Der Kakapo
(Strigops habroptilus)

  • Erstbeschreibung: G. R. Gray (1845) in:
    The Genera of Birds : comprising their generic characters ... and an extensive list of species. London, Longman u.a. Vol. 2 p.426 pl.CV
  • CITES-Status: CITES I

Beschreibung

Das Aussehen der Kakapos ist untypisch für Papageien. Das Rückengefieder ist olivgrün, mit schwarzen Streifen und Wölkungen, das Brust-, Bauch- und Beingefieder ist gelblicher, die Schwung- und Schwanzfedern sind braun und gelblich gezeichnet, Über den Augen ist ein variabler gelblicher Streifen, neben dem Schnabel sind die Federn borstenartig. Die Gesichtsmaske erinnert an die einer Eule und daher auch der Name "Eulenpapagei". Die Iris ist dunkelbraun, die Füsse sind bräunlichgrau. Das Gefieder ist weich. Länge ca. 64 cm, Gewicht: Männchen 1500-3000g, Weibchen 950-1600g. Der Schnabel ist hornfarben.

Besonderheiten

Der Kakapo ist der schwerste aller Papageien. Er ist die einzige Art der Unterfamilie Strigopinae (Eulenpapageien). Er ist flugunfähig und nachtaktiv. Tagsüber verhält er sich ruhig und versteckt sich unter Büschen, Bäumen und in Felshöhlen. Weiterhin sind Kakapos vorwiegend Einzelgänger.

Verbreitung / Lebensraum


Die Kakapo-Inseln von Neuseeland
Früher waren die Kakapos auf der gesamten Nord- und Südinsel Neuseelands verbreitet. Sie kamen bis in Höhen von 1250 m über NN vor. Sie leben in Waldgebieten, bevorzugt Podocarpus- und Nothofagus-Wälder. In seinem ursprünglichen Lebensraum ist er seit den 70-er Jahren ausgestorben. Nur in Fjordland im Gebiet Milford Sound gab es noch wenige Männchen und auf der südlich gelegenen Stewart-Insel fanden sich noch letzte Exemplare. Die letzten verbliebenen Vögel wurden auf die Inseln Little Barrier, Codfish und Maud umgesiedelt. Diese Inseln wurden zuvor von den eingeschleppten Raubtieren befreit. Inzwischen leben die Kakapos auf den Inseln Codfish Island und Chalky Island (Die Inseln tragen heute wieder ihre ursprünglichen Maori-Namen: Whenua Hou und Te Kakahu). Die Insel Little Barrier wurde aufgegeben da sie zu zerklüftet war.

Brutverhalten

Das Balzverhalten des Eulenpapageis ist einzigartig. Die Männchen entwickeln in ihrem Revier ein sogenanntes "Track and Bowl System". Sie legen Pfade an die zu dem Balzplatz führen und scharren dort eine Kuhle aus. Diese Kuhlen haben einen Durchmesser von 30 bis 60 cm, sowie eine Tiefe von 5 bis 20 cm. Diese sog. "Bowls" werden meist dort angelegt wo es eine gute Akustik gibt z.B. vor einer Felsenwand. Sie legen sich dann in diese Bodensenke und geben ihren Balzruf von sich um die Weibchen anzulocken. Die Balzrufe können über mehrere Stunden gehen und sind bis 5 km Entfernung zu hören. Die Laute werden über die aufgeblähten Luftsäcke erzeugt.
Beispiel booming.rm - direkt gelinkt von Kakapo Recovery Programme
Wir lernten einen Umweltschützer kennen, der meinte, er habe sich manchmal gefragt, ob der Paarungsruf des Männchens das Weibchen nicht tatsächlich abstößt, was die Art biologischer Absurdität darstellt, die man sonst nur in Diskotheken findet. Alles was der Kakapo wegen der Paarung veranstaltet, ist herrlich bizarr außerordentlich gründlich vorbereitet und fast vollkommen wirkungslos. (Zitat aus: Die letzten ihrer Art von Douglas Adams/ Mark Carwardine)


