Papagei des Monats Oktober 2001
Das Blaukrönchen
Allgemeines:
Unser Papagei des Monats Oktober ist das Blaukrönchen (Loriculus galgulus). Es findet sich in unseren heimischen Volieren aus mehreren Gründen meist nur bei spezialisierten Haltern. Zu der Problematik bei der Haltung weiter unten. Blaukrönchen gehören zu der Gattung der Fledermauspapageien, die im süd-ostasiatischen Raum weit verbreitet ist. Namensgebend ist die Angewohnheit, sich beim Schlafen mit dem Kopf nach unten "aufzuhängen". In menschlicher Obhut wird dazu häufig das Volieren-Gitter verwendet.
Bildchen


Familie:   Loriculidae
Gattung:   Loriculus
Art:       L. galgulus
Unterarten: 
           - keine


Anmerkung:
Mit der Aufstellung der Loriculidae als eigene Familie folgen wir hier dem Vorschlag von Wolters bzw. Homberger. Die Familie besteht nur aus der Gattung Loriculus (Fledermauspapageien, 11 Arten, ca. 21 Unterarten).

Bezeichnungen:
wissenschaftlich:
Loriculus galgulus (Linné, 1758)

Sprachen:
Bildchen Blaukrönchen
Bildchen Blue-crowned Hanging Parrot, Malay Lorikeet
Bildchen Blauwkroontje
Bildchen Loricule à tête bleue
Beschreibung
12 cm. Grundfarbe kräftig grün; Männchen hat einen kräftig blauen Scheitelfleck (blaues "Krönchen") und einen blutroten Kehlfleck, sowie einen ebenfalls kräftig roten Bürzel und rote Unterflügeldecken. Weibchen sind einfarbig grün, ohne die markanten Abzeichen des Männchens. Juv. sind blaßgrün.

Abb.: typische Schlafposition

Bildchen
Verbreitung/Lebensraum
Bildchen Auf unzähligen Inseln der Länder Indonesien (Sumatra, Borneo, ect.), Thailand, Malaysia, Singapur.

Status:
Größtenteils unbekannt, jedoch nicht selten; Populationen in Thailand und Malaysia gelten als stabil (Robiller, 1997).

Habitat:
Blaukrönchen leben hauptsächlich in Regenwäldern, man kann sie jedoch auch in offenen Landschaften beobachten, sofern genügend blühende Bäume und Sträucher vorhanden sind. Auch in Plantagen und Gärten kann man Blaukrönchen beobachten. In Bergregionen kommen sie bis auf 1250 m ü.M. vor.
Lebensweise / Ernährung im Freiland
Bildchen Blaukrönchen streifen in der Regel in kleinen Gruppen umher, fast nie sind sie einzeln unterwegs. Sie sind nicht sehr auffällig und ihre Stimmchen sind leise. Behände bewegen sie sich im Geäst um an ihre Nahrung (Nektar, Früchte, Pollen, Samen sowie verschiedene kleine Insekten) zu kommen. Die Brutzeit liegt zwischen Januar und Juli. Wie die allermeisten Papageien sind auch Blaukrönchen Höhlenbrüter. Pro Brut werden 2-4 Junge aufgezogen. Einzelheiten zum Brutablauf aus dem Freiland sind nicht bekannt. Robiller erwähnt, das die Bruthöhlen etwa in einer Höhe von 12 Meter (und damit relativ hoch) liegen.
Haltung und Zucht
Blaukrönchen werden schon sehr lange in kleinen Stückzahlen nach Europa eingeführt. Anfangs war ihre Lebenserwartung leider nicht sehr hoch, da ihre spezielle Ernährungsweise nicht bekannt war und auch ihrer Anfälligkeit auf Pilzkerkrankungen nicht Rechnung getragen wurde. Seit man mehr über diese Punkte weiß, hat sich die Lebenserwartung der Blaukrönchen stark erhöht. Bei der Pflege muß auf einen hohen Standard an Hygiene geachtet werden. Ausscheidungen von Blaukrönchen sind recht dünnflüssig. Eine regelmäßige Reinigung der Voliere ist unabdingbar. Manche Züchter versetzen das Badewasser (das ständig zur Verfügung stehen sollte) mit Chinosol um Pilzerkrankungen vorzubeugen.

Erstmalig wurden Blaukrönchen 1968 in Dänemark, 8 Jahre später auch in Deutschland gezüchtet. Heute gelingt die Zucht bei Spezialisten regelmäßig und so finden sich in den einschlägigen Fachzeitschriften immer Angebote von Nachzuchten (aber auch Wildfänge werden leider nach wie vor angeboten).

Bildchen Blaukrönchen sind keine "Hauspapageien"; man kann sie nicht halten wie Großpapageien. Sie sind nicht entsprechend "intelligent" (gelehrig) und werden in der Regel auch nicht so zahm wie Großpapageien. Sie werden paarweise, oder besser, in kleinen Gruppen in Volieren gehalten die so geräumig konzipiert sein müssen, daß sich "Freiflug im Zimmer" erübrigt, der für die Winzlinge sowieso mehr Gefahren als Nutzen bringen würde. Die Voliere sollte bepflanzt werden, um den agilen Vögeln genügend Klettermöglichkeiten zu bieten. Frische Weidenzweige sollten ebenfalls ständig zur Verfügung stehen. Auch Außenvolieren sind im Sommer möglich, sofern den Vögeln ständig ein Schutzraum zur Verfügung steht. Die Vögel dürfen aber keinen Temperaturen unter 20 °C ausgesetzt werden, Importtiere sogar nicht unter 25 °C. Blaukrönchen sind keine Papageien für den Halter der sich Vögel wünscht, die mit ihm in "Kontakt treten"; Für den Halter, der Freude am Beobachten einer munteren Bande kleiner Papageien hat und entsprechende Haltungsbedingungen schaffen kann, stellt ein Schwarm Blaukrönchen aber bestimmt einen ganz besonderen Reiz dar.

Ernährung in Menschenobhut:
Viele Früchte, vor allem Äpfel, Feigen, Birnen, Bananen und Gemüse. Lori-Brei. Einige Futtermittelhersteller bieten inzwischen auch schon speziellen Futterbrei für Fledermauspapageien an. Samengemisch aus kleinen Sämereien (versch. Hirse, auch gekeimt, Glanz, Negersaat). Zur Zucht auch Zwieback, Eifutter und Insekten (Mehlwürmer).
Quellennachweis
Literatur:
- Th. Arndt, Lexikon der Papageien, 1996
- F. Robiller, Handbuch der Vogelpflege, Papageien Band 2, 1997
- AZ-Nachrichten 8/2000, Seite 406: "Haltung und Zucht des Blaukrönchens"
- Papageien 9/97, Seite 282: Reinschmidt, Matthias: "Blaukrönchen auf Borneo"


Weiteren Lesestoff zu den Fledermauspapageien finden Sie in unserer Literaturdatenbank
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Zusammenstellung: Markus Kaufmann
Fotos: © Markus Kaufmann
Adaption für WWW: H.-J. Pfeffer
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