Agapornis - Unzertrennliche
Eine Übersicht
Systematik

Beisp. Pfirsichköpfchen (A. fischeri)
Foto mit frdl. Gen. © Kai Andersen
Die Unzertrennlichen bilden eine gut abgegrenzte Gattung unter den afrikanischen Papageien, von denen man annimmt, dass ihre Vorfahren zu der "ersten Besiedlungswelle" orientalischer Papageien auf dem afrikanischen Kontinent gehörten.

In sich ist diese Gattung keinesfalls geschlossen, sondern es lassen sich leicht zwei Gruppen ausmachen, die von ihrem Äusseren und auch vom Verhalten her verschieden sind. (s.u. - Übersicht der Arten). Inwieweit hier eine deutlichere systematische Aufteilung wünschenswert wäre, sei dahingestellt, da zwei der Arten als "Übergangsform" angesehen werden können.
Je nach systematischem Ansatz werden die Agaporniden den anderen Papageien unterschiedlich zugeordnet:
Nach Smith, 1975:
PSITTACIFORMES
  Psittacidae
     Psittaculini
Nach Wolters, 1981:
PSITTACIFORMES
  Micropsittidae
Nach Forshaw, 1982:
PSITTACIFORMES
  Psittacidae
     Psittacinae
      Psittaculini
Legt man das System von Wolters zugrunde, und berücksichtigt dabei die Untersuchungen von Homberger (1980) und Smith, würde Agapornis zu den Psittaculidae gerechnet.
Beschreibung
Allgemeines:
Agaporniden sind kleine, kompakt gebaute Papageien bis max. 17 cm Grösse, der Schwanz ist sehr kurz und spitz gerundet, der Schnabel erscheint verhältmismässig gross im Vergleich zu den anderen Körperproportionen. Die Hauptgefiederfarbe ist grün, jedoch sind Kopf und Brust und teilweise auch der Schnabel unterschiedlich gefärbt. Die Arten lassen sich so relativ leicht unterscheiden.

Spezielles:
Wie oben bereits erwähnt, gibt es zwei Hauptgruppen, die sich deutlich unterscheiden. Eine Gruppe bilden Grauköpfchen, Orangeköpfchen und Taranta. Sie haben keinen Augenring, und Männchen und Weibchen sind deutlich voneinander zu unterscheiden.
Dagegen ist bei Russköpfchen, Erdbeerköpfchen, Pfirsichköpfchen und Schwarzköpfchen ein weisser Augenring deutlich ausgeprägt, aber Männchen und Weibchen sind optisch kaum zu unterscheiden.
Es gibt zwei Übergangsformen: Das Rosenköpfchen zeigt einen wenig ausgeprägten Augenring, und keine Geschlechtsunterschiede, und beim Grünköpfchen finden wir weder Augenring noch Geschlechtsunterschiede.

In der unten stehenden Tabelle der Arten sind die wiss. Namen entsprechend abgetönt.

Beisp. Rosenköpfchen (A. roseicollis))
Foto mit frdl. Gen. © Kaj Andersen, Denmark
Verbreitung/Lebensraum
Die Unzertrennlichen sind südlich der Sahara von Eritrea, Äthiopien bis Südafrika über den afrikanischen Kontinent und Madagaskar verbreitet, wobei den einzelnen Arten meist getrennte grossräumige Gebiete zuzuordnen sind. Allerdings ist in diesen Gebieten das Vorkommen nur selten homogen, isolierte Populationen sind häufig.

Typischerweise (bis auf das Grünköpfchen) sind Agaporniden Vögel der Savannenlandschaft. Einige Arten nutzen auch die Annehmlichkeiten menschlicher Siedlungen für die Ernährung und Brut.
Ernährung/Lebensweise/Brut

Beispiel Orangeköpfchen (A.pullaria)
Foto mit frdl. Gen. © Markus Kaufmann

Beisp. Grauköpfchen (A. cana))
Foto mit frdl. Gen. © Kaj Andersen, Denmark
Als hauptsächliche Savannenbewohner (Ausnahme Grünköpfchen) ernähren sich die Unzertrennlichen von Grassamen, Samen von Büschen und Bäumen, sowie Früchten und Beeren. Auch Getreide, Mais und Hirse aus menschlichem Anbau werden gerne genommen.

Ausserhalb der Brutzeit ziehen die sehr geselligen Vögel je nach Art in kleineren bis grösseren Gruppen durch ihr Verbreitungsgebiet. Einige Arten haben sich zu Kulturfolgern entwickelt. An ertragreichen Futterplätzen können grosse Schwärme zusammenkommen. Typischerweise ist die Paarbindung sehr gross (daher "Unzertrennliche"). Angeblich soll ein Partner den Verlust des anderen nicht überleben.

