Alex, the Talking Parrot
Alex, the Talking 
		Parrot
Im Tagesdurchschnitt verfügt Alex, der afrikanische Graupapagei, über einen Wortschatz von mehr als einhundert Worten, die er miteinander vermischt, neu zusammenstellt, oder mit deren Hilfe er sich unterhält. Jetzt ist er dabei, Lesen zu lernen.

Originaltext: Jake Page
Übersetzung des englischen Originaltextes von : Erika Schiller

 

 


Wanna Meet Alex??Wanna Meet Alex?? Alex and 
		Company
Wissenschaftler haben Schimpansen und Gorillas die Zeichensprache gelehrt und beigebracht einfache Sätze zu bilden.

Delphine haben gelernt Symboltasten anzustoßen. Tiere können also lernen eine einfache Sprache zu gebrauchen.

Das ist nichts Neues. Jener Graupapagei jedoch, den sich Dr. Irene Pepperberg zu Studienzwecken ausgesucht hat, verfügt über eine unheimliche Fähigkeit die menschliche Stimme zu imitieren. Alex's ‚menschliche‘ Stimme ist enervierend weich und gut artikuliert. Kein krächzendes: "Polly will einen Keks" oder derbe Matrosenlieder.

In ungefähr 80% der Fälle kann Alex die Sachen, die er gezeigt bekommt, genau unterscheiden – von einen Stein bis hin zu einem Schlüsselbund --, anhand der Form, der Farbe oder des Materials. Er kann genau sagen, was er will: "Ich möchte den gelben Schlüssel." Wenn er von all dem müde geworden ist wird er sagen: " Möchte jetzt gehen."

 

 

Alex's Thoughts Who you callin' Birdbrain?Who you callin' Birdbrain?
Er bildet sogar eigene Wörter. Wenn er einen Apfel gezeigt bekommt, nennt er diesen "banerry," scheinbar eine Kombination aus "Banane" und "Kirsche." reichte man ihm eine Mandel mit Schale, so identifiziert er diese als "cork nut" was soviel wie "verkorkte Nuß" bedeuten soll.

Afrikanische Graupapageien (Psittacus erithacus) sind die begabtesten Nachahmer unter den 315 tropischen Papageienarten und deren verwandte Spezies (Sittiche, Kakadus, Wellensittiche und so weiter ). Auf deren Können wird hier nicht weiter eingegangen.

In der freien Wildbahn ziehen es Papageien vor, in großen lärmenden Schwärmen zusammenzuleben, und viele Wissenschaftler glauben, daß Papageienpärchen lernen bestimmte Vogelstimmen zu imitieren, um den Partner im Schwarm besser lokalisieren zu können. Eine Studentin von Dr. Pepperberg, Diana May, ging letztes Jahr nach Zentral Afrika um erstmalig das stimmliche Verhalten der Graupapageien zu studieren und aufzuzeichnen. May fand heraus daß wildlebende Graupapageien sehr gesellig sind, die in der Gruppe Futter aufnehmen, gemeinsam Raubtieren aus dem Weg gehen, und daß Papageienpärchen auch dann ihre Zeit miteinander verbringen, wenn sie keine Jungen aufziehen. In ihrer weiteren Arbeit hofft sie, bestimmte Papageien-Laute den Aktivitäten innerhalb der Papageiengesllschaft zuordnen zu können.

 

 


How Many Blocks?How Many Blocks? How Many??
Nachdem er nunmehr neunzehn seiner zwanzig Jahre mit Dr. Pepperberg trainiert, hat Alex gelernt zu zählen und mitzuteilen, wieviel Objekte einer bestimmten Art sich innerhalb einer Vielzahl anderer Objekte - unterschiedlichster Art und Farben - befinden.  Er kann uns auch sagen, welches von zwei Objekten größer oder kleiner ist. ( Er kann sie auch als "gleich" bezeichnen, wenn sie gleich sind. )

Er hat gelernt bestimmte Klänge mit den Buchstaben T, SH und OR in Verbindung zu bringen. Dr. Pepperberg glaubt, daß er über kurz oder lang in der Lage sein wird zu lesen.

Dr. Pepperberg betonte, daß ihr Erfolg mit Alex aus einer Kombination der Wissenschaften über das Verhalten von Papageien und der menschlichen Sprache beruht. Frühere Forscher waren bei dem Versuch, Vögeln die menschliche Sprache beizubringen gescheitert, weil sie ausschließlich menschliche Psychologie angewandt hatten.

 

 

Alex and Pepperberg Wanna Study Animals?Wanna Study Animals?
Im Jahr 1970, ausgestattet mit einem akademischen Grad der M.I.T., arbeitete Dr. Pepperberg in Harvard gerade an ihrer Doktorarbeit in Quantenchemie, als sie zufällig im Fernsehen eine Sendung über Biologen sah, die Schimpansen die Zeichensprache lehrten, oder aber, - wie Roger Payne -, der den Gesang der Buckelwale studierte.

