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Papagei des Monats April 2001
Der Palmkakadu
Systematik

Foto © Thorsten Bönte


Familie:   Cacatuidae
Gattung:   Probosciger
Art:       P. aterrimus
Unterarten: 
           - P.a. aterrimus
           - P.a. goliath
           - P.a. stenolophus


Anmerkung:
Nach Forshaw (1981) sind die Unterschiede der Unterarten nicht genau dokumentiert. (speziell P.a. aterrimus und -goliath) Es ist durchaus möglich, dass geographisch bedingte Unterarten eigentlich keine solchen sind.

In anderen Beschreibungen findet man daher auch andere, bzw. weitere Unterarten: z.B. P.a. alecto und P.a. intermedius. Wir folgen hier der Aufstellung von Forshaw, die sich auch bei Robiller (1991) wiederfindet.

Bezeichnungen:
wissenschaftlich:
Probosciger aterrimus (Gmelin, 1788)

Probosciger = grosse Nase und tragen (Kombination altgr. Wörter)
- aterrimus = der Schwärzeste (aus dem Lat.)
Sprachen:
Palmkakadu, Arakakadu*
Palm Cockatoo
Palmkakatoe, Arakakatoe, Zwarte Kakatoe
Cacatoès grande de Palmier
* Alte Bezeichnung bei Brehm (1866): "Casmalos"
Beschreibung
Grösse: bis zu 70 cm
Gefieder: Rabenschwarz, teilweise mit leicht bläulichem Schimmer. Lange, rückwärts gebogene Haubenfedern am Kopf. Unbefiederter Wangenfleck von der Wurzel des Unterschnabels bis zur Linie Zügel, unterer Augenrand und Ohrdeckfedern.
Die Farbe des Wangenflecks verändert sich mit zunehmenden Erregungszustand des Vogels von blassrosa bis rot.
Besonderheit: Rote Zunge mit schwarzer Spitze.
Schnabel: grauschwarz
Füsse: grau
Iris: dunkelbraun
probosciger.wav    abcnews-archive/b081001.ram

Foto mit frdl. Gen. © Thomas Polster


Geschlechtsunterschiede sind nicht offensichtlich, nach Wolters (1991) und Peters (1988) ist der rote Wangenfleck beim Männchen vor dem Auge höher gezogen, auch ist der Schnabel des Weibchens kürzer und stärker gekrümmt. Insgesamt soll das Weibchen auch etwas kleiner sein.
Verbreitung/Lebensraum

WEISS: P.a. aterrimus ROT: P.a. stenolophus GELB: P.a. goliath

Palmkakadus sind über die ganze Insel von Papua-Neuguinea verbreitet, bewohnen einige nahegelegene Inseln und Cape York an der Nordspitze Australiens.
Während sich die Verbreitungsgebiete von aterrimus und goliath im Süden der Insel in einem grossen Bereich überschneiden, werden stenolophus und goliath durch den zentralen Gebirgszug, der Insel längs durchschneidet, getrennt.

Ihr Lebensraum sind die tropisch feuchten Waldländer bis in Höhen von ca. 1.300m.
Ernährung/Lebensweise/Brut
Der imposante Schnabel des Palmkakadu zeigt deutlich, dass er auf hartschalige Samen und Nüsse spezialisiert ist. Aber auch Früchte und andere Pflanzenteile werden genommen. Nüsse werden in den Oberschnabel geklemmt, und von unten her mit dem Unterschnabel gespalten.

Im Gegensatz zu anderen Kakadus leben die Palmkakadus nur einzeln oder in kleinen Gruppen von bis zu 6 oder 8 Vögeln, wahrscheinlich einem "Familienverband". Sie schlafen getrennt, kommen aber tagsüber auf bestimmten Bäumen zusammen.

Ein besonderes Verhalten ist das "Trommeln": Mit einem Stock oder einer harten Nuss in der Kralle wird mehrfach (bis zu 100 mal) auf einen hohlen Baumstumpf eingeschlagen. Der entstehende Lärm ist beachtlich. (Wood, 1988)

Die Paare besetzen bestimmte Reviere, die mögliche Bruthöhlen enthalten. Diese Höhlen werden auch regelmässig "kontrolliert". Die Brutzeit hängt von den klimatischen Bedingungen ab, und beginnt etwa im August. Schon zuvor beginnen die Vögel damit, Bruthöhlen durch Eintragen von Holzspänen vorzubereiten und verteidigen ihr Revier. Eine Nisthöhle wird mehrere Jahre lang immer wieder benutzt (Diefenbach, 1985). Die Nester selbst sind grosse Baumhöhlen in ziemlicher Höhe, etwa 1m tief und bis zu 60cm im Durchmesser.

Ein einziges Ei wird etwa 30 Tage lang von beiden Eltern bebrütet. Das nackte Küken entwickelt keine echten Flaumfedern wie andere Kakadus. Hauptsächlich vom Weibchen gehudert, verbringt es bis zu 110 Tage im Nest, ehe es ausfliegt. Dies ist die längste Nestlingszeit aller Papageien. Das ausgeflogene Jungtier ist noch zwei Wochen nur bedingt flugfähig, und wird noch etwa 6 Wochen von den Eltern gefüttert.
Anmerkungen
Innerhalb der Gruppe der Kakadus nimmt der Palmkakadu eine Sonderstellung ein. Er unterscheidet sich in Verhalten, Brut und Ernährung deutlich von den anderen schwarzen Kakadus (Calyptorhynchus). Die geringe Reproduktionsrate des Vogels (s.o.) gefährdet seinen Bestand besonders in Gebieten der landwirtschaftlichen und bergbaulichen Nutzung des Habitats in dem er lebt. Nach Robiller (1991) müssen in einigen Gebieten die Bestände bereits als erloschen gelten. Robiller berichtet auh von einem schwunghaften illegalen Handel im Ostasiatischen Raum. Die australische Population ist streng geschützt.

In der Vogelhaltung und Zucht spielt der Palmkakadu aufgrund seiner Seltenheit keine grosse Rolle. Sein Preis ist auch (zum Glück) nur für Zoos oder Vogelparks erschwinglich. Zoos, Vogelparks oder kompetente Züchter finden eine ausführliche Beschreibung zu Haltung und Zucht auf diesen Seiten:
Palm Cockatoo Husbandry Manual

Foto mit frdl. Gen. © Thomas Polster
Quellennachweis
Diefenbach, K. (1982) Kakadus; H. Müller Verl.; ISBN 3-92326-906-4
Forshaw, J.M. (1981) Parrots of the world; David&Charles; ISBN 0-7153-7698-5
Low, Rosemary (1989) Das Papageienbuch; Ulmer ISBN 3-8001-7191-0
Robiller, F. (1991) Handbuch der Vogelpflege, Papageien Bd.1; Ulmer; ISBN 3-8001-7228-3
Wood, G.A. (1988) Further field observations of the palm cockatoo (Probosciger aterrimus) in the Cape York Peninsula, Queensland; Corella 12(2):48-52.


Weiteren Lesestoff zum Palmkakadu finden Sie in unserer Literaturdatenbank
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Fotos: © H.-J. Pfeffer, Thorsten Bönte u. Thomas Polster
Zusammenstellung: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
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