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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.3 (Oktober 2003)
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Niederlande (Netherlands)

Die niederländische Bezeichnung des Halsbandsittichs lautet Halsbandparkiet, im Plural Halsbandparkieten. Die Niederlande besitzen ein gemäßigtes Seeklima und umfassen 41.528 qkm. Klimaangaben für Amsterdam: milde Winter und relativ kühle Sommer. Tiefst- und Höchstwerte: Januar: -0,2°C bis +4,3°C; Mai: +7,5°C bis +16°C; August: +12,5°C bis +20,5°C.

Verbreitung im Freiland, Populationsentwicklung

Reguläre Beobachtungen von Halsbandsittichen gehen bis in das Jahr 1972 zurück, eventuell wurden sie schon früher vor 1968 beobachtet. Die erste dokumentierte Brut fand 1978 statt. 1994 wird die Populationsgröße Landesweit mit 550 Exemplaren angegeben. (van den Berg/Bosman 1999, nach Butler).

Verbreitungskarte 1 NL Verbreitungskarte 2 NL
Verbreitungskarten:
links: Chris Butler 'Project Parakeet' (2003)
rechts: Verbreitung nach dem Atlas van de Nederlandse Vogels (1987)

Einzelne Städte

Amsterdam

Nach einer in der niederländischen Vogelzeitschrift 'Het Vogeljaar' 1994 wiedergegebenen telefonischen Mitteilung von Werz, entwickelte sich die Population wie folgt. Die Herkunft wird 1962 im Vondelpark vermutet. 1973 wurde eine kleine Gruppe beobachtet die bis 1980 ca. 15 Tiere umfasste. Nach 1980 vermehrten sich die Sittiche und wurden regelmäßig u.a. in verschiedenen Parkanlagen (Vondelpark, Beatrixpark, Rembrandtpark, Frankendael) beobachtet. Eine andere Quelle beschreibt die Bestandsentwicklung wie folgt. 1974: 1 Paar, 2000: 430 Tiere ca. 100 Paare. Parallel zur Zunahme fand auch eine räumliche Ausbreitung statt. Verschiedene Parks bis zu 12 km außerhalb von Amsterdam wurden besiedelt. In den letzten Jahren betrug die jährliche Wachstumsrate 22,5%. Dies entspricht einer Erfolgsquote von unter einem Jungvogel pro Paar und Jahr. (G.O. Keijl in Limosa 74 2001, H.1 nach: Der Falke 3/2002 S. 66)
Martijn de Jong gibt für Amsterdam für 2003 eine Zahl von 700 Halsbandsittichen an. (Quelle)

Eine Übersichtskarte der Amsterdamer Grüngebiete mit Links zu den einzelnen Parkanlagen bietet eine niederländische Webseite . Auf der Karte sind aber nicht alle 28 größeren Parkanlagen von Amsterdam verzeichnet. Vier Parkanlagen mit längerer Besiedlung von Halsbandsittichen sollen hier vorgestellt werden.
  • Vondelpark
    Vor 1840 wurde von den bekannten Garten- und Landschaftsarchitekten "Zocher & Zn" der Vondelpark als Landschaftspark geplant. Er besitzt heute für die Stadt die Bedeutung, die der Central Park für New York oder der Hyde Park für London besitzt. Solche Parkanlagen bieten aufgrund ihrer alten Baumbestände gute Bedingungen für Halsbandsittiche. Auch hier gibt es aktuell, wie das Bild rechts zeigt Halsbandsittiche.
  • Beatrixpark
    Nicht weit vom Vondelpark liegt der Beatrixpark. Hierbei handelt es sich um einen relativ jungen Park, mit dessen Anlage erst 1938 begonnen wurde. Eine Vereniging Vrienden van het Beatrixpark unterhält auch eine Webseite, die u.a. ein gutes Luftbild des Parks bietet.Unter den Informationen über Vögel findet sich auch ein Halsbandsittichbild. Aufgrund des Alter und des Luftbildes müssten im Park nur relativ schnellwüchsige Baumarten Brutmöglichkeiten bieten.
  • Frankendael
    Der Park ist eine aus dem 18.Jh stammende Anlage, die als Sommerresidenz reicher Bürger diente, eine Pforte stammt z.B. aus dem Jahr 1783. Auch hier gibt es aktuell, wie das Bild rechts zeigt Halsbandsittiche. Der Park ist nicht weit vom Beatrixpark entfernt. U.a. ein Plan der Parkanlage findet sich hier.
  • Rembrandtpark
    Die einzige Webseite die Halsbandsittiche im Rembrandtpark behandelt zeigt leider nur Vögel, in der Mehrzahl Farbmutation, einer Voliere. (Quelle)

Die Geschichte der Parkanlagen, die Fotos und Karten zeigen, das die von den Halsbandsittichen genutzten Habitate denen in der Bundesrepublik sehr ähneln.

