Eine Zuchtgeschichte oder Herkules
 

Ein Bericht von Axel Wittenstein

Hallo. Ich heiße Axel und bin Halter von zwei Papageienpaaren.
Ein Graupapageienpärchen und ein Gelbbrustarapaar, Baujahr 1999. Jadzia und Hugo leben, zusammen mit den Grauen, im Familienanschluss. Sie haben einen 40 qm großen Innenraum und eine 23 qm große Außenfläche zur Verfügung. Da mir die Tiere als Haustiere wichtig sind, ging es mir nie um Zuchtabsichten; um ihnen jedoch die Möglichkeit zu geben, ihr Papageiendasein auszuleben, habe ich frühzeitig einen Naturstammnistkasten bereitgestellt.


Jadzia rechts, Hugo links



Der Naturstammnistkasten.
Im Einstiegsloch ist Jadzias Schwanzfeder zu erkennen
Wie in der Natur auch, wo Gelbbrustaras in nach oben offenen Stämmen brüten, habe ich den Deckel des Kastens entfernt. Als Einstreu dienen Hobelspäne, wie sie auch für Kaninchen benutzt werden. Am 22.04.2004, nachdem schon tagelang der Nistkasten bearbeitet wurde, Streu rausgeschmissen und von mir nachgefüllt wurde, lag das allererste Ei im Kasten. Ei Nr. 2 und 3 folgten am 25. und 27. 04. Da ich nicht genau wusste, inwieweit ihr Gatte sie versorgt, auch wenn ich ihn immer wieder mal bei der Versorgung gesehen habe, habe ich ihr einmal am Tag mit der Futterspritze etwas gegeben.
Nicht eine Woche später ist Jadzia nachts aus dem Nest gegangen. Ich weiß nicht, ob sie etwas erschreckt hat oder ob sie einfach keine Lust mehr hatte, am nächsten Morgen waren alle drei Eier kaputt. Eins lag außerhalb des Kastens auf dem Boden, zwei lagen innen. Aufgrund eines kleinen, hellroten Blutklumpens bei einem Ei vermutete ich, dass dieses befruchtet war. Die Schale erschien mir etwas dünn, jedoch nicht allzu instabil. Ich habe die Eier entsorgt, den Kasten gereinigt, neue Streu eingefüllt und den Deckel wieder draufgemacht.
 Ich dachte, vielleicht wird sie durch den offenen Deckel zuviel abgelenkt oder gestört. Von da an ging Jadzia nicht mehr in den Nistkasten, weil sie nicht durch das Einstiegsloch wollte. Dieses habe ich dann noch vergrößert und habe ihr einen zweiten Nistkasten gebaut, der vollkommen verschieden von dem Naturstammkasten ist. Beide Kästen wurden begutachtet, keiner wurde betreten. Das Verhalten der beiden wie zur Balzzeit hielt jedoch unvermindert an. Am 02.06. wurde Jadzia ziemlich ruhig. Sie saß viel alleine auf einer Stange oder vor dem Fenster. Auch am 03.06. änderte sich das Verhalten nicht. Sie war auch plötzlich wieder sehr schmusig. Das alles kam mir sehr komisch vor und mehr einer inneren Eingebung folgend, habe ich den Deckel des Naturstammkasten wieder entfernt. Meine Gedanken waren die, dass sie eventuell, sollte sie ein Ei im Legedarm haben und nicht wissen, wo sie dies ablegen könnte, Legenot oder Schichteier bekäme. Offensichtlich hatte ich richtig getippt. Es dauerte keine 2 Minuten und Jadzia saß im Kasten und ward lange, lange nicht mehr gesehen. Diesmal ließ ich sie vollkommen in Ruhe und kümmerte mich überhaupt nicht um sie.


Der zweite Nistkasten, in einem Schrank integriert.

