Ein Spatz kommt selten allein...
Eine Erzählung von Elke (WuschElke) Freier
Ein Spatz kommt selten allein...
An einem Februarmittag 1995 ging ich wie immer mit meiner Schulfreundin vom Bus nach Hause, als sie mir erzählte, ihr sei ein junger Papagei zugeflogen. Sie wollte mir den Kleinen unbedingt zeigen, und so ging ich mit ihr nach Hause. Was mich da erwartete, ließ mir das Herz stocken: Ein kleiner, grüner Papagei saß da zusammengepfercht mit einem Wellensittich (Pflegetier von ihrer Oma) in einem winzigen Käfig, in den gerade mal 2 Stängchen reinpassten. Sie erzählte mir, dass er wohl eine junge Amazone sein musste. Ich redete mit Engelszungen auf sie ein, sie sollte sich einen größeren Käfig kaufen, und am Ende schenkte ich ihr (oder wohl besser dem Vogel) einen ausrangierten Käfig von mir, der zwar nicht das Gelbe vom Ei war, aber immerhin mehr Platz bot (65 cm x 30 cm x 80 cm).
Der Vogel zitterte, hing nur kopfunter am Gitter und sah sehr schlecht ernährt und gerupft aus. Sie inserierte in der Zeitung und hing Zettel am schwarzen Brett aus, aber es meldete sich niemand. Vier Wochen später besuchte ich sie wieder, und der Zustand des Vogels hatte sich extrem verschlechtert. Das Zittern war noch stärker, und da sah ich, dass sie bei jedem Pieps, den die Vögel von sich gaben, gegen den Käfig trat. Fressen tat der Kleine nur Kolbenhirse, und somit war er ein ungeliebter Findling, der nur teures Futter fraß. Ich erklärte ihr, dass das kein Großpapagei sei, denn das Geburtsjahr auf dem Ring hieße 89, also sei der Vogel schon erwachsen. So schwatzte ich ihr den Vogel für "Futtergeld" ab, und musste auch noch meinen Käfig zurückkaufen. Auf dem Heimweg fielen mir zum ersten Mal meine Eltern ein. Oh je, das wird eng auf dem Fensterbrett, meine Kanarien, Andys Finken, und noch auch noch ein unbekannter Papagei. Egal, Hauptsache gerettet. Ich hatte von meiner Freundin aus meinen Bruder angerufen und gebeten, er sollte doch bitte die Eltern schon mal ein bisschen vorbereiten. Pa kam mir dann auch schon mit dem Auto entgegen, damit der Vogel nicht so lange durch die Kälte getragen wird. Mit Pa zusammen erzählten wir meiner Mutter Woodstocks Geschichte, und es war klar, dass er zumindest vorübergehend Asyl bekam.
Abends fuhren wir dann sofort zum Tierarzt, die Diagnose war erschütternd: Sein Schnabel war verwachsen und ausgebrochen, kein Wunder, dass das Tier nur noch Kolbenhirse zu sich nehmen konnte. Außerdem war er völlig unterernährt und hatte panische Angst vor Menschen. Außerdem war er ein Sperlingspapageienweibchen und würde so klein bleiben. Puh! Die Leute im Wartezimmer dachten schon, wir schlachten den Papagei, so hat das kleine Kerlchen geschrieen, als der Tierarzt den Schnabel zurechtfeilte. Ich bekam dann ein Aufbaupräparat mit und einen Diätplan. Der Tierarzt verlangte nichts, er meinte, es kämen noch einige Kosten mit der Diät auf mich zu. Ich kaufte dann Einzelsämereien und stellte das Futter für Wombel (wir hatten sie umgetauft, in der Hoffnung, mit dem neuen Namen finge ein neues Leben für sie an) täglich nach dem Plan zusammen. Der Tierarzt meine, Sperlingspapageien bräuchten zwischen 10 % und 20 % Ölsämereien, wir könnten das geschwächte Vögelchen, das nun wohl schon seit Wochen nur noch Kolbenhirse gefressen hatte, nicht sofort mit dem normalen Futter füttern. Also stellten wir eine Grundmischung aus Hirsesorten her, zu dem wir zuerst vorsichtig ein bisschen Rübsen beimischten. Nach einigen Tagen gaben wir ein paar Hanfkörnchen dazu, wieder einige Tage später dann Kardi und letztendlich Sonnenblumenkerne. Zusätzlich bekam sie täglich eine Portion Keimfutter oder Eifutter. Keimfutter aus ihrem jeweiligen Körnerfutter gezogen, und Eifutter bestehend aus Ei, Haferflocken, geriebenem Apfel oder Möhre. Wombel erholte sich, und ich rief alle paar Tage den Tierarzt an und beschrieb ihren Zustand.
