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Systematik
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Die Familie der Kakadus (Cacatuidae) gliedert sich in die
Unterfamilien Calyptorhynchinae (Rabenkakadus), Cacatuinae und
Nymphicinae (Nymphensittiche).
Die Unterfamilie der Cacatuinae besteht ihrerseits aus den
Gattungen Calocephalon (Helmkakadu), Eolophus (Rosa Kakadu) und
Cacatua, zu der auch die Nacktaugenkakadus als Unterart von Cactua
Pastinator gehören. Es ergibt sich folgende Systematik
(Robiller, S. 362):
- Familie: Cacatuidae
- Unterfamilie: Cacatuinae
- Gattung: Cacatua
- Art: C. Pastinator
- Unterarten:
- C.pastinator pastinator (Wühlerkakadu) (Gould 1840)
- C.pastinator gymnopsis (Sclaters Nacktaugenkakadu) (Sclater 1871)
- C.pastinator normantoni (Matthews Nacktaugenkakadu) (Mathews 1917)
- C.pastinator sanguinea (Nacktaugenkakadu) (Gould 1842)
- C.pastinator transfreta (Neuguinea-Nacktaugenkakadu) (Mees 1982)
Anzumerken ist hier, dass die Diskussion um die
Unterarten nicht abgeschlossen ist, s. unten.
Verbreitungskarte
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Steckbrief
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Das Gefieder ist bei allen Nacktaugenkakadus weiß.
Die Federn an Haube, Kopf, Kehle und Brust sind an der Basis
lachsfarben, die Zügel und untere Zone des Zügels sind
vollständig lachsfarben bis hin zu kräftigem Rot. Die
Innenfahnen der Hand- und Armschwingen sowie der äußeren
Schwanzfedern sind zart gelb.
Der Schnabel ist länglich geformt und
grau-hornfarben, die Iris dunkelbraun, die Zehen grau.
Die Weibchen sind wie die Männchen gefärbt;
Jung- und Alttiere unterscheiden sich kaum.
Größe: ca. 38-40 cm.
Markantestes Zeichen der Nacktaugenkakadus dürfte
wohl der unbefiederte Augenring sein, er ist grau bis blaugrau und -
im Unterschied z.B. zum Goffin-Kakadu (C. Goffini) - unter dem Auge
recht ausgedehnt.
Die Pastinatoren bewohnen offenes Waldland,
Galeriewälder, aber auch Mangrovengebiete und Kulturlandschaften
mit einzelnen Baumgruppen. Gelegentlich treten sie auch als
Kulturfolger in Städten, Gärten und Parks auf. Der
Verbreitungsbereich reicht bis in halbtrockene Gebiete hinein, von
daher sind Pastinatoren keine klassischen "Tropenvögel"
bzw. Urwaldbewohner, sondern kommen auch mit kärgeren Gegenden
aus.
Als Nahrung
dienen Grassamen, Früchte, Beeren, Nüsse, Wurzeln wie auch
Insekten und deren Larven. Wurzeln werden auch ausgegraben, wodurch
teilweise erhebliche Schäden an Getreidefeldern verursacht
werden; es gibt auch Berichte von Einfällen in Erdnussfelder,
die innerhalb kurzer Zeit völlig geplündert werden.
Status: Außer C. P. pastinator kommen alle Unterarten häufig
bis sehr häufig vor, in einigen Gegenden Australiens werden die
Vögel sogar als Landwirtschaftsschädlinge bejagt. |

Ein höchstmutmaßlicher C.P. sanguinea
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Lebensweise
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Nacktaugenkakadus
leben in Schwärmen von bis zu einigen Hundert Tieren, aber auch
größere Schwärme mit geschätzt bis zu mehreren
Tausend Exemplaren wurden beobachtet. Innerhalb des Schwarms bestehen
recht enge Paarbindungen, und es darf davon ausgegangen werden, dass
über diese Paarbindungen hinaus auch andere intensive soziale
Kontakte bestehen. Nacktaugenkakadus gelten gemeinhin als soziale und
recht verträgliche Kakadus; gelegentlich werden Schwärme in
ihren Schlafbäumen auch in Gemeinschaft mit anderen Kakadu- oder
Sitticharten beobachtet.
