Die Königsamazone
Systematik

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Familie:     Aratingidae 
Unterfam.:   Amazoninae 
Gattung:     Amazona 
Arten:       Amazona guildingii
Bezeichnungen:

Königsamazone
St. Vincent Amazon
Sint Vincent Amazone, Koningsamazone
Perroquet amazone de Guilding

wissenschaftlich:
Amazona guildingii (Vigors 1836)


Amazonen bilden eine mittelgroße, kurzschwänzige Gattung innerhalb der Papageienvögel. Mit knapp 30 Arten sind sie in ihrer Verbreitung auf den Mittel- und Südamerikanischen Kontinent sowie auf die karibischen Inseln beschränkt.
Während vor einigen Jahrhunderten wohl jede Karibik-Insel "ihre" Amazonen-Art hatte, sind heute viele davon ausgestorben oder akut vom Aussterben bedroht.
Beschreibung

Die Königsamazone nimmt in ihrer Färbung eine absolute Sonderstellung innerhalb der Familie der Amazonen ein; jedes Individuum unterscheidet sich in der Färbung deutlich von anderen und die Variabilität des Gefieders ist außerordentlich hoch.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Färbungstypen: den grünen Typ und den bronzefarbenen Typ. Des Weiteren können im Kopfgefieder blaue Abzeichen zu finden sein die bei anderen Vögeln komplett fehlen. Es gibt Tiere mit weißem Kopf, andere mit orangenem Kopfgefieder.

Für eine ausführliche Beschreibung siehe Lexikon der Papageien .

Verbreitung/Lebensraum

Die Königsamazone ist ein Endemit, d.h. sie kommt ausschließlich auf der Insel St. Vincent vor. Diese liegt in der südlichen Karibik und gehört zu den kleinen Antillen. Aufgrund des aktiven Vulkans hat St. Vincent nur schwarze Strände; ein Umstand der verhindert hat, dass die Insel touristisch interessant wurde. Dafür blieb verhältnismäßig viel Urwald erhalten und für Liebhaber der ursprünglichen Karibik ist die Insel ein Geheimtip.

Königsamazonen leben paarweise oder in kleinen Gruppen in den Bergwäldern ihrer Heimatinsel, die max. Gruppengröße liegt bei ca. 30 Tieren.

Die Vögel ernähren sich von einer Vielzahl tropischer Früchte, Samen und Beeren sowie Knospen und Nüssen. Während der Nahrungsaufnahme verhalten sich die Vögel sehr laut sind aber im Kronendach  des Urwalds dennoch kaum zu entdecken. Dabei verhalten sie sich häufig erstaunlich zutraulich und lassen sich erst durch deutliche Störungen zum Auffliegen bewegen. Ein am Boden sitzendes Paar ließ Beobachter bis auf ca. 10 Meter herankommen.

Status/Bedrohung

Ähnlich wie bei den anderen endemischen Amazonen-Arten der kleinen Karibik-Inseln war aufgrund der Größe der Insel das Verbreitungsgebiet der Königsamazone von jeher extrem eingeschränkt und die Individuenzahl war dadurch schon immer sehr klein. Heute ist das Verbreitungsgebiet aufgrund von Lebensraumzerstörung auf wenige Dutzend qkm im Zentrum der Insel St. Vincent zusammengeschrumpft.

Aktueller Bestand sind ca. 650-800 Tiere; dieser gilt als stabil aber empfindlich. Bedroht werden die Vögel auch von Naturkatastrophen wie Wirbelstürmen und dem aktiven Vulkan La Soufrierre (letzter Ausbruch 1979, bei dem viele Vögel ums Leben kamen).

Gemessen an dem winzigen Habitat ist die Dichte momentan relativ hoch und wird daher in Zukunft wohl nur noch wenig ansteigen. Auf Beobachtungstouren auf extra dafür angelegten Pfaden mit einer Aussichtsplattform kann man Königsamazonen ständig in relativ großer Zahl beobachten.

Schutzmassnahmen und heutige Situation

In den siebziger Jahren war die Königsamazone aufgrund von illegalem Handel, Lebensraumzerstörung und der Jagd durch Einheimische für den Kochtopf  ("parrot-pie") akut vom Aussterben bedroht. Der Bestand war auf 100-200 Tiere gesunken.

