Versicherungen für Papageien


Lebensversicherung für Großsittiche und Großpapageien: JA
Krankenversicherung für Großsittiche und Großpapageien: Leider Fehlanzeige

Auf dem deutschen Markt wurden in der Vergangenheit von einigen Versicherern Kranken- und Lebensversicherungen für Tiere angeboten. So nach und nach verabschiedeten sich die Versicherer jedoch wieder aus diesem Geschäft. Einzige verbleibende Versicherung ist die Uelzener Versicherung mit Sitz in Uelzen. Bis vor kurzem beschränkte man sich auf Pferde, Katzen und Hunden. Jetzt hat der Versicherer auch die Lebensversicherung für Großsittiche und Großpapageien in ihr Programm aufgenommen. Eine Krankenversicherung wird leider nicht angeboten.

Die Beiträge und Bedingungen sehen wie folgt aus:

Der Jahresnettobeitrag (zuzügl. Versicherungsteuer z.Zt. 15 %) errechnet sich aus der Einzelversicherungssumme (Einzelversicherungssumme heißt die Summe die je Tier festgelegt wird):

Einzelversicherungssumme
bis 2.000 DM -> 6,5 %
bis 3.000 DM -> 8,5 %

Das bedeutet bei einer Versicherungssumme von DM 2.000 beträgt der Jahresbeitrag einschließlich Vers.Steuer DM 149,50.
Es besteht auch die Möglichkeit die "Gefahr" Brand, Blitzschlag und Tierdiebstahl in den Vertrag aufzunehmen. Der Jahresnettobeitrag errechnet sich
dann wie folgt:

Einzelversicherungssumme
bis 2.000 DM -> 8,25 %
bis 3.000 DM -> 10,5 %

Bei einer Versicherungssumme von DM 2.000 beträgt der Jahresbeitrag dann einschließlich Vers.Steuer DM 189,80.

Diese Beiträge können durch die Vereinbarung eines Sonderselbstbehaltes in Höhe von 10 % von der Gesamtversicherungssumme gesenkt werden:

Einzelversicherungssumme Tierdiebstahl mit Brand, Blitzschlag,
bis 2.000 DM        4,0 % 5,0 %
bis 3.000 DM        5,0 % 6,25 %

Die Entschädigung beträgt 80 % des Wertes des Tieres, begrenzt auf die vereinbarte Versicherungssumme. Die Versicherungssumme darf den tatsächlichen Wert eines Tieres nicht überschreiten. Der Versicherer leistet bei Tod (oder notwendiger Einschläferung), durch Krankheit oder Unfall. Außerdem kann - wie bereits erwähnt - der Diebstahl und Schäden durch Brand oder Blitzschlag mitversichert werden. Versichert gelten die Tiere am Wohnort des Halters, sowie auf Transportwegen und Ausstellungen innerhalb Deutschlands und im EG - Raum.

Das Aufnahmealter beträgt zwischen 6 Monaten und dem

  • vollendetem 10. Lebensjahr bei Großpapageien
  • vollendetem 5. Lebensjahr bei Großsittichen.

Der Mindestbeitrag (das ist die Summe, die mindestens gezahlt werden muß) beträgt 40 DM im Jahr. Auf die Möglichkeit der Beitragsreduzierung durch eine Selbstbeteiligung wurde oben bereits hingewiesen.

Die höchst mögliche Versicherungssumme beträgt 3.000 DM

Ausfertigungsgebühren werden auch noch fällig. Mit Erstellung des Versicherungsscheins erhebt der Versicherer 5,80 DM. Für weitere Rechnungen
werden 2,30 DM erhoben, es sei denn, man vereinbart das Lastschriftverfahren. Dann werden keine weiteren Gebühren fällig.

Die Bedingungen sehen wie folgt aus:

Versichert gelten Schäden durch den Tod oder die Nottötung der versicherten Tiere. Die Nottötung ist genau definiert:

    "Nottötung ist jede Schlachtung oder anderweitige Tötung eines Tieres, dessen Tod infolge einer Krankheit oder eines Unfalls auch bei
    sachverständigem Eingreifen mit Sicherheit spätestens innerhalb 48 Stunden zu erwarten ist."

Der Versicherungsschutz umfaßt auch Schäden, die dadurch entstehen, daß die Tiere durch Krankheiten oder durch Unfall zum im Versicherungsantrag angegebenen Verwendungszweck unbrauchbar geworden sind. Diese Unbrauchbarkeit gilt allerdings nur männliche Tiere in Bezug auf die Befruchtungsunfähigkeit. D.h., dieser Passus ist nur für Züchter interessant. Das Tier muß - damit der Versicherer leistet, zwei Monate ununterbrochen behandelt werden und die Behandlung incl. Fütterungskosten müssen dann mehr als ein 1/8 der Versicherungssumme betragen.

