Die Amazonenpapageien
(Genus Amazona)


Blaustirnanmazone
(A. aestiva)

Eine kleine Einführung in diese interessante Gruppe der Papageien, mit weiterführenden Links zu ausgewählten Artbeschreibungen, Haltungs- und Zuchtberichten, sowie ergänzenden Informationen.

H.-J.Pfeffer

Grünwangenamazone
(A. viridigenalis)

Allgemeines:

Mit etwa 26-28 Arten bilden die Amazonenpapageien eine der grössten Gruppen unter den Papageien der amerikanischen Kontinente. Ihr gesamtes Verbreitungsgebiet umfasst die Urwaldregionen des Südamerikanischen Kontientes ebenso wie die Trockensavannen des Gran Chaco, die Hochebenen Mexikos und die Bergwälder der Karibikinseln. Nach Norden hin wird es ziemlich genau durch die Grenze zwischen Mexiko und den USA begrenzt, während es im Süden in die Länder Argentinien und Uruguay übergreift.
Alle sind mittelgrosse bis grosse, kompakt gebaute Papageien mit einem kurzen, breit abgerundeten Schwanz und kräftigen Schnäbeln. Die gesamte Körperstatur ist der der eigentlichen Papageien der "alten Welt" (Afrika) ziemlich ähnlich. Tatsächlich könnte man auf den ersten Blick einige der sog. Langflügelpapageien (Poicephalus) beinahe als Amazonen einschätzen. In einigen Systematiken der Papageienvögel wird auch bei den "eigentlichen Papageien" kein grosser Unterschied zwischen Alt- und Neuweltpapageien gemacht.
Trotzdem sind die Amazonenpapageien als eigenständige Gruppe schon seit Jahrhunderten bekannt und als Haustiere beliebt. Wer nichts von Papageien weiss, kennt sie trotzdem - oder hat zumindest davon gehört, genau wie von den Aras, Kakadus, oder den "Grauen" - es sind die "Grünen".

Die Arten:

Das riesige Verbreitungsgebiet dieser Papageien besteht naturgemäss aus extrem unterschiedlichen Biotopen und Klimazonen. Entsprechend gross ist auch ihre Artenvielfalt. Amazonenpapageien sind in Abhängigkeit von ihrem Lebensraum mehr oder weniger spezialisiert in ihrem Verhalten und ihrer Ernährungsweise. Z.B. leben die "Urwaldarten" eher in kleinen Gruppen und zeigen nur geringes Wanderverhalten, da der Nahrungsbedarf sozusagen immer immer in der Nähe zu erfüllen ist. Anders dagegen die Bewohner der Trockensavannen und offenen Buschwälder, die sich in riesigen Schwärmen versammeln und grosse Strecken zu den Futterplätzen zurücklegen.
Alle Arten der Amazonenpapageien im einzelnen zu beschreiben, würde hier den Rahmen sprengen. Wer mag, kann sich die Liste aufklappen, die die wiss. Bezeichnungen der Nominatform und die gängisten deutschen Bezeichnungen incl. der evtl. vorkommenden Rassen enthält:
Allein diese kurze Liste zeigt deutlich, wie gross die Artenvielfalt unter den Amazonen ist. Wer genaueres sucht, kann hier englische Beschreibungen nachschlagen:
Lexicon of Parrots

Grafischer Überblick, Montage © HJP


Die Haustiere:

Schon die ersten Europäer, die nach Mittel- und Südamerika kamen, lernten die Amazonenpapageien als Haustiere bei den Indios kennen. Das häufige Vorkommen, die "praktische" Grösse, und nicht zuletzt die zum Teil schöne, bunte Gefiederfärbung machten sie bald zum begehrten Handelsobjekt. Dazu kam ausserdem noch, dass sich diese Papageien hervorragend zum Haustier eigneten, weil sie teilweise die menschliche Sprache nachahmten, und sich gezwungen durch den Schwarminstinkt ihren Besitzern anschlossen und sehr zahm werden konnten. Jeder kennt das Bild des Karibikpiraten, der einen Amazonenpapagei auf der Schulter trägt.

