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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.3 (November 2003)
Zur Übersichtskarte Europa
 

Österreich (Austria)

Im Augenblick kommen bei mir sich wiedersprechende Nachrichten über die österreichischen Halsbandsittiche an. Der Club 300 rechnet Halsbandsittiche unter die erloschenen eingebürgerten, längerfristig nicht sich selbst erhaltenden Vogelarten. Und fasst sein Wissen so zusammen:

    "Von Anfang der 1970er Jahre bis in die 1990er Jahre ein kleiner Bestand (bis zu 12 Vögel, in den 1980er Jahren 1-2 Brutpaare) im Wiener Türkenschanzpark. Seit den späten 1990er Jahren dort nur mehr einzelne Weibchen. Im Hofgarten Innsbruck seit 1978 vorkommend, mit bis zu 50 Vögeln. Auch dieser Bestand ist mittlerweile zusammen gebrochen (2003 offenbar nur mehr 1 Vogel). Zur Zeit eine kleine Gruppe in Wien im Raum Freudenau-Lobau, über deren Aktionsraum und eventuelle Bruten aber noch kaum etwas bekannt ist. Andernorts immer wieder einzelne Gefangenschaftsflüchtlinge." (Quelle) Auch birdlife.at vermeldet den Zusammenbruch der Innsbrucker und den unklaren Status der Wiener Population. (Quelle)

Verbreitungskarte Österreich
Verbreitung in Österreich

2002 kamen bei mir aufgrund von Meldungen nach einem Zeitungsartikel verschiedene Hinweise auf Sichtungen in Wien an. Ich stelle daher hier zusammen, was mir an Informationen bekannt ist. Ohne eigenen Besuch kann ich das nicht vollständig bewerten.

Klimatische Unterschiede und Populationserfolg?

Aufgrund der klimatischen Bedingungen beider Populationen kann ich mir vorstellen, dass eine dauerhafte Ansiedlung in Österreich tatsächlich unmöglich ist. Auf der europäischen Verbreitungskarte bilden die beiden österreichischen Vorkommen Punkte, die jenseits der von mir gedachten Verbreitung liegen und damit klimatisch zu kalt sind. Das Erlöschen beider Populationen könnte ein guter Beleg sein, dass ich mit meiner Einschätzung richtig liege. Zur Veranschaulichung hier nocheinmal zwei Karten aus dem Kapitel "Allgemeines zur europäischen Verbreitung"

Verbreitungskarte Europa
Europäische Verbreitung
 Europa 0ºC Isotherme im Januar
Europa 0ºC Isotherme im Januar

Die Unterschiede im Klima wirken sicher nicht direkt über die erreichten absoluten Temperaturen, sondern indirekt über den Bruterfolg und den Winterverlust der einzelnen Population.
Als Grundlage des Vergleiches des Klimas dienen wegen der Verfügbarkeit und einfachen Vergleichbarkeit langjährlig gemittelte Durchschnittstemperaturen. In der Tabelle habe ich die monatlichen Durchschnittstemperaturen für die beiden österreichischen Populationen sowie Durchschnittswerte für fünf erfolgreiche deutsche Populationen (Düsseldorf, Köln, Wiesbaden, Mannheim, Heidelberg) und zwei erloschene Vorkommen (Berlin, Hamburg) zusammengestellt.
Wien ist den erfolgreichen deutschen Populationen recht ähnlich. In der Jahresdurchschnittstemperatur liegt es sogar 0,1ºC über den Daten für Köln und Wiesbaden. Beide Städte besitzen aber nicht die deutlichen Minustemperaturen im Dezember und Januar. Was nicht bedeutet, das nicht auch dort sehr kalte Temperaturen in den letzten Jahren sogar im Bereich von -20 ºC erreicht wurden. (Eine Liste mit den zu Grunde liegenden Daten findet sich hier ) Auch was die phänologischen Jahreszeiten betrifft zeigt Wien gleichen frühen Zeitpunkt des Beginns des Vollfrühlings wie die erfolgreichen deutschen Populationen. Den wichtigsten Unterschied dürfte die Anzahl der Frosttage darstellen. Düsseldorf liegt mit 49 Tagen (Durchschnitt 1949-2002, Stadtinfo Düsseldorf) deutlich unter Wien mit 120 Tagen (wikipedia) . Innsbruck dürfte noch einmal höher liegen.

Durchschnittstemperaturen
MonatWienInnsbruckErfolgreichErloschen
Jan-0,7-1,51,90,9
Feb1,30,92,81,5
Mar5,34,76,14,5
Apr10,28,99,68,3
Mai14,813,214,213,3
Jun18,016,017,016,0
Jul19,917,718,917,9
Aug19,217,318,517,5
Sep15,414,415,013,6
Okt10,19,610,59,3
Nov4,83,65,54,8
Dez1,0-1,13,02,2
Jahr9,98,610,39,1

Wien

Seit Anfang der 70er Jahre besteht im Türkenschanzpark eine kleine Population von drei Tieren. Diese wurden durch Freisetzung von zwei Paaren durch das Institut für Vergleichende Verhaltensforschung Wilhelminenberg verstärkt. 1976 existierten 5-12 Tiere. 1982 wurde eine Brut beobachtet, 1984 wurden die Jungvögel einer Brut kurz vor dem Ausfliegen von Nebelkrähen erbeutet. 1986 brüteten zwei Paare. 1990 wurden 5 Tiere gezählt. (Österreichischer Brutvogelatlas S. 214-215).

Die Wiener Population scheint zumindest deutlich im Bestand zurückgegangen zu sein. Trotzdem wurden 2003 noch vereinzelte Tiere beobachtet.

Innsbruck

In Innsbruck treten seit 1976 oder 1977 Halsbandsittiche auf. Zunächst wurde ein Pärchen im Bereich des Villensaggen und des Hofgartens beobachtet. Nach zunächst zögerlichen Brutversuchen wurden diese immer erfolgreicher. 1987 existierten nach Schätzungen ca. 40 Tiere, die sich auf zwei Gruppen verteilten. Eine Gruppe blieb in der Stammgegend Hofgarten, eine zweite Gruppe zog Richtung Botanischer Garten. Die Tiere übernachten in einer gemeinsamen Höhle(?). Im Winter 1986/87 wurden einige verunglückte bzw. erfrorene Tiere beim Innsbrucker Alpenzoo abgegeben. Diese hatten vermutlich keinen Platz mehr in der Übernachtungshöhle (Thaler).

Nach einer schriftlichen Mitteilung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, das auch Bälge und Dermoplastiken der Tiere besitzt, handelt es sich bei den Innsbrucker Halsbandsittichen um die Unterart Psittacula krameri borealis. Die Tiere würden die typischen Merkmale roter Ober- und Unterschnabel tragen, wobei der Oberschnabel an der Spitze grau/schwarz auslaufe.

Die Innsbrucker Population scheint zumindest deutlich im Bestand zurückgegangen zu sein. Trotzdem wurden 2003 noch vereinzelte Tiere beobachtet.

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