Jetzt kommen wir zu den Ausschlüssen. Einige kann man weglassen, weil diese Bedingungen auch für Pferde, Hunde Kühe, etc. gelten. Die wichtigsten
Ausschlüsse für Papageien sind:

  • Feuer, Blitzschlag, Explosion, Atomenergie, Erdbeben, Überschwemmung,
    Abhandenkommen, Diebstahl, Raub, Plünderung, Aufruhr, Verfügung von hoher Hand,
    Krieg oder innere Unruhe

Diese Ausschlüsse stehen in jedem Versicherungsvertrag. Einen Teil dieser Ausschlüsse kann man durch einen Zuschlag wieder einschließen (Brand,
Blitzschlag, Tierdiebstahl)

Beteiligung an Ausstellungen

Auch hier weist der Versicherer darauf hin, daß ein Einschluß möglich ist, jedoch nur durch eine besondere Vereinbarung und gegen Zuschlag:

  • Operation, soweit sie nicht der Abwendung eines Versicherungsfalles dient
  • Alter
  • Mängel oder Krankheiten, die bei Beginn des Versicherungsschutzes bereits vorhanden waren (!!!)   
  • infolge Ursachen, die in die Zeit einer mehr als zehn Tage ununterbrochenen Verleihung oder Vermietung fallen

Was hier genau gemeint ist, müßte noch bei Bedarf geklärt werden. Vorstellbar wäre, wenn Züchter ihre Tiere untereinander verleihen oder vermieten.

Schäden, die die "Leibesfrucht" betreffen

Aufgenommen werden alle gesunden Tiere. Der Gesundheitszustand kann eventuell nur durch ein tierärztliches Gutachten belegt werden. Versichert werden - wie bereits oben erwähnt - alle Papageien ab dem 6. Monat bis zum vollendeten 10. Lebensjahres (bei Sittichen bis zum vollendeten 5. Lebensjahres). Ältere Tiere können gegen Entrichtung eines "Alterszuschlages" mitversichert werden. Bei bereits versicherten Tieren endet der Versicherungsschutz nicht bei Überschreitung der Altersgrenze. Der Versicherer behält sich außerdem vor, alle oder einzelne Tiere ohne Angaben von Gründen abzulehnen. Der Versicherungsvertrag selbst kann maximal auf 5 Jahre abgeschlossen werden (aktuelle Gesetzgebung). Der Vertrag verlängert sich automatisch von Jahr zu Jahr, wenn er nicht einen Monat vor Ablauf des Vertrages gekündigt wird. Wird ein Tier verkauft oder getauscht, so endet der Versicherungsschutz zu diesem Datum, jedoch verlangt der Versicherer noch den Beitrag für das laufende Versicherungsjahr.

Zum Beginn der Versicherung ist noch folgendes anzumerken:

Wähle ich als Beginn des Vertrages den 01.01. beginnt der Versicherungsschutz selber erst eine Woche später (spätestens jedoch eine Woche Zahlung des Erstbeitrages). Diese sogenannte Wartezeit entfällt bei Schäden durch Unfälle.
Für bestimmte Krankheiten bedingt sich der Versicherer eine Wartezeit von drei Monaten aus (dazu zählen: Dummkoller, ansteckende Blutarmut, Hufkrebs, allen Arten von Dämpfigkeit, Kehlkopfpfeifen, periodischer Augenentzündung, Knochenweiche, Leukose und Leberegelseuche - wie gesagt, die Bedingungen gelten auch für andere Tiere).
Bei einer der o.a. Erkrankungen während der Wartezeit, kann der Versicherer innerhalb von einer Frist von einem Monat nach Eingang der ersten
Krankheitsanzeige gegen Rückerstattung des Beitrages abzüglich 20 % Verwaltungskosten vom Versicherungsvertrag zurücktreten.

Der Versicherer gibt auch klare Regelungen beim Verhalten von Erkrankungen, Unfällen und Nottötung vor. Eine erhebliche Erkrankung ( z.B. Kolik,
kolikähnliche Erscheinungen, anhaltende Abmagerung, anzeigepflichtige Seuchen, wie überhaupt alle Erkrankungen, und Unfälle, die die Hinzuziehung einen Tierarztes notwendig machen) oder ein erheblicher Unfall ist unverzüglich dem Vorstand der Gesellschaft schriftlich - in dringenden Fällen - telefonisch anzuzeigen. Eine Tötung versicherter Tiere darf nur mit Genehmigung des Vorstandes vorgenommen werden, es sei denn eine Zustimmung kann selbst telefonisch nicht mehr eingeholt werden. Verstößt der Versicherungsnehmer gegen diese Bestimmungen, kann der Versicherer die Zahlung verweigern. Ebenso muß dem Versicherer die Wiederherstellung eines erkrankten Tieres unverzüglich angezeigt werden. Bei "hochwertigen Tieren" kann der Versicherer im Todesfall eine Autopsie verlangen.

Fazit :

Wie bei jeder anderen Versicherung stellt sich die Frage, benötige ich eine Lebensversicherung für Papageien ? Bei einem Kaufpreis von 1.000 DM beträgt der Jahresbeitrag 74,80. Von diesem Kaufpreis werden jedoch nur 80 % ersetzt. D.h. nach 10,5 Jahren habe ich den Kaufpreis des Papageis an den Versicherer bezahlt. Das ganze wird noch in ganz andere Dimensionen getrieben, wenn ich nicht nur einen oder zwei Vögel besitze, sondern vielleicht vier oder sechs Vögel. Dann kann der Jahresbeitrag bei weit mehr als 500 DM liegen. Der Kaufpreis vieler Vögel liegt weit über den maximal möglichen Versicherungssummen. Da ist eine Kaufpreis von 8.000 DM und höher keine Seltenheit. Und gerade bei diesen Summen wäre eine Versicherung sinnvoll. Bei einer jedoch sehr hohen Lebenserwartung der Vögel müßte der Beitrag meines Erachtens weitaus geringer ausfallen. Auch weisen die Bedingungen - wie bei Versicherungen üblich - so manche Haken und Ösen auf.

Den Abschluß einer solchen Versicherung sollte wohl überlegt werden!


Autor
© Thorsten Bönte für die
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk  Februar 2001


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