Bild 1

In der Regel balzen Kakapos im Januar, Ende Februar bis Anfang April ziehen sie die Jungen auf. Als Brutorte werden Felslöcher und Plätze unter Baumwurzeln genutzt. Hier graben die Vögel Höhlen von 30 - 60 cm Durchmesser. Die Gelege umfassen meist 2 bis 3 Eier. Kakapo-Weibchen ziehen ihren Nachwuchs allein auf. Zur Futtersuche müssen die nachtaktiven Vögel das Gelege oder die Küken verlassen, die dann bei niedrigen Temperaturen oft mehrere Stunden allein sind und häufig an Unterkühlung sterben. So ziehen sie normalerweise höchstens 50 Prozent der Jungen gross.
Kakapos schreiten nur zur Brut wenn ein gutes Nahrungsangebot vorhanden ist. Dabei hat vor allem das Fruchtangebot des Rimu-Baumes (Dacrydium cupressinum) eine entscheidende Bedeutung. Es sind kleine Beeren, die jedoch nur alle 3 - 5 Jahre reifen. Der Saft dieser Beere dient den Kakapos als wichtiges Aufzuchtfutter für die Jungen. Bei Futtermangel erfolgt keine Eiablage. Die Forscher versuchten deshalb durch Zufütterung von Nüssen oder auch Süsskartoffeln das Futterangebot für die Weibchen zu erweitern, um Brutausfälle möglichst zu verhindern. In den Jahren in denen der Rimu-Baum Früchte trägt, werden diese für die nächsten Jahre gesammelt um einen Vorrat zu haben.

Bedrohung

Die Neuseeländische Tierwelt bestand früher fast ausschließlich aus Vögeln. Bis auf Fledermäuse gab es keinerlei Säugetiere die Eier raubten oder der Brut zu nahe kommen konnten, nichts vor dem die Vögel hätten flüchten müssen. Da Kakapos Bodenfeinde nicht kannten, lernten sie keine Abwehrmechanismen wie Flucht oder Angriff. Sie waren Menschen und den von ihnen importierten Tieren wie Hunden und Katzen gegenüber arglos. Bevor Neuseeland von Menschen besiedelt wurde gab es tausende Eulenpapageien. Dann kamen die Maori und besiedelten die abgelegenen Inseln. Für sie waren Kakapos eine leichte und begehrte Beute, deren weißes Fleisch sie sehr schätzten. Auch waren ihre Federn bei den Maori sehr beliebt. Vor knapp 200 Jahren kamen dann europäische Einwanderer. Sie brachten neben Nutztieren auch Katzen, Marder, Wiesel sowie Ratten mit. Verwilderte Haus- und eingeschleppte Raubtiere plünderten die Nester dieser Vögel. Mit der Rodung der Wälder schrumpfte zudem der Lebensraum der Kakapos. Beschleunigt wurde der Rückgang auch durch die Tatsache, dass diese Papageien nur alle vier bis fünf Jahre höchstens ein bis zwei Küken aufziehen.
Mitte der 70er Jahre glaubte man das Schicksal der Kakapos sei besiegelt, da anscheinend kein weiblicher Vogel mehr überlebt hatte. Erst 1977 entdeckte man noch eine weitere Kleinpopulation auf Steward Island unter denen sich auch Weibchen befanden. Regierung und Naturschützer handelten: 1989 wurde das Kakapo Recovery Programm ins Leben gerufen und die Kakapo Recovery Group eingerichtet, die diesen Plan umsetzen sollte. Es wurden alle Kakapos auf der Stewart-Insel eingefangen und auf zwei unbewohnte Inseln gebracht: Maud Island vor der Nordspitze der Südinsel und Codfish Island vor der Westküste der Stewart-Insel. Zuvor wurden die beiden kleinen Inseln von allen Feinden der Papageien gesäubert. 1995 war der Bestand der Kakapos auf knapp 50 Tiere zurückgegangen.


Bild 2

Allerdings funktionierte die Vermehrung der Kakapos auch dort nicht so einfach. Die Ursache ist, dass die Brutzeiten dieser Papageien abhängig von den Früchten des endemischen Rimu-Baumes sind. Nur wenn diese Bäume überdurchschnittlich viele Früchte entwickeln - und das ist etwa alle vier bis fünf Jahre der Fall -, beginnen auch die Kakapos mit der Balz. Die Forscher versuchten, das Brutverhalten der Vögel mit Zusatzfutter anzuregen. Das gelang, jedoch hatte das Projekt einen unerwünschten Nebeneffekt. Unter dem Nachwuchs waren überdurchschnittlich viele Männchen. Untersuchungen ergaben, dass das Geschlecht offensichtlich vom Fettgehalt im Gewebe der Mutter bestimmt wird. Da sich unter den Vögeln ohnehin mehr Männchen als Weibchen befanden, war dieses Ergebnis schlecht für das Populationswachstum. Daher sind die Forscher dazu übergegangen das Zusatzfutter für die Weibchen erst nach der Eiablage anzubieten.

