Quellfutter, Keime und Grünkräuter
Einleitung


Keimfutter kann man in unterschiedliche Formen unterteilen: Quellfutter, Keimfutter und Grünfutter. Der Unterschied lieg im Entwicklungsstadium der Samen. Werden Samen im Wasser eingeweicht, saugen sie sich voll, weichen und quellen auf. Lässt man die gequollenen Körner weitere 24 - 48 Stunden entwickeln, platzen die Schalen auf und es wird der Keimling der neuen Pflanze sichtbar. Er ist weiß, weil er noch kein Chlorophyll (den Pflanzenfarbstoff) besitzt. Das sogenannte Grünkraut oder Gras wächst in zwölf und mehr Tagen heran, hat schon eine Blattentwicklung hinter sich und die Nährstoffe sind wieder relativ komplex geworden.
 
Der Keimprozess
Sprossen, oder auch Keimlinge genannt, sind Samen die gerade dabei sind, sich zur Jungpflanze zu entwickeln. Bei diesem Wachstumsprozess entstehen durch Zellteilung und Zellvermehrung die im Samen angelegten Pflanzenorgane. Im Samen sind alle Nährstoffe (Kohlenhydrate, Proteine, Enzyme, Fette usw.), welche der Pflanzenembryo zu seiner Entwicklung braucht, gespeichert. Da Samen in der Natur normalerweise Monate liegen, ehe sie im Frühjahr zum Leben erwachen, sind die Nährstoffe in einer hochmolekularen, komplexen, stabilen und damit lange haltbaren Form gespeichert. Diese Nährstoffe können aber daher von Papageien auch nur schwer aufgeschlossen werden.
Gelangt nun Feuchtigkeit und Sauerstoff an den Samen, beginnt eine Umwandlung der Inhaltsstoffe und die schützende Hülle wird gesprengt. Durch die Ab-, Um- und Aufbauvorgänge werden diese Substanzen teilweise aufgespalten und zu leicht verwertbaren Nährstoffen umgewandelt. Im weiteren Keimungsprozess bilden sich dann wieder neue Verbindungen wie etwa Chlorophyll, Cellulose, neue Enzyme, neue Pflanzenhormone und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.

Im Wesentlichen bringt der Keimvorgang folgende Veränderungen im Samen mit sich:

  • Der Vitamin-, Protein- und Enzymgehalt erhöht sich und es werden neue gebildet.
  • Keimlinge liefern besonders große Mengen an Vitamin C und B, erhebliche Mengen auch an Vitamin A und E.
  • Wachstumshemmende Substanzen wie Phytinsäure werden abgebaut
  • Stärke wandelt sich in Maltose und Dextrin um.
  • Fette wandeln sich in essenzielle Fettsäuren.
  • Aufgrund der Aufnahme von Wasser sinkt der Kaloriengehalt der Körner pro Gewichtseinheit. 
  • Der Fettgehalt reduziert sich je nach Pflanzenart um 10 bis 60 Prozent.
  • Der relative Eiweißgehalt erhöht sich und die Qualität der Proteine (die Zusammensetzung der Aminosäuren) verbessert sich.
  • Der Mineralstoffgehalt nimmt zu.
  • Der Ballaststoffgehalt erhöht sich.
  • Die Bekömmlichkeit von Hülsenfrüchten wird stark verbessert. 
  • Beim Keimen nimmt die Verbesserung der Nutzbarkeit der Mineralstoffe und Vitamine im Darm zu. Zum Beispiel durch den Abbau der im Getreide enthaltenen Phytinsäure. Diese bindet zahlreiche Wirkstoffe unlöslich an sich, welche somit nicht ins Blut aufgenommen werden können.
  • Mineralstoffe und Spurenelemente werden in komplexere Formen umgewandelt.

Keimlinge sind also in den ernährungsphysiologischen Eigenschaften den trockenen Samen, aber häufig auch den ausgewachsenen Pflanzen überlegen. Sie sind "vorverdaute", leicht aufschließbare Lebensmittel, die durch ihren Enzymgehalt sogar dabei helfen, normale Nahrungsmittel besser zu verwerten.

Welche Saaten eignen sich nicht zur Herstellung von Keimfutter?
Es können Samen von Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchten oder Gewürzen gekeimt werden. Es sind alle Saaten, die die Tiere auch im trockenen Zustand zu fressen bekommen, geeignet. Auch werden von manchen Futterherstellern spezielle Keimfuttermischungen für Papageien angeboten. Ungeeignet für Keimfutter ist geschälter Hafer, da dieser meist nicht keimt. Die Samen von Nachtschattengewächsen (Tomaten/Peperoni/Paprika) sind wegen des hohen Gehalts an Solanin im Keimlingsstadium ungenießbar. Grundsätzlich sollen für Keimfutter nur qualitativ hochwertige Samenmischungen verwendet werden, dies gilt jedoch auch für das normale Körnerfutter.
Die Zubereitung von Keimfutter
Bei der Zubereitung von Keimfutter ist es wichtig, auf die Hygiene zu achten. Aufgrund des feuchtwarmen Klimas bilden sich beim Keimfutter leicht Schimmelpilze. Wenn das Futter säuerlich riecht oder sich Schimmelspuren zeigen, muss es weggeworfen werden. Auch wenn nur einzelne Körner schimmlig sind, sollte das gesamte Keimfutter vernichtet werden. Schimmelbildung ist auch ein Anzeichen für eine generell schlechte Qualität der Körner im trockenen Zustand, außer, man hat es unhygienisch zubereitet. 

Das Futter sollte im Sommer nicht länger als einen halben Tag für die Vögel zugänglich sein, da es gerade bei warmen Wetter schnell verdirbt. Die Näpfe, in denen Keimfutter angeboten wird, sollten nach dem Entfernen heiß und gründlich auswaschen werden.

Die Körner werden in ein Sieb gegeben und unter fließendem Wasser abgewaschen. Das Sieb wird mit den Körnern in eine Schale mit Wasser gestellt, so dass die Körner mit Wasser bedeckt sind. Dann lässt man die Körner ca. 12 Stunden quellen. (In diesem Stadium können die Körner schon als Quellfutter den Papageien angeboten werden.)

Nach Ablauf dieser Zeit spült man die Körner erneut, lässt das Wasser abtropfen und hängt das Sieb mit den Körnern wieder in eine Schale. Darüber legt man locker einen Deckel, damit die Körner nicht austrocknen. Die Körner sollen nun im Sieb zwischen 24 und 48 Stunden bei möglichst konstanter Temperatur keimen.
Das nun entstehende Keimfutter sollte nun etwa alle zwölf Stunden unter fließendem Wasser gewaschen werden, damit es nicht austrocknet und um Schimmelbildung zu vermeiden. Wenn die Keime sichtbar werden, kann es an die Vögel verfüttert werden. Vor dem Füttern sollte es nochmals gewaschen werden und abtropfen.
Es gibt auch spezielle Keimapparate oder Keimsilos zu kaufen, jedoch sind meine persönlichen Erfahrungen damit nicht so gut, da dort häufiger Schimmelbefall festzustellen war.

Vorteile des Keimfutters: Es kann leichter gefressen werden durch das Aufweichen und durch die geöffneten Hülsen. Die Verdaulichkeit ist besser, im Muskelmagen können die Samen leichter zerrieben werden. Durch die bessere Zusammensetzung der Nährstoffe und den höheren Vitamingehalt sind Keimlinge gut für die Gesunderhaltung der Papageien.

Guten Appetit!

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