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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fünfte Fassung (Sommer 2001)
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Komfortverhalten

Komfortverhalten bei Vögeln umfasst Verhaltensweisen der Körperpflege z.B. Putz- und Kratzbewegungen, Sichschütteln, Baden, Staub- und Sonnenbaden. Auch Schlaf- und Ruhehaltungen Streckbewegungen währen in einem weiteren Sinne darunter zu rechnen (Bezzel/Prinzinger S. 252). Diese Verhaltensweisen steigern nicht nur das Wohlbefinden des Vogels, sondern erhalten auch die Funktionsfähigkeit des Vogelkörpers. Ich fasse hier Komfortverhalten als nichtsoziale Verhaltensweise auf und rechne die z.B. Pflege des Gefieders durch den Partner unter das Paarverhalten, da es vorwiegend soziale Bedeutung besitzt.
Ein Problem bei der Beobachtung von Komfortverhalten ist, dass diese Verhaltensweisen uns so selbstverständlich sind, das man sich erst daran erinnern muß, dass hier überhaupt ein beobachtenswertes Detail des Vogelverhaltens vorliegt. Es handelt sich dabei nicht nur um Gewohnheiten, sondern um Verhalten, das in engem Zusammenhang mit der Biologie der Tiere steht.

Sonnenbaden

Sonnenbaden dient der Vitamin D-Versorgung (durch die Einwirkungen der UV-Strahlen auf die Haut) und hat vermutlich auch eine hygienische Wirkung auf Haut und Gefieder, indem es zur Beseitigung von Keimen und Parasiten beiträgt. Darüber hinaus hat die Wärmeeinwirkung ganz gewiß auch einen Genußwert für die Vögel (Steinigeweg) .
Rechts: Ein Halsbandsittich nimmt ein Sonnenbad an einem warmen Frühjahrstag. Dabei streckt er sich ausgiebig. Besonders schön zu erkennen: die gelbliche Farbgebung der Flügelunterseite und die dunklen Handschwingen.

 Sonnenbaden

Gefiederpflege

Die Pflege des Gefieders erhält seine Gebrauchsfähigkeit und gehört daher zu den täglichen Beschäftigungen jedes Vogels. Die Federn werden je nach Größe und Funktion mit dem Schnabel geordnet. Die langen Schwanzfedern werden einzeln durch den Schnabel gezogen und so geglättet. Besonders bei Vögeln die in enge Höhlen einschlüpfen leidet diese Federgruppe erheblich.
Im Gegensatz zu vielen anderen Vogelarten besitzen (die meisten oder alle - hierzu schweigt die Fachliteratur!) Papageien nur im embryonalen Zustand eine Bürzeldrüse. Die Funktion der Bürzeldrüse, die Fett liefert um das Gefieder wasserfest und geschmeidig zu erhalten muß also von einer anderen Struktur übernommen werden. Papageien und einige andere Vogelgruppen (z.B. Tauben, Reiher, Tukane, Laubenvögel) besitzen Puderdunen, dies sind spezialisierte Federn die einen talkumartigen Puder abgeben. Die einzelnen Partikel sind etwa 1/1000 mm groß (Bezzel/Prinzinger S. 73-74). Der Puder wird beim Putzen besonders mit schnellen "Pluster- und Aufschüttelbewegung" des Gefieders verteilt. Typische Bewegung ist auch das "Knibbeln" im Untergefieder, bei dem das Zersetzen der Puderdunenspitzen gefördert wird. Bei Gefiederregionen die so mit dem Schnabel bearbeitet werden, wird das Gefieder locker gestäubt. Großgefieder (Flügel/Schwanz) bekommt den Staub eher zufällig mit.
Die Federn der Kopfpartie sind einer Pflege durch den eigenen Schnabel unzugänglich, werden aber im Rahmen des Partnerschaftsverhalten gepflegt.
 Komfortverhalten
"Knibbeln"
Komfortverhalten
Pflege des Großgefieders

Kratzen

Beim Kratzen des Kopfes gibt es unter Papageienvögeln zwei beobachtete Formen. Beim Kratzen 'hintenherum' wird der Flügel gesenkt und der Fuß über dem Flügel Richtung Kopf gestreckt. 'Vorneherum' kratzen sie sich indem sie den Fuß unter dem Flügel nach vorne strecken. Es ist versucht worden diese beiden Verhaltensweisen taxonomisch und stammesgeschichtlich zu deuten. Kratzen 'hintenherum' wird dabei als die ursprünglicher Form interpretiert, die im wesentlichen starr ist, diese Technik verwenden z.B. Wellensittiche. 'Modernere' Papageientaxa die sich 'vorneherum' kratzen besitzen eine größere Variabilität in ihrem Kratzverhalten und zeigen oft beide Varianten (Lantermann 1999, S. 126).

 Komfortverhalten

Baden

Auch Baden gehört zur Gefiederpflege. Hier nutzt ein Männchen das Trinken in einem Bach zu einem kurzen Bad. Da die Tiere hierzu den Boden aufsuchen müssen, sind solche Aktionen ausgesprochen selten. An Wasserstellen in Astgabeln wird nicht gebadet. Vor allem baden Halsbandsittiche gerne im Regen, und so erstaunt es nicht, dass sie auch bei nassem und unfreundlichen Wetter oftmals nicht in der Bruthöhle anzutreffen sind, sondern durchnässt im Geäst sitzen.
 Baden

Fuß- und Krallenpflege

Die gut durchbluteten und warmen Füße der Papageien werden gepflegt in dem Hautschuppen und anhaftender Dreck mit dem Schnabel entfernt werden. Selbstverständlich führen Papageien dabei den Fuß zum Schnabel und nicht den Schnabel zum Fuß - wie dieses andere Vögel tun.
 Komfortverhalten

Schnabelpflege

Auch die Reinigung des Schnabels gehört zum Komfortverhalten. Nahrungsreste und ähnliche Verunreinigungen, die außen am Schnabel haften werden durch Reiben des Schnabels am Sitzast entfernt. Auch die Wachshaut an der Wurzel des Oberschnabels wird so gepflegt. Typisch ist dabei das Senken des Kopfes mit einem Heranführen des Schnabels an einen Ast. Der Schnabel wird dann kreuzweise mit beiden Seiten abwechselnd am Ast gerieben.
Eine zweite Form der Schnabelpflege besteht in der Schärfung der Unterschnabelspitze. Diese Form ist am einfachsten zu hören. In Ruhephasen sind typische knarrende und knackende Geräusche zu vernehmen, die durch das Reiben des Unterschnabels an den Feilenkerben der Innenseite des Oberschnabels zustandekommen (Lantermann 1999, S.126). Bei Halsbandsittichen ist dieses Geräusch z.B. beim Einschlafen auf dem Schlafbaum zu hören. Es ist auch ein Zeichen von Wohlbefinden.

 Komfortverhalten

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