"Nicht minder merkwürdig als der Nestor ist ein ihm zunächst verwandter Vogel. welchen wir
Adlerpapagei nennen wollen (...). Er gehört offenbar in dieselbe Horde,
zeichnet sich aber durch sehr auffallende Gestaltung und Befiederung aus. In gewisser Hinsicht
erinnert er an einen Raubvogel, und man muss einem englischen Schriftsteller, welcher behauptet,
dass von zehn Beschauern ihrer neun den Vogel nicht für einen Papagei, sondern für einen Adler
halten würden, wohl Recht geben. Gegenwärtig ist erst ein einziger Adlerpapagei nach Europa
gekommen. Man kann nicht einmal das Vaterland mit Sicherheit angeben; Gould behauptet, dass
der Adlerpapagei auf Formosa lebe, wo sonst gar keine Papageien vorkommen; wahrscheinlicher
aber ist, dass Neuguinea oder Sulawatti seine Heimat ist; erstere Insel gibt Rosenberg mit
Bestimmtheit als den Wohnsitz des Vogels an. Ob er hier wirklich so einzeln gefunden wird,
als es den Anschein hat, steht dahin; bekanntlich harren jene Gegenden noch ihrer Durchforscher.
Der Adlerpapagei ist ein Vogel von 20 Zoll Leibeslänge, wovon 6 Zoll auf den Schwanz gerechnet
werden müssen. Die Fittiglänge beträgt 101/4 Zoll, der Oberschnabel längs der Firste
gemessen 17 Zoll (!). Bezeichnend ist der gestreckte Schnabel, dessen unterer Theil von dem
obern nicht so weit überragt wird, als bei dem Nestor, und ausserdem die Befiederung des
Kopfes, welcher aus wenigen steifen Borsten und sehr dünn stehenden Federn mit steifen harten
Schäften besteht. Die Zügel und Wangen erscheinen fast nackt, Schwingen und Schwanz sind wie
bei dem Nestor gefaltet, doch ist der Letztere verhältnissmässig länger und abgerundeter.
Die Färbung des Gefieders ist ein glänzendes Schwarz, welches auf Kehle, Kopf und Brust ins
Grauliche schimmert, weil hier die Federn fahlbraun gesäumt sind. Die Flügeldeckfedern längs
des Handgelenks, die ersten Deckfedern der Schwingen zweiter Ordnung, die Flügeldeckfedern
der Unterseite, die fünf ersten Schwingen zweiter Ordnung an der Aussenfahne, die Achselfedern,
Bauch und Steiss sind schön scharlachroth, welcher Färbung auf den untern Schawanzdecken
düsterer wird. Die Oberschwanzdeckfedern haben düsterrothe Endsäume, der Schnabel ist schwarz,
die Füsse sind dunkelbraun.
Ungeachtet der Seltenheit des Adlerpapageis ist unsere Abbildung nach einem lebenden Vogel
gezeichnet, welcher in der berühmten Thiersammlung des Lord Derby eine zeitlang gehalten wurde."
|
|