Nach 4 Wochen erfuhr mein Vater von einem seiner Schüler, dass man diese Vögel nie alleine halten sollte, und das im Nachbarort ein Züchter war. Also fuhren wir hin, um einen Mann für Wombel zu besorgen. Der Züchter bedauerte, keine Jungvögel zu haben, zeigte uns aber seinen Zuchthahn Hägar. Der war nur ein Jahr jünger als Wombel. Er sei sehr wertvoll, rupfe aber die Jungen kahl, erklärte er uns. Er suche daher einen guten Platz bei einem Liebhaber, der mit ihm nicht züchten will. Will ich auch nicht, erklärte ich ihm hoch und heilig, und so zog "Hägar der Schreckliche" bei uns ein. Was die gelben Federn in seinem Nacken bedeuteten, die untypisch waren, konnte mir auch der Tierarzt nicht sagen, als ich die beiden bei ihm vorstellte. Vielleicht eine Stoffwechselstörung bei der Mauser, aber nix Ernstes, meinte der. Bei diesem Besuch meinte er, er hätte mich jetzt auch auf ein Männchen angesprochen, wollte aber abwarten, ob Wombel es überhaupt schafft. Er gratulierte mir, und als ich ihn nach seinem Honorar fragte, winkte er wiederum ab. Wir einigten uns dann auf 5 Mark (Ich hatte damals keinen Schimmer, wie teuer Tierarztrechnungen normalerweise sind.)

Am Anfang gab es auch noch einige wilde Schlägereien zwischen den beiden, die sich dann aber nach ein bis zwei Wochen legten. Wombel wurde mit der Zeit ruhiger. Die Beiden entwickelten sich gut, Hägars gelbe Federn blieben auch nach der nächsten Mauser, aber das störte mich wenig. Er war laut Tierarzt gesund. Wombel erfreute sich bester Gesundheit. Beide liebten Vogelmiere und Salat, Kiwi und Erdbeeren und genossen die warmen Sommertage auf der Terrasse.
Abschied von Wombel und Umzug
Inzwischen schrieben wir das Jahr 2000. Ich renovierte gerade mit Matthias die neue Wohnung und hatte dort schon Platz für eine große Voliere eingeplant. Bedingt durch eine alte Flügelverletzung konnte Hägar nie richtig fliegen, so dass Freiflug für ihn immer ein gefährliches Unterfangen war. Wir ließen es bald auf Anraten unseres neuen Tierarztes sein, nachdem wir mal mit einem verstauchten Haxen in der Praxis erschienen waren. Er stellte fest, dass der Flügel einmal gebrochen war und ihm eine leichte Fehlstellung das Steuern schwer machte. Der Tierarzt empfahl, eine schöne Voliere zu kaufen, und ihm viel Gelegenheit zu Klettern zu geben, damit er seinen Bewegungsdrang ausleben könne. Auch für die superscheue Wombel wäre das die beste Lösung gewesen.
Leider ging dann im Winter, nur 2 Monate, bevor der Umzug in die Voliere geplant war, Wombel ein. Der Tierarzt tröstete mich, dass der Vogel ein doch noch langes, schönes Leben bei mir gehabt hatte, auch ohne neue Voliere. Bei ihrem ursprünglichen Zustand sei das nicht selbstverständlich gewesen.
Leider waren Blaugenicksperlingspapageien aus der Mode gekommen, so dass ich 3 Monate suchen musste, bis ich für Hägar ein neues Weibchen gefunden hatte. In dieser Zeit wurde er beinahe handzahm, war aber auch sehr einsam.
Ich fuhr dann die 120 km, um das neue Weibchen abzuholen. Der Züchter kam mir sympathisch vor, die Volieren waren viel größer als die von Hägars Züchter, und auch sehr sauber. Er verkaufte auch Volieren, und so kam ich nicht nur mit der himmelblauen Mutation Helga (war ja klar ;-), sondern auch mit einer geteilten Voliere, Käfigmaße je Abteil 100 x 60 x 60 cm nach Hause. Der Verkäufer wunderte sich zwar, dass ich erst meinen Tierarzt anrief, bevor ich die Voliere kaufte, aber da ich vorher schon einmal einen total ungeigenten Käfig für die beiden erstanden hatte, war ich vorsichtig geworden. Ich hielt Helga eine Woche in "Quarantäne" im Wohnzimmer, und seitdem sah ich von Hägar nur noch die Rückansicht. Er interessierte sich nur noch für das, was da im Wohnzimmer vor sich ging.
Wir stellten die Käfige dann nebeneinander, und die beiden versuchten immer, miteinander zu schnäbeln. Also packten wir sie in die Voliere. Zuerst nur mit Trenngitter, aber als sie die ganze Zeit durch das Gitter schnäbelten, machten wir es raus. Sie flatterten ein bisschen scheu umher, nahmen aber schon bald Kontakt zueinander auf. Hägar, unser Zuchthahn, machte ihr sehr liebvoll den Hof ;-). Die neue Voliere interessierte ihn erst einmal nicht, die Neue war Thema Nummer eins. In das zweite Abteil der Voliere zogen die finken meines Bruders ein, die nun hier einen Dauerwohnsitz haben.
