Der
Molukkenkakadu

Der Molukkenkakadu gehört zu den sogenannten ""Schwarz- und Weißschnabelkakadus". Diese sind von der Grundfärbung her weiss (daher oft auch als "weiße Kakadus" bezeichnet), oder, in 3 Arten, rosafarben.
Zu dieser Gattung gehören die bekanntesten und am häufigsten importierten Kakadus. Die Ausbildung der für Kakadus charakteristischen Federhaube ist allerdings unterschiedlich. Bei einigen Arten bildet sie einen starken Kontrast zum Körpergefieder.
Heute stellen wir Ihnen den Molukkenkakadu vor. Dazu können wir Ihnen noch ein wunderschönes Portrait dieses Kakadus anbieten.

Bezeichnungen:

wissenschaftlich:
Cacatua moluccensis (Gmellin, 1788)

: Molukkenkakadu
: Salmon-crested Cockatoo

Steckbrief:

Genus: Cacatua 
Art: Cacatua moluccensis
WA: Anhang I
Gelege: 2 Eier
Brutdauer: 29 Tage
Ausfliegen der Jungen: 14-15 Wochen

Unterarten:

keine  

Beschreibung:
Haube aus breiten lachsrosa Federn, die nach belieben aufgestellt und gesenkt werden können. Unterseite individuell unterschiedlich gefärbt, von weiß mit rosafarbener Tönung bis blassrosa. 
Ansatz der Schwungfedern mit tief lachsfarbenem Anflug. Unterseite der Schwanzfedern blassorange. Nackter Augenring, weiß mit blauer Tönung. Schnabel schwarz und Beine / Füße grau.
Iris beim Männchen schwarz, beim Weibchen dunkelbraun. In der Regel haben die Weibchen einen kleineren Kopf und Schnabel. Die Länge beträgt ca. 50 cm.
Jungvögel gleichen den Erwachsenen, haben aber anfangs dunkelgraue Augen. Die Irisumfärbung ist mit 4 Jahren beendet.

 

Verspielt fröhliche Molukkenbabies in den Aufzuchträumen von Heike Mundt

Verbreitung und Lebensweise:
Der Molukkenkakadu ist auf den südlichen Molukkeninseln anzutreffen: Ceram, Indonesien, auf den nahegelegenen Inseln Saparua und Haruku ausgerottet, ebenfalls auf Amboina eingebürgert, aber hier wieder verschwunden.
Der Vogel bevorzugt Wälder und offene Waldgebiete, Rodungsflächen mit vereinzelten Bäumen, hohe Sekundärvegetation sowie Mangroven und Sumpfgebiete bis 1000 Meter Höhe.
Sie werden meist nur noch einzeln, paarweise oder in kleinen Gruppen gesehen; auf Schlafbäumen auch Ansammlungen von bis zu 16 Vögeln (Arndt). Paare halten eng zusammen und konnten gelegentlich bei der gegenseitigen Gefiederpflege beobachtet werden.
Sie halten sich vorwiegend in den hohen Bäumen auf und fallen dort nur auf, wenn sie ihr recht lautes Geschrei ertönen lassen. Daher sind sie auch schon von sehr weit zu hören.
Molukken sind vorsichtige Tiere mit einer sehr großen Fluchtdistanz. Sie besitzen einen kräftigen Flug mit schnellem, flachen Flügelschlag, der von kurzen Gleitphasen unterbrochen wird. Dabei werden ständig laute Rufe ausgestoßen. Der Flug ist jedoch verhältnismäßig langsam und niedrig.

Gelbhaubenkakadu beim Verzehr eines Kükens. Das Originalbild ist in voller Größe hier zu sehen.

Ernährung:
Der Kakadu ernährt sich vorwiegend von Samen und Nüssen, einschließlich Kokosnüssen! Auch Insekte und deren Larven stehen auf ihrem Speiseplan. Auch ich habe beobachtet, dass Kakadus fleischliche Kost nicht verschmähen, konnte ich doch einen Gelbhaubenkakadu im Dortmunder Tierpark beim Verzehr eines Kükens beobachten und fotografieren.
In ihrer Heimat fallen die Tiere gern in Kokosplantagen ein, um die jungen Früchte aufzubeißen um an die Milch und das weiche Fruchtfleisch der Kokosnüsse zu kommen.
Brut und Zucht:
Die genaue Brutzeit ist unbekannt, vermutlich ab Juli. Die Nisthöhlen befinden sich in abgestorbenen Bäumen.
Die Zucht ist erst in jüngerer Zeit öfter gelungen, aber nie regelmäßig.
Bitte in großen Volieren unterbringen! In zu kleinen Volieren tötet das brutlustige  Männchen das Weibchen, da es seine Aggressionen nicht ausleben kann. In diesen Fällen hat es sich bewährt, die volle Flugfähigkeit des MÄNNCHENS durch Beschneiden der Schwungfedern einzuschränken. Hans Jürgen Geil aus Grebendorf meinte dazu anlässlich des 10. Internationalen Symposiums über Haltung, Zucht und Schutz bedrohter Papageien:

"Bei der Unterbringung von Kakadus bedarf es eines größeren Areals als bei anderen Papageien gleicher Größe. Dies hängt in erster Linie damit zusammen, dass Kakadumännchen einen ausgeprägten Aggressionstrieb besitzen. Wirkliche Erklärungen um einen kausalen Zusammenhang dieses Phänomens scheint es noch immer nicht zu geben, doch es steht für mich fest, dass es die in der Voliere häufig vorkommenden Gattenmorde infolge funktionsgestörter Aggressionsstriebe im Freiland sicher nicht gibt, daß wohl aber Streitereien zwischen Männchen, natürlich verstärkt zu Beginn der Brutzeit, vorkommen.
Zum Abbau dieser Aggressionen muß aber niemals das eigene Weibchen herhalten. Todesfälle bei Molukken- und Rosakakadus habe ich selbst insgesamt viermal erleben müssen-drei davon mit tödlichem Ausgang. Kakaduvolieren sollten nach Möglichkeit 1 Om lang sein,bedenkt man welche Strecken von diesen nomadisierenden Vögeln zurückgelegt werden. Die sich anstauenden Aggressionen, bei mir insbesondere bei Rosa-, Inka- und Molukkenkakadus beobachtet, entladen sich nicht nur beim eigenen Weibchen, sondern bisweilen auch gegenüber dem eigenen Nachwuchs. Gerade ausfliegenden Söhne sind dann besonders betroffen. Bei einem bei mir neuem zwangsverpaarten Rosapaar bemerkte ich, dass alle vier Jungtiere - längst flügge - nicht ausfliegen wollten. Sie schauten immer nur neugierig aus ihrem Stamm heraus, und wenn der Vater in die Nähe kam, gingen sie sofort auf Tauchstation. Ich fing den Hahn heraus, und als ich am anderen Tag von der Arbeit nach Hause kam, saßen alle vier Jungvögel vergnügt mit der Mutter auf der vordersten Stange der Voliere. Der Hahn flog in der Nebenvoliere und kann bei dieser Anordnung sogar seine Familie. Der "Bösewicht " kann sich also genügend abreagieren und ist trotzdem nah dabei. Nie darf man den Fehler begehen und den Hahn völlig isolieren, um ihn dann im Spätherbst nach dem Absetzen der Jungtiere, wieder an die Henne zurück zu setzen. Nach dem langen Entzug des Weibchens zeigt er beim Anblick desselben schnelle und heftige, sexuelle Erregungen, die sich dann in heftige Aggressionen und damit einhergehende Angriffswut äußern. Die Hennen überleben in solchen Fällen meist nur wenige Stunden oder Tage.
Beim Volierenbau ist darauf zu achten, dass bis zu zwei Drittel der Volierengesamtlänge für den Nachbarn undurchsichtig bleibt, also genügend Rückzugsmöglichkeit gegeben ist. Ruhezonen sind also sehr wichtig. Genau so wichtig ist es aber, das verbleibende Drittel als Sichtkontakt zu belassen. Völlige Isolation ( durchgehende Wände ) zum Kakadunachbarn nebenan, sind verhängnisvoll. Aus der vergleichenden Verhaltensforschung weiß man, dass instinktive Verhaltensweisen durch entsprechende Reizzustände in der Umwelt des Tieres ausgelöst werden. Man weiß aber auch, dass es bei längerem Ausbleiben einer solchen Reizsituation zu einem Triebstau kommen kann. Dieser äußert sich normalerweise darin, dass das Tier nach den auslösenden Reizen zu suchen beginnt, wobei die Schwelle der auslösenden Reize immer weiter absinkt und dadurch die Reaktionsbereitschaft zunimmt. Auf den gesteigerten Aggressionstrieb unserer Kakadus übertragen, bedeutet dies, dass in Ermangelung eines "Eindringlings", bzw. Reviernachbarn, die Reizschwelle solange absinkt, bis der Partner oder sogar die Jungtiere schließlich selbst zum auslösenden Objekt werden. Man könnte auch sagen, dass das Männchen mit zunehmendem Absinken der Reizschwelle das eigene Weibchen mit einem Rivalen verwechselt. Aus zunächst gutgemeinter Revierverteidigung wird schließlich ein Angriff auf die eigene Partnerin, und in den kleinen Volieren mit wenig Ausweichmöglichkeiten kommt es schnell so zum Tod des Weibchens.
Also, die Volieren so groß als möglich gestalten (dies gilt auch für die Höhe), nach Möglichkeit auch verwinkelt, hierzu gehören z. B. mehrere Aus- und Eingänge zum massiven Innenhaus, sehr viel Ablenkungsmöglichkeiten wie Seile, ständige Nagemöglichkeit an frischem und auch vermodertem Holz, Kakadugeeignetem Spielzeug wie z.B. einem vollem Schlüsselbund mit Rohlingen, Kuhketten etc., etc.. Entsprechende Kakadunachbarn müssen in Sichtweite vorhanden sein. Man denke dabei an den alten Züchterspruch:" Ein Paar ist kein Paar ! " Besser ist es immer, mehrere Paare einer Art zu pflegen, als mehrere Arten zu jeweils einem Paar zu besitzen."

In Gefangenschaft ist der Brutbeginn in der Regel im Frühjahr. Am besten werden Naturstammnisthöhlen angenommen, die 40 cm Durchmesser und ca. 150 cm Höhe aufweisen. Das Gelege besteht meist aus 2 Eiern, von denen auch häufig unbefruchtete aufzufinden sind.Die Brutdauer beträgt rund 29 Tage und die Nestlingszeit 14-15 Wochen.

Anmerkungen:
Ein Vogelliebhaber, der ein Paar Molukkenkakadus freifliegend hielt, berichtet die interessante Tatsache, dass seine Vögel bei ihren Ausflügen niemals länger als 2 Stunden fortblieben und nach ihrer Rückkehr stets in ihren Käfig gingen.
Einer der bekanntesten Kakadus, die je lebten, ist "King Tut", der älteste Einwohner des Zoos von San Diego, importiert im Jahre 1925.
Er pfeift, singt und tanzt zur Freude seiner Besucher. Er spielt dabei vielleicht die Rollen wieder, mit welchen er vor Jahren in Hollywoodfilmen auftrat.


© Thorsten Bönte für die APN im Juni 2000
Quellennachweis