Erfolg für den Papageienschutz
Eine satirische Leserrezension von Dr. Heinrich Horstmann


Es war ja fast vorherzusehen: In "Freiflug" Nr. 7, S.17f. rückt H. H. Braune in einem bemerkenswerten Artikel die Welt des Papageienschutzes zurecht und demonstriert sprachgewaltig, wie Papageienschutz in Deutschland wirklich erfolgreich praktiziert werden kann.

Der Artikel selbst ist dabei durchgängig verständlich und in meist klaren, wohlstrukturierten Sätzen verfasst und lässt in seiner würzigen Mischung aus Fakten, messerscharfen Schlüssen und einem Spritzer heißesten Insider-Wissen keinen Leserwunsch offen. Mehr zu Stil und Form zu sagen, wäre bei diesem Paradebeispiel journalistischen Schaffens überflüssig.

Es scheinen dennoch einige Worte zum Inhalt angebracht zu sein, da Papageienschutz bekanntlich nicht von der Form, sondern nur von den Inhalten lebt. Und auch in dieser Beziehung haben wir uns in stiller Anerkennung vor einer wahren Größe zu verneigen. Diese Rezension ist ein bescheidener Beitrag zur Würdigung des Schaffens von H. H. Braune.

Der Artikel von H. H. Braune befasst sich mit einem seit Jahrzehnten in der deutschen Papageienschutz-Szene äußerst kontrovers diskutierten Thema: Dem Anzeigenmarkt der Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk, im Folgenden kurz APN genannt. Allein schon der Mut, dieses wirklich heiße Eisen endlich einmal anzufassen, nötigt zur Hochachtung. Soweit der Verfasser recherchieren konnte, ist das Thema sogar dermaßen gefährlich, dass es von der einschlägigen Fachpresse noch nie angegangen wurde, und auch aus Regierungskreisen sind keine Stellungnahmen bekannt.
Offenbar scheut sich sogar die Exekutive, sich mit einer Großmacht wie der APN anzulegen; anders ist es nicht zu erklären, dass hier die zuständigen Stellen nicht schon erheblich eher eingegriffen haben. In diesem Zusammenhang wird auch das Wirken der von H. H. Braune immer wieder eingeschalteten zuständigen Behörden noch kritisch zu würdigen sein.

Im Anzeigenmarkt der APN waren laut Herrn Braune "in den letzten Jahren (…) doch immer wieder Anzeigen zu finden, die den Verdacht nahe legten, dass die Auftraggeber gegen geltendes Tier- und Artenschutzrecht verstießen". Ein Skandal, gegen den endlich einmal mit aller Härte eingeschritten werden musste.
Herr Braune hat wahrhaft unermüdlich versucht, die zuständigen Behörden zu mobilisieren - nur scheinbar ohne sonderlichen Erfolg, da der APN nicht eine entsprechende behördliche Reaktion bekannt geworden ist.

Bereits im Freiflug Nr.6 legte Herr Braune den Finger in die schwärende Wunde tierschutzwidrigen Gebarens: Die APN ist der Protagonist moralischen Versagens, ist durch die Bereitstellung des Anzeigenmarktes für hundert- oder gar tausendfaches Papageienelend verantwortlich zu machen. Eine wahrlich traurige Bilanz, und ein Anwurf, den der bedrückte Rezensent nur an uns alle, an die Gesellschaft und die Politik weiterleiten kann: Ist dies moralische Versagen nicht Anzeichen eines schleichenden Verfalls unserer abendländischen Werte, der fortschreitenden Zersetzung unserer gemeinsamen europäischen, insbesondere aber der deutschen Kultur?

Schade nur, dass Herr Braune sich nach diesem großen, gelungenen Schlag ins Gesicht der Macher der APN (Freiflug Nr. 7, S.17) im fünften Absatz zu Beckmessereien herablässt. Hier muss sogar an einer journalistischen Größe Kritik geübt werden dürfen:
Geschätzter Herr Braune, nach den ersten vier Absätzen Ihres Artikels schwächt es deren Wirkung, wenn bezüglich der Kontrolle des Anzeigenmarktes nach der Rechtschreibung, der Länge der Telefonnummer und dergleichen gefragt wird. Ironie ist in Deutschland nun einmal ein kritisches Stilmittel, welches nicht von jedermann verstanden wird. Und eine dermaßen kleinliche Erbsenzählerei haben Sie doch nun wirklich nicht nötig!

