Raritäten im Naturhistorischen Museum in Basel


Jeder, der seine Freude an dem verspielten Treiben lebender Papageien hat, mag zunächst mit gemischten Gefühlen an ein Museum denken, in dem seine Lieblinge als Präparate hinter Glas zu sehen sind.
Doch jeder, der tiefer in die Materie "Papageienkunde" eindringt und auch ein wissenschaftliches Interesse an diesen Vögeln hat, wird solch einen Besuch trotzdem interessant finden.
Vor einigen Wochen besuchte ich das berühmte Naturhistorische Museum in Basel / Schweiz. Dieses Museum ist so groß, dass ein Tag nicht ausreicht, will man alles sehen
In den Ausstellungsvitrinen im Bereich der Vögel findet sich eine Palette mit ca. 2000 Arten aus aller Welt. Papageien sind im Vergleich zu anderen Museen eher schwach vertreten, dafür werden ausgesprochene Raritäten gezeigt; teilweise sind manche dieser Präparate schon älter als 50 Jahre.

Die 4 wertvollsten Präparate möchte ich hier kurz vorstellen:

 

Der Kakapo oder Eulenpapagei
(Strigops habroptilus)

Der Kakapo ist einer der seltensten Papageien der Welt.
In seiner Heimat Neuseeland gibt es nur noch ca. 50 Tiere in Freiheit; diese leben auf wenigen Inseln, auf denen keine Raubtiere vorkommen. Da diese Papageienart flugunfähig ist (Kakapos sind die schwersten Papageien der Welt), sind wildernde Katzen und eingeführte Füchse die größten Feinde des Kakapos. (Mehr Info's: www.kakapo.net) Das Präparat in Basel ist schon sehr alt, daher ist es auch etwas ausgebleicht. Wer die neueren Filmaufnahmen von Kakapos kennt, merkt, dass die "Sitzposition" etwas zu aufrecht sein dürfte; Kakapos sind fast ausschließlich Bodenvögel und bewegen sich flach, mit ihrem Körper parallel zum Boden.
Nichts desto trotz eine absolute Rarität, denn Kakapos kann man nirgendwo auf der Welt in einem Zoo oder Vogelpark bewundern.

Erdsittich
(Pezoporus wallicus)

Im australischen Verbreitungsgebiet (einzelne, baumlose Abschnitte an der Meeresküste) eine absolute Seltenheit. Der genaue Status ist nicht bekannt; Erdsittiche werden außerhalb Australiens nirgendwo gehalten, und auch dort nur von einer Handvoll Züchtern.
Daher hat man wohl keine Möglichkeit Erdsittiche jemals zu sehen. Das Präparat in Basel ist gut erhalten, und die schöne Gefiederzeichnung, die eine optimale Tarnung für das Leben am Boden ist, lässt sich gut erkennen.

Spechtpapagei
(Micropsitta pusio)

Ich wusste schon lange, dass Spechtpapageien die Winzlinge unter den Papageien sind aber das sie SO klein sind, hätte ich nicht gedacht; gerne hätte ich eine Streichholzschachtel zum Größenvergleich danebengehalten; aber es war leider eine Scheibe dazwischen; aber dieses Vögelchen ist nicht größer als ein Zaunkönig; höchstens Daumengroß... schwer vorstellbar, dass das ein Papagei ist; vor allem seit den Artikeln in PAPAGEIEN haben es mir diese Kobolde besonders angetan; zu Gesicht bekam ich natürlich noch nie einen, da jeder Versuch, diese Mini-Papageien in Gefangenschaft zu halten mit dem Tod der Tiere nach nur wenigen Tagen endete und somit gibt es keinen Zoo, der Spechtpapageien hält; so bleibt einem nichts anderes übrig als in den Regenwald Neuguineas zu fahren... um auch dort nur mit viel, viel Glück und kundigen Führern vielleicht einen Spechtpapagei zu entdecken, oder, wenn das Kleingeld dafür nicht reicht, in das Basler Museum.

Spatelschwanzpapagei
(Prioniturus flavicans)

Im Juli "Papagei des Monats", deshalb will ich zu dieser Art nichts weiter schreiben sondern auf den entsprechenden Beitrag verweisen. Interessant nur, dass auf dem Schildchen die sehr alte Bezeichnung "Flaggenschwanzpapagei" verwendet wird.

Zum Schluss durfte ich mir dann auch noch die nicht-öffentliche Balg-Sammlung in den gekühlten Katakomben des Museums anschauen; besonders groß ist die Papageien-Sammlung auch dort nicht (im Vergleich zu Museen wie Berlin geradezu unbedeutend) sieht man einmal von mehreren Dutzend Edelpapageien der meisten Unterarten ab, die von einem Basler Wissenschaftler auf einer Expedition in den 40er Jahren gesammelt wurden; aber immerhin konnte ich dort noch eine Kaiseramazone (Amazona imperialis) entdecken; Nur noch wenige Hundert Exemplare dieser Art leben auf der Karibik Insel Dominica. In Gefangenschaft ist sie auch so gut wie nicht zu finden. Fotografieren war in diesem Bereich leider nicht möglich, denn Blitz war nicht erlaubt, wäre in den dunklen Räumen aber notwendig gewesen.

Links zum Lexikon der Papageien zu den oben beschriebenen Arten:


Autor
© Markus Kaufmann mit Ergänzungen von Thorsten Bönte
für die Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk 07/2000


Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
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