Der Orangebauchsittich
(Neophema chrysogaster)
Systematik


Orangebauchsittich
Neophema chrysogaster
Photograph courtesy of
Ingrid Albion & Ron Sutton,
Tasmanian Parks & Wildlife Service

Familie:          Neophema
Gattung:          Grassittiche (Neophema)
Art:              Neophema chrysogaster
Erstbeschreibung: Latham 1790
CITES-Status:     CITES I


Anmerkung:
Die Art gilt als die meistgefährdete Papageienart Australiens und zählt zu den seltensten Vögeln der Welt, denn sein Gesamtbestand wird auf lediglich rund 150 - 200 erwachsene Individuen geschätzt.


Bezeichnungen:
Orange-bellied Parrot
Perruche à ventre orangé
Beschreibung
Männchen: Stirnband blau mit grünblauem Rand, Zügelpartie grün, Kehle und Brust olivgrün, Bauch gelb mit orange-roten Bauchfleck. Rücken und Flügeloberdecke olivgrün. Flügelrand, Flügelbug, Handschwingen und Unterflügeldecken blau. Unterschwanzdecken der Schwanzfedern gelb, Oberseite der Schwanzfedern grün mit blauen Spitzen. Iris braun, Schnabel graubraun, Füße grau. Länge: 20 cm. Gewicht 48 - 51 g.

Weibchen
sind dunkler und blasser gefärbt und das Stirnband ist schmaler, der grünblaue Rand fehlt.

Jungvögel: Ähnlich Weibchen. Mattere Farben, Bauchfleck kleiner, weißer Unterflügelstreif vorhanden. Volle Ausfärbung mit 8-9 Monaten.


Orangebauchsittich
Neophema chrysogaster
Photograph courtesy of
Ingrid Albion & Ron Sutton,
Tasmanian Parks & Wildlife Service

Haltung und Zucht
Sie werden nur gelegentlich gehalten, vorwiegend von Züchtern in Südaustralien, die am Erhaltungszuchtprogramm teilnehmen. Wenige Paare kamen in den 70 er Jahren nach Europa.
Verbreitung / Lebensweise und Freileben:
Die bekannten Nistplätze liegen im Südwesten Tasmaniens im South West National Park (welcher inzwischen von der UNESCO zum Naturerbe der Menschheit erklärt wurde). Während des südlichen Sommerhalbjahres lebt und brütet die gesamte Population der Orangebauchsittiche dort in den Riedgrasebenen. Das Klima dieser Region ist stürmisch und regnerisch, die durchschnittliche Temperatur liegt im Sommer bei 21-22°C.

Orangebauchsittiche gehören zu den wenigen echten Zugvögeln unter den Papageien. Im März verlassen die Vögel Südwest Tasmanien und fliegen entlang der Westküste Richtung Norden. Über die Bass-Straße ziehen sie zum australischen Festland, um dort den Winter zu verbringen. Die Wanderung kann bis zu zwei Monate dauern (Die Rückkehr braucht wesentlich weniger Zeit). Der Orangebauchsittich erreicht das Festland im späten März.
 


South West National Park © M. Magnes

Im Winterquartier verteilen sich die Vögel in kleinen Schwärmen entlang der Küste - vom Süden der Region Gippsland (Victoria) westwärts über die Port-Philip-Bucht bis zum See Alexandrina in der Nähe von Adelaide im Bundesstaat Südaustralien. Die Hauptkonzentration der kleinen Population kommt in zwei Salzwiesengebieten an der Port-Philip-Bucht und entlang den süd-östlichen Stränden von Südaustralien vor. Jedoch werden die Aufenthaltsorte vom Nahrungsangebot vorgegeben. Der Lebensraum in Südaustralien ist die typische Küstenlandschaft. Die Sittiche verzehren Pflanzen, die unmittelbar am Wasser der hinteren Dünen stehen.

"Im 19. Jahrhundert erstreckte sich das Überwinterungsgebiet der Orangebauchsittiche bis Sydney. Bis in die 40er Jahre überwinterten die Orangebauchsittiche dort, wo heute der Hafen von Melbourne liegt, etwa zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Bucht von Port Phillip ... war früher das bedeutendste Überwinterungsgebiet. Für den Bau von Industrieanlagen und Freizeiteinrichtungen musste fast die gesamte ursprüngliche Küstenvegetation der Bucht weichen. Nur der Lake Yambuck konnte als Überwinterungsplatz gerettet werden und steht mittlerweile unter Schutz."

