit oben auf diesen kleinen Inseln in Höhlen nisten. Eine andere zufällige Rarität und ein freudiges Entzücken war für mich ein alter zahnloser weiblicher,Hookers-Seelöwe (Phocarctos hookeri), der sich auf dem Strand an den meisten Tagen wohlig aalte und einen bis 5m an sich heranließ.

Die allmähliche Entwicklung von Atmungsschmerzen und Keuchen, nur erkennbar durch die scharfe Überwachung, führte zu der Rettung eines 2. Kükens zur Handaufzucht; es wurde "Sirocco" genannt. Daryl mußte seine Aufzuchteinrichtungen mit der Küche teilen, wo das Vogelfutter zubereitet wurde, und die Küken in Brutkästen untergebracht waren, schließlich nahmen wir aber das Schlafzimmer von Ros, nachdem sie in Urlaub gegangen war, in Beschlag, um so die Küken in offenen Eimern in einer stabileren warmen Umgebung pflegen zu können. Eulenpapageienküken sind extrem fett und mit einer dichten Daunenschicht bedeckt und können daher leicht zu heiß werden.
Die Küken wurden mit "Lake's" Kost aufgezogen, die einzige, die erhältlich war. Ich hatte etwas "Kaytee Exact" mitgebracht, aber das Landwirtschaftsministerium erlaubte keine Einfuhr ohne Genehmigung. Lake's schien den Küken ganz gut zu bekommen, und sie wuchsen recht erfolgreich heran und erreichten ein Gewicht von über l kg während ich dort war.

Wir behandelten Siroccos Atemwegsproblem aufgrund von Erfahrungswerten mit Antibiotika und Antipilzmedikamenten, und er (als solcher stellte er sich heraus) sprach gut darauf an. Gromet wurde "Gromette" als es klar wurde, daß sie ein Weibchen war. Beide Küken wurden später von der Insel weggebracht und woanders aufgezogen, leider erlag aber schließlich "Gromette" wahrscheinlich als Folge ihrer Schwierigkeiten am Anfang. Die anderen 2 Küken wurden flügge bei ihren Müttern, aber beide stellten sich als Männchen heraus, womit die Anzahl der Männchen auf gesamthaft 34 anstieg. Sirocco wurde seither auf der Insel ausgewildert.

Ein anderer Vogel, der Behandlung benötigte, war der ausgewachsene "Ken", der längere Zeit schon an einer unverheilten Wunde, verursacht von dem Sendergeschirr, gelitten hatte. Ken war 3 Monate in einem eingehegten Gebiet auf Codfish und machte sich gut, und ich war schon früher von Graeme wegen ihm telefonisch konsultiert worden, die längste Konsultation auf Distanz, die es je in dieser Praxis gegeben hatte. Die Belegschaft war inzwischen sehr geschickt beim Reinigen seiner Wunde und dem Verbandwechseln, was er mit einer bei Papageien unüblichen Gelassenheit über sich ergehen ließ, aber es blieb noch viel Arbeit zu tun. Nun endlich, fast ein Jahr später, ist er ausgeheilt und sollte bald bereit zur Auswilderung sein.

Als meine Abreise von Codfish fällig war, war das Wetter sogar für Bill Moffat zu schlecht, um eine Landung zu wagen. Das Team bestellte einen Helikopter, womit der finanzielle Aufwand dieses Programms angedeutet werden soll, um mich und einen der Sturmvogel Biologen zurück nach Invercargill zu bringen. Der Tiefflug über das Meer bot einen großartigen Blick von Tausenden von Sturmvögeln, Albatrossen u.a., die auf den südlichen Ozeanen heimisch sind und den Fischerbooten folgen. Von Invercargill reiste ich zurück nach Nelson, um Graeme Elliot zu treffen. Graeme und ich fuhren dann an die Küste, wo wir mit Gideon Climo, den Eulenpapageien-Wächter von der Insel Maud zusammentrafen. Gideon schiffte uns durch die Fjorde zu der Insel, wo wir übernachteten und Gelegenheit hatten die Eulenpapageibetreuung auf einer völlig andersartigen Insel zu sehen.

