Papagei des Monats Juli 2001

Der Gelbohrsittich (Ognorhynchus icterotis)

Systematik
Gelbohrsittich
Gelbohrsittich     
yellow eared conure
    nach Wolters:
  • Familie:      Aratingidae (Neotropische Papageien)
  • Unterfamilie: Aratinginae (Keilschwanzsittiche)
  • Gattung:      Ognorhynchus (Gelbohrsittiche)
  • Art:          Ognorhynchus icterotis (Gelbohrsittich)
  • Unterarten:   -
    nach Howard und Moore [traditionelle und weltweit benutzte Systematik]
  • Familie:      Psittacidae (Papageien)
  • Unterfamilie: Psittacinae ("eigentliche" Papageien)
  • Gattung:      Ognorhynchus (Gelbohrsittiche)
  • Art:          Ognorhynchus icterotis (Gelbohrsittich)
  • Unterarten:   -

Anmerkung zur Systematik:
Beim Gelbohrsittich handelt es sich um eine monotypische Gattung, die in ihrem Aussehen sehr stark einem Ara ähnelt. Der wesentliche äussere Unterschied zu den Aras besteht in den befiederten Wangen dieses Sittichs.
Seit den 90er Jahren existiert noch eine weitere komplette Klassifikation der Papageien und aller anderen Vogelarten. Diese Liste beruht auf der Basis von DNA-DNA-Hybridisation und wurde von C.G. Sibley, B.L. Moore in Zusammenarbeit mit J.E. Ahlquist erstellt. Diese Liste gilt als Revolution und wird sich langfristig vermutlich durchsetzen, da sie die evolutionäre Entwicklung und Klassifikation der Papageien anhand des Erbmaterials klar darlegen kann. Genauere Erklärungen würden an dieser Stelle zu weit führen.

Bezeichnungen und Herkunft des Namens
wissenschaftliche Bezeichnung
Ognorhynchus Bonaparte, 1857
Ognorhynchus icterotis Masséna und Souancé, 1854

Herleitung des Namens aus dem Griechischen (nach Dr. H. Strunden):
Ognorhynchus: ógmos = Furche / rhýnchos = Schnabel
Gattungsmerkmal Kerbe im Oberschnabel; die Bezeichnung Ogmorhynchus wäre eigentlich die korrekte
icter~: íkteros = Pirol
also "gelber Vogel" oder im übertragenen Sinne "gelbe Gefiederfärbung"
~otis: oús = Genitiv von otós "das Ohr"
Beschreibung
gelbohr-04.jpg
Mit frdl. Genehmigung - ©"Paul Salaman/Proyecto Ognorhynchus"
  • Färbung: beide Geschlechter gleich
  • Grösse: ca. 43 cm

Gefieder überwiegend grün. Stirn, Zügel, Vorderkopf, untere Wangen vorn, unterhalb der Augen und des Ohrdeckgefieders zitrusgelb. Kinn, Kehle bis hin zum Bauch, Unterflügel und Beingefieder gelb-grün. Unterseite des Schwanzes braunrot. Orangefarbene Iris. Nackter dunkelfarbener Augenring. Füsse grau. Schwarzer Schnabel. Schnabelwurzel umgeben von einem gräulich-weissen Hautstreifen.

Verbreitung / Status
Verbreitung
  • Status:
    • Freiland: extrem gefährdet, ca. 150-160 Individuen
    • Gefangenschaft: -
  • CITES: Anhang I
  • BArtSchVO: Anhang A

Der (Rest)Bestand des Gelbohrsittichs ist so gering, dass eine Markierung der Verbreitungsgebiete in der nebenstehenden Karte unterbleiben muss. Von den 70ern bis zum Beginn der 90er Jahre galt er als wahrscheinlich ausgerottet, da der Gelborhsittich bis zu diesem Zeitpunkt in seinen bekannten Habitaten nicht mehr gesichtet wurde. Erst Anfang der 90er Jahre sind zwei Schwärme mit insgesamt maximal 48 Individuen wiederentdeckt worden. Ein Schwarm in den Central Cordillera Kolumbiens, ein anderer in einem nahezu gerodetem Waldstück in Ecuador. Der ecuadorianische Schwarm gilt seit fünf Jahren auf Grund fehlender Sichtungen als verschwunden. Der kolumbianische konnte sich durch gezielte Schutzmassnahmen auf ca. 100 Tiere vergrössern. Im Jahre 2000 wurde eine weitere Population, bestehend aus zwei Schwärmen mit insgesamt ca. 60 Tieren, in der Cordillera Occidental Kolumbiens entdeckt. Die derzeit bekannten Populationen umfassen insgesamt ca. 150-160 Tiere.

Lebensraum / Ernährung / Lebensweise / Brut
Habitat
Mit frdl. Genehmigung - ©"Paul Salaman/Proyecto Ognorhynchus"

Der "traditionelle" Lebensraum des Gelbohrsittichs sind die Hochanden Kolumbiens und Ecuadors. Diese bewohnt er in einer Höhe von 2000 bis 3000 Meter über NN. Er ist in der Wahl seines Lebensraumes abhängig von Wachspalmenvorkommen (Ceroxylon spp.), da er diese für das Brutgeschäft und vor allem als Nahrungsquelle (Nüsse der Ceroxylon quindiuense) benötigt. Seine Bruträume befinden sich ab einer Höhe von ca. 20 Metern in den Aushöhlungen der Palmen. Über die Brutbiologie und Aufzucht der Jungen ist nichts weiteres bekannt. Einige Jungtiere wurden lediglich zum Zeitpunkt ihres Ausfluges beobachtet.

Quellennachweis und Links
  • Diverse Berichte des Fonds für bedrohte Papageien und World Parrot Trust. F. Robiller - Papageien Nr 3. Dr. H. Strunden - Die Namen der Papageien und Sittiche
  • Mein besonderer Dank gilt Paul Salaman / Proyecto Ognorhynchus für die Bereitstellung einiger Photos
  • © Text und Grafik: Stefan Seifert /// © Bilder: Paul Salaman - Proyecto Ognorhynchus / FONDS / WPT
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