Die Sittiche leben paarweise und in kleinen Gruppen zusammen. Wie die meisten Papageien baut der Orangebauchsittich kein Nest sondern legt seine Eier in die hohlen Stämme und Äste des Eukalyptus. Es gibt 3-6 Eier bei einem Gelege. Die Brutdauer beträgt 21 Tage, die Jungen fliegen nach ca. 35 Tagen aus. Ungefähr 4 Wochen nach dem Ausfliegen sind sie selbständig.

Die Paare bleiben ihr Leben lang zusammen. Das gleiche Paar nimmt ein Nest für über 5 Jahre in Besitz. Gegenwärtig wird geschätzt dass es vierzig Brutpaare gibt. Bis zu 6 Eier können jede Saison gelegt werden, es mag daher überraschen dass die Population nicht zunimmt. Jedoch fordern natürliche Ereignisse ihren Tribut. Bei allen Nest-Studien beträgt der Durchschnitt nur 1,7 Jungenaufzuchten pro Nest.

Hauptsächlich ernährt sich der Orangebauchsittich von den Samen diverser Gräser. Die Nahrungsanforderungen variieren in den verschiedenen Stadien der Brutsaison. Außerhalb der Brutzeit verbringt er viel Zeit auf dem Boden, um nach Nahrung zu suchen oder sich im Schutz eines Grasbüschels oder eines Buschs auszuruhen. Auch auf Viehweiden und an Stränden suchen sie Nahrung.

Die Vögel sind scheu, bei Störungen fliegen sie auf und lassen sich erst in einer gewissen Distanz nieder, bei erneuten Störungen verlassen sie den Platz. Ihr Flug ist schnell und wird von kurzen Gleitflügen unterbrochen. Orangebauchsittiche schließen sich gelegentlich bei ihren Flügen mit Feinsittichen (Neophema chrysostoma) zusammen. Es ist nicht klar ob diese gemischten Schwärme auch in den Überwinterungsgebieten auf dem australischen Festland bestehen bleiben.

Bedrohung:

Historische Informationen deuten an, dass die Population seit den ersten Besiedlungen durch Europäer abnahm. Es gibt Berichte von "Tausenden" aus den Jahren 1830, 1880 und 1910. Die Abnahme erscheint am dramatischsten seit den 40er Jahren, die Population hat sich in den letzten Jahrzehnten (seit ungefähr 1975) bei seinem derzeitigen sehr niedrigen Stand von 100 bis 200 Vögeln eingependelt.

Gemäß der Roten Liste der IUCN fällt diese Art unter das Kriterium "Vom Aussterben bedroht" (Critically Endangered CR, C2b). Die Art hat eine Gesamt-Population von weniger als 250 Tieren ( C ), hat stetig abgenommen, und sein Verbreitungsgebiet schrumpfte merklich seit 1920, mit allen Exemplaren sind sie eine einzige Sub-Population (2b).

Der Orangebauchsittich ist vom Staat und der Gesetzgebung geschützt und ist als national bedroht aufgelistet. Die australische Naturschutzbehörde führt seit geraumer Zeit ein Rettungsprogramm zugunsten des Orangebauchsittichs durch, dank dem immerhin der weitere Rückgang der Population aufgehalten werden konnte.

Forscher nehmen an, dass die Ursachen für den Bestandsrückgang des Orangebauchsittichs hauptsächlich in den Überwinterungsgebieten auf dem Festland zu suchen sind. In den Brutgebieten in Südwest Tasmanien ist der Lebensraum des Orangebauchsittich noch relativ unverändert, allerdings sind die Gebiete auf dem Festland massiven Veränderungen ausgesetzt. Der Küstenbereich vor Melbourne, die Port Phillip Bucht, war früher für die Vögel ein wichtiges Überwinterungsgebiet. Diese Bucht wird zunehmend von Menschen besiedelt, Industrieanlagen und Freizeiteinrichtungen wurden gebaut und dadurch ist die ursprüngliche Küstenvegetation fast verschwunden. Die Gebiete in Südaustralien, sind teilweise von Schafherden stark überweidet. Seit Generationen wurden die dortigen Riedgrasflächen von den Orangebauchsittichen aufgesucht.