Diese kleine stilistische Schwäche wird allerdings in den folgenden Absätzen durch ein wahres Trommelfeuer an Fakten mehr als nur ausgeglichen: Züchter, Behörden eingeschaltet, Zucht- und Handelsverbot, immer noch Anzeige des Züchters, Behörden eingeschaltet, Anzeige weg. So funktioniert echter Papageienschutz: Nicht lange herumdiskutieren, sondern den direkten Weg über die Behörden gehen und ggf. Beschlagnahmen lassen (Absatz 11 des Artikels).

Leser mit dem Auge für Details werden bemerkt haben, mit welcher Eleganz sich Herr Braune ab Absatz 9 an den wahren Schuldigen herantastet, an Herrn Bönte oder Boente. Ein psychologisch äußerst raffinierter Schachzug, sich aus einer amorphen Gruppierung wie der APN den Rädelsführer herauszufischen, ihn namentlich zu machen und über seine moralische Diskreditierung die ganze Gruppe zu desavouieren.

Von einer kaum noch fassbaren Genialität zeugt der nächste logische Schritt dieses Artikels: Es wird ein Nebenkriegsschauplatz eröffnet, in welchem der von der APN eingesetzten Kontrolle vorgehalten wird, sie wäre "so wenig am Schutz der Papageien orientiert, dass ihr nicht einmal Verstöße gegen das eigene Reglement aufgefallen sind."
Durch gezieltes Einstreuen einer Information, die doch eigentlich nur von der Kontrollperson selbst kommen kann, wird nicht nur diese Person in die Pflicht genommen, sondern zugleich dieser Herr Bönte/Boente als Verantwortlicher noch zusätzlich belastet. Das Ganze wird im folgenden Absatz noch durch Fakten untermauert - wer könnte dann noch Zweifel am Versagen der APN haben? Um es offen auszusprechen, habe ich bei der Lektüre dieser Passage neidvoll nicken müssen, da eine solche taktische Meisterleistung nicht jedem einfällt.

Allerdings muss bemängelt werden, dass es nach der wiederum glänzenden Strukturierung der Argumentation etwas flach wirkt, wenn im Absatz 15 nochmals auf die gute Kooperation zwischen dem Papageienschutz-Centrum und den Bremer Behörden angespielt, und im nächsten Absatz nochmals die Rolle der Kontrollperson aufgegriffen wird. Auch das Stilmittel der Wiederholung zum besseren Einprägen haben Sie, Herr Braune, doch eigentlich nicht nötig.

Der Wahrheit zu liebe ist aber zu sagen, dass der letzte Absatz des Artikels dieses kleine Manko mehr als nur ausgleicht, er ist psychologisch und taktisch der Kanonenschlag, welcher ein brillantes journalistisches Feuerwerk wahrhaft krönend abschließt.
Die Betreiber der APN haben mit der "(…) Teilreduzierung der APN-Aktivitäten einen wichtigen Beitrag zum Papageienschutz geleistet. Weitere Reduzierungen zum Wohle der Papageien sollten folgen!" (Absatz 17).
Hier fließen die sehr komplexen Argumentationslinien zusammen, hier wird - wie der Volksmund so schön sagt - der Sack zugemacht. Wiederum ein Meisterstück streng logischen Argumentierens, wiederum eine Kostprobe der Genialität Herrn Braunes.

Um dies recht würdigen zu können, scheinen noch einige Hintergrundinformationen angebracht zu sein:

Das Papageienschutz-Centrum Bremen ist ein Verein, der sich die Abschaffung der Papageienhaltung in Privathand zum Ziel gesetzt hat. So heißt es auf der Homepage:
"(…) möglichst viele papageieninteressierte Menschen von der Auffassung überzeugen zu können, dass zum Wohle und Schutz der Papageien auf ihre Haltung als Haustiere verzichtet werden muss"
Wer hierzu ergänzend die §§ 2 und 3 der Vereinssatzung bemüht, findet eine klare, kompromisslose Linie: Handel und Zucht werden abgelehnt; die Mitglieder des Vereins sollen ihre Papageien in ein noch zu errichtendes Freigehege verbringen, damit sie (die Papageien) dort möglichst naturnah leben können.

