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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.1 (Herbst 2001)
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7. Weitere Arten in Wiesbaden

Bei den hier aufgeführten Arten handelt es sich meist um Einzeltiere, die bisher nicht zum Aufbau einer kleinen Gruppe fähig waren. Die Anwesenheit der anderen Papageien im Park bietet solchen Tieren einige Möglichkeiten, die sie in einem Park ohne Papageien nicht hätten: z.B. Schutz durch gemeinsames Übernachten, Übernahme von Wissen etwa um Nahrungspflanzen.
Ich muss mich hier noch einmal wiederholen:
Diese Seiten verstehen sich nicht als Anleitung zur Freisetzung von eventuell als lästig empfundenen Käfigvögeln. Ausdrücklich möchte ich hier darauf hinweisen, daß ich das Aussetzen von Tieren für einen babarischen Akt halte, der sich schon aus Gründen des Tierschutzes verbietet und auch verboten ist.


Keilschwanzsittiche (Gattung Aratinga)

Keilschwanzsittiche, stammen aus Südamerika und Mittelamerika und kommen zwischen 30 Grad Breite Nord und 35 Grad Breite Süd vor. Zwischen 15 und 21 Arten mit 53 bis 57 Unterarten werden je nach Autor unterschieden. Farbnuancen, Farbabweichungen und Farbmutationen erschweren sowohl die Abgenzungen der Arten als auch die Identifikation von Arten und Unterarten (Arndt 1981, S. 51). Auch die Jugendkleider können farblich abweichen, Geschlechtsunterschiede sind kaum auszumachen.

Sichtungen und Fotomöglichkeiten der zwei Biebricher Tiere waren vom Frühjahr 1997 bis in den Herbst 1999 ausgesprochen selten. Bis zum Oktober 1999 konnte von mir nur ein Guayaquilsittich (Aratinga erythrogenys) beobachtet werden, der seit 1988 als Einzelexemplar im Park vorkam. In den Jahren 2000 und 2001 wurden beide Vögel nicht mehr beobachtet.


29.10.1999
oben: Guayaquilsittich, unten: Finschsittich

 

Guayaquilsittich (Aratinga erythrogenys)

Bisher konnte ich den Sittich am 17.1.1998, 19.3.1998, 12.8.1998 17.10.1999, 29.10.1999 und 31.10.1999 im vorderen Teil des Parks beobachten. Am 17.1.1998 und 19.3.1998 knabberte er an Platanenknospen. Am 12.8.1998 flog er zuerst in Begleitung (?) eines Halsbandsittichs ein Stück, um dann in den Zweigen einer Kastanie zu verschwinden und zu einer Eiche zu wechseln. Auf den Fotos vom 17.1.1998 ist der miserable Zustand des Gefieders (stark abgenutzte Schwungfedern, zerzaustes Brustgefieder) deutlich zu erkennen. Aufnahmen vom 29.10.1999 zeigen, daß sich der Zustand des Gefieders deutlich gebessert hat. Zu vermuten ist, daß der neu hinzugekommene Keilschwanzsittich und die gemeinsame Gefiederpflege hierzu beigetragen haben.
Der Vogel ist am rechten Fuß mit einem Metallring beringt und wird in Biebrich seit 1988 beobachtet

 

Guayaquilsittiche stammen aus Südwest Ecuador und Nordwest Peru. Dort bewohnen sie trockene tropische Zonen. Sie gehen bis auf eine Höhe von 2500 Metern (Arndt 1981, S. 78). Ich ursprünglicher Lebensraum ist in den letzten Jahren erheblich zusammengeschrumpft. (Schutzprojekt Tumbesische Papageien, Ecuador) (Bericht über Situation in Kolumbien auch über Ecuador)
Guayaquilsittiche wurden in Europa schon erfolgreich im Freiflug gehalten und erwiesen sich als standorttreu. Die Brutzeit in Gefangenschaft liegt bei uns im Juli (Arndt 1981, S. 79).
Auch sie sind in der Lage in Städten fern der Heimat Populationen auszubilden. Beispielsweise in San Francisco existieren zwei Gruppen, wobei eine Gruppe ca. 40 Tiere umfaßt. Die Webseiten von Mark Bittner: www.wildparrots.com sind leider nicht mehr zu erreichen, daher hier ein Link auf meinen Reisebericht aus den USA.


Rechts:
Waldvernichtung im westlichen Ecuador

 

Finschsittich (Aratinga finschi)

Ein naher Verwandter des Guayaquilsittiche konnte am 17.10.1999 beobachtet werden. Der Vogel ist mit einem Metallring am rechten Fuß beringt. Er hielt sich in der Nähe des Guayaquilsittichs auf, der aus einer Bruthöhle schaute. Diese beiden Keilschwanzsittiche besuchten auch am 29.10.1999 und 31.10.1999 gemeinsam mehrere Bruthöhlen, die auch von Halsbandsittichen und Dohlen ausprobiert wurden. Am 2.12. war die Höhle wiederum von einem Halsbandsittich besetzt. In dieser Jahreszeit suchen auch die anderen Papageien des Parks, wie auch Dohlen, die Bruthöhlen auf, halten sie aber noch nicht durchgehend besetzt. Der Papagei besitzt den für Keilschwanzsittiche typischen weißen Augenring und einen relativ kurzen Schwanz. Seine Stirn ist rot gezeichnet und gegen die grüne Kopfzeichnung deutlich abgesetzt. Die rote Kopfzeichnung reicht nicht bis zu den Augenringen. Die helle Wachshaut ist deutlich zu erkennen. Der Flügelsaum besitzt orange nicht rote Flecken, am Unterfluegel gibt es deutliche orange Flügelregionen. Vereinzelt sind am Körper und Kopf gelblich-orange Federn zu finden. Die Füße besitzen dieselbe fleischfarbende Färbung wie der Schnabel. Er hat die selbe Grösse wie der Guayaquilsittich, also ca. 33 cm 

Aufgrund der Merkmale, die der Vogel aufweist kommen drei Arten der Gattung Aratinga in Frage, von der einzig der Finschsittich die orange Zeichnung unter dem Flügel besitzt.

Rechts: Der Biebricher Finschsittich mit Metallring

 
Um die vom Guayaquilsittich deutlich unterschiedliche Kopfzeichnung und die orange Flügelunterseite besser zu zeigen hier ein Bild von zwei in Menschenobhut gehaltenen Finschsittichen, dass Pia-Alexandra Pirkl zur Verfügung stellte. 

Weitere Arten

In Wiesbaden konnte Zingel seit 1975 fünf weitere Arten Papageien meist in Einzelexemplaren feststellen:

  • Wellensittich Melopsittacus undulatus(Historisches) ,
  • Graupapagei Psittacus erithacus ,
  • Gelbscheitelamazone Amazona ochrocephala (mehrere bis zu 7 Exemplaren im Zeitraum 1984-1990) (Bericht aus Stuttgart),
  • Mohrenkopfpapagei Poicephalus senegalus ,
  • Nymphensittich Nymphicus hollandicus .

In einem Gespräch mit einem Wiesbadener Schädlingsbekämpfer erzählte dieser, er habe vor Jahren vier graue Papageien, vermutlich Graupapageien gefangen und später wieder freigelassen.


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