Das Nahrungsangebot auf dem Festland hat abgenommen und die geeigneten Futterplätze sind weit voneinander entfernt. Dadurch müssen sich die Vögel in kleine Gruppen von zwei bis fünf Tiere aufteilen, die leicht Opfer von Beutegreifern wie Katzen und Füchsen werden. Darüber hinaus leiden die Sittiche unter der Konkurrenz eingeführter Vögel wie Stare, Sperlinge und Stieglitze und auch durch die einheimischen Feinsittiche.

Erschwerend hat der Orangebauchsittich als Zugvogel die Überquerung der Bass Straße zu bewältigen mit den entsprechenden Gefahren. Die Jungen fliegen meist ohne Unterstützung der Altvögel, welche anscheinend unabhängig weiterziehen.

Möglicherweise spielen auch Inzucht-Effekte eine Rolle. Deshalb wird der Auswilderung gezüchteter Orangebauchsittiche große Aufmerksamkeit geschenkt. Die Vögel werden im Frühjahr frei gelassen. In guter Kondition pflanzen sie sich im Sommer fort und unterstützen so die Freilandpopulation. Allerdings ist die Überlebensrate der ausgewilderten Sittiche sehr gering. Viele der ausgewilderten Vögel überleben kaum ein Jahr, trotzdem sind sie wichtig bei der Vermeidung von Inzuchteffekten. Immerhin konnten 1998 und 1999 52 Jungvögel gezüchtet werden, 31 von ihnen wurden in die Freiheit entlassen.

Das Ziel des Orangebauchsittich-Wiederherstellungs-Plans (Orange-Bellied Parrot Recovery Plan 1998-2002) ist den Erhaltungsstatus dieser Art zu verbessern, so dass sie nicht mehr länger im IUCN Kriterium "vom Aussterben bedroht" (CR) eingeordnet ist und in eine niedrigere Bedrohungs-Kategorie eingeordnet werden kann. Dieses Ziel soll erreicht werden indem die Anzahl der ausgewachsenen Tiere in der Wildpopulation auf 250 Vögel oder mehr erhöht wird. Ein weiteres Ziel ist die Erweiterung und Sicherung der gefährdeten Überwinterungsgebiete damit die Art in seiner derzeitigen Größe bestehen kann. Das langfristige Ziel der Bemühungen ist die Art innerhalb von 30 Jahren auf "geringer gefährdet, abhängig von Artenschutzmaßnahmen" (Lower Risk, Conservation dependent; LRcd) runterzustufen.

Aktuelles:

Am 27./28 Juli 2002 wurde eine Zählung mit über 100 Freiwilligen Helfern durchgeführt welche eingehend die Lage vom Murray River Muth, Süd-Australien, bis zu Jack Smith´s Lake, Gippsland, Victoria überwachten. Die Zählung ergab 23 Orangebauchsittiche, über 1180 Feinsittiche (Neophema chrysostoma), 179 Schmucksittiche (Neophema elegans), zwei Klippensittiche (Neophema petrophila) und 20 undefinierte Neophema Arten.

Von den 23 Orangebauchsittichen wurden 18 in Victoria gezählt, drei in Südaustralien und interessanterweise zwei in Nord-West Tasmanien. Es ist ungewöhnlich Orangebauchsittiche Mitte des Winter noch in Tasmanien anzutreffen und es gibt sehr wenige historische Aufzeichnungen von Orangebauchsittichen, welche in Tasmanien überwintern. Diese beiden Vögel waren auf Futtersuche entlang des Strandes.

Eine andere Überraschung war die geringe Anzahl von Orangebauchsittichen in Victoria. Mitte des Winters ist gewöhnlich die Jahreszeit in welcher die maximale Anzahl dort gezählt werden kann.

Quellenverzeichnis:
Bücher:
  • Robiller, Handbuch der Vogelpflege, Papageien Band 2: Neuseeland, Australien, Ozeanien, Südostasien, Afrika

Zeitschriften:

  • Papageien 11/2000, Die Papageien Tasmaniens (Teil 2), Dr. R. Seitre

Internet:

Link IUCN: http://www.papageien.org/HJP/Misc/beitrag2_1001.html

  Zur Homepage:
Zusammenstellung: © Marion Wiegel
Adaption für WWW: Thorsten Bönte
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © 12/2002