Dabei leistet das Papageienschutz-Centrum Bremen noch Aufklärungsarbeit und steht Ratsuchenden Papageienhaltern zur Seite.

Hier nur einige Beispiele der geleisteten Aufklärungsarbeit:

  • In Freiflug 2 wird das WP-Magazin wegen der Veröffentlichung von Bildern, die Papageien in nicht argerechten Situationen zeigen, abgemahnt.
  • Wer Kenntnis von einem angeleinten Papageien erhält, sollte die zuständigen Behörden einschalten.
  • Der Firma Brainpool wurde mit einer Anzeige gedroht (TV-Auftritt von Papageien).
  • Freiflug 3: Einem Züchter wurde sein schmutziges Handwerk gelegt, und zwar vom Papageienschutz-Centrum Bremen.
  • Tip für den Besuch im Zoohandel: Behörden einschalten.
  • Und eine neuerliche Erfolgsmeldung für das Papageienschutz-Centrum Bremen: Frau Dr. Schwabenbauer vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft hat bestätigt, dass das Anleinen von Papageien eventuell tierschutzwidrig sein könnte.
  • Freilflug 4/5 behandelt ausführlich die Problematik um Import, Cites und den Spix-Ara.
  • Freiflug 6: Die Entlarvung des betrügerischen Züchters. Daneben ein so wichtiges Thema wie Reiki für Papageien. Mehrere Seiten zur Frage, ob Papageien Grit brauchen. Nachdem quasi en passant auf die Missstände in deutschen Vogelparks aufmerksam gemacht wurde, kommt das Highlight der Ausgabe:
    Thomas Arndt hatte sich auf die Kritik an der WP unter anderem dahingehend geäußert, dass man doch nicht immer alles mit dem erhobenen Zeigefinger sehen müsse.
    In Erwiderung hierauf macht H. H. Braune für das Papageienschutz-Centrum Bremen deutlich, dass nur strenger, reiner Papageienschutz wirklich Papageienschutz sein kann:
    "Es (das Papageienschutz-Centrum Bremen, Anm. d. Rez.) wird den Zeigefinger nicht nur heben, sondern auch auf jene richten, die Verantwortung tragen für die katastrophale Situation in der sich die überwiegende Mehrheit der als Haustiere gehaltenen Papageien hier zu Lande immer noch befindet." ( S. 22)

Ein wirklich beeindruckendes Stück Aufklärung. Und wenn der geneigte Leser es bis zum Ende konsequent durchdenkt, völlig berechtigt und logisch: Papageien gehören nicht in den Haushalt. Zucht und Handel sind abzulehnen. Darum nützt auch die Aufklärung der Privathalter im Sinne der Verbesserung der Haltungsbedingungen nichts, sondern nur die Requirierung der Tiere für eine Freiflughalle. Es darf unter diesen Prämissen auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass Papageienhaltung Freude bereiten könnte, denn das müssten die Tiere ja wieder ausbaden.

Erst dermaßen ernst genommen, kann von wirklichem Papageienschutz gesprochen werden. Daher sollte die APN als moralisch mitschuldig am Papageienelend in Privathaltung den letzten Schritt zum wahren Papageienschutz auch noch tun und ihr Internetangebot gänzlich einstellen.

Aber daran wird das Papageienschutz-Centrum Bremen ja nun mit Macht arbeiten. Nämlich dass Informationsdatenbanken, die über Jahre gewachsen sind und Aufklärungsarbeit leisten, mit ihrem Angebot vom Netz verschwinden sollen.

Nur vergisst Herr Braune vielleicht eines:

Es gibt mehr Leute, die sich um die Papageienvögel kümmern und sorgen, die außerhalb des Landes Bremen leben, als man im Lande Bremen vielleicht denkt. Nur leisten diese Leute wahre Aufklärungsarbeit und arbeiten mit den Haltern anstatt gegen sie.

Dieses Thema wird u.a. hier diskutiert.

  Zur Homepage:
Verfasser: Dr. Heinrich Horstmann
Adaption Web: Thorsten Bönte
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © 09/2003