Nach einiger Zeit kam sie morgens zum Fressen raus. Am Sonntag, den 20.06. habe ich mittels Spiegel einen Blick in den Kasten geworfen und drei Eier liegen sehen. Das Drama begann in der Nacht von Sonntag, 27.06., auf Montag, Um 2.00 Uhr hörte ich Flügelschlagen im Vogelzimmer (das Schlafzimmer grenzt direkt an das Vogelzimmer). Da es dort nicht sehr hell ist, bin ich aufgestanden, habe Licht gemacht. Jadzia saß etwas verwirrt auf einem Kletterbaum, Hugo ruhig auf seinem Schlafplatz. Sie machte keine Anstalten, sich ihrem Kasten wieder zu nähern oder gar reinzugehen. Da mir die Situation ja von den ersten drei Eiern bekannt zu sein schien, habe ich zwei Eier entnommen und geschiert. Bei einem Ei war die Schale angeknackst. Beim Schieren sah ich eine große Luftblase und einen eingetrockneten Rest an der Spitze des Eis. Ich dachte, sie sei vielleicht runter gegangen, weil das Ei kaputt war. Das zweite Ei war sehr dunkel, aber mit Blutadern. Vor Schreck viel es mir runter und die Schale ward geborsten. Die beiden Eier habe ich in die Küche auf die Fensterbank auf einen Plastikdeckel gelegt. Das dritte Ei habe ich dann ebenfalls noch geschiert. Es sah aus wie das zweite Ei, also sehr dunkel und mit Adern durchzogen; ich habe es wieder in den Kasten getan. Jadzia hat sich zwar mal auf den Rand des Kastens gesetzt und scharf hineingeäugt, aber mehr nicht. Sie ist dann zu ihrem Gatten an den Schlafplatz gegangen. Nachdem ich noch ca. 15 Minuten gewartet habe um zu sehen, ob sie wieder in den Kasten ging, was sie nicht tat, bin ich ins Bett.
Am nächsten Morgen um 9.00 Uhr bin ich aufgestanden: Jadzia saß im Kasten. Nun gut, dachte ich mir, vielleicht war sie nicht zu lange runter und das Ei hat noch eine Chance. Ich bin in die Küche. Bevor ich Eier entsorge, schaue ich immer nach, was los ist. Ich nahm das eingetrocknete Ei und schnitt mit einer Nagelschere ein kleines Loch in die Luftkammer. In der Eispitze sah ich eine Wand aus, wie ich dachte, getrockneten Eiweißes. Gerade als ich dies weiter untersuchen wollte, fing das Ei an zu piepsen. Es dauerte ein paar Sekunden, bevor ich gerafft habe, was passiert war. Nachdem ich dann einen scharfen Blick durch das Loch auf den vermeintlich eingetrockneten Klumpen geworfen hatte und dieser sich dann synchron zum Piepsen bewegte, war klar: Das Ei enthielt ein fertig ausgebildetes Küken. Ich kam mir wie ein Verbrecher vor. Während mir ein paar Tränen durchs Gesicht kullerten, habe ich das Ei in beide Hände genommen und versucht zu wärmen. Dann habe ich mich erst mal hingesetzt und versucht nachzudenken. Was tun? Entsorgen? Der Gedanke kam kurz, aber ein Blick auf das immer noch piepsende und sich bewegende Objekt in meiner Hand ließen diese Gedanken schnell verschwinden. Nun gut. Also habe ich mich ans Telefon geklemmt und erst mal alle möglichen Leute angerufen, wie weiter vorzugehen sei. Da ich kein passendes Behältnis mit 38°C hatte, noch zu jung für eine Heizdecke bin und der Backofen im Leerlauf auf ca. 50° heizt, musste ein Brutkasten her. Wo gibt es denn so was? Tiermärkte und Zoogeschäfte habe ich angerufen; einer konnte mir dann einen Namen geben, wo ich auch tatsächlich einen Kasten erwerben konnte. Nachdem ich das Ei nun fast drei Stunden in Händen hatte, habe ich den Backofen auf 42 ° erwärmt, zwei Schüsseln heißes Wasser dazu und bin zu dem Laden mit den Brutkästen gefahren. Gott sei Dank waren das nur 12 km ein Weg. Nach 45 Minuten war ich zurück. Nach weiteren 10 Minuten war das Ei an seinem Bestimmungsort. Nun hieß es erst mal: Warten.


An der Stelle lagen die beiden Eier. Das Fenster war in etwa so wie auf dem Foto geöffnet.

