Nestor notabilis -
Der Kea
Wissenschaftlicher Name:
Nestor = im übertragenen Sinne "herausragender, ältester Vertreter
einer Fachrichtung" - eine Anspielung auf die
Entwicklungsgeschichte
notablis = "der bemerkenswerte" - warum, zeigen die
folgenden Seiten.
Lebensweise:
Im Gegensatz zu den meisten Papageien sind Keas oft polygam, ein Männchen
hat in seinem Territorium mehrere Weibchen, was auf einen Überschuss an
weiblichen Vögeln hinweist. Da jedoch bei den Jungvögeln das Verhältnis beider
Geschlechter in etwa gleich ist, scheint es unter den männlichen Keas
eine höhere Todesrate zu geben.
Im Herbst sammeln sich die selbständigen Jungvögel in Schwärmen um das
Territorium zu erkunden, oder bereits künftige Brutplätze zu besetzen.
Der Kea ist durchaus territorial gebunden, d.h. die Familie bleibt in
einem engeren Bereich. Man schlieest sich zwar anderen Keas an, kehrt aber
immer wieder in den Bereich des möglichen Brutreviers zurück.
Soziales Verhalten, Futteraufnahme, Spiel:
In den 1960er Jahren wurden von J.R. Jackson,
einem Ranger des Arthur Pass National Parks die
ersten ausführlichen Felduntersuchungen zum
Leben des Kea gemacht. Leider sind seine
Aufzeichnungen bis auf wenige Publikationen in
einigen Zeitschriften (Notornis u.a.) verschollen.
1)
|

Neuere Untersuchungen wurden von Judy
Diamond and Alan B. Bond durchgeführt, deren
Ergebnisse2) ich hier nur grob zusammfassen
kann: Diamond und Bond beobachteten mehrere
Jahre lang das Verhalten der Keas im Bereich
einer Müllkippe in der Nähe von Arthur´s Pass.
Typischerweise versammeln sich die Keas früh
morgens mit speziellen Rufen, um zur
Futteraufnahme zu schreiten. Dabei warten alle
solange, bis einer der erwachsenen Vögel zu
fressen beginnt. Die Futtersuche ist sehr effektiv
und geübt. Unterschiede in der Ernährungsweise
zwischen Männchen und Weibchen äussern sich
darin, dass die Weibchen mehr Beeren und
Pflanzenteile aus den umliegenden Bäumen
fressen, während die Männchen überwiegend
ihre Nahrungsquellen aus dem Abfall
erschliessen.
Nach Jackson bilden ausserhalb des Bereiches
der Müllkippe Knospen, Blätter, Beeren, Wurzeln
und andere Pflanzenteile in Abhängigkeit von der
Jahreszeit die hauptsächliche natürliche
Nahrungsquelle. Allerdings zeigt der Kea auch
eine besondere Vorliebe für tierische Fette bzw.
Eiweiss. Es gibt Dokumentationen darüber, dass
der Kea die Bruthöhlen von Sturmtauchern
aufsucht um Eier oder Junge zu fressen. Ebenso
setzt er sich auf den Rücken von Schafen, um
dort nach Fett zu graben3).
Die von Diamond und Bond beobachtete Gruppe
der Keas zeigte eine komplizierte Hierarchie
zwischen den einzelnen Vögeln, die durch die
Sichtweise des Individuums geprägt ist. Diese
soziale Ordnung wird durch Agression geregelt.
Besonders unter den Vögeln, deren sozialer
Status noch nicht gefestigt ist, kommt es häufig
zu plötzlichen und unmotivierten
Aggressionsausbrüchen. Dies trifft besonders auf
junge oder jugendliche Vögel zu. Unter den
erwachsenen Männchen ist der soziale Rang
gefestigt. Sie weichen einander aus, oder zeigen
weniger gewalttätige Reaktionen.
|