Kieler Nachrichten 19.01.2002
Da fühlen sich Tiere zum Quietschen wohl
Umweltministerium würdigte Engagement für Papageien und Galloways
Dammfleth
"Die Vögel müssen raus in die freie Natur und einen intakten Lebensraum", sagen Wiebke und Dirk Sträßer. Der Mensch werde niemals in der Lage sein, einem Vogel ein wirklich artgerechtes Leben zu ermöglichen, denn dazu gehörten vor allem die Freiheit, der richtige Partner, der Schwarm und das Fliegen. In ihrem Papageiengnadenhof in Dammfleth bei Itzehoe bieten sie den von ihren Besitzern vernachlässigten Tieren immerhin eine 500 Quadratmeter große Außenvoliere. Gemeinsam mit der Galloway-Züchterin Mechthild Oertel aus Bebensee bei Bad Segeberg erhielten Sträßers gestern den mit 10000 Euro dotierten Tierschutzpreis des Umweltministeriums.
Bruno scheint aufgeregt. Der Ara, lange fälschlich als männliches Exemplar angesehen, präsentiert sich stellvertretend für die anderen Mitglieder seiner Wohngemeinschaft aus 30 Aras und Kakadus. "Dem geht es gut. Das Quietschen ist ein Zeichen für Wohlgefühl", erklärt Wiebke Sträßer. Sie ist überzeugt, dass der Papagei gern herumlaufen und alles inspizieren würde. Doch sicherheitshalber lässt sie ihn auf ihrer Schulter.
"Mit drei Jahren hatte ich meinen ersten Wellensittich", erinnert sich Wiebke Sträßer. Vögel hat sie immer wieder gehalten, irgendwann landete sie bei Papageien, gründete später den ersten Verein für Großpapageien in Schleswig-Holstein und wurde schließlich zur Anlaufstelle für Privatleute wie auch Behörden bei Problemen mit Papageien. Vor knapp zehn Jahren bauten Sträßers den alten Kuh- und Schweinestall des Hofes in Dammfleth zu geräumigen Volieren um.
Benefiz-Veranstaltungen erbrachten schließlich die notwendige finanzielle Hilfe für den Bau der großen Außenvoliere, in der die 30 Aras und Kakadus ab einer Temperatur von etwa zwölf Grad gemeinsam fliegen können. Zur Unterstützung der Arbeit werden weitere Papageien-Paten gesucht, die sich unter {Telefon} 04823/7137 melden können.
"Papageien werden häufig aus Image- oder Modegründen angeschafft und sind über Jahre zu Einzelhaft in engen Käfigen oder dauerhaftem Stangen-Sitzen verurteilt", sagte Umweltminister Klaus Müller (Grüne) bei der Preisverleihung. In Dammfleth werde den verspielten und sehr aktiven Tieren ein entsprechendes Umfeld geboten.
Müller übergab den Tierschutzpreis des Umweltministeriums ebenso an Mechthild Oertel. Die Gründerin des Aktionsbündnisses gegen die BSE-Tötungsaktion habe sich erfolgreich für die so genannte Kohortentötung bei BSE-Fällen und damit für das Überleben vieler Rinder eingesetzt, erklärte Müller.
"Halt, da steht eine Teddy-Kuh", habe sie vor rund 30 Jahren bei einem Ausflug nach Schleswig-Holsteins gerufen, erinnert sich Mechthild Oertel an ihren ersten Anblick eines Galloway-Rindes. Seitdem sammelte sie Informationen über diese Tiere und spezialisierte sich 1992 auf die Zucht der besonders seltenen weißen Galloways – weltweit gibt es nur noch rund 850 weibliche Tiere. Heute hat Mechthild Oertel selbst 55 der sehr robusten Rinder auf ihrem Biopark-Hof in Bebensee.
Von 1994 an sei ihr klar gewesen, was durch BSE auf die Züchter zukommt, erklärt sie. Sie habe sich intensiv vorbereitet auf die Tötungsanordnung der Behörden und dann bundesweit erfolgreich den Widerstand organisiert. Damals war das Land ihr Gegner, umso stolzer ist sie jetzt auf den Preis.

Thomas Christiansen

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Zusammenstellung: Thorsten Bönte
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
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