Brutmanagement

Da Kakapo-Weibchen zur Futtersuche das Nest verlassen müssen, besteht für die Eier und die Küken die Gefahr der Unterkühlung. Um Verluste zu vermeiden schützten die Forscher die Nester durch wärmende Kunststoffhüllen. Die Vögel reagierten gelassen auf diese Umgestaltungen. Auch ließen sie sich durch regelmäßige Untersuchungen der Eier und Jungvögel nicht stören. Dabei konnten unbefruchtete Eier entfernt oder überzählige befruchtete Eier untergelegt werden. Spätgeschlüpfte Küken wurden in Nester mit Gleichaltrigen gelegt. Zusätzliches Futter wurde den brütenden Kakapo-Weibchen angeboten damit sie wenig Zeit außerhalb des Nestes verbringen müssen.
Wenn Küken in ihrer Entwicklung gefährdet waren, wurden sie auch aus dem Nest entfernt und mit der Hand erfolgreich aufgezogen. Besonders erfreulich ist dass das erste von Hand aufgezogene Kakapo-Weibchen im Jahr 2002 selbst ein Ei bebrütete. Die Aufzucht durch Menschen hatte das Weibchen nicht gehindert sich mit einem Männchen zu paaren und selbständig ein Nest zu bauen.

Aktuelles

Das Jahr 2002 war ein Rekordjahr bei den Kakapos: Auf Maud Island wie auf Codfish Island entwickelten die dort noch vorhandenen Rimu-Bäume ungewöhnlich viele Früchte. Das Ergebnis war hervorragend. Die Kakapos zogen 25 gesunde Jungvögel auf, ihre Population nahm damit in einer Brutsaison um 39 Prozent zu. Die Befruchtungsrate der Eier lag bei 60 % und war ähnlich hoch wie in der letzten Brutsaison 1999. Die Jungensterblichkeit war erfreulich gering, nur ein Jungvogel starb im Alter von zwei Wochen.
Im Jahr 2003 gab es keinen Nachwuchs bei den Kakapos.
2004 gab es einen Rückschlag bei der Erhaltung dieses Papageis: 3 junge Weibchen starben in kurzer Zeit an einer rätselhaften Infektionskrankheit. Zum Glück gelang es Wissenschaftlern der Massey University schnell den Erreger der Krankheit zu finden: Bakterien der Streptokokken-Gruppe sind für die Erkrankung verantwortlich, die sich durch eine akute Hautentzündung mit hohem Fieber zeigt. Die anderen auf der Insel beheimateten Kakapos wurden auf den Erreger getestet. Wurden im Kot die Streptokokken nachgewiesen bekamen die Vögel eine Behandlung mit Antibiotika, die restlichen bekamen vorbeugend einen Impfstoff. Der Gesamtbestand der Kakapos betrug 2004 insgesamt 86 Vögel.
Wenn man einem von ihnen in sein großes, rundes, grünlichbraunes Gesicht sieht, wirkt er auf so heitere, unschuldige Art ahnungslos, daß man ihn am liebsten drücken und ihm sagen möchte, daß alles wieder gut wird, obwohl man weiß, daß das wahrscheinlich nicht stimmt. (Zitat aus: Die letzten ihrer Art von Douglas Adams/ Mark Carwardine)

Bild 3
Leider ist die Bestandszahl der Kakapos sehr gering und die Gefahr des Niedergangs ist noch immer hoch. Jedoch die Erfolge bei der Erhaltung der Kakapos stimmen einen trotz der Schwierigkeiten und Rückschlge positiv und es bleibt die kleine Hoffnung, dass der Kakapo vor dem Aussterben bewahrt werden kann.

Mediennachweis
  • Verbreitungskarte erstellt mit Earth View
  • Bild 1 - 3: mit frdl. Gen. Copyright: Department of Conservation Te Papa Atawhai Photograph: Don Merton
  • Sounddatei: http://www.nzbirds.com/ mit frdl. Genehmigung von Narena Olliver (nzbirds).
Quellenverzeichnis
Bücher:
  • Arndt, Thomas: Lexikon der Papageien, (1999) Arndt-Verlag
  • Adams, Douglas/ Carwardine, Mark: Die letzten ihrer Art,(1991) Heyne Verlag
  • Lantermann, Werner: Papageienkunde, (1999) Parey Verlag
  • Low, Rosemary: Das Papageien-Buch, (1989) Ulmer Verlag
Zeitschriften:
  • Papageien 7/2001, S. 240, Arndt-Verlag
  • Papageien 6/2002, S. 214, Arndt-Verlag
  • Papageien 6/2003, S. 187, Arndt-Verlag
  • Papageien 9/2004, S. 293, Arndt-Verlag
  • Gefiederte Welt 5/2003, S.130, Ulmer-Verlag
Internet:
  Zur Homepage:
Text: © Marion Wiegel
Adaption WWW: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © 02/2005