"Grüner Papagei"
Holzschnitt um 1650

Mit Abstand die am meisten in Menschenhand gehaltenen Amazonen sind die Blaustirnamazonen und div. Rassen der Gelbscheitelamazonen. Beide gehören zu den besten "Sprechern" in dieser Gruppe, was ihre Beliebtheit zumindest historisch erklärt. Schliesslich waren (oder sind vielleicht sogar noch) die sprechenden Papageien am begehrtesten. Weitere beliebte und in Menschenhand häufig gehaltene Arten sind die Venezuela-Amazonen und die Mülleramazonen, insbes. die Rasse Guatemala-Amazone
ausgewählte Artbeschreibungen:

  • Die Surinamamazone
  • Blaukinn- u. Blaubartamazone
  • Granada-Amazone
  • Venezuelaamazone
  • Blaustirnamazone

  • Vom Charakter her sind Amazonen zumeist verspielte und zahme Hausgenossen und Volierenbewohner, deren "Zerstörungspotential" längst nicht so hoch ist, wie das der Graupapageien oder Kakadus. Allerdings kann es auch in dieser Vogelgruppe - nicht zuletzt bedingt durch die hohe Intelligenz zu grossen individuellen Unterschieden kommen. Dies gilt besonders auch für die Lautimitationen. Wenn der Papagei nicht möchte, ist jede Anstrengung ihm das "Sprechen" beizubringen vergebens.
  • "Die Blaustirnamazone, Haltung und Zucht" - von Hagen Bültena
  • "Haltung und Zucht der Gelbstirnamazonen" - von Hagen Bültena

    Blaustirnamazone,
    - Photo mit frdl. Genehmigung von Rosi Henscheide

  • Aufgrund ihrer natürlichen Lebensweise, die sie dazu zwingt, morgens und abends längere Strecken zwischen Schlaf- und Futterplätzen zurückzulegen, sind die Amazonenpapageien auch als Haustiere morgens und abends am aktivsten, während der Rest des Tages mehr oder weniger ruhig verbracht wird. In den aktiven Phasen sind sie natürlich auch laut - eine Amazone kann mühelos eine aufgedrehte Stereoanlage überschreien. Diese lauten Phasen sind aber nicht sehr lang, in der Regel hat der Papagei nach ca. 10-15 nervtötenden Minuten selbst genug, und legt erst einmal eine kurze Pause ein. Werden die Amazonen zu diesen Zeiten aus der Voliere zum Freiflug ins Zimmer entlassen, entwickeln sie erstaunliche Flugkünste; sie toben sich regelrecht unter lautem Geschrei aus. Wie bereits o.a., dauert diese Toberei ca. 20 min., dann wird wieder eine Ruhepause eingelegt, wonach ausgiebig gefressen und anschließend geklettert und gespielt wird.
    Beispiele Blaustirnamazone
    (in stark reduzierter Lautstärke)

  • Normales "Gespräch" *.wav, ca. 250Kb
  • "Ich bin wütend" *.wav, ca. 100Kb


    spielende Blaustirnamazonen
    - Photo mit frdl. Genehmigung von Thorsten Bönte

  • Wenn diese Papageien nicht in einer Voliere gehalten werden, benötigen sie einen möglichst grossen Käfig, der für ein Pärchen die Mindestgrundfläche von 2,0 x 1,0 m bei einer Innenhöhe von 1m nicht unterschreiten sollte. Diese Masse sind dem nebenstehenden Gutachten entnommen. Käfigstangen aus Plastik sowie anderes "Inventar" aus Kunststoff ist nach Möglichkeit zu vermeiden. Bestimmte Plastikmaterialien werden z.B. unter Einwirkung der Magensäure zu scharfkantigen Kristallen, die die Magen- oder Darmwand mühelos durchstechen können, oder sie sondern u.U. gefährliche Stoffe ab, die den Vogel langsam vergiften. Eine mögliche attraktive Alternative ist Spielzeug aus Acrylstoffen, das vom Fachhandel aus den USA importiert wird. Leider sind diese Teile recht teuer und schwer zu bekommen, aber für die Tiere sind diese eine willkommene Abwechslung. Spielzeuge aus natürlichen Materialien wie Sisal (Seile) und Naturholz bieten dem Vogel allein schon durch ihre Zerstörbarkeit noch mehr Abwechslung und Vergnügen. Ein zusätzlicher Kletterbaum, der an einer freien Stelle in der Wohnung aufgestellt werden kann, bietet ebenfalls Abwechslung und kanalisiert die unvermeidlichen Kleckse.
    "Stubenreinheit" ist bei allen Papageien ein Problem, als Vögel sind sie es nicht gewöhnt, darauf achten zu müssen, wohin man tritt. Es fällt ja alles einfach hinunter, und ist damit vollständig entsorgt. Allerdings gibt es Beispiele, wo einzelne Vögel einen gewissen Grad an Stubenreinheit sogar selbständig entwickelt haben. Eine mir bekannte Blaustirnamazone würde nur in der allergrössten Not ihr "Herrchen" bekleckern. Sie fliegt vorher von der Schulter, und kehrt nach Erledigung des Geschäftes wieder zurück.
    "Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien" - vom 10. Januar 1995; BM für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten


    Kletterbaum, Bauanleitung

    In der Ernährung sind die Amazonen, die als Haustiere gehalten werden, meist relativ unproblematisch. Natürlich muss auf ein ausreichendes und vielseitiges Nahrungsangebot, das den natürlichen Bedürfnissen des Vogels entspricht, geachtet werden. Für die in Gefangenschaft gehaltenen Amazonen und andere Grosspapageien werden spezielle Futtermischungen als sog. Alleinfutter angeboten. Entweder handelt es sich dabei um Saatmischungen mit speziellen Additiven oder aber auch in neuerer Zeit um extrudiertes Futter (sog. Pellets). Die Annahme, dass dieses "Alleinfutter" zur Ernährung reicht, ist grundsätzlich falsch! Fast immer fehlen wichtige Zusätze, die der Vogel für eine dauerhafte Gesundheit benötigt. Vergleichen Sie ruhig mal die Inhaltsstoffe von diversen handelsüblichen und wenn möglich auch "professionellen" Futtersorten. Tägliche zusätzliche Gaben von Obst und Gemüse sind genauso wichtig, wie frisches Wasser. Neben den angebenen Links sei auch auf die entsprechende Literatur verwiesen, deren erfolgreiches Studium schon vor der Anschaffung einer Amazone nötig ist.

  • Nährstofftabelle von Obst und Gemüse
  • Diagnose u. Behandlung von Fehlernährung
  • Futterplan (Beispiel)

  • Entsprechend der Herkunft einer Amazonenart ist der Organismus des Vogels für bestimmte klimatische Verhältnisse optimiert. Deshalb muss auch bei den in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln auf das richtige Raumklima geachtet werden. Beispielsweise ist Zugluft lebensgefährlich und zu trockenes Raumklima (Zentralheizung, bes. im Winter) kann zu chronischen oder gar tödlichen Pilzerkrankungen der Lunge führen. Auch wenn Amazonenpapageien von Natur aus über eine robuste Gesundheit verfügen, ist die Wahl eines kompetenten Tierarztes von Anfang an unerlässlich und nicht erst dann, wenn der Vogel möglicherweise erkrankt.
    Auf die umstrittenen Thesen der Einzel- oder Paarhaltung, sowie weitere Grundsätze der "artgerechten Haltung" kann hier nicht weiter eingegangen werden. Diese Problematik betrifft alle Papageienvögel und wird daher gesondert diskutiert. Eine Fülle von Hinweisen finden Sie z.B. hier:
    Anforderungen an eine artgerechte Haltung

    Buchtips:
    Lantermann, Werner
      Grosspapageien. Wesen, Verhalten, 
      Beduerfnisse
      Stuttgart, Franckh-Kosmos
      ISBN 3-440-05954-5
    
    Hoppe, Dieter:
      Amazonen; die Arten und Rassen,
      ihre Haltung und Zucht.
      Stuttgart, Verl. Ulmer 1981
      ISBN 3-8001-766-3
    
    Lantermann, W. & S.
      Amazonen : Eingewoehnung, Pflege,
      Ernaehrung, Krankheiten, Zucht.
      Muenchen, Graefe & Unzer 1987
      ISBN 3-7742-3445-0

    Nur soviel noch als Nebenbemerkung:
    .
    Es ist Pflicht, dass sich ein Besitzer von Papageien jeglicher Art mit der Herkunft und Wildlebensweise seiner Vögel auseinandersetzt, sein Verhalten darauf abstimmt, und auch versucht, das Verhalten seines Vogels auf "Vogelart" und nicht vermenschlicht zu interpretieren.
    .
    Tritt er seinem Vogel so gegenüber, so ist für den Papagei schon viel in Richtung "artgerechter Haltung" getan.


