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Loriidae - die Lories
Eine Übersicht
Systematik

Beisp. Trichoglossus,
Foto mit frdl. Gen. © Kai Andersen

Aves
  Psittaciformes
    Loriidae

Betrachtet man die Gesamtzahl der Gattungen aller Papageien, so bilden die Loriidae mit etwa einem sechstel Anteil eine ziemlich umfangreiche Familie. Die Lories bilden unter den Papageien eine ganz besondere Gruppe. Durch ihre spezielle Anatomie und Ernährungsweise unterscheiden sie sich von den anderen Papageien so sehr, dass sie schon frühzeitig als eigene Familie aufgestellt wurden.

Allerdings gab und gibt es heute noch systematische "Zweifelsfälle", bei denen Papageien den Lories zugeordnet wurden oder werden, obwohl sie eigentlich keine Lories sind. Nach Homberger (1980) und Smith (1975), dass es sich bei den Gattungen Lathamus und Psittaculirostris um eine konvergente Entwicklung handelt. D.h. diese Gattungen haben im Vergleich zu den echten Lories eine andere Stammesgeschichte. Die Zuordnung zu den Loriidae geschah, wie auch früher im Falle des Kea (Brockhaus 1906) durch ihre "Pinselzüngigkeit".
Beschreibung
Allgemeines:
Lories sind kleine bis mittelgrosse Papageien, die sich durch eine besondere Farbenvielfalt auszeichnen. Bis auf wenige Ausnahmen sind rot, grün, blau und gelb in spektakulären Mischungen vorhanden, nur wenige Arten sind überwiegend grün, oder rot, oder sogar völlig schwarz gefärbt.

Der grösste und der kleinste Vertreter dieser Familie gehören zur Gattung Charmosyna: C. wilhelminae - 13 cm und C. papou - 42 cm, wobei letzterer sich durch einen besonders langen Schwanz auszeichnet. Die gesamte Körperstatur ist (abgesehen von Trichoglossus) relativ kompakt, die Schwanzfedern sind kurz bis mittel-lang, die Schwanzformen reichen von abgerundet geraden Enden bis spitz zulaufend. Der Schnabel erscheint relativ schmal, seitlich zusammengepresst, eine deutliche Auskerbung des Oberschnabels, wie z.B. bei den Amazonen ist kaum vorhanden, ebenso sind die Feilkerben kaum entwickelt. Offensichtliche Geschlechtsunterschiede gibt es kaum.

Spezielles:
Die allgemeine Anatomie der Lories unterscheidet sich nur wenig von der anderer Papageien. Ihre grösste Besonderheit bildet die Form der Zunge, die sich in Abhängigkeit von der Ernährungsweise als überwiegender Pollenfresser ergibt. Zur besseren Aufnahme dieser weichen, halbflüssigen Nahrung ist die Oberseite der Zungenspitze mit kleinen aufrichtbaren Papillen besetzt, die wie ein Pinsel oder eine Bürste wirken.

Beisp. Lorius
Foto © HJP
Verbreitung/Lebensraum
Die Familie der Loriidae ist von Celebes im Osten bis hin zu den Marquesas Inseln im Westen verbreitet. Das nördlichste Vorkommen umfasst die Inselgruppe der Karolinen, das südlichste die Insel Tasmanien. Neuseeland ist ausgeschlossen. Die Verbreitung auch über isolierte pazifische Inselgruppen ist einer der Gründe für die Artenvielfalt dieser Papageien.



Entsprechend der grossräumigen Verbreitung bewohnen die Lories unterschiedliche Lebensräume. Einige Arten nutzen auch menschliche Siedlungen, besonders Parks und Obstplantagen während der Blütezeit.
Ernährung/Lebensweise/Brut
Wie oben schon angedeutet, ist Blütenpollen die Haupternährungsquelle der Lories, aber auch Nektar und weiche, safthaltige Früchte werden verzehrt. Die Papillen der Zunge pressen den Pollen beim Zurückziehen in eine schluckbare Form. Der gleichzeitig aufgenommene Nektar verbleibt im Kropf und wird dort verdaut.

Lories sind in den meisten Fällen Baumbewohner und kommen selten auf den Boden. Sie ziehen in oft grösseren Schwärmen von einer Nahrungsquelle zur anderen.

Wie die meisten Papageien sind Lories Höhlenbrüter. Während überwiegend in Baumhöhlen gebrütet wird, nutzen einige Arten auch hohe, säulenförmige Termitenbauten für die Aufzucht. Die Baumhöhlen sind mit einer hohen Schicht feiner Holzschnipsel (Abfall bei "Hausbau") ausgepolstert. Das Gelege besteht zumeist aus zwei Eiern, die Brutzeit richtet sich nach der geografischen Lage des Vorkommens. Je nach Gattung werden die Eier 23 bis 28 Tage bebrütet, die schlüpfenden Jungen sind mit weissem oder gelblichem Flaum bedeckt. Nach etwa acht bis zwölf Wochen sind die Jungen flügge. Ausnahme bildet hier Glossopsitta, deren Jungen schon nach sechs Wochen oder sogar eher das Nest verlassen.