Wir verbrachten auch Zeit mit "Hoki", dem einzigen überlebenden weiblichen Küken seit 198l, das inzwischen fünfjährig und im Auckland-Zoo handaufgezogen worden ist. Hoki lebt in einem eigenen eingezäunten Gehege, kann aber frei durch eine "Katzentüre" kommen und gehen und mit den anderen acht Eulenpapageien auf der Insel verkehren. Hoki ist seither auf der Insel Codfish ausgewildert worden.

Nach zwei Wochen in Neuseeland war es Zeit abzureisen, aber unterwegs war es Graeme und mir möglich eine kurze Diskussion mit Peter Stockdale zu führen, Dekan der veterinärmedizinischen Schule der Nassey Universität und ein starker Unterstützer des Eulenpapageien-Projekts, und es war mir auch möglich einen Tag im Auckland Zoo zu verbringen.


"Hoki" bei der Benutzung der
Katzentüre. - Photo: Gideon Climo

Dies war nicht nur völliger Tourismus, da der Zoo ein Zentrum für gefährdete Tierarten errichtet hat, wo wichtige Arbeit mit Kiwis und anderen neuseeländischen Vögeln gemacht und auch der Kaka (Nestor meridionalis) gezüchtet wird. Die letzten zu rettenden Eulenpapageiküken wurden 1992 in den Auckland Zoo gebracht, und so hatte der Zoo einige wertvolle Erfahrung und setzte sich natürlich für die Übernahme weiterer Verantwortung ein. Dann kam die lange Heimreise und ein langer und umfassender veterinärmedizinischer Bericht, der für das Betreuungsteam geschrieben werden mußte. Meine Anweisung vom Eulenpapageiteam war alle tierärztlichen- und Pflege-Aspekte des Programms zu überprüfen. Ich konnte soweit ausschweifen wie ich wollte, was mich sogar zu Diskussionen darüber führte, welche Sorte allgemeiner tierärztlicher Betreuung auf Neuseeland für das Freiland benötigt würde.

Recht viele meiner Ideen und Vorschläge sind lokal bereits von anderen in Erwägung gezogen worden, und es war befriedigend zu sehen, daß eine beträchtliche Zahl davon sehr schnell angenommen worden ist. Das Beste, was man erhoffen kann, ist in solchen Situationen als Katalysator zu wirken, besonders indem man die gegenseitige Befruchtung von Ideen fördert und technische und persönliche Beziehungen zu anderen ähnlichen Projekten woanders festigt. Neuseelands DoC arbeitet besonders eng mit der Mauritius Wildlife Foundation zusammen, und. jede Saison leisten Neuseeländer Freilandarbeit mit dem Edelsittich. Drei Leute, die ich auf Codfish kennengelernt hatte, arbeiten nun auf Mauritius.

Ich betrachtete alle Aspekte der Betreuung des Eulenpapageis im Freiland und die Risiken, die mit verschiedenen Arten der Einmischung bei den Vögeln verbunden sind, die Bedrohung durch Krankheiten anderer Arten, speziell anderer Vögel, und die Notwendigkeit eines umfassenden Gesundheits-Checks der Spezies. Ich überprüfte auch die Nahrung und Handaufzucht, mit spezieller Berücksichtigung der Sorgen, die außerhalb des Programms über den möglichen Einfluß von Pflanzenhormonen auf das Brutverhalten der Vögel geäußert worden sind. Allgemeiner überprüfte ich den Bedarf an künftiger Forschung, die mögliche Rolle von Gefangenschaftszuchten und die Erfordernisse künftiger tiermedizinischer Unterstützung des Feldarbeitprogramms.