    Die Seltenen:

    Einige Arten der Amazonenpapageien zählen zu den bedrohtesten Tierarten überhaupt. Ihre Populationstärke beträgt nur noch wenige Exemplare und die Rückzugsgebiete, die ihnen vor der Zerstörung ihrer Lebensräume bleiben, werden immer kleiner. Typischerweise finden wir die seltensten Amazonenarten auf den Inseln. Neben der Ausbreitung der Landwirtschaft werden diese Inselamazonen aber auch durch tropische Wirbelstürme bedroht, die mit verheerender Wirkung über die Inseln ziehen. Da die noch existierenden Biotop-Areale mittlerweile zu klein geworden sind, kann die Natur die angerichteten Schäden nicht mehr selbst reparieren, das Biotop gerät aus dem Gleichgewicht, und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Brut und damit die Erhaltung der Art fehlen.
    Markus Kaufmann hat für uns im Dezember 1999 einen Statusbericht der Inselamazonen zusammengestellt: Die Amazonen auf ST. Vincent
    Aber auch viele der Festlandamazonen sind in ihrer Existenz stark gefährdet, und die nebenstehen Links sind nur ein winziger Teil dessen, was getan werden muss, um die Vielfalt dieser Papageiengruppe zu sichern.

    Beispiel vom Fond für bedrohte Papageien:
  • Studie zur Ecuadoramazone


  • Eine Liste der bedrohten Arten hier aufzustellen, würde bedeuten, veraltete Daten zu publizieren, da so eine Liste fast von Tag zu Tag länger wird. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass es von der Nominatform einer der beliebtesten "Haustieramazonen" in letzter Zeit so gut wie keine Freilandbeobachtungen mehr gibt. - Es handelt sich um die rotschulterige Rasse der Blaustirnamazone!!

    Zweifelsfälle / Neuentdeckungen:

    Wenn auch das Genus Amazona nach aussen hin als geschlossene Gruppe auftritt, so gibt es doch bei einigen Arten gewisse Zweifel an der Stellung innerhalb der Gattung, oder sogar nach aussen zu anderen Gattungen.
    Gelbkopf-Amazonen:
    Da sind z.B. die "Gelbköpfigen" Amazonen, die in einigen Systematiken unter der Art A. ochrocephala zusammengefasst sind. Hier lassen sich gut Gruppen unterscheiden, die Gelb nur am Vorderkopf tragen, welche, bei denen nur der Nacken gelb gefärbt ist, und bei anderen sind der ganze Kopf, Hals, ja teilweise sogar bis herunter zu Schultern und Oberbrust gelb gefärbt. Grösse, Habitus, Verhalten und Verbreitungsgebiet unterscheiden sich ebenfalls deutlich, so dass eine Aufteilung der "ochrocephalas" in verschiedene Arten gerechfertigt zu sein scheint. Daher sind die ehemals zusammengehörigen Gelbkopfamazonen entsprechend einem Vorschlag der American Ornithologists Union neu gruppiert.
    Alte Systematik:Neue Aufstellung:
    Amazona ochrocephala:
  • A. ochrocephala ochrocephala
  • A. ochrocephala natteri
  • A. ochrocephala panamensis
  • A. ochrocephala xantholaema

  • A. ochrocephala oratrix
  • A. ochrocephala belizensis
  • A. ochrocephala hondurensis
  • A. ochrocephala tresmariae

  • A. ochrocephala auropalliata
  • A. ochrocephala parvipes
  • Amazona ochrocephala (Gelbstirnamazonen):
  • A. ochrocephala ochrocephala - Surinamamazone
  • A. ochrocephala natteri - Grüne Amazone
  • A. ochrocephala panamensis - Panama-Amazone
  • A. ochrocephala xantholaema - Marajo-Amazone
  • Amazona oratrix (Gelbkopfamazonen):
  • A. oratrix oratrix - Grosse Gelbkopfamazone
  • A. oratrix belizensis - Gelbkopfamazone
  • A. oratrix hondurensis - Honduras-Gelbkopfamazone
  • A. oratrix tresmariae - Tres Marias Gelbkopfamazone
  • Amazona auropalliata (Gelbnackenamazonen):
  • A. auropalliata auropalliata - Gelbnackenamazone
  • A. auropalliata parvipes - Kleine Gelbnackenamazone
  • Zwergamazone
    Ein Papagei wird im deutschen Sprachgebrauch treffend die "Zwergamazone" genannt. Nach den zur Zeit geltenden Regeln gehört er aber nicht zu den Amazonen. Es ist die Gattung Hapalopsittaca.
    Die Kawalliamazone
    Für diese Amazone gibt es eigentlich noch keinen umgangssprachlichen Namen. Ihre Existenz als eigenständige Art wurde erst seit 1989 nachgewiesen, zuvor hielt man die in verschiedenen Museen aufbewahrten "Belegexemplare" für Farbvariationen der Mülleramazone.
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    Text: H.-J. Pfeffer u. Thorsten Bönte
    Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
      © November 1998 Erg. Jan. 2000