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Die Papageien im Falkenbuch Kaiser Friedrichs II (ca. 1240)
Das Falkenbuch und sein Autor


Der römische Kaisers Friedrich II. (seit 1220) (* Iesi 1194, † Fiorentino bei Lucera 1250) hat mit seinem umfangreichen Lehrbuch "De arte venandi cum avibus" (lat.- Über die Kunst mit Vögeln zu jagen) das erste wissenschaftliche Werk der Ornithologie um 1240 vollendet. Das Buch ist nicht nur ein hervorragendes Lehrbuch über die Greifvogelhaltung und Beizjagd, es enthält auch Darlegungen zur Anatomie, Nahrung, Gewohnheiten, Wanderungen, Flug u.ä. verschiedenster Vogelarten. Die Illustrationen zeigen über 80 identifizierbare Spezies, die dem Anspruch des Autors folgend nach der Natur beobachtet und dargestellt wurden - und damit einen bedeutenden Qualitätssprung in der Buchillustration darstellen.

Sein Vorgehen, das Haltungserfahrungen, Beobachtungen und Experimente einschließt und so vor der Tradierung von Irrtümern und Fabeln schützt - obwohl viel des seit der Antike besonders von Arabern bewahrten und erworbenen Wissens einfließt -, lässt Text und Illustrationen heute noch ungewohnt modern erscheinen.

Die Papageien

Ganz erstaunlich ist, dass im Buch 5 Miniaturen Papageienvögel zeigen. Ein Halsbandsittich und gleich 4 Kakadus werden nicht als schmückendes Beiwerk, sondern als Illustrationen im engen Sinne verwendet, sie erläutern im Text gemachte Aussagen. Alle Abbildungen sind in der Einführung zu finden, und stehen im Zusammenhang einer vergleichenden Biologie der Vögel: Die Federhaube des Kakadus wird mit den Federhauben von Haubenlerche und Wiedehopf verglichen (fol. 18 v), bei der Vorstellung der unterschiedlichen Schnabelformen und der damit zusammenhängenden unterschiedlichen Nahrungsgewohnheiten, wird der Kakadu als Körnerfresser dargestellt (fol. 20r und fol. 20v) und beim Vergleich von Fußformen findet sich die Zeichnung eines Spechtes neben dem Bild eines Kakadus (fol. 26 v).

 
Zwei der vier Kakaduabbildungen, rechtes Bild mit Zeichnung eines Spechtes

Sehen wir uns die Vögel genauer an: bei allen Miniaturen sitzt der Kakadu auf dem Boden und blickt nach links, er besitzt ein weißes, in Teilen gelbliches Gefieder. Dargestellt ist offensichtlich immer der gleiche Vogel bzw. Vögel der gleichen Art. Als Vorlage für die Abbildung kommen nur Arten/Unterarten aus der Gattung Cacatua in Frage, die eine gelbe Haube besitzen:


Halsbandsittich.

Die Abbildung des Halsbandsittichs dient einem anderen Zweck. Bei der Darstellung des Gesangs unterschiedlicher Vögel, kommt der Autor zu einer Gruppierung der Vögel nach der Beweglichkeit und Größe der Zunge. Fleischige Zungen wie sie der Sittich[1], Rabe oder Elster besitzen, seien für die Sprachimitation der Vögel verantwortlich (fol. 29v [2]).

Man beachte den fehlenden Halsring! Praktisch alle mittelalterlichen Abbildungen von Halsbandsittichen stellen die mit einem Halsring gekennzeichneten Männchen dar.

Doch wie kam Friedrich II an die Papageien, deren Verbreitungsgebiet er niemals betreten hat? An seinem Hof gab es umfangreiche Tierhaltungen. Diese Vögel waren Bewohner der Menangerien, die er in Italien (in Lucera und Foggia) anlegen ließ. Um 1240 erhielt er von einem befreundeten Sultan einen lebenden weißen Kakadu, der vermutlich aus dem Malaiischen Archipel stammte (Strunden S.20). Auch der Halsbandsittich dürfte über arabische Zwischenhändler aus Indien zu ihm gelangt sein. Für den Seeweg zu den asiatischen Herkunftsländern besaßen Araber noch bis in die Zeit von Kolumbus ein Handelsmonopol. Aus Arabien gelangten auch wichtige wissenschaftliche Schriften nach Europa. So übersetzte Friedrichs II Hofastrologe, Michael Scutus (+ um 1235) in Palermo die zoologischen Schriften von Aristoteles aus dem Arabischen zurück in das Lateinische (eine Übersetzung aus der griechischen Orginalsprache des Werkes ließ noch lange auf sich warten - die erste gedruckte Übersetzung durch Theodorus Gaza erschien 1476 in Venedig).

Die Geschichte des Handschrift
Leider ist die luxuriös ausgestattete Originalschrift dieses Werkes schon zu Lebzeiten von Friedrich II verschollen. Am 18.2.1248 wurde u.a. die Schrift bei seiner einzigen militärischen Niederlage geraubt, wovon er erst später erfuhr, da er mit der Beizjagd beschäftigt war. Dass wir uns heute trotzdem ein Bild dieses für das Mittelalter wohl einmaligen Werks machen können, ist Friedrichs Sohn Manfred zu verdanken, der aus den Konzepten und Manuskripten seines Vaters (die er an den Lücken ergänzte) und vermutlich mit dem selben Illustrator eine Zweitschrift des Werkes erstellen ließ. Sie wurde frühestens im August 1258 fertiggestellt und liegt heute im Archiv des Vatikan. Trotz ihrer Qualität erlangte die Manfred-Handschrift nur indirekt eine Verbreitung, der französische Adlige Jean II Dampierre ließ eine Übersetzung ins Altfranzösische anfertigen, die mit Kopien der Illustrationen versehen wurden. Diese Schrift wurde wiederum mehrfach kopiert. Die Manfred-Handschrift selbst tauchte erst 1594 wieder im Besitz von Joachim II. Camerarius, einem Nürnberger Arzt und Naturforscher auf, der sie dem Augsburger Patrizier, Humanisten und Verleger Markus Welser als Druckvorlage auslieh und nach der ersten 1596 in Augsburg erschienenen Druckfassung zurückerhielt.
Quellennachweis
Friedrich II: De arte venandi cum avibus. (Das Falkenbuch Friedrich II, Harenberg bibliophile Taschenbücher Nr 152)
Jahn, I. (1990): Grundzüge der Biologiegeschichte. Jena
Strunden, H. (1984): Papageien einst und jetzt. Walsrode
Anmerkungen:
[1] In der von mir benutzten Ausgabe wird in der Zusammenfassung des lateinischen Textes von "Papageien" gesprochen. Dies kann historisch nicht stimmen, da das Wort Papageien um 1250 noch nicht bekannt war.
[2] Hier findet sich im Register der Vogelnamen der Satzfehler "fol. 19v".
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