Auch hatte ich erst mal etwas Zeit, mir Gedanken zu machen, was eigentlich passiert war: Drei Tage, bevor ein Araküken schlüpft, bricht es die Eierschale von innen an, durchstößt die Eihaut und stellt auf Lungenatmung um. Das wird in der Nacht passiert sein. Vermutlich hat Jadzia plötzlich am Bauch etwas gemerkt, durch die Dunkelheit konnte sie nichts sehen und in ihre Unerfahrenheit mag sie vermutet haben, da sei etwas in den Nistkasten eingedrungen. Also ist sie vor Schreck raus. Dies ist eine mögliche Erklärung. Und da ich mit nicht einem Gedanken daran gedacht habe, dass überhaupt schon ein Küken da sein könnte, habe ich den Fehler gemacht und das Gelege auseinander gerissen. Richtig wäre es gewesen, einfach abzuwarten bis zum nächsten Morgen.
Man stelle sich das mal vor: Das Ei hat sieben Stunden in einer unbeheizten Küche vor einem offenen Dachfenster gelegen und lebte noch. Es hätte mit Sicherheit zehn Stunden unbebrütet in dem Nistkasten überlebt.
Da die Schale nun ein großes Loch enthielt, konnte ich das Ei nicht wieder in den Kasten unter ihren Bauch schieben. Es wäre ausgetrocknet. In dem Brutkasten lag es bei 80% Luftfeuchtigkeit.


Der Brutkasten.
Normalerweise passt der weiße Deckel auf die weiße Unterhälfte. Das Bild wurde am 8. Tag gemacht. Da das Küken schon sehr groß war und die Gefahr bestand, dass es an die Heizdrähte in dem Deckel kommen könnte, haben wir einen Holzrahmen hineingesetzt um die Deckenhöhe zu vergrößern. Oben drauf ist das Heizelement. Der Stab ist ein Digitalthermometer. Die Zeitungsstücke bedecken die Guckfenster.


Im Nistkasten

Nun war jedoch die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Küken durch die stundenlange zu niedrige Temperatur zuviel Kraft verloren hatte, um sich selber aus dem Ei zu befreien. Ab wann leistet man Schlupfhilfe? Überall las ich und sagte man mir: Geduld. Ich bekam den Tip: Sollte das Küken 30 Minuten lang keinen Ton von sich geben und sich auch nicht mehr rühren, dann sollte ich eingreifen. Das erschien mir sehr gut zu sein. Also beobachteten wir das Ei, an dem sich gar nichts tat, hörten zu. Aber das Küken schien sehr kräftig zu sein. Am folgenden Tag, Dienstag, habe ich ab mittags angefangen, isotonische Kochsalzlösung in das Ei zu träufeln. Die Eihaut schien trotz 80% Luftfeuchtigkeit, langsam trocken zu werden. Passiert das, gibt es für das Küken keine Möglichkeit, sich selber zu befreien. Außerdem wird die Eihaut durchsichtig, wenn man sie mit der Lösung beträufelt. Dann kann man sehr gut sehen, ob das Blut, welches normalerweise in Adern durch die Eihaut fließt, schon in das Küken übergegangen ist. Das war der Fall, die Eihaut enthielt nur noch getrocknete Fragmente von Adern. Ein gutes Zeichen. Jetzt musste nur noch das Eidotter in den Körper des Kükens gesogen werden, und es wäre fertig zum Schlüpfen. Küken liegen wie Menschenbabies ventral, also bauchwärts, gekrümmt. Der Dotter wird durch den Bauchnabel, den Vögel tatsächlich haben, eingesogen. Da man das nicht von außen erkennen kann, ist eine zu frühe Schlupfhilfe nicht ungefährlich. Ich dachte mir „drei Tage zum Schlüpfen“ und hatte ausgemacht, wenn sich nichts weiter tut, wollte ich Mittwoch im Laufe des Tages helfen.
Am Dienstag um 15.10 Uhr schaute ich mal wieder in den Kasten: Das Ei hatte einen großen Riss, wie die Titanic. Von da an ging es schnell: Innerhalb von 20 Minuten war alles erledigt und wir hatten ein vollkommen korrekt entwickeltes Küken im Brutkasten liegen. Ich war so erleichtert und froh, dass der Kleine diese erste Hürde problemlos geschafft hatte.

Das Ei. Deutlich zu erkennen, wie sauber die Bruchstelle angepickt wurde. Einmal rundherum. Durch diese Bruchstelle und einen sehr starken Nackenmuskel „sprengt“ das Küken den Eiboden (rechts) ab. Im Ei die Reste der ehemals durchbluteten Eihaut.