Glücklicherweise begann der Jersey Wildlife Trust unter Leitung des Gründers Gerald Durell sich um die Belange der karibischen Amazonen-Arten zu kümmern:

Parallel wurden auf St. Vincent, wie auch auf Dominica (Kaiseramazone A. imperialis, Blaukopfamazone A.arausiaca) und St. Lucia (Blaumaskenamazone, A.versicolor) mehrere Maßnahmen ergriffen:



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  • Gespräche mit Regierung und Behörden um Gesetze zum Schutz der Amazone zu erreichen, einschl. hoher Strafen für das Fangen und Töten der Vögel.
  • Unter Schutz Stellung des Lebensraumes um weitere Zerstörung zu verhindern.
  • Aufklärung der Bevölkerung über "Ihren" seltenen Vogel; Schaffen eines Bewusstseins für das einmalige Erbe der Natur, dass nur auf ihrer Heimatinsel vorkommt; Besonders Aktionen in den Schulen waren erfolgreich.
  • "Sanfter" Öko-Tourismus: Anlegen eines Naturlehrpfades durch den Urwald mit Aussichtsplattform und Beobachtungsmöglichkeit für papageieninteressierte Touristen. Öko-Touren als Geldquelle.
  • Aufbau einer Zuchtstation im botanischen Garten in Kingstown, der Hauptstadt St. Vincents. Dort sollten beschlagnahmte oder verletzte Vögel ein artgerechtes Zuhause finden und sich vermehren; die Jungvögel sollten ggf. ausgewildert werden.

Die oben genannten Maßnahmen kann man bis auf die Zuchtstation als Erfolg bezeichnen. Heute kennt jeder Einwohner St. Vincent's "seinen Vogel" und die Königsamazone ist zum Wappentier der Karibikinsel geworden. Man ist stolz auf den seltenen Papagei. Sein Konterfei ziert T-Shirts, Briefmarken und Telefonkarten. Auf allen möglichen Souvenirs findet sich die Amazone.

Auch die anderen Schutzmassnahmen haben gegriffen, so dass sich der Bestand von unter 200 auf 650-800 Tiere erhöht hat. Dies ist immer noch eine sehr geringe Zahl doch wird diese aufgrund des winzigen Lebensraumes kaum weiter ansteigen. Daher gilt der Bestand als stabil aber empfindlich.

In der Zuchtanlage leben über 30 Amazonen, die aber teilweise sehr alt und eng miteinander verwandt sind. Zuchterfolge blieben in den vergangenen Jahren die absolute Ausnahme. Nachdem es der Königsamazone im Freiland wieder relativ gut ging, zog sich der Jersey Wildlife Trust zurück um sich um andere Projekte zu kümmern.

Bald waren die Volieren der Zuchtanlage in sehr schlechtem Zustand.

Im Jahr 2000 zog der ehemalige Kurator des Loro Parques auf Teneriffa, Roger Sweeney, auf die Nachbarinsel Barbados und nahm sich auch der Anlage in Kingstown an. Es wurden einiges renoviert und so bleibt zu hoffen, dass sich Zuchterfolge in Zukunft einstellen mögen.

Haltung

Königsamazonen wurden zu allen Zeiten extrem selten gehalten; In Deutschland kann man die Art lediglich in Walsrode bewundern; Möglicherweise gibt es noch Einzel-Exemplare bei privaten "Liebhabern". Offiziell bekannt ist allerdings nichts.

Auch der Loro Parque in Teneriffa zeigte diese Art schon. Außerdem werden Königsamazonen in mehreren Einrichtungen in den USA (z.B. Bronx Zoo, New York) sowie in England gezeigt und teilweise auch gezüchtet. In den USA besitzen auch einige private Halter Königsamazonen.

Auf verschiedenen Karibik-Inseln (vor allem Barbados) werden weitere Vögel gehalten.

 Auf St. Vincent werden ca. 35 Tiere in der Anlage im botanischen Garten gehalten, weitere 30 Tiere werden in Hotels und von Privatpersonen gehalten; Zur Haltung auf St. Vincent wird eine Sondergenehmigung der Forestry Devision benötigt, welche die Haltungsbedingungen auch regelmäßig kontrolliert, wobei für unsere Verhältnisse doch sehr lasche Maßstäbe angelegt werden. Da Königsamazonen auf Anhang A des Wahingtoner Artenschutzabkommens geführt werden, ist jeglicher Handel mit dieser Art verboten.

 Die beste Möglichkeit Königsamazonen "live" zu erleben ist aber die Insel zu besuchen und den "Vermont Nature Trail" zu besuchen. Dort wird man, die richtige Tageszeit vorausgesetzt, mit einzigartigen Beobachtungen einer ganz besonderen Amazonenart belohnt werden...


Foto © Markus Kaufmann

Weiteren Lesestoff zur Blaumaskenamazone finden Sie in unserer Literaturdatenbank

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