Diagnose und Behandlung der Fehlernährung bei Psittaciden
G.J. Harrison
 The Bird Hospital, 5770 Lake Worth Road,
Lake Worth, Florida, USA
Harrison's Bird Diets

eating.gif Die Ernährung ist ein Grundpfeiler der artgerechten Haltung von Papageienvögeln und der damit verbundenen Verpflichtung und Verantwortung für die Gesundheit des Tieres. Leider ist nach wie vor zu erkennen, daß der Aspekt "Nahrung" von vielen Haltern nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit behandelt und umgesetzt wird. Darum an dieser Stelle ein kurzer Vortrag von Greg J. Harrison, den er anläßlich des "Ersten Symposiums zur Ziervogelernährung" in Hannover 1997 hielt, in dem er die Wichtigkeit der Ernährung für die Gesundheit von Psittaciden darstellt, und der jedem Halter als Denkanstoß dienen soll.
Professionelle Papageienhalter können heute im günstigsten Fall davon ausgehen, daß durch Angebot eines Mischfutters, das am Nährstoffbedarf des Wirtschaftsgeflügels oder von passeriformen Arten ausgerichtet ist, einem Nährstoffmangel vorgebeugt wird. Ferner sollte man erwarten, daß bei der Entwicklung geeigneter Mischfutter Erfahrungen aus dem klinischen Bereich Berücksichtigung finden, die bei Einsatz bestimmter Mischfutter gemacht wurden. Einige Aspekte, die bei der Entwicklung eines Futterungsplans für Ziervögel generell berücksichtigt werden müssen, sind Spezies, Alter, Geschlecht, Jahreszeit, Unterbringung, Bewegungsaktivität und die Frage, ob sie Eier legen, Junge aufziehen, in der Mauser sind oder sich von Operationen, Krankheit oder anderem Streß erholen müssen. Nach Einschätzung erfahrener Ziervogel-Tierärzte stehen ca. 90% aller Fälle einer klinisch manifesten Störung in ursächlichem Zusammenhang mit der Ernährung.

So wird eine Fehlernährung als primäre Ursache einer Fettleibigkeit, des generalisierten Mangelsyndroms, der Hyperkeratose, einer Metaplasie, einer Fettleberdegeneration, der Hypocalcämie, von Gicht, einer Verkalkung der Nieren sowie anderer Organe und Gewebe (durch exzessive Nähstoffgehalte im Futter) sowie von Störungen in der Befiederung und Gesundheit der Haut angesehen. Noch häufiger führt die Fehlernährung zu einer Schwächung der körpereigenen Abwehr, was dann mit Symptomen wie Federpicken, Kloakenvorfall, Legenot, Dauerlegen, einer Fremdkörperaufnahme, Verhaltensstörungen, insbesondere aber mit einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen mit Parasiten, Pilzen, Hefen, Bakterien oder Viren einher geht.

Dies sind auch die am häufigsten zu beobachtenden Symptome, die Anlaß geben, den Ziervogel als Patienten vorzustellen, eine Behebung dieser Störungen durch Korrektur der Fehlernährung ist somit Teil klinisch-therapeutischer Maßnahmen. Ein genauer, standardisierter klinischer Untersuchungsgang ist das wichtigste Instrument des Tierarztes, den gesundheitlichen Status und Ernährungszustand zu überprüfen und damit Voraussetzung für mögliche diätetische Ansätze.

Zusätzlich ist eine Gram-Färbung des Kotes bei Psittaciden sehr aussagekräftig, da die intestinale Mikroflora sehr sensibel auf Änderungen von Fütterungs- und Haltungsbedingungen reagiert. Zu den Kriterien für die Entwicklung diätetischer Maßnahmen bei Ziervögeln gehören neben dem Allgemeinzustand der Elterntiere auch die Anzahl der gelegten Eier, der Prozentsatz der befruchteten Eier, die Anzahl der ausgebrüteten Eier und überlebenden Küken sowie das Auftreten von Wachstumssstörungen (Schnabelweiche, Krummbeinigkeit, Probleme der Kropfentleerung, Kümmern, langsame Gewichtszunahmen, falsches Körpergrößen-/Gewichtsverhältnis, gestörte Federentwicklung/Farbe/Streßlinien, Schreien, Infektionen durch gram-negative Keime und Hefen sowie Verlustraten).

Die anfänglichen Studien zum Nährstoffbedarf der Psittaciden waren auf die Ernährung der Nymphensittiche fokussiert, und hier speziell auf die für ein ungestörtes Wachstum erforderlichen Gehalte an Protein, Lysin und Energie. Weitere Studien befaßten sich mit dem Energiebedarf von Wellensittichen. Auf diesen Daten und Fütterungsversuchen basieren heute allgemein die Mischfutter für Ziervögel. Dabei müssen die Vögel allmählich an eine Futterumstellung herangeführt werden; einige Erkrankungen wie Hepatitis, Harnwegserkrankungen, Durchfall, Dermatitis, Kalziummangel und Erbrechen erfordern besondere diätetische Maßnahmen. Die Fütterung der Ziervögel wird, wie kontrollierte Studien belegen, stetig optimiert, aber wie sagt doch M. MURPHY (1996) in Avian Energetics and inutritional Ecology:"Angaben für eine bedarfsgerechte Ernährung dieser Tiere sind immer noch nicht zufriedenstellend definiert..."

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Umsetzung
© Stefan Seifert für die Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk 08/'99

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