Der Tod unseres Pennantsittichs Nicky

- Untersuchungsergebnisse -

Am 08. November 1997 verstarb nach einem 3-tägigen Leidensweg unser Pennantsittich-Männchen Nicky. Mit der Caro zusammen war er einer meiner ersten beiden Vögel..

Gekommen war das, wie auch in der Geschichte Kapitel 6 nachzulesen ist, durch ein plötzliches Unwohlsein des Vogels, das sich durch Inaktivität, dauerndes Sitzen auf einer Stange und keinerlei Futteraufnahme äußerte.

Nachdem wir uns das einen 1/2 Tag angesehen haben, sind wir stracks zum Tierarzt gefahren, der Nicky dann zwei Spritzen gab (Baytril und Antibiotika). Jedenfalls sollte Nicky über Nacht in seinem Transportkäfig verbleiben und das inaktive, lummerige Verhalten sollte sich innerhalb von 6 Stunden bessern. Es besserte sich auch, jedoch verfiel er nach der Nachtruhe und kurzem wachen blicken wieder in den alten Zustand. Naja, wir sollten ja gleich morgens mit ihm wieder zum Arzt, um ihm die 2. Spritze geben zu lassen, also sind wir zeitig los.

Auf dem Weg ist er dann unter kläglichem Schreien verstorben; wir sind mit einem toten Vogel in die Praxis gegangen. Dort angekommen, sah der Doc meinem Gesichtsausdruck wohl schon an, was los war. Er bat uns in den Behandlungsraum und untersuchte das tote Tier. Er meinte, er könne so nichts feststellen, das Tier müsse nach Hannover eingeschickt werden. Nach langem zögern siegte die Vernunft über das Gefühl und wir stimmten zu. Es hat dann etwas gedauert, und wir haben folgende Ergebnisse erhalten, die an unseren Tierarzt adressiert wurden:

1. Untersuchungsprotokoll

Vorspann habe ich weggelassen

Bemerkungen: Keine zugekauften Tiere im Bestand, insgesamt 5 Tiere, die anderen o.b.B.; Symptome: Atemnot, Aufplustern, Exitus nach 24 Stunden am 08.11.1997

Klinisch: Entfällt

Path.-anat.:
Ring Nr. 072 DKB 129 95; Gewicht 185 g, Ernährungszustand gut, Brustbein nicht deutlich hervortretend; Unterhaut blaß; Herz dunkelbraun rot; deutliche Gefäßzeichnung; Vorhöfe gestaut, blutgefüllt; Leber mittel- bis hochgradig geschwollen, dunkelbraun-rot, feine, aufgehellte, hellbraun-weiße Bezirke, zum Teil mit landkartenähnlichen Bereichen konfluierend, blutgefüllt; Milz ca. reiskorngroß, mittelrot; Trachea geringgradig vermehrt Schleim; Lunge frisch-rot, mit hellrot-gräulichen und dunkelroten Bezirken; Luftsäcke klar; Geschlecht männlich, Hoden inaktiv; Nieren mittelgradig geschwollen, mittelbraun-rot, deutliche Gefäß- und und Renkulizeichnung, geringfügig feine, weißliche Ein- und Auflagerungen; Harnleiter zum Teil gestaut; Kropf ohne besonderen Befund und leer; Drüsenmagenschleimhaut blaß-rot; Muskelmagen mit  wenig Gritsteinchen; Darmschleimhaut mittelbraun-rot, deutliche Gefäßzeichnung; Darminhalt braun-gelblich, breiig bis flüssig.

Parasitol: negativ

Ergänzende Untersuchungen wurden eingeleitet, von deren Ergebnis Sie baldmöglichst unterrichtet werden.

