Rätselhafter Papagei
- eine historische Artenbeschreibung -
Einleitung
Wer sich mit der historischen Papageienkunde beschäftigt, stellt schnell fest, dass sich die allgemeinen und wissenschaftlichen Namen im Laufe der Zeit vielfach geändert haben. Auch die Technik der Beschreibungen der einzelnen Papageien ist heutzutage grundlegend anders. Deshalb fällt es heute manchmal schwer, die in den alten Büchern und Berichten beschriebenen Papageien zu identifizieren. Die folgende Beschreibung liefert ein solches (leichteres) Rätsel.
Beschreibung (Originaltext)
"Nicht minder merkwürdig als der Nestor ist ein ihm zunächst verwandter Vogel. welchen wir Adlerpapagei nennen wollen (...). Er gehört offenbar in dieselbe Horde, zeichnet sich aber durch sehr auffallende Gestaltung und Befiederung aus. In gewisser Hinsicht erinnert er an einen Raubvogel, und man muss einem englischen Schriftsteller, welcher behauptet, dass von zehn Beschauern ihrer neun den Vogel nicht für einen Papagei, sondern für einen Adler halten würden, wohl Recht geben. Gegenwärtig ist erst ein einziger Adlerpapagei nach Europa gekommen. Man kann nicht einmal das Vaterland mit Sicherheit angeben; Gould behauptet, dass der Adlerpapagei auf Formosa lebe, wo sonst gar keine Papageien vorkommen; wahrscheinlicher aber ist, dass Neuguinea oder Sulawatti seine Heimat ist; erstere Insel gibt Rosenberg mit Bestimmtheit als den Wohnsitz des Vogels an. Ob er hier wirklich so einzeln gefunden wird, als es den Anschein hat, steht dahin; bekanntlich harren jene Gegenden noch ihrer Durchforscher.

Der Adlerpapagei ist ein Vogel von 20 Zoll Leibeslänge, wovon 6 Zoll auf den Schwanz gerechnet werden müssen. Die Fittiglänge beträgt 101/4 Zoll, der Oberschnabel längs der Firste gemessen 17 Zoll
(!). Bezeichnend ist der gestreckte Schnabel, dessen unterer Theil von dem obern nicht so weit überragt wird, als bei dem Nestor, und ausserdem die Befiederung des Kopfes, welcher aus wenigen steifen Borsten und sehr dünn stehenden Federn mit steifen harten Schäften besteht. Die Zügel und Wangen erscheinen fast nackt, Schwingen und Schwanz sind wie bei dem Nestor gefaltet, doch ist der Letztere verhältnissmässig länger und abgerundeter. Die Färbung des Gefieders ist ein glänzendes Schwarz, welches auf Kehle, Kopf und Brust ins Grauliche schimmert, weil hier die Federn fahlbraun gesäumt sind. Die Flügeldeckfedern längs des Handgelenks, die ersten Deckfedern der Schwingen zweiter Ordnung, die Flügeldeckfedern der Unterseite, die fünf ersten Schwingen zweiter Ordnung an der Aussenfahne, die Achselfedern, Bauch und Steiss sind schön scharlachroth, welcher Färbung auf den untern Schawanzdecken düsterer wird. Die Oberschwanzdeckfedern haben düsterrothe Endsäume, der Schnabel ist schwarz, die Füsse sind dunkelbraun.

Ungeachtet der Seltenheit des Adlerpapageis ist unsere Abbildung nach einem lebenden Vogel gezeichnet, welcher in der berühmten Thiersammlung des Lord Derby eine zeitlang gehalten wurde."
Anmerkung
Leider ist die erwähnte Abbildung in dem vorliegenden Buch nicht mehr enthalten, sollte jemand ein Exemplar mit Abbildung besitzen, wäre ich für eine Kopie dankbar.

Hier gebe ich noch eine Hilfestellung: Die wissenschaftliche Bezeichnung, die ich oben ausgespart habe, lautet Dasyptilus pecquetii. Man findet sie heute noch im anglo-amerikanischen Namen des Papageis.
Quellennachweis
Brehm, A.E. Illustrirtes Thierleben. Dritter Band.
Hildburghausen: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1866


Die Auflösung des Rätsels finden Sie hier in einem Extrafenster.
  Zur Homepage:
gefunden und zitiert von H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © 02/2002