Das Araei im Vergleich zu einem Hühnerei Grösse "L".

Als Namen hatte ich mir erst mal „Junior“ gedacht. Bei einem Telefonat mit Gabi meinte die, der wäre doch so stark, er müsste eigentlich „Herkules“ heißen. Das hörte sich für mich allerbest an, also tauften wir das Küken Herkules .



Herkules, drei Tage alt.

Das Herkules seinem Namen alle Ehre machte, zeigte er gleich nach dem Schlupf: Alle sagten mir, das Schlüpfen wäre eine Riesenanstrengung für die Küken, und danach würden sie ca. drei Stunden ruhig daliegen und sich erholen („Nicht erschrecken, Axel“). Nicht mal fünf Minuten war Herkules ruhig. Deswegen bekamen wir auch kein ordentliches Gewicht, da er auf der ZehntelGrammWaage soviel rumgezappelt hat, dass das Gewicht zwischen 17 und 30 g schwankte.
Auch was den ersten Kot anging, hielt sich Herkules nicht an die gängige Praxis: Einen dunklen Kothaufen sollte er absetzen, danach sollte man mit den Fütterungen beginnen. Um 18.00 Uhr haben wir das erste Mal gefüttert, ohne dass der Gute Kot abgesetzt hatte. Der kam dann Gott sei Dank kurze Zeit später eine grüne Wurst, ein weißes Etwas und etwas klare Flüssigkeit; wie sich das gehört.
Gefüttert haben wir Ricos Babybrei, den ich an dieser Stelle nur weiter empfehlen kann, angerührt mit Möhrensaft und Babybrei Pfirsich/Maracuja. Je 1 ml mit einer Insulinspritze, ca. alle zwei Stunden. Nachts dann um 3.00 Uhr die letzte Fütterung, um 6.00 Uhr morgens die erste. Dann ist der Kropf leer und vor der Fütterung wird er gewogen. Am Mittwoch, 30.06., hatten wir dann endlich ein Gewicht: 26 Gramm.
 
Nach der ersten Hürde kamen die ersten Tage. Es war grausam. Kropf nicht leer nach zwei Stunden; Hilfe, was tun? Verdauung in Ordnung? Häufiges Schreien; ist der Vogel in Ordnung? Temperatur? Futterkonsistenz? Niemals drauffüttern hieß es von der einen Seite, der Kropf könnte säuern. Dann ist es aus. Niemals den Kropf leer werden lassen; das unterbricht die Darmtätigkeit und ist schädlich für das Küken, hieß es von der anderen Seite. Es muß alle zwei Stunden gefüttert werden, sagen die einen. Nachts können ruhig sechs Stunden Pause sein, die anderen. 10 % des Körpergewichts sollten gefüttert werden, sagen die einen. Viel zu viel sagen die anderen. Wie reagiert ein Araküken normalerweise? Wann muß man was machen?
Nachdem ich dann am Mittwoch sogar noch im Loro Parque angerufen hatte und mit Matthias Reinschmidt gesprochen hatte, der mir von Möhrensaft zugunsten von Kümmeltee abgeraten hatte, hat sich bei uns folgendes herauskristallisiert:
Die erste Woche haben wir tagsüber ca. einen Zwei-Stunden-Rhythmus eingehalten. Wir haben immer soviel gefüttert, dass der Kropf gut gefüllt war, jedoch nicht so hart wie ein aufgeblasener Luftballon. Das waren ca. 1 ml die ersten zwei Tage, danach bis 2 ml am dritten Tag, bis 3 ml am vierten und fünften Tag, ab dann bis 5 ml und darüber hinaus. Die Futterkonsistenz haben wir etwas variiert, jedoch darauf geachtet, dass immer ausreichend Flüssigkeit zugeführt wird. Das Küken hat eine glänzende Haut, was ein Zeichen für ausreichend Flüssigkeit ist. Generell haben wir das Futter lieber etwas flüssiger gemacht als zu fest. Der Kleine kann es dann auch deutlich besser schlucken. Auf einen Teelöffel Futter kamen ca. 3 TL Flüssigkeit.