Je mehr man von solchen Projekten sieht, desto mehr realisiert man, daß die Probleme dieselben sind. Die Zufütterung von Vögeln z.B. verursacht unvermeidbare Risiken, obwohl sie entscheidend ist um einigen Arten in marginalen Lebensräumen bei der Aufzucht ihrer Jungen zu helfen, sowohl von der Qualität und Quantität des zur Verfügung gestellten Futters, als auch vom "Vogel-Futterplatz" – Effekt, der dazu tendiert andere Vogelarten im Fütterungsgebiet zu konzentrieren, wie im Falle des Eulenpapageis andere Papageienarten wie den Schwarzstirnsittich (Cyanoramphus novaezelandiae) und den Kaka, die besondere Krankheitsrisiken darstellen können. Die Selektion in gemischter Kost durch die Vögel bedeutet das gleiche Problem wie in der Vogelzucht, und die Entwicklung eines Eulenpapagei-Pellets ist nun in Neuseeland im Gange.

Die Arbeit der freiwilligen Fütterer war gut ausgeführt worden, und der Hygienestandard sehr hoch. Ich konnte kaum Fehler bei der Betreuung von brütenden Eulenpapageien finden, war aber imstande einige Techniken einzuführen, die wir in Mauritius gebraucht haben, einschließlich regelmäßigem Wechsel der Nesteinstreu (Eulenpapageien sind armselig in der Hauswartung) und deren Behandlung mit sicheren Fungiziden und Insektiziden um das Risiko von Aspergillose und Parasiten zu mindern. Sturmvögel sind auch ein Risiko. Sie benützen und dringen manchmal in Eulenpapagei-Höhlen ein und sind, wie alle Meeresvögel, mögliche Träger des Chlamydia- und Influenza Virus.

Viele der vergangenen Mißerfolge im Eulenpapageienprogramm passierten, wie das Team bereitwillig zugab, aufgrund einer auferlegten Politik der "Hände-weg"-Betreuung, die eine Zunahme von Eltern aufgezogener Küken anstrebte ohne diesen Prozeß in irgendeiner Weise zu gefährden. Bemühungen rund um die Welt beginnen zu zeigen, daß dies nicht unbedingt der beste Weg ist, um schnell die absolute Anzahl von Vögeln zu erhöhen, die einzige Sicherheit gegen unerwartete Ereignisse, die zum Aussterben führen. Diese Saison gelang Don und seinem Team endlich der Durchbruch, und Interventionen auf allen Ebenen führten schließlich zu beträchtlichem Erfolg. Notwendigerweise werden Vögel zur Rettung eingefangen, und es war wichtig, daß die Einrichtungen für ihre Versorgung auf dem besten Vogelzüchterstandard waren.

Ich empfahl, daß Eulenpapageien weiterhin nahe ihrem Geburtsort aufgezogen werden sollen. Die Vorteile hierfür sind der einfache Austausch mit dem Freiland,wobei externe Krankheitsrisiken, Transporte und unmittelbares Involviertsein des Aufzuchtteams mit Entscheidungen zur Rettung minimalisiert werden. Der Nachteil besteht hauptsächlich im Mangel von Unterstützungseinrichtungen und den Strapazen für die mit der Handaufzucht betraute Person, daher empfehle ich dafür zwei Personen, und die Verbesserung der Einrichtungen dahin, daß sie einen separaten Brutraum bieten. Nähere Krankheitsüberwachung durch einfache Mikrobiologie vor Ort und eine standardisiertere Berichtführung wären ebenfalls nötig.

Codfish wurde für die zukünftigen Hauptbemühungen zur Eulenpapageienzucht ausgewählt, und man hofft darauf, daß parallel dazu die Einrichtungen verbessert werden können. Der Eulenpapagei ist eine beachtlich krankheitenfreie Spezies gewesen, tatsächlich hat es während 4 Jahren keine Sterblichkeit unter erwachsenen Vögeln gegeben, und eine sehr geringe in den letzten l0 Jahren. Trotzdem, um Krankheitsrisiken festzustellen und für die benötigte Hintergrundsinformation, gegen welche zu reagieren sei, sollte sich ein Problem ergeben, empfehle ich ein viel umfassenderes Testprogramm.