Sie fragte sich, ob man so etwas als Wissenschaft betreiben könne. Nachdem sie mit der Biologischen Abteilung der Harvard Universität gesprochen hatte, arbeitete sie zwei Jahre lang 40 Stunden in Woche, um das Verhalten der Tiere zu studieren und weitere 40 Stunden in der Woche um ihren Doktor der Chemie zu machen.

Nach ihrem Wechsel zur Purdue Universität in Wakefield, Ind., hat sie Alex gekauft und ein eigenes Labor gegründet.

Etwas später gingen sie und Alex nach Tucson. Heute ist sie Mitglied der Ökologischen- und Entwicklungs-Biologischen Abteilung der Universität von Arizona in Tucson.

 

 


TV Can't TeachTV Can't Teach Alex and TV
Lernen ist eine sehr soziale Angelegenheit, denn wie es sich herausstellte, hat Alex weder etwas von besprochenen Tonbandaufnahmen noch von Videoaufzeichnungen gelernt. In einer Studie mit zwei anderen Graupapageien mit Namen Kyaroo und Griffin, hat Dr. Pepperberg diesen Objekte gezeigt und ein Bandgerät hat die dazu passenden Begriffe genannt.

Diese Methode hatte keinen Lernerfolg. Nur durch ständige Interaktion der Lehrer stellte sich der Lernerfolg ein. Diese Methode hat sich auch bewährt, Kindern eine zweite Fremdsprache beizubringen. Auch Fernsehprogramme mit einem Übungsteil haben nur einen geringen Lernerfolg.

Die Papageien hatten den größten Lernerfolg, wenn sich zwei Lehrer gegenseitig unterrichtet haben, in dem der eine fragt, und der andere "lernend" die richtigen Antworten gibt. Alex hört zu und beobachtet, und fällt plötzlich in die Unterhaltung ein um sich mit dem Partner von Dr. Pepperberg zu messen. Dieses System, auch Zweiergespräch genannt, ist Hauptbestandteil von Dr. Pepperberg's Trainingsmethode. Sobald Alex die Stelle eines menschlichen Trainingspartners einnimmt, lernen die beiden anderen Graupapageien, Kyaroo und Griffin, sehr viel schneller. In nur einem Trainingsjahr hat der junge Papagei Griffin Dinge gelernt, bei denen sogar Hunde Probleme gehabt hätten.

 

 

Kids Learning Like Alex?? Kids Learn Like AlexKids Learn Like Alex
Wie es sich herausstellte, war das was Alex und seine gefiederten Landsleute im Labor gelernt haben sehr aufschlußreich für den Unterricht von bestimmten Kindern.

Ein Kind mit zerebralen Störungen befindet sich in der pädiatrischen Therapie im Büro von Diane Sherman in Fresno, Californien. Sie hat praktisch keine Kontrolle über ihre Motorik, und ihr Sprachvermögen ist bis vor kurzem auf gelegentliche Schreianfälle begrenzt gewesen. Sie hat der Volontärin, einer College Studentin zugeschaut, die genau wie sie geschrien hat....... ohne Reaktion. Dann sagte die Studentin "Muh", und hob ihre Hand zum Mund. Daraufhin begann Sherman das Lieblingslied des Kindes zu singen: "The Itsy-Bitsy Spider"

Beim dritten Versuch sagte das Kind seinerseits "Muh" und hob die Hand. Diane sang ihr Lieblingslied. Das war das erste Mal, daß das Kind mit seiner Umwelt kommunizierte und gelernt hat seine Umgebung zu steuern.

Sherman hat sich darauf spezialisiert Kindern zu helfen, die an den verschiedenartigsten Behinderungen leiden, von Entwicklungsstörungen bis hin zum Autismus.

Im Jahr 1991 hat sie zu ihrem eigenen Vergnügen an einem Vortrag über Tierverhalten von Irene Pepperberg teilgenommen und sofort erkannt, daß die Methode des "interaktiven Zweiergespräches" welches Dr. Pepperberg bei ihrem Training benutzt, auch bei ihren Patienten erfolgreich sein könnte.

Sherman’s Arbeit hat gezeigt, daß die Technik mit der man Papageien das Sprechen beibringt, auch behinderten Kindern eine Welt mit neuer Hoffnung und Herausforderungen erschließt


WeblinksWeblinks
Beachten Sie auch die weiteren Artikel von Alex und Dr. Pepperberg’s Arbeit, zu finden bei WebLinks.

 


Autor
© Thorsten Bönte für die Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk im September 1999

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