Befund: (bezieht sich nur auf das eingesandte Material. Für Herdendiagnose ist das klinische Bild heranzuziehen). In der path.-anat. Untersuchung wurden Hinweise auf ein Herzkreislaufversagen (blutgefüllte innere Organe, gestaute Gefäße) festgestellt. Weiterhin bestanden eine Hepatomegalie  mit Verdacht auf Nekrosen sowie eine Nierenschwellung. Um evtl. beteiligte bakterielle Erreger zu ermitteln, wurden ergänzende Untersuchungen eingeleitet, von deren Ergebnis Sie baldmöglichst benachrichtigt werden.

2. Nachbefund

In der kult.-bakt. Untersuchung konnten Moraxellen-ähnliche spp., Corynebacterium spp., anhämolysierende Staphylococcus spp. und Lactobacillus spp. isoliert werden. Weiterhin wurden Penicillium spp. angezüchtet. Vermutlich war das eingesandte Tier an einer bakteriellen Mischinfektion mit Corynebacterium spp. und Moraxellen-ähnlichen spp. erkrankt. Anhämolysierende Staphylococcus spp. und Lactobacillus spp. sind im allgemeinen apathogen. Hinzu kommt eine Pilzinfektion des Atemtraktes. Anbei erhalten Sie, wie besprochen, unsere Haltungstips. Unsere Untersuchungen sind damit abgeschlossen.

Nachdem wir nun an dem o.a. Text erst mal zu kauen hatten und keiner diesen übersetzen und Schlußfolgerungen daraus zu ziehen vermochte, gerade im Hinblick auf evtl. Haltungs- oder Ernährungsfehler, habe ich einen Verwandten gefragt, der promovierter Tierarzt und in der Virologie tätig ist, um Hilfe gebeten. Dessen Interpretation der Befunde nun hier:

3. Interpretation

Hauptbefunde der pathologischen Untersuchung sind:

  1. Vergrößerte Leber mit teilweise zerstörten Bezirken
  2. Lunge mit farblich auffälligen Bezirken
  3. Vergrößerte Nieren

Dies rechtfertigt den Verdacht einer infektiösen Todesursache. Die aufgrunddessen durchgeführte bakteriologische Untersuchung ergab:

  1. Nachweis vn zwei "krankmachenden" (pathogenen) Bakterien (Moraxellen und Corynebakterien)
  2. Nachweis einer Pilzinfektion der Lunge
  3. Keine Anzeichen von Parasiten

Virologische Untersuchungen wurden nicht durchgeführt.

Bewertung:

Die Befunde lassen eine eindeutige Klärung der Todesursache nicht zu. Der Vogel zeigte keinerlei Anzeichen für eine chronische Erkrankung, d.h., die zum ode führende Erkrankung hat vermutlich weniger als 2 Wochen bestanden. Infektionen mit den nachgewiesenen Bakterienarten führen bei generell gesunden Tieren nichtg notwendigerweise zum Tode. Die Pilzinfektion des Atemsystems dagegen ist als schwerer Befund zu werten. Eine solche Infektion tritt besonders dann auf, wenn eine hohe Konzentration von Pilzsporen eingeatmet wird (z.B. verschimmeltes Futter o.ä.) oder eine generelle Abwehrschwäche des Organismus vorliegt (bei normaler Pilzsporenkonzentration , die für andere Tiere ohne Auswirkungen bleibt).

Zusammengesehen sind die gleichzeitig bestehenden Pilz- und Bakterieninfektionen in der Lage, ein akutes Herz-Kreislaufversagen zu bewirken, das zum Tod geführt hat.

Der eigentliche Grund, warum der Vogel diese Infektionen entwickelt hat, bleibt jedoch ungeklärt. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, daß bei diesem Vogel eine allgemeine Abwehrschwäche bestand. Dieser könnte z.B. eine weiter, nicht identifizierte infektiöse Ursache zugrunde liegen (z.B. ein Virusinfekt), gegen die die anderen, nicht erkrankten Tiere des Bestandes bereits eine Immunität entwickelt hatten.

Es bedarf an dieser Stelle wohl keines weiteren Kommentars, jedoch aber einen lieben Dank an Dr. Tim Harder, der die Befunde in eine einigermaßen "lesbare" Form gebracht hat.

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