Der Eulenpapagei ist wahrscheinlich die einzige Art in der Welt, bei der jedes einzelne Individuum nicht, nur bekannt und markiert ist sondern auch jährlich einmal angefaßt wird (zum Austausch der Sender). Dies bietet eine einzigartige Gelegenheit, um einen kompletten Gesundheits-Check bei der Spezies vorzunehmen, anstatt nur ein repräsentatives Exemplar zu überwachen. Die Vögel sind auch groß und einfach zu handhaben, was die Entnahme substantieller Blutproben erlaubt. Meine Empfehlungen galten der bestmöglichen Praxis und zweifellos können nicht alle ausgeführt werden, aber ich glaube, daß diese Art von Untersuchung von Priorität für alle gefährdeten Arten ist. Die Tests sollten auch auf freilebende Arten ausgeweitet werden, besonders andere Papageienarten, um zu sehen, welche Risiken in der Umgebung präsent sind. Die große Anzahl an Personen, die sowohl professionell wie freiwillig in einer engen Betreuung der Vögel involviert waren, führte zu einer Empfehlung für erhöhte menschliche Vorsichtsmaßnahmen. Dies bedeutete einfach, daß die Belegschaft sich von Stubenvögeln und Geflügel fernhalten, separate Schutzkleidung auf den Inseln tragen sollte und das Anerkennen, daß Experten auf Besuch (inkl. Tierärzte!) ein Krankheitsrisiko für die Vögel darstellen.

Hauptsorge des Betreuungsteams ist es Wege zu finden für die Ankurbelung der Produktion von Eulenpapageien. Bei der vorläufigen Fortschrittsrate werden wir alle pensioniert sein, bevor der Vogel gerettet ist. Unvermeidlich gab es Fragen zu den Erfolgsraten bei "natürlichen" Zuchtprogrammen und den Manipulationsmöglichkeiten. Die Fruchtbarkeit ist ganz gut (für einen ernsthaft gefährdeten Vogel), die Schlupfrate ist gut, aber zuviele Küken waren eingegangen, und all die Arbeit, die in dieser letzten Saison initiiert worden ist, sollte sich auf die Maximierung des künftigen Überlebens ausrichten. Jedoch bringen es einige Männchen klar nicht fertig Eier zu befruchten, und ihre grundsätzliche Fruchtbarkeit muß untersucht werden. Von einem Männchen wußte man, daß es sich mit dem Pullover eines Forschers paarte, was die Möglichkeit der Sammlung und Auswertung von Samen eröffnet unter Verwendung eines Ersatzes oder einer Attrappe. Künstliche Besamung wurde weitreichend diskutiert, aber ich empfand sie nicht als lebensfähige Option oder gegenwärtig als Priorität. Vermehrte Eierproduktion ist ein anderer Ansatz, aber Eulenpapageien zeigen keine Neigung sich zu reproduzieren, wenn ein Gelege scheitert. Vielleicht könnte die bei dem Königspinguin (Aptenodytes patagonicus) gemachte Arbeit hier von Bedeutung sein. Der langen hartnäckig unproduktiven Periode der Pinguine kann durch den Gebrauch von Medikamenten beigekommen werden, die bei menschlichen Fruchtbarkeitsproblemen Anwendung finden. Andere Hormonmanipulationen könnten die Weibchen dazu veranlassen zu dem Balzplatz für eine weitere Paarung zurückzukehren.

