Hinweise zur Haltung und Fütterung von Ziervögeln

von der Tierärztlichen Hochschule Hannover im März 1996
- Klinik für Zier- und Wildvögel -

Die hier aufgeführten Punkte sind im Original zitiert und wiedergegeben.

A. Haltung

Anzustreben ist eine art- und verhaltensgerechte und daher zumindest paarweise Haltung. Der Kontakt zu einem Artgenossen beugt Vereinsamung und Verhaltensstörungen vor. Jedem Vogel muß täglich die Möglichkeit zu seiner artgerechten Bewegung - dem Fliegen - gegeben werden. Freiflug sollte vorsichtshalber unter Aufsicht erfolgen.

Gefahren:

Vergiftungen Blei (Gardinenschnüre, Fensterbilder, Lötmasse, etc.), Zimmerpflanzen, Blattlausspray, Haushaltschemikalien,etc.
Verletzungen gegen Fensterscheiben fliegen, in Gardinen verhaken, Bißverletzungen durch andere Haustiere, heiße Herdplatten, offene Suppentöpfe, u.a.

Käfig:

Je geräumiger, desto mehr Bewegungsfreiheit und Abwechslung für die Vögel; zu empfehlen sind Garten- oder Zimmervolieren.
Die wünschenswerten Mindestmaße:

Wellensittich, Kanarie, u.ä. 150 cm lang, 100 cm breit, 100 cm hoch
Graupapagei, Amazone, Ara, u.a. 400 cm lang, 200 cm breit, 200 cm hoch

Kleinkäfige können bestenfalls als Schlafplatz dienen !

Standort:

  • Der Standort sollte hell sein, doch müssen die Vögel einer direkten Sonnenbestrahlung ausweichen können.
  • mindestens eine Käfigseite geschützt an der Wand
  • keine Zugluft/Rauch/Staub (nicht neben der Heizung)
  • nicht in der Küche (Küchendämpfe, Dämpfe von Pfannen und Raclette mit Teflonbeschichtung können zu Vergiftungen führen)
  • Tag- und Nachtrhythmus einhalten (hell/dunkel, wärmer/kühler)
  • Luftfeuchte ca. 60-70%

Sitzgelegenheiten:

Sitzstangen und Kletterbäume aus frisch geschnittenen Naturzweigen/-ästen unterschiedlichen Durchmessers (Obstbäume, Weide, Buche, Haselnuß, keine Pappel!), mit heißem Wasser gut abspülen und jede Woche erneuern (aufgrund hoher Elastizität Vermeidung von Sohlengeschwüren, beliebte Knabbermöglichkeit für Sittiche/Papageien).

Käfigboden:

Mit Zeitungs- oder Haushaltspapier auslegen, kein Sand! (mangelhafte Kontrolle und Hygiene)

Näpfe:

Aus Porzellan, Kunststoff oder Edelstahl, d.h. zerstörungssicher und leicht zu reinigen, nicht auf dem Käfigboden oder unter Sitzstangen anbringen (Kotverschmutzung!)

Bademöglichkeiten:

Badehäuschen / Besprühen mit Blumenspritze (nur frisches Wasser verwenden!)

Schlafnester und Nistkästen:

Kurzfaseriges Nistmaterial (Heu, Kokosfaser), keine Watte!

Hygiene:

Tägliche Reinigung der Futter- und Wassergefäße sowie des Käfigbodens. Sitzstangen wöchentlich wechseln.

Vorbeugende Maßnahmen:

regelmäßige Kontrolle:

  • Krallenlänge (Hängenbleiben, Verletzungen)
  • Verschieblichkeit des Kennzeichnungsringes (Einwachsen, Entzündung)
  • Schnabellänge und Form (behinderte Futteraufnahme)
  • Veränderung der Kotbeschaffenheit (Konsistenz, Farbe, Menge)
  • Futteraufnahme, Ernährungszustand

B. Fütterung

Das Futter soll abwechslungsreich, frisch, gute Qualität besitzen und in kleinen Vorratsmengen vorgehalten werden. Hygienische Zubereitung und Aufbewahrung ist selbstverständlich. Keine gewürzten Tischabfälle !

Übliches Körnerfutter für Papageien:

Ohne Erdnüsse und Zirbelnüsse (häufig Schimmelpilzsporen und Pilzgifte, auch an der Schale!), trocken und kühl lagern. Zur Befreiung von Staub- und Pilzsporen vor dem Verfüttern mit reichlich Wasser im Sieb durchspülen.

Tierisches Eiweiß:

Hartgekochte Eier, Quark, Frischkäse, Joghurt, Trocken- und Lebendinsekten, Babybrei (z.B. Milupa ab 6. Monat Bircher Müsli, mit Wasser zubereiten), Kotelettknochen ungewürzt.

Pflanzliches Eiweiß: Als Keimfutter!

Zubereitung:

Übliches Körnerfutter an einem hellen, nicht zu warmen Standort für 24 Std. mit Wasser bedeckt stehen lassen (Wasser 2-3x wechseln). Mit reichlich Wasser im Sieb gut durchspülen und anschließend 12-24 Std. trocknen lassen. Vor dem Verfüttern nochmals mit Wasser durchspülen.
Achtung! Immer nur die tägliche Futtermenge ansetzen, da schnelle verpilzung möglich!

Vitamine:

Obst Banane, Apfel, Apfelsine, Pflaume, Birne, Trauben, Beeren, Kiwi, usw.
Gemüse Paprika, Erbsen, Möhren, Kartoffeln, Gurke, Maiskolben, usw.
Grünfutter Vogelmiere, Löwenzahn, Petersilie, Eisbergsalat, usw.
Keinen Kopfsalat!

Vor der Verfütterung mit klarem Wasser abspülen!

Mineralstoffe und Grit:

Muschelkalk, Kalkstein, Kalkgrit, Pickstein, feiner Aquariumkies (im Extranapf anbieten, als Magensteine), keinen Sand!

Tränke:

Natriumarmes Mineralwasser ohne Kohlensäure (z.B. Bad Pyrmonter, Contrex).
Leitungswasser kann regional mit für Vögel gravierenden Mengen an Schadstoffen, z.B. Nitrat, Fluor, Chlor und Blei belastet sein!

Wasser tägllich frisch anbieten. Obstsäfte ohne Zuckerzusatz!

Utrechter Mischung:

Beispiel einer nahezu vollwertigen Ernährung für Großpapageien.

Grundmischung: Mit H-Milch zu einem festen Brei verarbeiten

wpe2.jpg (13504 Byte)

 

Autor
© Thorsten Bönte für die Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk im November 1999

Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
www.papageien.org
Infos, Anregungen, Kritik
Email
info@papageien.org