 Halsbandsittich im Vondelpark
(c) Jelger Herder 2003

Halsbandsittich im Vondelpark: 19.3.2003
 
 
Halsbandsittich im Frankendael
(c) Martin de Jonge 2003

Halsbandsittich im Frankendael 2003

Den Haag

Die meisten Erwähnungen von Halsbandsittichen in Den Haag beziehen sich auf Rijswijk. Rijswijk ist eine eigenständige Gemeinde mit rund 50.000 menschlichen Bewohnern.
In Rijswijk wurden von H. Zevenbergen Sichtungen von Halsbandsittichen in der Nähe der 'Huis te Lande' Tuinbouwschool in den Jahren 1986-1993 gesammelt. Die Zahl der in jedem Monat maximal gesichteten Papageien sind der Tabelle zu entnehmen, auf die Aufnahme der Zahl der Beobachtungstage pro Monat habe ich verzichtet. (Nach Lichtenbeld 1994, S. 60) Aus diesen Zahlen lässt sich grob die Brutzeit der niederländischen Halsbandsittiche ablesen, wenn auch aufgrund der kleinen Zahlen Probleme auftreten. Die Kurve ist den von mir in den Jahren 2002 und 2003 durchgeführten Schlafbaumzählungen in Wiesbaden ähnlich. Das Absinken der beobachteten Maximalzahl in den Monaten Februar bis Mai gibt die Brutzeit mit der Abwesenheit von Weibchen wieder, danach ist eine erhebliche Zunahme der Sichtungen zu bemerken, die auf ausgeflogene Jungtiere zurückzuführen ist. Diese Zunahme wird durch erhöhte Sterblichkeit bis zum Jahresende wieder gesenkt.
Die Population in Rijswijk existiert noch. Zeker konnte dort am 24.6.2002 205 Tiere beobachten (Quelle)

Jahr\MonatJanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
198611324734652813
19875223224133532
19885221141179762
1989322331068610129
1990434227575342
1991221122540636
19921232326575108
1993222324878632
Summe331818192234495743444944
Summe in %10055555867103148173130133148133
 Statistik Sichttungen, Maximalzahlen in % nach Monaten
Daten aus Tabelle links

Rotterdam

In Rotterdam wird eine kleine Kolonie Halsbandsittiche seit 1986 beobachtet. Diese Population war zumindest bis 1994 stabil und bestand aus 14-16 Vögeln. (Dalen 1994, S.127)

Sonstiges

Brutzeit

Niederländische Halsbandsittiche brüten zeitgleich zu den deutschen. Das geht sowohl aus der Statistik der Sichtungen in Rijswijk, als auch dem Aufnahmezeitpunkt der Fotos sowie z.B. einer Beobachtung von H. Zevenbergen hervor, der für den Juni 1993 die Sichtung von 2 adulten und 2 juvenilen Halsbandsittichen vermerkt.

Unterart

Nach den Bildern verschiedener Fotografen, die ich auf dieser Seite verwendet habe, handelt es sich bei den Halsbandsittichen höchstwahrscheinlich um Tiere der Unterart Indischer Halsbandsittich Psittacula krameri manillensis .

Schädliche Konkurrenz mit Spechten?

In einem Zeitungsartikel "Indiase parkiet verjaagt specht" wird Peter van der Fluit, mit der Aussage zitiert, das Halsbandsittiche Spechte vertreiben würden. Diese Aussage steht im Gegensatz zu Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen in der Bundesrepublik (Ernst) und in Großbritannien (Butler).

Literatur

Dalen, P. v. (1994): Halsbandparakieten nog steeds in Rotterdam en omgeving. In: Het Vogeljaar 42 1994/3, S.127f
Lichtenbeld, H.J. (1994): Halsbandparakieten. In: Het Vogeljaar 42 1994/3, S.126f
Lichtenbeld, H.J. (1994): Halsbandparakieten nog steeds in Nederland. In: Het Vogeljaar 42 1994/3, S. 60
Redaktion (1994): Halsbandparakieten in Amsterdam. In: Het Vogeljaar 42 1994/3, S.127
Sovon (1987) Atlas van de Nederlandse Vogel. Bladzijde 549

weitere Literatur (nur bibliographiert)

Berg, A. B. v.d./Bosman, C. A. W. (1999): Rare birds of the Netherlands. Pica Press, East Sussex.
Mattens, R. (1967): Halsbandparakieten in vrijheid. In: De Vogelwerld 22 (5)
Redactie (1981): De Halsbandparakieten in Nederland. In: Het Vogeljaar 29 1981/6, S. 223-224

weitere Links:

Maandelijkse slaaptrektellingen van Halsbandparkieten in Rijswijk in de periode juli - december leverde maximaal 155 exemplaren op.
De hoogste telling van slaaptrek van Halsbandparkieten in Rijswijk bedroeg 125
20-04-'03 2 Halsbandparkieten D. v.d. Spoel Oosterparkweg, Ridderkerk
Halsbandparkiet 01-08-01 KLootwijk Bakkerij Rotterdam 1
Halsbandparkiet
Vogelwacht "Delft en Omstreken"

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