Beisp. Lorius
Foto mit frdl. Gen. © Thorsten Bönte
Übersicht der Gattungen
Chalcopsitta (Bonaparte, 1850) Glanzloris
vier Arten, zahlr. Unterarten, überwiegend schwarz oder rot gefärbt
Neuguinea, Salomonen Inseln, Inseln des Bismarck Archipels
Beispiel: Braunlori
Eos (Wagler, 1832) Rotloris
sechs Arten, zahlr. Unterarten, überwiegend rot gefärbt, mit schwarzen oder blauen Zeichnungen
Inseln von Indonesien und den Molukken.
Pseudeos (Peters, 1935) Weissbürzellori
Gattung mit nur einer Art, ohne Unterarten (monotypisch). Dunkelbraun mit rötl. bis gelben Zeichnungen. Wahrsch. Bindeglied zwischen Eos und Trichoglossus.
Neuguinea u. einige westl. vorgelagerte Inseln
Trichoglossus (Horsefield, 1826) Allfarbenloris
acht Arten, sehr zahlr. Unterarten. Systematische Aufteilung nicht entgültig geklärt. Grundfarbe grün, mit blauen, roten, gelben und schwarzen Zeichnungen, typ. Bänderung im oberen Brust- und Nackenbereich.
von Mindanao über die Indon. Inselgruppen bis Tasmanien, Ost-, West- und Südaustralien, Neuguinea, Mikronesien bis Ponape im Pazifik. Beispiel Allfarblori (Kurzdaten)
Psitteuteles (Bonaparte, 1854) Grünloris
zwei Arten, keine Unterarten. Überwiegend grün, dunkle, mit rot durchsetzte Kopfzeichnung, gelbl. Strichelzeichnung im Brust und Bauchbereich.
Nordaustralien (P. versicolor) und Zentral-Neuguinea (P. goldiei)
Lorius (Vigors, 1825) Breitschwanzloris
acht Arten, sehr zahlr. Unterarten. Überwiegend rot, meist mit schwarzer Kopfplatte, grüne Flügeldecken.
Molukken, Neuguinea und uml. Inseln, Bismarck Archipel bis östl. Solomonen.
Beispiel: Erzlori (Kurzdaten)
Phigys (Gray, 1870) Kragenlori
eine Art, ohne Unterarten. Körper rot, schwarze Kopfplatte, grüne Flügeldecken.
Fidschi Archipel
Vini (Lesson, 1831) Maidloris
fünf Arten, ohne Unterarten. Färbung grün, mit roter Kehlzeichnung, blaue Kopfplatte. Abweichend (V. ultramarina u. V. peruviana) durchgehend dunkelblau mit weisser Kehle.
Pazifischer Raum, Kiribati, Tonga, Pitcairn, Marquesas, Tuamotu
Charmosyna (Wagler, 1832) Zierloris
vierzehn Arten, zahlr. Unterarten. Rot oder dunkelblaugrau mit grünen Flügeldecken. Einige Arten mit Strichelfedern im Wangen- und Halsbereich.
Die meisten Arten auf Neuguina und uml. Inselgruppen. Solomonen, Neukaledonien u. Fidschi.
Beispiel: Rotbürzellori (Kurzdaten)
Oreopsittacus (Salvadori, 1877) Bergzierlori
eine Art, drei Unterarten. Überwiegend grün, Kopf rötl. bis purpur, weisse Strichel im Wangen- Halsbereich. 14 statt 12 Schwanzfedern.
Neuguinea
Neopsittacus (Salvadori, 1875) Bergloris
zwei Arten, Unterarten. Überwiegend grün, typ. helle Strichelung im Wangen- Hals- und Nackenbereich.
Neuguinea
Glossopsitta (Bonaparte, 1854) Moschusloris
drei Arten, keine Unterarten. Überwiegend grün, mit roter oder blauer Kopfzeichnung
Süd- und Ostaustralien
Anmerkungen
Einige Arten sind in der Vogelhaltung mittlerweile populär geworden, nachdem die Haltung von Lories durch die Entwicklung spezieller Futtermischungen vereinfacht worden ist. Eine Haltung als Einzel- oder Stubenvogel empfiehlt sich aber nicht, da diese Vögel äusserst gesellig sind, und der Verschmutzunggrad von Wohnung und Käfig durch die dünnflüssigen Ausscheideungen überproportional hoch ist. Allgemein wird gesagt, dass das Sprechvermögen der Lories gering bis nicht entwickelt ist.

Neben diesen bekannten Arten gibt es aber auch welche, über deren Lebensweise so gut wie nichts bekannt ist. Zudem sind die kleinen Populationen isolierter Arten bes. im pazifischen Raum durch menschliche Umwelteinflüsse bedroht.


Beisp. Chalcopsitta
Foto mit frdl. Gen. © Kai Andersen
Quellennachweis
Mivart, St. G.: Loriidae - A Monograph of the Lories, London 1896, Faks.-Ausgabe FUNDACEF 1992
Forshaw, J.M.: Parrots of the world; David u. Charles 1981; ISBN 0-7153-7698-5
Low, R. : Das Papageien-Buch, Stuttgart, Ulmer 1983; ISBN 3-8001-7090-6
Robiller, F.: Handbuch der Vogelpflege, Papageien, Bd. 1, Stuttgart, Ulmer 1991, ISBN 3-8001-7228-3
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Zusammenstellung: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
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