Fütterung. Noch nahmen wir die 1 ml Insulinspritze. Die Öffnung ist erweitert worden, damit die dicken Stücke aus dem Futterbrei durchgehen. 9.Tag


Das Spritzensortiment zur Fütterung: 1ml, 3ml und 100 ml. Überall wurde die Öffnung erweitert bzw. abgeschnitten, damit der Brei, der dicke Stücke enthält, durchpasst.
Gefüttert haben wir um 3.00 Uhr am ersten Tag, danach wieder um 6.00 Uhr. Diesen Drei-Stunden-Abstand haben wir jeden Tag etwas verlängert. Heute, Tag 9, füttere ich zwischen Mitternacht und 1.00 Uhr das letzte Mal. Tagsüber haben wir den Kropf nie leer werden lassen. Wir haben darauf geachtet, dass der Kropf deutlich leerer war als direkt nach der Fütterung, aber wenn ein erbsengroßer Rest geblieben war, haben wir „draufgefüttert“. Wichtig war, dass einmal in 24 Stunden der Kropf geleert sein sollte; das ist während der Nachtpause der Fall. Die erste Fütterung um 6.00 Uhr ging immer in einen leeren Kropf.
Nachdem mir, wie oben erwähnt, von Möhrensaft abgeraten worden war, ohne Angabe von Gründen, haben wir wahlweise Kümmel- bzw. Fencheltee genommen, morgens frisch aufgebrüht. Den Babybrei Pfirsich/Maracuja haben wir durch Mangomuss ersetzt, da Mangos ein natürlicher Futterbestandteil der Aras sind. Außerdem kam bei jeder Fütterung ein paar Tropfen frisch ausgequetschter Papayasaft hinzu; das darin enthaltene Papain und einige andere Enzyme sind ebenfalls gut für die Verdauung.
Inzwischen, Tag 9, haben wir wieder den Möhrensaft hinzugenommen, plus Tee plus Papayasaft plus Mango. Fütterung ist nur noch alle 3 bis 4 Stunden, je nach Kropfinhalt.

Das Fütterungssortiment: Die weiße Keramikschüssel in dem heißen Wasserbad, die 100 ml Spritze ebenfalls in heißem Wasser, Mangomuss, Nekton MSA, da der Futterbrei nicht genügend Spurenelemente wie z.B. Mangan enthält, ein Schälchen mit Papayastücken, die mit dem Suppenlöffel und dem Esslöffel ausgepresst und der Saft in den Brei getropft wird. Im Vordergrund der Futterbrei von Rico’s Futterkiste.


Das Digitalthermometer. Da ein Fieberthermometer nur bis 42°C geht, ist ein Thermometer wie auf dem Bild zwingend notwendig. Bei knapp 42° kühlt der Futterbrei in einer 1 ml Spritze viel zu schnell ab und ist zu kalt, wenn er am Küken ankommt. Man muss also höher erwärmen.

Noch ein paar Worte zur Prozedur des Futteranrührens: Die Temperatur des gefütterten Breis sollte nicht unter 39°C liegen. Wie hoch die Maximumtemperatur liegt, habe ich bislang nicht rausbekommen; wir haben uns hier ein Temperaturfenster bis maximal 42°C gegönnt. Bei 1 ml Futtermenge ist die Optimumtemperatur nahezu nicht einzuhalten. Also haben wir generell gut 10 ml Brei hergestellt. Wir haben ein Keramiktöpfchen genommen, da es gut die Wärme hält. Dies haben wir in die längliche Schüssel gestellt, die mit heißem Wasser gefüllt war. Dann haben wir den Brei angerührt. Danach das Wasser in der Schüssel mit der Mikrowelle zum Kochen gebracht und den Brei mit dem Keramikgefäß auf eine Temperatur von ca. 45°C erhitzt. Die 1 ml Spritze haben wir ebenfalls in das heiße Wasser gelegt. Hatte der Brei die passende Temperatur, so haben wir ihn zum Brutkasten genommen, das Küken raus und den Brei dann in die Spritze gefüllt. Unentbehrlich ist ein Digitalthermometer mit einem Stabsensor, mit dem man direkt die Temperatur in der Spritze messen kann Bei Temperaturen zwischen 40 und 41° haben wir gefüttert. Inzwischen benutzen wir die dicke Darmspritze (100ml). Wir füllen die große Plastikschüssel mit heißem Wasser und ziehen davon etwas in die Spritze. Der Futterbrei wird wie oben beschrieben hergestellt. Nachdem er auf ca. 43° erwärmt ist, füllen wir ihn mit einem Löffel in die Spritze und drücken die Luft raus. Danach kommt das Thermometer vorne hinein und ab 40,5 °, oder auch etwas mehr, niemals aber über 42°, wird gefüttert. In den Pausen während einer Fütterung sauge ich den zu kalt gewordenen Teil aus der Spritzentülle, bevor ich das Küken weiter füttere. Wie heißt es doch: Ein Löffel für Papa, einer für das Küken und gesund ist es auch noch.
Ebenfalls wichtig ist, dass das Küken jeden Tag zunimmt. Hier unsere Tabelle:

Tag  0:  k.A.
Tag  1:  26,0g
Tag  2:  29,0g
Tag  3:  33,3g
Tag  5:  46,3g
Tag  6:  60,0g
Tag  7:  65,8g
Tag  8:  74,5g
Tag  9:  86,0g
Tag 10: 101,0g


to be continued ...

Wie verhält sich so ein Winzling? Direkt nach der Fütterung wird noch etwas geschrieen, meist ca. 15 Minuten, dann geschlafen. Schon nach 48 Stunden hörte sich das Schreien wie ein Mini-Ara an. Inzwischen gibt es drei Schreitöne. Ara, Sopran und Ichbinsoeinsam. Auch sollte man einen schlafenden Ara nicht wecken. Bekommt er im Halbschlaf sein Futter, so scheint er das nicht zu registrieren und schreit u.U. noch eine Stunde nach der Fütterung und macht Schluckbewegungen.
Reagiert das Küken die ersten Tage noch ungehalten auf Berührung, so ändert sich das ab dem 5.Tag. Kopfkraulen wird gerne genommen, am Bauch und an den Füßen bin ich kitzelig und kann auch schon mal versuchen zu hacken. Da der Kot die ersten sechs Tage sehr schmierig ist und am Küken klebt, sind umfassende Reinigungsmaßnahmen notwendig. Da wird auch schon mal tüchtig geschimpft. Inzwischen, seit Tag 7 ca., ist der Kot relativ fest und bleibt nicht mehr kleben. Nu hat das liebe Kind Ruhe. Umfangreiche Kraulmaßnahmen sind nicht unbedingt erwünscht und enden immer in Schluckbewegungen. Verfressen ist kein Ausdruck, und wenn er könnte wie er wollte, würde er wahrscheinlich mit einem lauten Knall platzen.



Herkules, 10 Tage alt


Jadzia im Kasten. Zwischendurch schaut sie mal raus, reagiert aber ungehalten, wenn man sich nähert. Einzig die Futterspritze nimmt sie gerne.
Am Dienstag Morgen, 06.07., hörten wir aus dem Nistkasten ein nur allzu bekanntes Kreischen: Das letzte heile Ei hatte sich entleert und offensichtlich ein Küken entlassen. Bis heute, 08.07., ist dies am Leben und wird von seiner leiblichen Mutter versorgt. Geschrei und Ruhephasen wechseln sich ab, sie sitzt weiterhin stramm im Kasten. Um der griechischen Mythologie treu zu bleiben, habe ich das Küken Hera genannt. Als oberste / erste Göttin steht das Küken im Falle einer erfolgreichen Aufzucht als das erste für alle nachfolgenden Bruten. Um nicht eine Stressreaktion zu provozieren, halte ich mich von dem Kasten und Mama fern und lasse sie gewähren. Deswegen kann ich keine Aussagen über den Zustand von Hera machen.
Meine Hoffung geht dahin, dass in ein paar Wochen, wenn die Küken nahezu befiedert sind, ich Herkules irgendwie seiner Mutter unterjubeln kann, um eine absolute Fehlprägung auf den Menschen zu verhindern. Es ist ein trauriger Anblick, Herkules alleine in dem Brutkasten sitzen zu sehen. Er schläft in einer Position, als wenn er über den Rand der Schüssel kotzen würde. Wäre klasse, wenn dieser Rand ein zweites Küken wäre. Auch können wir ihm nicht die Art Wärme und Fürsorge geben, wie seine leibliche Mutter das könnte. Aber zur Zeit haben wir keine Alternative. Leider.
 
