Es passierte beim Besuch des örtlichen Tierheims vor etwas mehr als
drei Jahren. Nein, es waren weder die treuen, bettelnden Augen eines Hundes noch das
Schmusen einer Katze. Es war der Blick aus orange-gelben Augen, der bis auf den Grund
meiner Seele ging. Sie gehörten damals wie heute Hello Bird, der
zusammen mit einer zweiten Gelbnackenamazone namens Coco träge in
einem Käfig saß. "Nein, die können Sie nicht haben! Das sind mißhandelte Tiere,
die uns übereignet wurden" war die Auskunft der Tierheimleitung. Hello Bird und
ich sahen das anders. Nach vielen Besuchen hatten wir die Tierschützer überzeugt, daß
beide Amazonen bei mir und meiner Familie gut untergebracht sind.
|
Wie groß war die Überraschung, als Hello Bird und Coco
1998 Nachwuchs produzierten!
Am 31.3.1998 schlüpfte Odo (s. rechtes Bild), der Formwandler. Er
wurde von seinen Eltern genau 16 Tage lang gefüttert, danach hatte Coco das Interesse an
ihm verloren. Wir zogen ihn von Hand auf; er ist heute ein prächtiger kleiner Schreihals.
|

|
Im März 1999 legte Coco drei Eier, nach 35 Tagen Brutzeit haben wir
sie entfernt. Ein Ei war zerbrochen, das zweite nicht befruchtet, das dritte Junge war im
Ei abgestorben.
Also keine Jungvögel. Irrtum! Als Coco nochmals Eier legte, fingen wir an,
Aufzuchtbrei zu füttern, der begeistert von Hello Bird und Coco angenommen wurde. Nach
genau 28 Tagen schlüpft am 3. Juni 1999 das erste Junge, wir nennen es Major Kira.
Coco verläßt nur noch kurz den Brutkasten, setzte Kot ab, läßt sich füttern, flirtet
mit Hello Bird und verschwindet wieder im Brutkasten. Hello Bird frißt weiterhin
begeistert Aufzuchtbrei und füttert seine Coco mit Hingabe. Meine täglichen Kontrollen
des Nistkasten werden mit einem "Hagrrrr" toleriert.
|

Coco schaut aus dem Kasten, Hello Bird bewacht
|
Ich lausche auf die Bettelgeräusche, die täglich stärker werden.
"OK, Coco füttert" bemerke ich mit Erleichterung.
Am 5. Juni mache ich das erste Bild. Der Major ist noch alleine:

Kira mit 2 Eiern links |
 |
Am 6. Juni bemerke ich ein Loch im zweiten Ei. Am 7. Juni ist es so
weit. Völlig erschlafft liegt Nummer Zwei im Kasten. Das zarte Betteln besiegelt seinen
Namen, Tweety heißt der Mini. |
|
Am 6. Juni bemerke ich ein Loch im zweiten Ei. Am 7. Juni ist es so
weit: 
Völlig erschlafft liegt Nummer Zwei im Kasten. Das zarte Betteln
besiegelt seinen Namen, Tweety heißt der Mini.
Hello Bird und Coco vertrauen mir inzwischen so sehr, daß ich Coco im Kasten
fotografieren darf:
|

Das "Etwas" unter ihr ist Kira.
|
Und weiter geht es mit Keimeiweißfutter, frischem Löwenzahn samt
Wurzeln, Amazonen Spezial, Colpas und natürlich dem geliebten Aufzuchtbrei. Hello Bird
frißt, Coco läßt fressen und wird gefüttert, und sie versorgt rührend die Jungen.

Am 18.6. sieht man deutliche Fort-
schritte, links Tweety, rechts Kira.
|
| Am 19.6. "erwische" ich Tweety, er macht
seinem Namen Ehre und quietscht vor sich hin. Die weiße Schnabelspitze behält er noch
die nächsten Wochen als Unterscheidungsmerkmal bei. |

