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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.2 (Sommer 2002)
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Nahrung und Fressverhalten

Die Nahrung der Halsbandsittiche ist unter mehreren Gesichtspunkten interessant:

  • Wie wird welche Nahrungsquelle und mit welchen Techniken erschlossen?
  • Welche Nahrungsquellen stehen in den unterschiedlichen Jahreszeiten zur Verfügung?
  • Wie ist die Energiebilanz? Ist die Versorgung mit Nährstoffen ausreichend? Wie sieht die Versorgung mit Vitaminen, Spurenelemente, etc. aus?
  • Welche Giftpflanzen werden gefressen, welche gemieden? Gibt es Heilpflanzen, die eventuell der Gesundheit der Papageien förderlich sein könnten?
  • Gibt es Hinweise auf die Tradierung von Wissen über Nahrungspflanzen, die sich vielleicht bei den einzelnen isolierten Populationen unterscheiden?

Leider kann ich noch nicht alle Fragen beantworten.

Halsbandsittiche fressen vor allem vegetarische Kost, darunter fallen besonders verschiedene Knospen, Blüten, Samen, Früchte u.ä. von mindestens 50 Pflanzenarten. Ergänzt wird diese Kost in der Heimat der Tiere durch Termiten, in Biebrich auch durch Insekten und Wasserschnecken.

 Kastanien

Mir fehlen noch Kalorienangaben zu den meisten Nahrungsquellen der Papageien, vergleicht man aber einige Pflanzenteile menschlicher Lebensmittel, so ergibt sich eine recht deutliche Gliederung hinsichtlich des Energiegehaltes:

PflanzenteilKilojouleFett
(Anteil in %)
Kolenhydrate
(Anteil in %)
Protein
(Anteil in %)
Nahrungsmittel
Blatt42-1340,2-0,70,4-21,8-2,3Endiviensalat, Brennessel, Feldsalat, Spinat, Kopfsalat, Brunnenkresse, Sauerampfer (roh), Weißkohl (roh), Rübenblatt (frisch)
Fruchtfleich157-2610,3-1,70,5-1,26,2-13,5Maulbeere, Himbeere, Pflaume, Apfel, Holunderbeeren, Birne, Kirsche
Nüsse u.ä.2413-282060-6213-1511,3-20,7Mandeln, Haselnüsse, Walnuss, Pinienkerne

Hierzu kommt noch, dass Vögel die in der Nahrung enthaltene Energie nicht vollständig erschließen können. Der Wirkungsgrad ist bei verschiedenen Nahrungsgruppen unterschiedlich. Einen recht groben Anhaltspunkt liefern folgende Daten:

FuttersorteWirkungsgradAbweichung
Pflanzen36,9+/- 2,81%
Früchte41,0+/- 3.99%
Samen77,7+/- 1,71 %
Invertebraten
(Insekten, Krebse, Würmer u.ä.)
73,9+/- 2,28%
Kunstfutter74,4+/- 1,12%

Diese Werte können aber auch erheblich unterschritten werden: Bei äsenden Gänsen erreicht der Wirkungsgrad nur 17% (Angaben aus Bezzel/Prinzinger S. 230).

Wenn die Angaben zu Nüssen etc. halbwegs übertragbar auf fetthaltige und stärkehaltige Baumsamen und die fetthaltigen Kerne einiger Früchte sind, so steht in den Wintermonaten den Papageien energiereiche Nahrung zur Verfügung, die mit einem hohen Wirkungsgrad erschlossen werden kann. Leider fehlen mir Angaben über die Blüten (Nektar als Zuckerquelle und Pollen als Eiweißquelle), Rinde und Baumharzen.

Abhängig von der Beschaffenheit und Erreichbarkeit der Nahrungsquellen verwenden Halsbandsittiche unterschiedliche Techniken der Nahrungsaufnahme, beispielsweise werden die sehr kleinen Buchenknospen direkt von den Zweigen geknabbert, während größere Nahrungstücke wie etwa Kastanienknospen mit dem Schnabel abgetrennt und dann mit dem Fuß beim Fressen gehalten werden. Ebenso werden oft Äste abgebissen, an denen sich mehrere kleine Nahrungsquellen befinden und die dann, im Fuß gehalten, bequem geerntet werden. Aber: dieses Verhalten richtet sich nicht allein nach der Größe der Objekte. Kastanienblüten werden etwa je nach Erreichbarkeit sowohl einzeln gefressen als auch zunächst geerntet und dann gefressen. Mit Hilfe von Schnabel und Zunge wird sehr geschickt die eigentliche Nahrung von den schützenden Blättern, Schalen und Hüllen befreit. Angaben zum speziellen Fressverhalten bitte bei den einzelnen Arten nachlesen.
Gelegentlich tragen Halsbandsittiche auch Nahrung davon, um sie an einem sicheren Ort verzehren zu können (Bild rechts). Auf Bäumen, die relativ großflächig Nahrung anbieten, sind oft ganze Gruppen von Halsbandsittichen zu sehen.

 Verschleppte Nahrung

Im Juni verlassen die Elterntiere gemeinsam mit ihren Jungvögeln zum Fressen von z.B. Kirschen den Park und breiten sich im Wiesbadener Stadtgebiet aus. Die Jungtiere werden zu den Futterquellen geführt und dort auch gefüttert. Sie lernen dabei unterschiedliche Nahrungsquellen kennen.

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