Die Spatelschwanzpapageien

Mit den Spatelschwanzpapageien soll dieses Mal eine kleine Papageienfamilie von, je nach Systematik, nur 6-9 Arten vorgestellt werden, die allgemein kaum bekannt ist.

Systematik (nach Arndt / N. Colar, 1996/1999):

Gattungsgruppe: Psittaculini (eine Gattungsgruppe, die 12 Gattungen von Papageien einschließt)
Gattung: Prioniturus

Die 9 Arten der Spatelschwanzpapageien "Prioniturus":

  • Grüner Spatelschwanzpapagei
    Prioniturus luconensis
  • Blauköpfiger Spatelschwanzpapagei
    P. discurus
  • Berg- oder Gebirgs-Spatelschwanzpapagei
    P. montanus
  • Motmotpapagei
    P. platurus
  • Raketenschwanzpapagei
    P. flavicans
  • Mada- od. Buru-Spatelschwanzpapagei
    P. mada
  • Blaukopf-Spatelschwanzpapagei
    P. platenae
  • Waterstradts Spatelschwanzpapagei
    P. waterstradti
  • Sulu-Spatelschwanzpapagei
    P. verticalis


    Bem.: Robiller führt die letzten 3 nicht als eigenständige Arten.

Beschreibung:
Alle Spatelschwanzpapagei-Arten haben ein grünes Grundgefieder mit mehr oder weniger blauen, artspezifischen, Abzeichen an verschiedene Gefiederstellen. Sie werden ca. 30 cm groß. Bei manchen Unterarten des Motmotpapageis haben die Männchen zusätzlich einen gelben Nackenstreif. Männchen des Gebirgs-Spatelschwanzpapageis besitzen einen roten Fleck am Hinterkopf. Bei einigen Arten unterscheiden sich die Geschlechter deutlich durch ihre Färbung.

Die Spatelfedern: Das einzigartige (und namensgebende) Merkmal sind Ihre 2 verlängerten, mittleren Schwanzfedern. Die Verlängerungen sind fahnenlos und enden mit einem "Spatel".

Diese Federn fehlen den Jungvögeln zunächst, bis sie nach der zweiten oder dritten Mauser erscheinen.  R. Low beschreibt diese Federn als "drahtartig und biegsam". Beim Putzen biegt der Vogel die Feder sogar über die Schultern.  Diese besonderen Federn kennt man bei den Papageien nur von den Spatelschwanzpapageien. Allerdings kennt man ähnlich verlängerte Schwanzfedern von anderen Vogelarten, teilweise noch viel spektakulärer. So zum Beispiel bei Kolibris oder dem "Mot-Mot" (Motmotus momota), der zu den Trogonen gehört. Der Motomot ist der Wappenvogel der Karibikinsel Tobago und bei ihm zeigen die Spatelfedern sogar eine zweigeteilte, blau-schwarze Färbung (Abb. 2).
Wenn sich solche Merkmale unabhängig voneinander bei verschiedenen Arten entwickeln, spricht man von einer Parallelentwicklung. 
Verbreitung und Lebensweise:
Die Spatelschwanzpapageien kommen auf einer Vielzahl von Inseln der Philippinen und Indonesien vor. Sie halten sich hauptsächlich im dichten Regenwald auf, hin und wieder kann man sie aber auch an Waldrändern oder in der Nähe menschlicher Siedlungen sehen, dort vor allem auf verschiedenen Fruchtbäumen. Auf einigen Inseln sind sie noch etwas häufiger, aber allgemein sind diese Papageien nur schwer auszumachen, da sie sich eher unauffällig verhalten und durch ihr grünes Grundgefieder optimal getarnt sind.

Ernährung:
Früchte bilden wohl einen sehr großen Teil ihrer Nahrung; hauptsächlich Mangos. Daneben aber auch Samen, Beeren und Blüten. Es gibt auch Berichte, wonach Spatelschwanzpapageien schon in Maisfelder eingefallen sind (Arndt, 1996). 

Anmerkungen:
In Gefangenschaft sind die Spatelschwanzpapageien, wie schon erwähnt, nur äußerst selten anzutreffen. So nennt R. Low z.B. für den Raketenschwanzpapagei nur ein einzelnes Exemplar, das Anfang der 30er Jahre für kurze Zeit im Londoner Zoo lebte.

Die einzige Art, die etwas öfters in Menschenobhut kam, ist der  Blauköpfige Spatelschwanzpapagei (Prioniturus discurus). Allerdings wird die Eingewöhnung als sehr schwierig beschrieben und viele Vögel starben schon nach kurzer Zeit, so daß man hoffen sollte, daß weitere "Versuche" in dieser Hinsicht in Zukunft unterbleiben.

Der einzige Ort, wo eine größere Anzahl dieser Vögel gehalten und auch gezüchtet werden ist das "Research and breeding centre", auf den Philippinen, das "Birds international" angeschlossen ist. 

Einige Vögel aus diesen Nachzuchten sind in den letzten Jahren auch nach Deutschland gekommen, und werden nun auch hier bei einer Handvoll Züchtern gepflegt. Es ist zu hoffen, daß in naher Zukunft auch in Deutschland mit diesen Tieren Nachzuchten gelingen.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und einmal "echte" Spatelschwanzpapageien sehen möchte, der hat die Gelegenheit dazu im Vogelpark Walsrode. Dort konnte man 1996 dank der großen Erfahrung, die man mit heiklen Papageienarten hat, eine Gruppe Mada- oder Buru-Spatelschwanzpapageien (Prioniturus mada) eingewöhnen. Diese Art ist bis zu diesem Zeitpunkt noch nie außerhalb ihrer Heimat gehalten worden. Sie werden im Papageienhaus in einer Großvoliere zusammen mit anderen Papageien aus Asien gehalten. Die Vögel zeigen wenig Scheu und lassen sich gut aus der Nähe beobachten.


  © Markus Kaufmann für die APN im Juni 2000
Quellennachweis