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PBFD - die unheilbare Schnabel und Federkrankheit
(Psittacine beak and feather disease)

von Heike Mundt 

Dies ist eine aus meinen eigenen Erfahrungen mit Züchtern zusammengestellte Warnung vor einem sehr ernst zu nehmenden Problem , aber kein medizinischer Fachbericht. 

Durch meinen langjährigen Umgang mit Papageien und durch viele Kontakte zu Haltern und Züchtern tauchen seit ca.2 Jahren immer mal wieder Fragen auf über den Feder- und Schnabelzustand der gefiederten Pfleglinge. 

Es sind immer die gleichen Probleme: der Vogel verliert ohne erkennbaren Grund ständig seine neu wachsenden Federn. Nun könnte man an einen klassischen Rupfer denken, wäre da nicht der Federausfall am Kopf (bei Einzelhaltung). Zudem verändert sich das Schnabelhorn, es wächst unkontrolliert und wird von einem Schnabelschwamm (Pilz) häufig befallen. 

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PBFD-Symptome hier bei einem Kakadu
Was geht da vor ? 

Grundsätzlich möchte ich nicht allen Feder-verlierenden Papageien unterstellen, daß es sich hierbei um die gefürchtete Schnabel- und Federkrankheit (im weiteren Verlauf des Textes kurz PBFD genannt) handelt, aber der Verdachtsmoment ist da. PBFD ist ein Circovirus und leider sehr ansteckend. Früher glaubte man, daß nur Kakadus befallen werden können, leider sind mittlerweile auch viele andere Papageienarten betroffen. So kenne ich zusätzlich Fälle bei Graupapageien, Aras, Edelpapageien, Rotsteisspapageien und Amazonen. Es gibt Papageien, die latent infiziert sind und jahrelang keine Symptome zeigen, aber über Federstaub andere Tiere anstecken. Jungtiere im Nest sind genauso betroffen wir erwachsene Papageien, nur scheint bei älteren Tieren das Infektionsrisiko geringer zu sein , wohl bedingt durch das erfahrenere Immunsystem. Ich habe schon klinisch erkrankte Papageien-Babies im Alter von 26 Tagen gesehen. 

Wie äußert sich diese Krankheit optisch ? 

Bei ganz jungen Papageienbabies sind die Federn unter den Flügeln (Puderdunen) unterentwickelt, die Federn sind dadurch bedingt fast federstaubfrei. Oftmals können z.B. bei Graupapageien die Rückenfedern ohne Schmerzempfinden der Tiere ausgezogen werden. Die Federscheiden sind am Ende abgestorben und das normalerweise vorhandene Blut schwärzlich eingetrocknet. Besonders betroffen sind neben den Puderdunen die Rücken- und Schwungfedern. Die nachkommenden Federn wachsen auf halbe Länge, sterben dann wieder ab und fallen aus. Da dieser Virus in der Hautpulpa sitzt und diese zerstört (Nekrosenbildung), sind die nachkommenden Federn auch oft degeneriert, d.h. sind gedreht, unterentwickelt, brechen ab (Glasfeder) oder bleiben in der viel zu langen Hülle stecken. 

Bei etwas älteren Voegeln (erstes Hauptgefieder), die sehr starken Gefiederstaub produzieren (z. B. Kakadus und Graupapageien) fällt im frühen Stadium auf, daß der normalerweise durch Gefiederstaub grau wirkende Schnabel wie frisch poliert aussieht. Gleiches gilt für die Fußhaut. Das Federkleid wirkt wie frisch gebadet. Wenn man dann einmal die Schwungfedern von unten betrachtet, fällt oft eine schwärzlich eingetrocknete Blutmasse in der Ferderscheide auf. Im fortgeschrittenen Stadium wird der Papagei infolge der Schwächung seines Immunsystemes durch den Virus von Bakterien- und Pilzinfektionenen heimgesucht. 
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Federn eines PBFD-kranken Papageien
Oft wird auch der Schnabel von diversen Infektionen betroffen, wächst unkontrolliert und zeigt einen oft typischen Pilzbefall am/ oder häufiger im Schnabel (Gaumen). Im Endstadium sind fast keine Federn mehr vorhanden, auch die noch nachwachsenden Federn fallen schneller aus. Spätestens hier sollte man aus ethischen Gründen den Vogel von seinem Leiden erlösen. Diese beschriebene Krankheitsgeschichte kann zwischen 6 Monate und mehreren Jahren dauern.
PBFD ist in zweierlei Hinsicht so schlimm : 
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PBFD birgt eine enorme Ansteckungsgefahr
Erstens infizieren auch nicht optisch erkrankte Tiere ganze Papageienbestände und man bemerkt diese Krankheit erst oft Jahre später. Zweitens kommt man dann in den Konflikt,infizierte Papageien einschläfern zu lassen, die keine Symptome zeigen, um eventuell den Restbestand oder nicht noch weitere Vögel bei Verkauf anzustecken. 
Was kann ich tun ? 

Diese Virusinfektion ist nicht heilbar, es gibt zum jetzigen Zeitpunkt kein Gegenmittel. 

Die einzige Hilfe ist eine DNA-Analyse von Blut oder Gewebematerial, die diesen Virus erkennt. Das Verfahren ist sehr aufwendig und kann für Europa nur in England durchgeführt werden. Die Testserie dauert ca. 2 1/2 Wochen und das schriftliche Ergebnis dauert bis zu 6 Wochen. Das heißt, das bei Testbeginn jeder Vogel einzeln in Quarantäne gehalten werden sollte, damit bei positivem Bescheid einiger Vögel nicht nochmals getestet werden muß. Es ist nämlich möglich, daß sich der Virus unter den laut Testergebnis negativen Vögeln weiter ausgebreitet hat. Die Ansteckung kann durch einen einmaligen Kontakt über Staub (auch an der Kleidung des Betrachtenden) erfolgen. 

Bei mir im Geschäft sind alle Papageien auf diesen Virus getestet. Die Kunden erhalten bei Kauf den Befund (natürlich negativ) als Original. Ich kann nur jedem Züchter und Halter raten, neu erworbene Vögel zu separieren und erst nach negativem Testergebnis zu integrieren. 

Einen kleinen Wermutstropfen hat diese Testreihe jedoch : wie AIDS beim Menschen ist auch dieser Virus in frisch infizierten Vögeln unter Umständen noch nicht nachweisbar. Besser ist also eine längere Quarantänedauer und zum Schluß der Test, oder man wiederholt den Test ein paar Wochen später noch einmal. 

Wer noch mehr über diese Krankheit wissen möchte, wende sich bitte an meine ständigen Berater :  

Herrn Dr. Janeczek, 82166 Graefelfing, Hans-Corneliusstr. 2c  Tel. 089 8549000

oder 

Herrn Dr. Pieper, 51371 Leverkusen, Puetzdelle 32  Tel: 0214 22281

Beide Tierärzte führen auch die Blutentnahme für den Test durch. 

Ich stehe Ihnen natürlich auch gerne zur Verfügung :  0209 / 610202 oder Sie senden mir eine e-mail

Quellennachweis: Avian Medicine, principles and application  R. Harrison / Harrison 


Umsetzung
Stefan Seifert für die Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk 99
© 1998  H. Mundt   http://www.zoo-mundt.de

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