Es gibt allerdings ein weiteres Problem: Kennzeichnung. Ringe kann man beim ZZF oder BNA beziehen. Was einem dort für Steine in den Weg gelegt werden, ist unglaublich. Die ZZF verlangt tatsächlich die Zuchtgenehmigung im Original oder eine beglaubigte Kopie. Alleine die Tatsache, dass man ein amtliches Dokument im Original irgendwo hinschicken soll, finde ich unglaublich. Von Fax scheint man dort noch nichts gehört zu haben.
Der BNA verlangt für zwei Ringe inklusive Porto (Nachnahme ist die einzige Option!) und Bearbeitung fast 15 Euro. Für das Zuchtbuch, welches nicht mit den Ringen verschickt werden darf (so sagte man mir), wird noch mal Porto erhoben. Der Preis ist mir ja fast egal, solange er gerechtfertigt ist. Und das ist er hier in beiden Fällen nicht. Kein Wunder, dass Privathalter oftmals auf dieses Theater verzichten und es reichlich ungekennzeichnete Papageien gibt.
Da ich wahrscheinlich eh keine Möglichkeit habe, dass Küken im Nistkasten zu beringen, habe ich mich für den Chip entschlossen (ebenfalls nur gegen Nachnahme mit entsprechenden Kosten). Ich bin absolut gegen diesen unnötigen operativen Eingriff, aber die Alternative, der geschlossene Ring, sind auch nicht besser. Und bei Jadzia besteht durchaus die Gefahr, dass sie dieses Fremdteil nicht akzeptiert. Die Gefahr für die Vögel ist durch diesen Fußring meiner Meinung nach genauso hoch oder höher wie durch den operativen Eingriff und den Chip. Ein weiterer Vorteil des Chippens ist die Narkose, bei der ebenfalls Blut zur Untersuchung und Geschlechtsbestimmung abgenommen werden kann und ein erster Gesundheitscheck ohne Stress für das Tier durchgeführt werden kann. Gefallen tut mir das nicht und ich hasse die verantwortliche Obrigkeit dafür, nur diese beiden Optionen anzubieten. Da muß ich aber wohl durch. Sowohl BNA als auch die Tierärztliche Hochschule Hannover, die den Eingriff vornehmen würde, haben jedoch betont, dass die Komplikationen durch den Chip deutlich geringer sind, als die durch Ringe. Nun gut.

Soweit erst mal dieser Bericht. Heute ist der 09.07.2004. In absehbarer Zeit wird es ein kleines Update geben.
Bei Fragen oder Anregungen bin ich unter psittacus@aol.com zu erreichen.


Hugo. Auch wenn es gefährlich aussieht und tatsächlich eine Drohgebärde ist: Er lässt sich weiterhin gut händeln und auch anfassen. In solchen Momenten lasse ich ihn aber meist in Ruhe und gehe raus. Er beruhigt sich sehr schnell.
Danksagung

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle vor allem bei dem Team von Rico’s Futterkiste, die ständig mit Rat und Tipps beigestanden haben und sich durch meine allzu häufigen Anrufe nicht belästigt gefühlt haben. Ebenso möchte ich mich bei Frau Dr. Petra Wolf vom Institut für Tierernährung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover bedanken, dass sie mit ihrer nüchternen und offenen Art mir Zuversicht und Vertrauen in die Natur gegeben hat und ebenfalls 24 Stunden für mich da war. Matthias Reinschmidt möchte ich für die geduldige Beantwortung der Fragen eines blutigen Anfängers danken und dass er sich die Zeit für mich genommen hat. Gabi „Sternchen“ möchte ich für den tollen Namen danken, den „mein“ Erstgeschlüpftes bekommen hat.
Allen Leuten aus der APN, die die Daumen gedrückt und mich mit aufmunternden Worten unterstützt haben, möchte ich ebenfalls danken.

Abschließend noch ein Bild von den beiden, die aufgrund des ganzen Trubels viel zu kurz kommen und sich schon beschwert haben, dass ich mich nicht genug um sie kümmere und auch sonst kein Schwein mehr Notiz von ihnen nimmt.


Ich mit meinen beiden Grauen in der Aussenvoliere, wo sich die beiden jetzt ständig aufhalten.
Rechts Whoopie, links Sam

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