"Die Vögel müssen raus in die freie Natur und einen intakten
Lebensraum", sagen Wiebke und Dirk Sträßer. Der Mensch werde niemals in der
Lage sein, einem Vogel ein wirklich artgerechtes Leben zu ermöglichen, denn
dazu gehörten vor allem die Freiheit, der richtige Partner, der Schwarm und
das Fliegen. In ihrem Papageiengnadenhof in Dammfleth bei Itzehoe bieten sie
den von ihren Besitzern vernachlässigten Tieren immerhin eine 500
Quadratmeter große Außenvoliere. Gemeinsam mit der Galloway-Züchterin
Mechthild Oertel aus Bebensee bei Bad Segeberg erhielten Sträßers gestern
den mit 10000 Euro dotierten Tierschutzpreis des Umweltministeriums.
Bruno scheint aufgeregt. Der Ara, lange fälschlich als
männliches Exemplar angesehen, präsentiert sich stellvertretend für die
anderen Mitglieder seiner Wohngemeinschaft aus 30 Aras und Kakadus. "Dem
geht es gut. Das Quietschen ist ein Zeichen für Wohlgefühl", erklärt Wiebke
Sträßer. Sie ist überzeugt, dass der Papagei gern herumlaufen und alles
inspizieren würde. Doch sicherheitshalber lässt sie ihn auf ihrer Schulter.
"Mit drei Jahren hatte ich meinen ersten Wellensittich", erinnert sich
Wiebke Sträßer. Vögel hat sie immer wieder gehalten, irgendwann landete sie
bei Papageien, gründete später den ersten Verein für Großpapageien in
Schleswig-Holstein und wurde schließlich zur Anlaufstelle für Privatleute
wie auch Behörden bei Problemen mit Papageien. Vor knapp zehn Jahren bauten
Sträßers den alten Kuh- und Schweinestall des Hofes in Dammfleth zu
geräumigen Volieren um.
Benefiz-Veranstaltungen erbrachten schließlich die notwendige finanzielle
Hilfe für den Bau der großen Außenvoliere, in der die 30 Aras und Kakadus ab
einer Temperatur von etwa zwölf Grad gemeinsam fliegen können. Zur
Unterstützung der Arbeit werden weitere Papageien-Paten gesucht, die sich
unter {Telefon} 04823/7137 melden können.
"Papageien werden häufig aus Image- oder Modegründen angeschafft und sind
über Jahre zu Einzelhaft in engen Käfigen oder dauerhaftem Stangen-Sitzen
verurteilt", sagte Umweltminister Klaus Müller (Grüne) bei der
Preisverleihung. In Dammfleth werde den verspielten und sehr aktiven Tieren
ein entsprechendes Umfeld geboten.
Müller übergab den Tierschutzpreis des Umweltministeriums ebenso an
Mechthild Oertel. Die Gründerin des Aktionsbündnisses gegen die
BSE-Tötungsaktion habe sich erfolgreich für die so genannte Kohortentötung
bei BSE-Fällen und damit für das Überleben vieler Rinder eingesetzt,
erklärte Müller.
"Halt, da steht eine Teddy-Kuh", habe sie vor rund 30 Jahren bei einem
Ausflug nach Schleswig-Holsteins gerufen, erinnert sich Mechthild Oertel an
ihren ersten Anblick eines Galloway-Rindes. Seitdem sammelte sie
Informationen über diese Tiere und spezialisierte sich 1992 auf die Zucht
der besonders seltenen weißen Galloways – weltweit gibt es nur noch rund 850
weibliche Tiere. Heute hat Mechthild Oertel selbst 55 der sehr robusten
Rinder auf ihrem Biopark-Hof in Bebensee.
Von 1994 an sei ihr klar gewesen, was durch BSE auf die Züchter zukommt,
erklärt sie. Sie habe sich intensiv vorbereitet auf die Tötungsanordnung der
Behörden und dann bundesweit erfolgreich den Widerstand organisiert. Damals
war das Land ihr Gegner, umso stolzer ist sie jetzt auf den Preis.
Thomas Christiansen |