Bei der Auswahl der Bruthöhlen sind die Agaporniden sehr vielseitig, von Baumhöhlen, Termitenbauten, verlassenen Webervogelnestern bis hin zu Höhlungen an Gebäuden wird alles verwendet. Die Unzertrennlichen der Gruppe um das Grauköpfchen transportieren das Nistmaterial (Blätter, Rinde) für die Bruthöhle in ihrem Gefieder.
Das Gelege besteht aus drei bis fünf Eiern, je nach Art schlüpfen die Jungen zwischen dem 21. und 25. Tag. Die Netslingszeit dauert etwa einen Monat, nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch zwei bis drei Wochen von Eltern versorgt.
Übersicht der Arten
A. cana
(Gmelin, 1788)
Grauköpfchen
A.c. cana und A.c. ablectanea, Kopf, Hals und Nacken hellblaugrau. Schnabel hellgrau.
Kurzdaten(Extrafenster)
Madagaskar, auf einigen Maskarenen-Inseln und Seychellen eingeführt
A. pullaria
(Linne, 1758)
Orangeköpfchen
A.p. pullaria und A.p. ungandae, Stirn und Gesichtspartie orangerot, Rücken blau. Schnabel korallenrot.
Äqautorialafrika, von Ghana bis W.-Kenia, Vereinzelt in Sierra Leone, Angola u. Zaire.
A. taranta
(Stanley, 1814)
Taranta-Unzetrennlicher
A.t. taranta und A.t. nana(?), Stirn rot, Flügelunterseite schwärzlich, schwarze Schwanzbinde. Schnabel korallenrot
Äthiopisches Hochland
A. swinderniana
(Kuhl, 1820)
Grünköpfchen
A.s. swinderniana, A.s. zenkeri, A.s. emini, Kopf grün, schwarzes Nackenband, (je nach Unterart mit zus. Zeichnung), Schnabel dunkelgrau.
Zentralafrika, A.s. swinderniana isoliert in Liberia, Elfenbeinküste und Ghana.
A. roseicollis
(Vieillot, 1818)
Rosenköpfchen
A.r. roseicollis und A.r. catumbella; Stirn und hinter den Augen rot, Gesicht und Hals rosa, Schnabel gelb-hornfarben.
Südwestafrika, Lesotho.
A. nigrigensis
(Sclater, 1906)
Russköpfchen
Stirn und Oberkopf rötlichgraubraun, Zügel, Wangen und Ohrbereich schwarzbraun, blass gelblich orangefarbenes Band an der Oberbrust. Schnabel hellhornfarben, in korallenrote Spitze übergehend.
Sambia, Simbabwe im Fluss-System des Sambesi
A. fischeri
(Reichenow, 1887)
Pfirsichköpfchen
Stirn rot, in bräunl. orange-grün zum Nacken hin übergehend. Zügel, Hals und Gesicht orange-rot, Oberbrust gelborange. Schnabel korallenrot.
Tansania, südl. Victoriasee
A. lilianae
(Shelley, 1894)
Erbeerköpfchen
sehr ähnlich A. fischeri, jedoch keine gelborange Oberbrust.
S-Tansania, Mozambique, Nyassa-See, Fluss-System des Sambesi
A. personata
(Reichenow, 1887)
Schwarzköpfchen
Kopf und Gesicht deutlich schwarz, mehr oder weniger stark gegen gelben Hals, Nacken und Brust abgesetzt. Schnabel korrallenrot.
Zentral-Tansania
Anmerkungen
Agaporniden sind mittlerweile sehr beliebte Vögel in Menschenhand, auch hier haben sich schon Züchter erfolgreich daran versucht, das Erscheinungsbild nach menschlichen Masstäben zu optimieren. So sind z.B. blaue Schwarzköpfchen, oder solche Mutanten wie "Golden Cherry", "Lutino" "Japanisch Silber Cherry" beim Rosenköpfchen und anderen Arten leider keine Seltenheit. Entsprechende Beschreibungen finden sich bei Low (1983)
Genauere Haltungs- und Zuchtbedingungen der Arten sind bei Robiller ausführlich beschrieben.
Eine gewisse Ausnahme unter den Agaporniden bildet das Grünköpfchen. Über diesen Waldbewohner ist fast nichts bekannt, Haltungsversuche in Gefangenschaft scheinen grundsätzlich zu scheitern, da diese Art auch ein Futterspezialist ist. Low und Wolters geben Feigen als einzige Nahrung an, die akzeptiert wird.




Beisp. Schwarzköpfchen (A. personata)
Foto mit frdl. Gen. © Stefan Seifert
Quellennachweis
Forshaw, J.M.: Parrots of the world; David u. Charles 1981; ISBN 0-7153-7698-5
Low, R. : Das Papageien-Buch, Stuttgart, Ulmer 1983; ISBN 3-8001-7090-6
Robiller, F.: Handbuch der Vogelpflege, Papageien, Bd. 2, Stuttgart, Ulmer 1997, ISBN 3-8001-7229-1
Wolters, H.E.: Vogelarten der Erde, Parey 1975-81
Smith, G.A.: Systematics of Parrots, Ibis 117.1975, S. 18-68
Homberger, D.: Funktionell-morphologische Untersuchungen zur Radiation der Ernährungs- und Trinkmethoden der Papageien, Bonner zoologische Monographien 13.1980


Weiteren Lesestoff zu den Unzertrennlichen finden Sie in unserer Literaturdatenbank
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Zusammenstellung: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © 01/2002