Die Schlafbäume
werden bevorzugt in der Nähe von Wasserstellen gesucht. Die
Kakadus trinken frühmorgens, bevor sie sich auf die Futtersuche
machen. Zum Fressen bleiben Sie meistens auf dem Boden und bewegen
sich dort zu Fuß fort. Dabei ist es nicht unüblich, dass
Tiere vom Ende des Schwarms über ihre Artgenossen hinwegfliegen
und sich an die Spitze des zu Fuß wandernden Schwarms setzen.
Mittag ist
Ruhezeit, hier werden gern Bäume und Schatten aufgesucht.
Nachmittags wieder Futtersuche bis zum Rückflug zu den
Schlafplätzen.
Diese lokalen
Bewegungen im normalen Tagesablauf können gut und gern 250 km
ausmachen.
Brutverhalten: Die Brutsaison ist von den jeweils
vorherrschenden klimatischen Verhältnissen abhängig. Zwei
Bruten im Jahr können möglich sein, dürften aber eher
als Ausnahme unter besonders günstigen Umständen gelten.
Zur Brut sondern sich die Elterntiere vom Schwarm ab. Geschätzt
wird, dass je nach äusseren Bedingungen nur rund 50% der
verpaarten Tiere überhaupt brüten.
Die Nester finden sich hauptsächlich in Bäumen,
gelegentlich auch in dichten Gebüschen; das Gelege besteht aus
1-4 Eiern. In Gefangenschaft schlüpfen die Jungen nach ca. 25
Tagen und werden zwischen 45 und 56 Tagen flügge.
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Gefangenschaft
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Der
Nacktaugenkakadu gilt als ein sehr lauter Vertreter der sowieso schon
recht lauten Kakadus, darin sind sich die Beschreibungen einig.
Normal ist ein durchdringendes Schreien am frühen Morgen und am
Spätnachmittag, dieses Verhalten wird üblicherweise
interpretiert als Form der Kontaktaufnahme bzw. Festigung der
sozialen Bindungen im Schwarm.
Nicht
ungewöhnlich ist auch Schreien oder Pfeifen als Kontaktaufnahme
zu Sozialpartnern, die nicht in Blickweite sind, aber vom Kakadu
gehört werden können; das können Partnervögel
sein, aber auch der Mensch.
Nacktaugenkakadus
sind anfänglich meist zurückhaltend bis scheu, werden aber
nach einer kurzen Eingewöhnungszeit recht vertraut und gehen
gern zum Menschen, dies auch dann, wenn sie vergesellschaftet werden.
Als lebhafte und
neugierige Kakadus beäugen sie neue Dinge in ihrer Umgebung nur
kurze Zeit misstrauisch, um sie dann interessiert mit Schnabel und
Zunge zu untersuchen. Oder zu zerstören: Nacktaugenkakadus wird
zu Recht zugeschrieben, dass sie extreme Nager sind.
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In der Literatur
gelten Nacktaugenkakadus gemeinhin als psychisch relativ stabile,
pflegeleichte Kakadus, die sich gut für die Haltung in
Gefangenschaft eignen. Aus eigener Erfahrung kann ich dem nur mit
einer Einschränkung zustimmen: Sicherlich dürften
Nacktaugenkakadus wenig anfällig für Verhaltensstörungen
sein, dies aber nur, wenn sie entweder unter großzügigen
räumlichen Bedingungen mit Artgenossen gehalten werden, oder
wenn sich tagtäglich mehrere Stunden mit ihnen beschäftigt
wird. Einzeln gehaltene Nacktaugenkakadus verlangen andauernde
Beschäftigung und Kontakt; sie fordern dies auch lautstark ein.
