Die EU-Artenschutzverordnung ab 01. Juni 1997
Informationen für den Vogelliebhaber

Bundesamt für Naturschutz

Um den Erfordernissen des europäischen Binnenmarktes gerecht zu werden, hat die Europäische Union eine neue Artenschutzverordnung (Verordnung EG 338/97) erarbeitet, die zum 01. Juni 1997 in Kraft treten und die seit 1984 geltenden Bestimmungen (Verordnung EWG 3626/82) ersetzen wird. Die neue Regelung setzt das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) und weitere europäische Schutzbestimmungen um und regelt einheitlich für alle EU-Länder die Ein- und Ausfuhr sowie Vermarktung der betroffenen Tier- und Pflanzenarten. hyaz1.jpg
Der Hyazinthara wird als "WA I-Vogel" in Anhang A der EU-Artenschutzverordnung geführt.
Neben Händlern und wissenschaftlichen Einrichtungen müssen sich auch Vogelhalter und -züchter auf die neuen Bestimmungen einstellen und diese beim Erwerb, der Haltung, Zucht und Weitergabe von Vögeln beachten. Aus diesem Grund wird nachfolgend ein kurzer Überblick über die für den privaten Tierhalter wichtigsten Regelungen der neuen EU- Artenschutzverordnung vermittelt. Weitere Details oder Sonderbestimmungen können beim Bundesamt für Naturschutz in Bonn erfragt werden. Nicht berücksichtigt sind hier die im Zusammenhang mit der EU-Verordnung notwendigen Anpassungen im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) bzw. in der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV), die zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Mai 1997) noch nicht abgeschlossen sind.

Die Schutzkategorien und Anhänge der Verordnung EG 338/97

Je nach Gefährdungsgrad sind die von der Verordnung betroffenen Vogelarten in einem von vier Anhängen aufgeführt (s. Tabelle):

Anhang A enthält die im Anhang I des WA gelisteten Arten (vom Aussterben bedrohte Arten, deren Bestand durch den Handel beeinträchtigt wird oder beeinträchtigt werden könnte) sowie weitere Arten (auch einige WA II – Taxa), die nach Ansicht der Europäischen Union in derartigem Umfang gefragt sind, daß jeglicher Handel deren Überleben gefährden würde. Darüber hinaus sind auch Taxa aufgeführt, deren Aufnahme aus Gründen der Verwechselbarkeit mit vom Aussterben bedrohten Arten notwendig erscheint. Der Anhang A enthält knapp 250 Arten.

Anhang B umfaßt Arten des WA-Anhangs II (Arten, deren Erhaltungssituationen zumeist noch eine nachhaltige Nutzung unter wissenschaftlicher Kontrolle zulassen) und weitere Arten (auch einige WA III-Taxa), die nach Einschätzung der Europäischen Union international in solchen Mengen gehandelt werden, daß

a) deren Überleben oder der Fortbestand einzelner Populationen in bestimmten Herkunftländern gefährdet sein könnte oder
b) die ökologische Rolle der Art nachteilig beeinflußt wird. Entsprechend der Regelung in Anhang A sind auch hier weitere Arten aus Gründen der Verwechselbarkeit mit anderen gefährdeten Taxa der Anhänge A oder B aufgeführt. Rund 1200 Vogelarten werden im Anhang B aufgelistet.

Anhang C beinhaltet Arten des WA-Anhangs III (Arten, die von einer der WA- Vertragsparteien in ihrem Hoheitsgebiet einer besonderen Regelung unterworfen sind) sowie alle anderen vom WA erfaßten Taxa, die nicht in den Anhängen A und B der EU- Verordnung genannt sind. Rund 120 Vogelarten werden im Anhang C aufgelistet.

Anhang D enthält die Arten, bei denen der Umfang der Einfuhren in die Europäische Union eine Überwachung rechtfertigt, um ggf. zu einem späteren Zeitpunkt auf der Grundlage der Bestandssituation in den Herkunftländern und der ermittelten Handelszahlen strengere Schutzmaßnahmen zu entwickeln. insgesamt 80 Vogelarten wurden für diesen Anhang vorgeschlagen. Diese Listung wird aber erst gesetzlich bindend, sobald diese Anhang D-Listung im Amtsblatt der EU veröffentlicht wird.

Da vorgesehen ist, daß die Europäische Kommission die Listen für Anhang B, C und D in vergleichsweise kurzer Zeit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen anpassen kann, sollten sich Vogelliebhaber im eigenen Interesse vor einer Einfuhr über die jeweils gültige Version der Anhänge informieren.