Sie verbringen den ganzen Sommer draußen auf dem Balkon, das lieben sie. In warmen Nächten sind sie auch über Nacht draußen, da sie vor Raubtieren aller Art geschützt stehen.

Doch inzwischen sind Matze und ich uns einig, dass wir den beiden Rabauken eigentlich eine richtige Voliere gönnen wollen. Sie geniessen den großen Käfig in vollen Zügen. Auch wenn's mit dem Fliegen nicht so klappt, Klettern kann der Junge. Ich glaube, das Matterhorn wäre für ihn eine echte Herausforderung. Oder die Nordmanntanne vorm Haus.
Inzwischen haben wir auch das Rätsel um Hägars gelbe Federn gelöst: Er ist ein Schecke, ganz einfach. Deswegen erzählte der Züchter, er sei so wertvoll. Das ist mir aber egal, die Hauptsache ist, ich habe zwei gesunde, glückliche Racker.
Wenn wir im Frühjahr dann die neue Voliere haben, werde ich noch ein paar Bilder von unserem Papageientraumhaus reinstellen ;-)
Wie Die Sperlinge leben wollen
Nachdem ich im Laufe der inzwischen 8 Jahre, in denen ich die Sperlinge halte, so manche Fehlentscheidung und auch teure Fehlinvestition aufgrund falscher Beratung im Fachhandel gemacht habe, möchte ich hier einmal beschreiben, wie man die Sperlinge wirklich entsprechend ihrer natürlichen Bedürfnisse halten sollte:

Als Urwaldbewohner sind sie an ein Leben in dicht bewaldeten Gebieten angepasst, fliegen aber zur Nahrungssuche oft ins offene Land hinaus. Die Mär vom waldbewohnenden Sperlingspapagei, der kein Flugbedürfnis hat, bitte nicht glauben. Meine beiden waren auf Anraten des Tierarztes, bedingt durch Hägars Flugunfähigkeit, zu Stubenhockern geworden. Allerdings bauen wir momentan das Wohnzimmer etwas um, mit Kletterbäumen und so, damit sie wenigstens in der Wohnung spazieren gehen können. Gesunde Sperlingspapageien sollten regelmäßigen Freiflug bekommen. Die Käfigmaße sollten die gesetzlichen Mindestanforderungen (siehe auch den Beitrag in der Rubrik "Recht und Gesetz") nicht unterschreiten.
Zur Käfigeinrichtung sei zu sagen, dass sie viele Stangen zum Klettern lieben. Im oberen Bereich habe ich frische Obstbaumzweige in verschiedenen Stärken sowie frische Tannenäste angebracht. Im unteren Bereich habe ich vor allem Seile gespannt und Bambusstäbe befestigt, da man diese sehr schön reinigen kann. Leitern, Kletterseile und Holzringe zum Schaukeln werden bei jeder Grundreinigung neu arrangiert, so dass keine Langeweile aufkommen kann. Der Hit momentan ist ein großer Tannenast vom Weihnachtsbaum, der als natürliche Leiter in der Ecke steht. Prinzipiell ist der vordere Bereich zum Klettern mit viel Stangen und Leitern ausgestattet, der hintere Bereich ist als Flugraum gedacht und sehr spärlich mit Stangen versehen. Der Boden ist zur Hälfte mit Vogelsand und Grit ausgestreut, die andere Hälfte ist mit Buchenholzspänen eingestreut. Beides wird von meinen sehr gerne angenommen. In den Spänen kann man super graben ;-)
Zur Ernährung dient als Grundfutter eine Großsittichmischung mit wenig Sonnenblumenkernen und eine Agapornidenmischung, um etwas Abwechslung zu bieten. Täglich frisches Obst und Gemüse, vor allem Kiwi, Erdbeeren, Himbeeren, Tomaten, Feigen, Granatapfel und Mais, müssen sein, sonst können wir Menschen nicht in Ruhe frühstücken. Man sollte aber auch andere Obstsorten probieren, jeder Papagei hat seinen eigenen Geschmack. Zusätzlich sollte Grünfutter regelmäßig angeboten werden. Besonders beliebt sind bei meinen halbreife Getreiderispen aus Bio-Anbau (hinter unserem Kompost ;-) und Vogelmiere. Aber auch hier gilt: Experimentieren. Futterempfehlungen findet Ihr auch hier auf den speziellen Seiten. Täglich frisches Wasser sollte selbstverständlich sein, auch darf ein Mineralstein nicht fehlen.
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Autor : © ElkeFreier
Adaption Web: Thorsten Bönte
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