Nacktaugenkakadus
werden immer wieder als sehr lebhafte und intelligente Kakadus
beschrieben. Dem ist nichts hinzuzufügen, aber es hat für
die Haltung in Gefangenschaft auch seine Kehrseite: Tiere, die nicht
dauernd Beschäftigung und Abwechselung bekommen, verkümmern
oder werden zu teilweise extremen Schreiern. In dem bekannten Video
von Arndt und Schweiger wird ein Schwerpunkt auf den großen
Anteil spielerischen Verhaltens gelegt. Neugier, Dinge zu erkunden
und Spielen sind aber keine Verhaltensweisen nach Feierabend,
sondern sind untrennbarer Teil des Wesens dieser Papageien. Dazu
gehört auch, dass Sozialverhalten im Spiel geäußert
wird; in dieser Hinsicht dürften Nacktaugenkakadus von allen
Papageien wohl den Keas am nächsten kommen. Für die Haltung
in Gefangenschaft bedeutet dies, dass stets für Abwechselung,
neue Dinge zum Erkunden und vor allem für Sozialpartner gesorgt
sein muss. Von daher sind Nacktaugenkakadus zwar robust in der
Haltung, aber nicht unbedingt einfach.
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Nachbemerkung zur Taxonomie der Nacktaugenkakadus
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Die Taxonomie der Pastinatoren und ihrer nächsten
Verwandten ist ein Thema für sich. Die bei Hoppe oder Robiller
angeführten Diskussionen um den taxonomischen Status der
Sanguineas, Pastinatoren und des Tenuirostris dürften noch nicht
ausgestanden sein. Endgültig scheint bis jetzt nur die
Auseinandersetzung um das Verhältnis des Goffin-Kakadus zum
Corella erledigt zu sein.
Forshaw und auch
Hole unterscheiden Cacatua Sanguinea (mit C.S. sanguinea und C.S.
normantoni) von C. Tenuirostris (mit C.T. tenuirostris und C.T.
pastinator).
In diesen älteren
Systematik werden Tenuirostris (Nasenkakadu) und Pastinator
(Wühlerkakadu) in der Abgrenzung zu den Sanguineas
zusammengefasst. Vom Phänotyp her macht dies Sinn, da
Tenuirostris und Pastinator sich extrem ähnlich sehen und
deutlich von den Sanguineas unterscheidbar sind; zudem sprechen auch
entwicklungsgeschichtliche und geographische Gesichtspunkte für
diese Einteilung.
Das Lexicon of
Parrots faßt alle Unterarten zu der Art Pastinator zusammen und
billigt nur dem Nasenkakadu den Status einer eigenen Art zu. Dies
dürfte die neuere Entwicklung widerspiegeln, in der neben
Verhaltenseigenheiten auch genetische Besonderheiten berücksichtigt
werden. Indessen sind sich die meisten Autoren darin einig, dass es
sich wohl noch lange Zeit um Einteilungen handeln wird, die nach
möglichst plausiblen Indizien einfach festgelegt worden sind.
Zur Zeit gibt es für jeden Vorschlag gute pro- und contra-
Argumente, so dass man auf die weitere Diskussion gespannt sein darf.
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Quellennachweis
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Arendt, E., Schweiger, H.: "Das lustige Treiben der Little Corellas".Köln 1996 (Video).
Arndt-Verlag (HG): Lexicon of Parrots
http://www.parrot-lexicon.com/cockatoo.htm
Forshaw, J.M.: Parrots of the world, 2nd Edition London 1981, S. 136/138.
Hole, R.B.: Parrots of the World
http://www.interaktv.com/BIRDS/Part.html
Hoppe, D.: Kakadus. Stuttgart 1986.
Robiller, F.: Papageien. Bd.1. Stuttgart 2001, 2. Auflage.
Sibley-Monroe Index (
http://www.itc.nl/~deby/SM/TaxChanges.html
Weiteren Lesestoff zu den Nacktaugenkakadus finden Sie in unserer
Literaturdatenbank
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Zur Homepage: |
Zusammenstellung: © Dr. H. Horstmann
Fotos: © alle beim Autor
Arbeitsgemeinschaft
Papageien-Netzwerk
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© 05/2002
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