Die Blaumaskenamazone
Systematik

Foto © Markus Kaufmann
Familie:	Aratingidae 
Unterfam.:	Amazoninae 
Gattung:	Amazona 
Arten:		Amazona versicolor
Bezeichnungen:

Blaumaskenamazone
St. Lucia Parrot
Sint Lucia Amazone, Blauwmaskeramazone
Amazone versicolor, Amazone de Santa Lucia

wissenschaftlich:
Amazona versicolor P.L.S. Mueller 1776)


Amazonen bilden eine mittelgroße, kurzschwänzige Gattung innerhalb der Papageienvögel. Mit knapp 30 Arten sind sie in ihrer Verbreitung auf den Mittel- und Südamerikanischen Kontinent sowie auf die karibischen Inseln beschränkt.
Während vor einigen Jahrhunderten wohl jede Karibik-Insel "ihre" Amazonen-Art hatte, sind heute viele davon ausgestorben oder akut vom Aussterben bedroht.
Beschreibung
Wie die meisten Amazonen-Arten ist das Grundgefieder bei der Blaumaskenamazone grün; Hervorstechend ist aber die intensiv-blaue Gesichtsmaske und ein in der Ausdehnung variables rotes Brustband, das aber schwächer ausfällt als bei der ähnlichen Blaukopfamazone (Amazona arausiaca) von Dominica. Mit 43 cm. gehört die Art zu den größten Amazonen.
Für eine detaillierte Beschreibung siehe Beschreibung im Lexikon der Papageien .
Verbreitung/Lebensraum
Die Blaumaskenamazone ist ein Endemit, d.h. sie kommt ausschließlich auf der Insel St. Lucia vor. Diese liegt in der südlichen Karibik und gehört zu den kleinen Antillen.

Sie leben einzeln, paarweise oder in kleinen Gruppen in den Bergwäldern ihrer Heimatinsel; ernähren sich von einer Vielzahl tropischer Früchte, Samen und Beeren sowie Knospen und Nüssen. Während der Nahrungsaufnahme verhalten sich die Vögel sehr leise und sind im Kronendach des Urwalds kaum zu entdecken.

Status/Bedrohung
Aufgrund der Größe der Insel ist das Verbreitungsgebiet der Blaumaskenamazone von jeher extrem eingeschränkt (Es dürften zu keiner Zeit mehr als 150 qkm gewesen sein) und die Individuenzahl war dadurch schon immer sehr klein. Heute ist das Verbreitungsgebiet aufgrund von Lebensraumzerstörung auf rund 38 qkm zusammengeschrumpft.
Aktueller Bestand sind ca. 400 Tiere; dieser gilt als stabil aber empfindlich.
Schutzmassnahmen und heutige Situation
In den siebziger Jahren war die Blaumaskenamazone aufgrund von illegalem Handel, Lebensraumzerstörung und die Jagd durch Einheimische für den Kochtopf ("parrot-pie") akut vom Aussterben bedroht. Der Bestand war auf unter 100 Tiere gesunken.
Glücklicherweise begann der Jersey Wildlife Trust unter Leitung des Gründers Gerald Durell sich um die Belange dieser Amazone zu kümmern: Parallel wurden mehrere Maßnahmen ergriffen:
  • Gespräche mit Regierung und Behörden um Gesetze zum Schutz der Amazone zu erreichen, einschl. hoher Strafen für das Fangen und Töten der Vögel.
  • Unter Schutz Stellung des Lebensraumes um weitere Zerstörung zu verhindern.
  • Aufklärung der Bevölkerung über "Ihren" seltenen Vogel; Schaffen eines Bewusstseins für das einmalige Erbe der Natur, daß nur auf ihrer Heimatinsel vorkommt; Besonders Aktionen in den Schulen waren erfolgreich.
  • "Sanfter" Öko-Tourismus: Anlegen eines Naturlehrpfades durch den Urwald mit Aussichtsplattform und Beobachtungsmöglichkeit für papageieninteressierte Touristen. Öko-Touren als Geldquelle.
  • Zuchtprogramm in Menschenobhut mit dem Ziel der späteren Auswilderung. Dazu wurden mehrere Vögel auf die britische Kanalinsel Jersey verbracht, wo der Jersey Wildlife Trust einen kleinen Zoo betreibt in dem fast ausschließlich vom Aussterben bedrohte Tiere gehalten und vermehrt werden. Die Vögel verblieben aber im Besitz St. Lucia's. Die Haltung und Zucht erwies sich als nicht einfach, da die meisten Tiere aus Zoos anderer Karibikinseln stammten, wo sie jahrelang falsch gehalten und ernährt wurden.
    Nach anfänglichen Rückschlägen glückte dort die Nachzucht dann doch und heute werden dort ca. 14 Vögel gehalten, davon 4 Paare im Ausstellungsbereich, wo auch alles Fotos dieses Berichts entstanden sind.
    Einige Nachzuchten wurden nach St. Lucia zurückgebracht und ausgewildert.
  • Auffangstation in St. Lucia für beschlagnahmte oder verletzte Vögel.

Die oben genannten Maßnahmen kann man durchweg als Erfolg bezeichnen. Heute kennt jeder Einwohner St. Lucia's "seinen Vogel" und die Blaumaskenamazone ist zum Wappentier der Ferieninsel geworden. Man ist stolz auf den seltenen Papagei. Sein Konterfei ziert T-Shirts, Briefmarken und Telefonkarten. Auf allen möglichen Souvenirs findet sich die Amazone.
Auch die anderen Schutzmassnahmen haben gegriffen, so dass sich der Bestand von unter 100 auf rund 400 Tiere erhöhte. Dies ist immer noch eine sehr geringe Zahl doch wird diese aufgrund des winzigen Lebensraumes kaum weiter ansteigen. Daher gilt der Bestand als stabil aber empfindlich.



Foto © Markus Kaufmann

Haltung
Diese Art wurde zu allen Zeiten extrem selten gehalten; Früher konnte man die Blaumaskenamazonen in Walsrode bewundern, heute gibt es in Deutschland keine Einrichtung mehr, die diesen Papagei zeigt; Auch der Loro Parque in Teneriffa zeigte diese Art schon.
Die einzige Möglichkeit diese Art "live" zu bewundern ist nach Jersey zu fahren oder eben nach St. Lucia und eine Tour in den Urwald zu machen, wo man mit Glück oder mit Hilfe eines einheimischen Guides einen Blick auf die Juwelen erhaschen kann.
Möglicherweise gibt es noch Einzel-Exemplare bei privaten "Liebhabern" in der Schweiz oder auch in Deutschland und den USA. Offiziell bekannt ist allerdings nichts.
 

Foto © Markus Kaufmann
 

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