Die Gefangenschaftszucht von Eulenpapageien ist lange ein kontroverses Thema gewesen. Sie haben sich in der Vergangenheit immer als schwierig am Leben zu erhalten erwiesen, und eine Überprüfung des Programms von 1995 resultierte in einer starken Ablehnung dieser Option. Die Rückschau übersah jedoch die unvermeidliche Tatsache, daß die starke Aufmerksamkeit gegenüber den brütenden Vögeln zu Gefangenschaftsvögeln führt, die vorher gerettet worden sind, und der Erfolg, daß Ken und Hoki am Leben erhalten sind, legt nahe, daß dies durchaus möglich ist. Das natürliche Paarungssystem der Eulenpapageien empfand man auch als wenig praktikabel für die Gefangenschaftszucht, aber es gibt eine Anzahl von Arten mit gleichem Paarungssystem, am bemerkenswertesten das Auerhuhn (Tetrao urogallus), die sich bereitwillig fortpflanzen ohne ihr ganzes Balzritual ausführen zu müssen. Jene von uns, die mit Tierarten in Gefangenschaft arbeiten, realisieren schnell, daß Vögel und Säugetiere nur bestimmte Einzelheiten in ihrem Verhaltensrepertoire zu brauchen scheinen, um sich erfolgreich fortzupflanzen, und der Rest ist wirklich "Schaumschlägerei".

Meinem Gefühl nach wäre der beste Weg, den Abhängigkeitszyklus, den der Eulenpapagei mit dem periodischen Früchtetragen von Futterpflanzen (Bäumen) zu haben scheint, was die Häufigkeit von Fortpflanzungsbemühungen schwer einschränkt, zu brechen, es mit einer sehr kleinen Anzahl von Vögeln in Gefangenschaft zu versuchen, indem . jene behalten werden, die in die Gefangenschaft gerettet werden mußten. Solche Vögel würden auch die Gelegenheit zur Erforschung verschiedener noch unverständlicher Aspekte der Biologie des Vogels bieten.Ich bin am meisten davon enttäuscht, daß von allen meinen Empfehlungen ausgerechnet diese nicht angenommen worden ist, da alle Vögel inkl. Hoki nun auf Codfish ausgewildert worden sind. Es gibt jedoch Anzeichen einer neuen möglichen heuer beginnenden Brutsaison, was in der Tat gute Nachrichten wären.

Künftige veterinärmedizinische Unterstützung für das Eulenpapageienprogramm ist wesentlich sowohl für die Überwachung der Vögel und Überprüfung der Gesundheit der Population als auch für den Umgang mit handaufgezogenen und geretteten Vögeln. Meine Empfehlung, die bereits in Erwägung gezogene Pläne unterstützt, war die Anstellung eines Freiland-Pathologisten bei der veterinärmedizinischen Universität, um Krankheitsprobleme im Freiland Neuseelands zu überwachen, und auch eines Freiland-Klinikers, der sich um alle Unternehmungen des DoC kümmern und die Feldarbeit des Programms übernehmen könnte. So war ich hocherfreut kürzlich zu hören, daß mein alter Freund Mayne Boardman, ein britischer Tierarzt, der mit Eulenpapageien im Auckland Zoo und im Zoo von Perth gearbeitet hatte, nach Neuseeland zurückgekehrt ist um einen Freilandposten anzunehmen.

Das Eulenpapageienprogramm ist ein enormes Projekt und verdient sicherlich Erfolg zu haben. Das Vertrauen, daß die neuseeländische Regierung in das Team (und sage und schreibe l Million NZ Dollars im Jahr) setzt ist meiner Ansicht nach völlig gerechtfertigt. Die gegenseitige Befruchtung von Ideen zwischen diesem und anderen ähnlichen Programmen ist lebensnotwendig; all die Bemühungen, um gefährdete Vögel zu retten, laufen auf ähnliche Probleme heraus, und werden scheinbar von immens erfinderischen Wissenschaftlern geleitet. Es ist in der Tat ein Resultat dieser Zusammenarbeit, daß meine veterinärmedizinische Rückschau entstanden ist.

Es bleibt mir nur noch zu danken: allen Mitgliedern des Eulen-Papageienteams für die einzigartige Gelegenheit,sie bei der Arbeit zusammen mit den Eulenpapageien zu sehen, und dem Ministerium für Tierschutz und dessen Sponsor Comalco für die Finanzierung der Reise, und dem ganzen Projekt den größten Erfolg für die Zukunft zu wünschen.

Der Eulenpapagei ist in sehr guten Händen.


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