Einfuhr in die Europäische Union

Arten der Anhänge A oder B dürfen nur nach vorheriger Erteilung einer Einfuhrgenehmigung importiert werden, das heißt, auch für Taxa des WA-Anhangs II, die gegenwärtig keiner Importgenehmigung bedürfen, ist ab 01.06.1997 eine solche erforderlich (z.B. für Tauraco hartlaubi und einige Hornvogelarten ). Je nach Anhangszugehörigkeit ist die Erteilung der Genehmigung an unterschiedliche wissenschaftliche und formale Kriterien geknüpft, die in Deutschland vom Bundesamt für Naturschutz geprüft werden und dort ggfs. vorab erfragt werden können.

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Der Fächerpapagei ist als "WA II-Vogel" in Anhang B gelistet.
Grundsätzlich können Wildexemplare des Anhangs A für kommerzielle und private Zwecke nicht importiert werden. Die Einfuhr gezüchteter Exemplare ist in bestimmten Fällen möglich. Anhang B - Arten dürfen mit den entsprechenden Dokumenten eingeführt werden, soweit keine wissenschaftlichen Gründe (Bestandssituation, Haltung etc.) dagegensprechen. Bei der Beurteilung der Unterbringung von zu importierenden Vögeln wird sich das Bundesamt für Naturschutz künftig eng an den entsprechenden Haltungsrichtlinien des Bundeslandwirtschaftministeriums orientieren.

Die Einfuhrgenehmigung ist in allen Fällen, die WA-Arten betreffen, an die entsprechenden Ausfuhrdokumente des Exportstaates (sog. CITES-Dokumente) gebunden. Die Einfuhrgenehmigung und ggfs. die Dokumente des Herkunftslandes sind der zuständigen Zollstelle bei der Abfertigung vorzulegen.

Exemplare von Arten der Anhänge C und D dürfen ohne eine Einfuhrgenehmigung importiert werden. Der Einführer muß der abfertigenden Zollstelle bei Anhang C - Arten nur das vorgeschriebene Ausfuhrdokument des Herkunftslandes sowie eine vorbereitete Einfuhrmeldung auf einem Form-Vordruck vorlegen. Für Exemplare des Anhangs D ist nur die Einfuhrmeldung erforderlich.

Ausfuhr oder Wiederausfuhr aus der Europäischen Union

Bei Arten der Anhänge A, B und C sind dem Zoll eine Ausfuhrgenehmigung oder eine Wiederausfuhrbescheinigung (in Deutschland zu erteilen vom Bundesamt für Naturschutz) vorzulegen. Die Ausfuhr von Taxa des Anhangs D ist ohne Vorlage von Dokumenten zulässig. Grundsätzlich ist eine tierschutzgerechte Versendungsform zu gewährleisten.

Bestimmungen für die private Haltung und Weitergabe von geschützten Arten

Entsprechend den bestehenden Regelungen für WA I - Arten sind der Kauf und die kommerzielle Vermarktung von Anhang A – Arten der neuen EU-Verordnung grundsätzlich verboten. Eine Ausnahme hiervon ist nur für in Gefangenschaft geborene und gezüchtete Exemplare möglich (Befreiung vom Vermarktungsverbot), wobei dies bereits die 1. Zuchtgeneration - sogenannte Fl-Generation - betreffen kann. Die Vermarktung von Anhang A - Exemplaren innerhalb der EU erfordert grundsätzlich eine Genehmigung der zuständigen Vollzugsbehörde (sogenannte CITES -Bescheinigung).

