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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.2 (August 2002)
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Paarverhalten und Paarung

Nachdem die Halsbandsittiche nach der Brutzeit die Bruthöhlen verlassen haben, beginnen sie im Herbst wieder den Park und auch die Bruthöhlen aufzusuchen. Zunächst ist die Bindung der Tiere an ihre Bruthöhle noch locker. Verschiedene Höhlen werden inspiziert.
Die Höhlen werden immer länger besetzt gehalten oft verschwindet das Weibchen oder gar beide Partner in ihnen. Hier kann es noch zum Tausch oder dem Wechsel der Höhle kommen. Die Weibchen sind oft sehr wählerisch bei der Akzeptanz von ihnen angebotenen Höhlen. Eventuelle Streitereien um Höhlen zwischen zwei Pärchen, die zeitnäher an der Brudperiode liegen werden oft mit erheblicher Heftigkeit ausgetragen und können bis zu Verletzungen (z.B. dem Verlust von allen langen Schwanzfedern) führen. Die Intensität der Partnerschaftlichen Verhaltensweisen (Kontaksitzen, Kraulen, Füttern, Paarung) nimmt mit fortschreitender Paarungszeit zu. Zu Anfang sind die Pärchen oft nur in der Nähe ihrer Höhle zu beobachten ohne dabei Körperkontakt zu suchen.

Wenn die Halsbandsittiche mit dem 'Endrümpeln' ihrer zukünftigen Nisthöhlen beschäftigt sind, ist ihr Gefieder gelegentlich vom morschen Holz verfärbt.

Das Füttern des Weibchen durch das Männchen und das Karaulen des Weibchens gehören zu den auffälligsten Verhaltensweisen innerhalb der Paare. Im Bild rechts ist ein junges, zweijähriges Pärchen zu sehen. Das Männchen ist noch nicht ausgefärbt, was erst im dritten Jahr geschieht. Trotzdem ist das volle Programm des Brut- und Paarverhaltens auch bei solchen Pärchen zu beobachten.

Füttern erfüllt dabei nicht nur die Funktion der Nahrungsübergabe, sondern besitzt auch eine soziale Funktion, sie festigt die Paarbindung und gehört zum Vorspiel der Paarung. Die Nahrung wird von Schnabel zu Schnabel übergeben.

 Partnerschaftliches Kraulen
Gefiederpflege/Kraulen
Partnerschaftliches Füttern
Füttern mit Nahrungsbrei
Partnerschaftliches Füttern
Füttern mit Nahrung

Kopulation

Anfang Februar, verstärkt aber ab Anfang März bis weit in den Mai hinein können Kopulationen in der Nähe von Bruthöhlen beobachtet werden.

Das Männchen leitet die Balz des Halsbandsittichs ein. Hoch aufgerichtet trippelt es mit angehobenen Flügeln und gespreizten Schwanzfedern um das Weibchen herum. Das Weibchen wird gefüttert und gekrault. Es zeigt durch eine besondere Körperhaltung seine Bereitschaft an: es macht sich mit gestrecktem Hals ganz flach und preßt sich an einen Ast. Dabei wird der Kopf in den Nacken gelegt, das Männchen richtet sich hoch auf. Nicht paarungsbereite Weibchen wehren Männchen ab, indem sie z.B. den Fuß des Männchens beim Aufsteigen mit dem Schnabel festhalten.
 
 
Rechts: Balzendes Männchen, nicht paarungsbereites Weibchen. Man beachte besonders die gestreckten Beine und die abgespreizten Flügel des Männchens (links). Das Männchen stolziert in einer Art "Stechschritt" auf dem Ast herum. (Junges Pärchen London)

 balz
balz

Ernst beschreibt sehr treffend die eigentliche Kopulation: "Das Männchen steigt mit einem Fuß zuerst auf den Rücken des Weibchens, zieht den anderen nach und steht nun mit beiden Beinen auf ihr. Er beginnt, in regelmäßigen zeitlichen Intervallen leicht mit dem Schnabel rechts, links oder in die Mitte des Nackens seiner Partnerin zu hämmern. Zwischen den Berührungen holt er den Kopf weit in den Nacken werfend, Schwung.
Nach einiger Zeit biegt das Männchen beim Hämmern den Schwanz nach unten um das Hinterende der Partnerin, bis die Kloaken aufeinanderliegen. Zu diesem Zeitpunkt hämmert ein männlicher Halsbandsittich etwa alle 3-4 Sekunden, kurz vor Ende (ca. 24-40 Sekunden) erreicht er eine Geschwindigkeit von einer Bewegung pro Sekunde. Meist kann das Männchen bei dieser Geschwindigkeit nicht mehr die Nackenseiten des Weibchens wechseln, es berührt nun immer die gleiche Stelle. Die Pupillen des Männchen verengen sich zu diesem Zeitpunkt sehr stark." (Ernst S. 48).

Rechts: 6.3.1999: Halsbandsittiche bei der Paarung
Die Pupille des Männchens ist zusammengezogen, die gelbe Iris wird sichtbar. Zur Beobachtung der Veränderung der Pupille im Gelände ist ein Spektiv notwendig.

 

Ernst konnte bei fünf Stittichpaaren in zwei Jahren insgesamt 42 Kopulationen beobachten. Die Dauer schwankt dabei zwischen 12 und 161 Sekunden mit einem Mittelwert von 79 Sekunden. (Ernst S. 49) Für das partnerschaftliche Füttern gibt sie für 98 Beobachtungen eine Dauer zwischen 15 und 400 Sekunden mit einem Mittelwert von 127 Sekunden an. (Ernst S. 47)

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