LAURA'S GROSSE REISE
Das ist die Geschichte von Laura, die ich aus einem modrigen, feuchten und dunklem Keller von einem (ich weiß nicht, wie ich den "Mensch" bezeichnen soll) käuflich befreit habe.

Das war im März 1991. Dieser "Mensch" erzählte mir von der "Irrfahrt" als Erklärung für diese so elend aussehenden Vögel.

Zum 20.11.1990 haben einige Fluggesellschaften beschlossen, keine Tiertransporte mehr aufgrund des ASG durchzuführen. Diese Amazonen standen also (nach tagelanger LKW-Fahrt) am Flughafen in Mexiko, aber die Lufthansa hat sie nicht mehr befördert.
Von dort ging's weiter mit LKW/Flugzeug über Argentinien, Spanien, Jugoslawien, Österreich (ach, ich weiß nicht mehr) ...und endlich, in Basel, konnten/durften die Tiere dann entladen werden und per LKW nach Deutschland transportiert werden. Nach seiner Aussage hätte der ganze Transport 20 Tage gedauert und das in einer kleinen Kiste eingepfercht, ohne Wasser, mit nur noch, wenn überhaupt, verschissenem Futter, und das bei einem Temperaturunterschied von ca. 40°C. Ich möchte gar nicht wissen, wieviel (bzw. wie wenig) Tiere das überlebt haben!

Eine davon war meine Laura !

Die Überlebenden kamen dann in die Quarantänestation des Großhändlers, wurden dort vollgepumpt mit Antibiotika und dann, nach 6 Wochen, aussortiert nach 1) "könnte es schaffen, ab in den Verkauf" oder, (das habe ich aber erst später erfahren)  2) "wird nicht überleben, ab zu diesem "Mensch"" (der "die Verrecker" zu einem Spottpreis erhielt; selbst, wenn nur einer davon überlebt und für DEM 500,00 verkauft werden konnte, hatte er noch mindestens 50 % daran verdient !!).
 

Und dort landete u.a. auch meine Laura! Mein ganzer Verstand setzte aus, als ich sie dort sah, mir taten die Tiere ja so furchtbar leid, ich kann es nicht beschreiben, welche Gefühle da in mir aufkamen.
Nach ca. 2-3 Wochen bei mir (siehe Foto) sah sie ja schon fast gut aus, ihr hättet sie in diesem Keller sehen sollen, mir blieb nichts anderes übrig, als sie (und noch einen weiteren Wildfang) da rauszuholen !
Sie hatte fürchterliche Angst und schrie lauthals, sobald ich anfangs nicht nur in ihre Nähe kam, sondern schon allein, wenn sie mich nur sah !


Also mußte ich noch mit der dringend notwendigen Dusche warten (man konnte sie bereits schon von weitem riechen !).
Jeden Tag beschäftigte ich mich intensiv mir ihr, das heißt, ich setzte mich vor ihren Quarantänekäfig, sie schrie, bis ihr anscheinend die Luft etwas ausging, dann redete ich freundlich auf sie ein (erzählte ihr alles Mögliche; mein Mann hielt mich für bekloppt !!).

Und Tag für Tag konnte ich (wenn auch nur einen klitzekleinen)  Erfolg feststellen.

Pudelnasse Laura

Nach ca. 4 Wochen (sie hatte sich schon an ein Stöckchen gewöhnt) nahm ich sie mit zum Duschen, zusammen mit Rico, meiner anderen Amazone.

Sie hat sofort bei ihr/ihm Schutz gesucht und wich ihr seit dieser Stunde nicht mehr von der Seite !
 

Mein Rico war vom ersten Tag an mir gegenüber total zutraulich (obwohl er auch ein Wildfang ist), und somit hatte er (sie?) eigentlich anfangs mehr Angst vor ihr als je vor mir !  Wenn sie also auf ihn loslief, rannte er schutzsuchend zu mir, sie immer hinterher ... und plötzlich saßen beide auf meiner Schulter !

Laura fing auch sofort an zu schreien, wenn ich Rico's Aufforderung zum Kraulen nachkam... und dann schaute sie ganz entgeistert (mit schiefgestellten Kopf und aufgestellten Federn) zu, wie er sich das genüßlich gefallen ließ.

Mit seiner Hilfe ist es mir gelungen, daß auch Laura ihre Angst vor mir (mit Ausnahme der ausgestreckten Hand) verloren hat.

Mittlerweile geht sie auch auf den Finger, gibt Küßchen und man kann sie Kraulen ( halt nur mit einem Finger ) !

Mit viel Liebe und noch mehr Geduld (und Ausdauer) ist es mir bzw. uns letztendlich gelungen, einen "Verrecker" zu retten und sogar die Angst vor den Menschen zu lindern, vielleicht sogar zu nehmen (wenn Menschen nur keine Hände hätten !!).

 

Und heute sieht sie so aus:
Text und Grafik:                     Gitti
Februar 1999
Bri.ma@t-online.de