Für die innergemeinschaftliche Beförderung und Vermarktung von Anhang B – Arten ist eine CITES-Bescheinigung nicht vorgeschrieben; der Besitzer kann ein solches Tier abgeben, wenn der Adressat über die entsprechende Sachkunde verfügt. Damit der rechtmäßige Erwerb nachgewiesen werden kann, muß der neue Besitzer über entsprechende Belege verfügen. In jedem Fall sollte die Herkunft des Tieres aber, soweit für das betreffende Exemplar ein CITES- Dokument ausgestellt wurde, ein Bezug zu diesem Dokument im Kaufvertrag festgehalten bzw. vom bisherigen Halter in einer schriftlichen Erklärung bestätigt werden. Noch sicherer ist es natürlich, sich eine CITES-Bescheinigung für das Tier ausstellen zu lassen. Für die Ausfuhr aus der Gemeinschaft ist ein CITES-Dokument als Legalitätsnachweis für den rechtmäßigen Erwerb auf jeden Fall erforderlich. wellens1.jpg
Der Wellensittich wird nicht in den Anhängen geführt.
Für die Anhang A-Exemplare ist vor einem Verkauf und der dafür auszustellenden Vermarktungsbescheinigung eine Kennzeichnung vorgeschrieben, soweit es Größe und Gesundheitszustand des betreffenden Exemplars unter Tierschutzgesichtspunkten zulassen. In erster Linie sind gezüchtete Vögel mit einem geschlossenen Ring zu kennzeichnen. Dieser ist in den ersten Lebenstagen des Vogels in einer Größe anzulegen, daß er nach vollständigem Auswachsen des Beines nicht mehr entfernt werden kann. Kann diese Kennzeichnungsmethode nicht angewendet werden, sind die Vögel mit einem Mikrochip-Transponder zu kennzeichnen. Ausgenommen von der Kennzeichnungspflicht sind bestimmte Vogelarten, z.B. unter den Enten- und Fasanenartigen, die in der Anlage 8 der Durchführungsverordnung aufgeführt werden. Die Kennzeichungsregelungen treten erst mit der Veröffentlichung der Durchführungsverordnung im Amtsblatt der EG in Kraft.
Im übrigen werden die Neuregelung des BNatSchG und die geänderte BArtSchV auch weitergehende Bestimmungen zum Schutz europäischer und einheimischer Vogelarten sowie die bereits bekannten Meldepflichten beinhalten, die nach Verabschiedung der entsprechenden Gesetzestexte ebenfalls von der Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk vorgestellt werden. Gleiches gilt für die endgültige Regelung zur Kennzeichnung im Rahmen der Durchführungsverordnung der EU.

 

Weitere Informationen zur EU-Verordnung EG 338/97 erhalten Sie bei:

Bundesamt für Naturschutz
Konstantinstrasse 110
53179 Bonn


Auflistung der Papageien in den Anhängen der EU-Artenschutzverordnung - [Stand 07/97]
Anhang A Anhang B Anhang C Anhang D
Amazona arausiaca (Blaukopfamazone)
Amazona barbadensis (Gelbschulteramazone)
Amazona brasiliensis (Rotschwanzamazone)
Amazona guildingii (Königsamazone)
Amazona imperialis (Kaiseramazone)
Amazona leucocephala (Kuba-Amazone)
Amazona pretrei (Prachtamazone)
Amazona rhodocorytha (Granada-Amazone)
Amazona tucumana (Tucuman-Amazone)
Amazona versicolor (Blaumaskenamazone)
Amazona vinacea (Taubenhalsamazone)
Amazona vittata (Puerto-Rico-Amazone)

Anodorhynchus spp. (Blauaras)

Ara ambigua (Großer Soldatenara)
Ara glaucogularis (Blaukehlara)
Ara macao (Hellroter Ara)
Ara maracana (Rotrückenara)
Ara militaris (Kleiner Soldatenara)
Ara rubrogenys (Rotohrara)

Aratinga guarouba (Goldsittich)

Cacatua goffini (Goffin-Kakadu)
Cacatua haematuropygia (Rotsteißkakadu)
Cacatua moluccensis (Molukkenkakadu)

Cyanopsitta spixii (Spixara)

Cyanoramphus auriceps forbesi (Forbes Springsittich)
Cyanoramphus cookii (Norfolk-Laufsittich)
Cyanoramphus novaezelandiae (Ziegensittich)

Cyclopsitta diophthalma coxeni (Coxens Rotwangen-Zwergpapagei)

Eos histrio (Diademlori)

Geopsittacus occidentalis (Nachtsittich)

Neophema chrysogaster (Orangebauchsittich)

Ognorhynchus icterotis (Gelbohrsittich)

Pezoporus wallicus (Erdsittich)

Pionopsitta pileata (Scharlachkopfpapagei)

Probosciger aterrimus (Palmkakadu)

Psephotus chrysopterygius (Goldschultersittich)
Psephotus dissimilis (Hoodedsittich)
Psephotus pulcherrimus (Paradiessittich)

Psittacula echo (Echossittich)

Pyrrhura cruentata (Blaulatzsittich)

Rhynchopsitta spp. (Arasittiche)

Strigops habroptilus (Eulenpapagei / Kakapo)

Vini spp. (Maidloris)

Psittaciformes spp.

alle Papageienvögel,
die nicht in Anhang A
aufgeführt sind.

Psittacula krameri
(Kleiner Alexandersittich)

keine

Melopsittacus undulatus (Wellensittich) und Nymphicus hollandicus (Nymphensittich) sind in keinem der Anhänge gelistet.

Umsetzung
© Stefan Seifert für die Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk 08/'99

Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
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Infos, Anregungen, Kritik

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