Zeitungsbericht
vom Reutlinger Generalanzeiger
(Plötzlich kippten alle tot von der Stange)
Böse Überraschung: Kleinpapageien allergisch gegen Dämpfe
von beschichteten Pfannen.
Eine böse Überraschung erlebte eine junge Familie aus Trochtelfingen mit gefiederten
Freunden. Alle vier kippten plötzlich tot vom Stengel. Ursache: unbekannt. Sie suchten
Rat beim örtlichen Tierarzt Dr. Bucherer. Dessen Ex-Kollege, Dr. Friedrich Burrer, ging
dem Thema nach. Der Bericht des Ruheständlers aus Pfullingen will alle Vogelfreunde vor
möglichen Gefahren, die von speziell beschichteten Pfannen für Vögel ausgehen können,
warnen.
Das Festessen stand auf den Tisch und das Mahl hätte zur großen Freude werden
können, wenn da nicht ein anderer Kummer im Raum gestanden hätte. Am Vortag des
Feiertags waren der tierbegeisterten Familie plötzlich vier Ziervögel eingegangen, zwei
Wellensittiche und Agaporniden, zwei Unzertrennliche der Sorte Schwarzköpfchen. Die
durchaus wertvollen Kleinpapageien waren unlängst ins Haus gekommen, wußten diese
Tierfreunde doch, daß die Unzertrennlichen ein phänomenal zärtliches Eheleben führten
mit Kosen und Schnäbeln, Gefiederzupfen, mit Gurren und eifrigem Zwitschern - und das
immer eng beieinander. Die beiden Unzertrennlichen sollten den jungen Leuten Glück
bringen. Nun war die Vogeltrauer so groß, daß man unbedingt wissen wollte, welche Seuche
die vier Bunten aus der Ordnung der Papageien so jäh dahingerafft hatte. War es gar die
Papageienpest, die Psittacose oder Ornithose, die auch den Vogelhaltern gefährlich werden
könnte?
Also: Verbindung aufnehmen mit dem Tierärztlichen Untersuchungsinstitut in Aulendorf.
Die angenehme Überraschung war, daß trotz des hohen Feiertags dort das Telefon für
einen zweistündigen Annahmetermin für akute Seuchen-Opfer besetzt war. Der Experte dort
Dr. Lohr besah sich die so schnell verblichenen Luxusgeschöpfe. Der Sachverständige ging
bei der Ursachenforschung gezielt vor. Ob irgend ein Spray im Wohnzimmer, der Heimstatt
der Vögel, benutzt worden sei, wollte er wissen. Oder ob ein offenes Feuer bei fehlender
Luftzufuhr gebrannt hätte? Nein, aber man habe die vorgeschriebene erste viertelstündige
Leer-Erhitzung der Raclett-Pfanne vorgenommen und eine halbe Stunde später hätten
hätten die bunten Flieger zitternd und röchelnd und unter Krämpfen ihr Leben
ausgepustet.
Da wußte Dr. Lohr Bescheid. Die Killer das waren die PTFE-Dämpfe
(Poly-Tetra-Flour-Ethylen) des Teflon. Dieses Material dient bei Pfannen als
Anti-Haft-Beschichtung der Gesundheit der Menschen, denn es erlaubt fettfreies Zubereiten
von Speisen. Die gefürchteten PTFE-Dämpfe, das war Dr. Lohr bekannt, enstehen beim
Erhitzen von Teflon über 280 Grad. Sie hätten schon des ofteren gefiederte Lieblinge
umgebrach. Wenn der Warnhinweise der Betriebsanleitungen für beschichtete Pfannen
beachtet werden, besteht für Menschen oder andere Tiere keine Gefahr. Vögel aber
reagieren besonderst empfindlich auf PTFE, belegten Englische Wissenschaftler.
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