Jubileumsausgabe: der 27.2.1997 ist mein erste dokumentiereter Papageienbeobachtungstag
Halsbandsittiche als Fassadenbrüter in an einem Heidelberger Altenheim

Im September 2001 erreichte die APN eine eMail mit der Bitte um Hilfe:

"Unser Problem: in die Wärmedämmung von Gebäuden lassen sich HERVORRAGEND Nisthöhlen bauen und Spaß macht es obendrein. Extremfall ist die vor einigen Jahren gedämmte Fassade eines Altenheimes in Heidelberg Neuenheim - 20 (!) "Höhlen" sind dort zu finden. Es entstehen dadurch leider immense Schäden an vielen Gebäuden, da bei Regen Wasser zwischen Dämmung und Fassade kommt."

Solche Schäden an Gebäuden und sogar an Raumfahrzeugen (Hitzeschutzkachel des Spaceshuttel) sind zwar öfter beschrieben worden, die Verursacher waren aber immer Spechte. Schäden durch Halsbandsittiche an Fassaden waren bis zu dieser Meldung in Europa gänzlich unbekannt. In keiner Publikation gibt es einen Hinweis auf die ungewöhnliche Form des Brutverhaltens, in Ausnahmefällen werden Nistkästen (ein Brutstandort in Bonn, wenige Beobachtungen von der zur Wiesbadener Population gehörenden Rettbergsau ) genutzt aber Bruten in einer nackten Fassade, das zeigen noch nicht einmal Bilder aus Indien. Dort werden zwar Tempelanlagen aus weichem Gestein genutzt aber die Halsbandsittiche scheinen bereits durch Bildhauerarbeit entstandene Nischen zu verwenden. Offensichtlich gab es also in Heidelberg etwas besonderes zu sehen.

Altenheim Fassade und Lage

Am 29.1.2002 konnten Tobias Krause und ich die Situation vor Ort ansehen Frau Romero von der Stadt Heidelberg und Leiter des Altenheimes begleiteten uns dabei. In der Tat besitzt die Fassade des Altersheims mehre von Halsbandsittichen genutzte Höhlen. Dieser für uns erfreuliche Anblick bedeutet aber einen Schaden für das Heim und ist eine potenzielle Gefahr, für das aus Gründen des Umweltschutzes begrüßenswerte Wärmedämmprogramm der Stadt Heidelberg.

Schäden an vielen Gebäuden wie in der Mail beschrieben konnten wir nicht ausmachen. Betroffen war einzig und allein die Fassade des Altenheims und diese auch nicht vollständig, sondern nur in bestimmten Teilen. 6 Paare konnten wir an Höhlen zählen.

Fassadenbrüter Fassadenbrüter

Was macht aber den Unterschied zwischen den Gebäudeteilen mit und ohne Bruthöhlen aus? Zunächst einmal finden sich Bruthöhlen nur in Abschnitten mit Wärmedämmung. Nur in diesen Teilen sind die Vögel in der Lage Bruthöhlen zu graben. Wir konnten sie dabei beobachten, wie sie Styroporkügelchen aus dem Höhleneingang warfen, also ihre Höhle erweiterten. Aber es ist noch etwas anders: Die wärmegedämmten Fassadenteile sind mit einem extrem rauen Putz versehen, der aus groben Körnern besteht. An dieser Wand finden fast sogar menschliche Hände halt, für Papageien mit ihren Kletterfüßen sind sie bestens zum Sitzen geeignet. Wir vermuten, dass alle Papageien, die in solchen Höhlen erbrütet werden, selber wieder versuchen solche Höhlen anzulegen. Das Zuspachteln der Höhlen regt also nur zu weiterem Graben an.

Die Anlage dieser Höhlen dürfte nicht an einem zu geringen Angebot an Naturhöhlen oder durch Halsbandsittiche ausbaubare Höhlen in der näheren Umgebung liegen. Viel eher ist zu vermuten, dass diese Form Vorteile gegenüber Baumbruten bietet: die Höhlen sind einfach und schnell anzulegen. Vielleicht hat ein Specht die Halsbandsittiche auf die Idee gebracht.

Will man die Papageien zukünftig also davon abhalten, bleibt nur entweder die Wärmedämmung zu panzern oder das sitzen an der Fassade mittels einem glatten Putzes unmöglich zu machen. Das Papageien durchaus auch Eisendraht beseitigen können zeigt nebenstehendes Foto aus dem unweit von Heidelberg gelegenen Nekarhausen. Die Bruthöhle wurde von Halsbandsittichen einfach weiterverwendet. Die Panzerung dürfte aus Kostengründen ausfallen.

 Draht hilft nicht

Unterstützung einer Diplomarbeit
Drei Links Webseiten über Spechtschäden
http://www.birdnet.de/spechte.htm#handwerker
http://www.uvm.baden-wuerttemberg.de/nafaweb/berichte/pabl_03/pabl306.htm
http://www.birdlife.ch/download-files/merkblaetter/specht.pdf

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