Tweety reißt den Schnabel auf
|
|
Am 24.6. höre ich lang andauernde Bettelgeräusche, auf die nicht
das übliche "klack-klack-klack-klack" des Fütterns folgt. Coco wird
nachlässig. Immerhin hält sie schon länger durch als im Jahr zuvor mit Odo. Ich nehme
die Jungen heraus und füttere zu. Ich lege eine Tabelle an:
| Name |
Leer in gr |
Gefüttert
in gr |
Alter in
Tagen |
| Kira |
322 |
336 |
22 |
| Tweety |
262 |
280 |
18 |
|
Danach lege ich sie wieder in den Kasten zurück, was mit
ungeheuerlicher Lautstärke der Eltern kommentiert wird. Ich frage mich, was sie denn
kommentieren: Die Tatsache, daß sie mich wieder in der Ammenfunktion begrüßen, oder
daß ich die Minis zurückgebracht habe?
|

Das erste mal draußen zum Zufüttern
|
Ich füttere nun jeden Tag einmal
zu, vergesse aber das Wiegen, da ich sie schnell zurückbringen möchte. Am 27. Juni haben
die Minis einen total leeren Kropf und "hauen so richtig rein":
| Name |
Leer in gr |
Gefüttert
in gr |
Alter in
Tagen |
| Kira |
364 |
388 |
25 |
| Tweety |
320 |
350 |
21 |
Am 1. Juli weiß
ich es dann: . Ich wurde als Amme auserwählt und habe dann auch bitte den ganzen Job zu
machen. Coco gibt es dran, balzt lieber mit Hello Bird herum. Ich verstehe es. Die Kleinen
fressen einem die Haare vom Kopf bzw. die Federn vom Leib. Ich füttere mit einem an den
Seiten hochgebogenen Teelöffel die folgende Mischung: Aufzuchtsbrei, mit Möhrensaft
flüssig gemacht, angereichert mit Kinderobstbrei (Äpfel, Pfirsich, Maracuja, Banane,
etc.), erwärmt auf 41 Grad C, im Wasserbad auf konstanter Temperatur gehalten. Ein- bis
zweimal in der Woche kommen Supermineralien und Vitamine dazu. Ich habe gelernt, daß es
vier Gründe gibt, weshalb die Minis nicht fressen: Zu dick, zu dünn, zu kalt, zu
warm--wobei ich höllisch aufgepasst habe, daß zu warm nicht eintrat (Kropfverbrennung).
|
| Name |
Leer in gr |
Gefüttert
in gr |
Alter in
Tagen |
| Kira |
430 |
466 |
29 |
| Tweety |
390 |
434 |
25 |
NEIN, ich habe mich NICHT vertan, weder im Alter noch im Aufschrieb!
Das Bild vom 2. Juli ist mein Zeuge, die Digitale Kamera gibt Tag und Uhrzeit der Fotos
an.
| Name |
Leer in gr |
Gefüttert
in gr |
Alter in
Tagen |
| Kira |
406 |
476 (!) |
30 |
| Tweety |
386 |
438 |
26 |
Kira bekommt schon Federn, die Augen sind offen.
|
Es gibt 5-6 Malzeiten pro Tag, wobei ich immer morgens so lange
warte, bis der Kropf leer ist. Die Gewichtsangaben beziehen sich immer auf das
morgendliche Gewicht. Inzwischen nimmt Odo an den Fütterungen teil und möchte auch
seinen Löffel Aufzuchtsbrei. Die Fütterungsrunde dauert ca. 1 - 1,5 Stunden, da die
Minis menschliche Wärme suchen. Es ist wie bei Menschenbabys: Die Zeit zwischen Füttern
und Trockenlegen ist nicht sehr lang. DANKE Coco, daß du doch so lange durchgehalten
hast. So kann ich wenigstens zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens durchschlafen.
Am 6. Juli 1999 sieht man schon deutlich Federn: 
|
Die Gewichtszunahme ist wie
folgt:
| Datum |
Name |
Leer in gr |
Gefüttert in gr |
Alter in Tagen |
| 3.7.99 |
Kira |
436 |
464 |
31 |
| |
Tweety |
406 |
432 |
27 |
| 4.7.99 |
Kira |
448 |
486 |
32 |
| |
Tweety |
418 |
454 |
28 |
| 5.7.99 |
Kira |
462 |
512 |
33 |
| |
Tweety |
428 |
500 (!) |
29 |
| 6.7.99 |
Kira |
462 |
490 |
34 |
| |
Tweety |
432 |
494 |
30 |
| 7.7.99 |
Kira |
450 |
494 |
35 |
| |
Tweety |
440 |
500 |
31 |
| 8.7.99 |
Kira |
468 |
504 |
36 |
| |
Tweety |
464 |
500 |
32 |
| 9.7.99 |
Kira |
472 |
506 |
37 |
| |
Tweety |
472 |
506 |
33 (eingeholt!?) |
| 10.7.99 |
Kira |
494 |
516 |
38 |
| |
Tweety |
486 |
508 |
34 (wohl doch nicht) |
|
| Inzwischen sind es schon erkennbar Vögel: |
 |
| Kira links, Tweety rechts |
|
Die nächsten 10 Tage sind mit fressen, zunehmen und Federn bekommen
ausgefüllt. Ich reduziere die Malzeiten auf 4 pro Tag. Am 20. 7. 99 wiegen die Minis
| Datum |
Name |
Leer in gr |
Gefüttert
in gr |
Alter in
Tagen |
| 20.7. |
Kira |
490 |
510 |
48 |
| 20.7. |
Tweety |
460 |
482 |
44 |
und sind ganz
schön grün und munter. Kira ist in der Höhle, Tweety oben drauf:
|
Am 31.7. enden meine Gewichtsangaben, da die Kleinen angefangen
haben, selbständig zu fressen. Zu diesem Zeitpunkt wiegen sie
| Datum |
Name |
leer in gr |
gefüttert
in gr |
Alter in
Tagen |
| 31.7. |
Kira |
492 |
510 |
58 |
| |
Tweety |
444 |
456 |
54 |
Ich habe mit Kolbenhirse begonnen, danach mit
Kochfutter, das noch warm in die Näpfe kam. Die Geier liebten es von Tag eins an. Morgens
und abends gibt es noch den geliebten Aufzuchtsbrei, der mit einem
"meck-meck-meck" angefordert wird. Ab 7.8. habe ich Quelleiweissfutter
hinzugefügt und seit 15.8. gekeimtes Körnerfutter. Alles gut vermischt in einem Napf
wird offensichtlich als leckere Mischung anerkannt. "Normale, trockene" Körner
werden inzwischen selbstverständlich auch gefressen. Alles was der Garten zu bieten hat
wird angeboten: Löwenzahn, Eberesche, Heidelbeeren, Vogelmiere, Ackerwinden, Hagebutten.
Der Markt liefert Brokoli, Karotten, Gurken, Äpfel, Weintrauben, das Trockenobst unseres
Futterhändler wird geliebt. Kira und Tweety sind abenteuerlustig geworden--raus aus dem
Käfig, zu den Menschen, und bitte auch fliegen. Am 3.8.99 wird der erste Flugversuch
unternommen, der erstaunlicherweise nicht als Bruchlandung endet.
| Die Wohnung wird erkundet und der Holzkorb vor dem Kamin in
Beschlag genommen. |

|
|
Am 7. 8. Beginnt das Abenteuer "Gartenvoliere", erst noch schüchtern mit
Klettern, dann begeistertes FLIEGEN.
 |
 |
| In der Gartenvoliere -1- |
In der Gartenvoliere -2- |
|
Heute, am 29. 8.99 hat sich das Gewicht von Kira auf 460 gr und das
von Tweety auf 430 Gramm eingependelt. Nachgefüttert wird nur noch ganz selten., ein,
maximal zwei mal die Woche.
Am Wochenende haben wir unseren Hauswirtschaftsraum in ein zweites
Vogelzimmer umgebaut. (Das erste Vogelzimmer bewohnen Coco und Hello Bird). Odo, Kira,
Tweety und unser Urlaubsgast Quickquack, ein Grauer, haben einen Mordsspaß.

Das Vogelzimmer
Seit zwei Wochen habe ich meine Züchtergenehmigung und kann nun
Beringen "auf Teufel komm raus. " Irgendwann muß ich mich ja von den Kleinen
trennen, so schwer es mir fällt. Ich denke dann immer an den Anfang zurück: Coco und
Hello Bird waren mißhandelte, beschlagnahmte Papageien. Ich bin sehr froh, daß es das
Internet und die APN gibt. Vielleicht finden meine Minis auf diese Art eine schöne
Bleibe.
|