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Systematik
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Innerhalb der Ordnung der Papageienvögel bilden die Kakadus eine gut abgegrenzte
Gruppe unter den austral-asiatischen Arten und wurden deshalb schon seit ihrer
Entdeckung als eigenständige Abteilung der Papageien betrachtet. Zunächst
war die typische Federhaube das Unterscheidungsmerkmal gegenüber den
anderen Papageien, heute kennt man auch anatomische Besonderheiten, wie
z.B. der Besitz einer Gallenblase, Puderdunen in der Lendengegend, und
eine besondere Ferderstruktur, die dazu führt, dass das Gefieder keine
grünen Farbanteile zeigt.
Innerhalb der Familie der Kakadus sind die Stellungen der Gattungen
und Arten zum Teil noch umstritten. Auch die Aufteilung in Unterfamilien ist z.Teil
unterschiedlich, je nachdem, welche Quelle man bevorzugt. Wir folgen hier in der
Hauptsache Robiller (1991). Innerhalb der einzelnen Gattungen sind näher verwandte
Arten durch einen horizontalen Strich abgetrennt, s. Wolters (1975-81). Die jeweilige
Nominatform ist bei den Unterarten (Subsp.) nicht extra aufgeführt.
Die Beschreibungen der Arten sind nur stichpunktartig, erwähnt werden nur die deutlichsten
Merkmale für eine schnelle Bestimmung. Auch können die Verbreitungsgebiete an dieser Stelle
nicht bis ins Detail angegeben werden. Leider konnten nicht alle Arten bei den Beispielfotos
abgebildet werden. Bisher bei der APN vorhandene Einzelbeschreibugen
der Arten sind anklickbar und liefern weitere Informationen.
Wer sich nur für eine kurze Übersicht interessiert, findet hier eine
einfache Liste der Arten und Rassen:
Species Index
Cacatuidae
| Gattungen |
Arten |
| Unterfamilie Calyptorhynchinae - schwarze Kakadus |
Arakakadus: Probosciger (Kuhl, 1820) |
P. aterrimus
Arakakadu, Palmkakadu
Palm Cockatoo
Gefieder glänzend schwarz, typisch
nackte Gesichtshaut grau-fleischfarben, bei Erregung rot. Rote Zunge mit dunkler
Spitze. Sehr lange Haubenfedern bis in den Nacken.
Subsp.: stenolophus und goliath
Verbreitung: Papua-Neuguinea und einige südl. vorgelagerte Inseln, Nordspitze
Australiens (Cape York)
Einzelbeschreibung
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P. aterrimus
Foto © T. Bönte, APN
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Rabenkakadus: Calyptorhynchus (Desmarest, 1826) |
C. magnificus
Rotschwanz-Rabenkakadu
Red-tailed Black Cockatoo, Bank's Cockatoo
Allg. schwarz, M mit roter
Schwanzzeichnung, W. mit gelbl. Sprenkeln an Kopf und oberen Flügeldecken.
Kurze Haube
Subsp.: naso, macrorhynchus, samueli
Verbreitung: - Nominatf. in Ostaustralien, von New South-Wales, Zentral- und
West Queensland bis Cape York; C.m. naso Zentral-Australien im südl. Teil des Northern Territory;
C.f. macrorhynchus in Nord-Australien, nördl. teile des Western und Northern Territoy, vorgelagerte
Inseln; C.f. samueli in West und Südwest Australien.
Anmerk.: Im anglistischen Sprachraum häufig auch als C. banksii
(Bank's Cockatoo) geführt. Die Einteilung der Unterarten ist umstritten.
Einzelbeschreibung
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C. magnificus (W)
Foto © H.-J. Pfeffer, APN
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C. banksii s. C. magnificus
C. lathami
Braunkopfkakadu
Glossy Black Cockatoo
Allg. dunkelbraun mit metall. Glanz. M. mit roter, W. mit gelblicher
Zeichnung im Schwanz.
Verbreitung: Westaustralien, New-Southwales und südl. Teil Queensland,
Isolierte Vorkommen: Fraser- und Kangarooisland
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C. lathami
Foto ©
Tony Karacsonyi |
C. funereus
Gelbohr-Rabenkakadu
Yellow-tailed Black Cockatoo
Gefieder hauptsächlich schwarz, kurze Haube, Ohrfleck gelb, gelbe Schwanzzeichnung.
In C.f. baudinii gelb durch weiss ersetzt.
Subsp.: xanthonotus, baudinii (Weissohr-), latirostris
Verbreitung: Nominatf. in Ostaustralien von Viktoria bis Queensland;
C.f. xanthonotus westl. Südaustralien, Victoria, Tasmanien und vorgel. Inseln;
C.f. baudini Südspitze Westaustralien, C.f. latirostris nach Norden anschliessend.
Anmerk.: Die grosse räumliche Isolation zw. den Gelbohr und Weissohr-Subspecies
könnte auf eigenständige Arten hinweisen.
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C. funereus
Foto ©
Heike Mundt
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C. baudinii
Weissohr-Rabenkakadu
Die Aufstellung dieser Art ist umstritten. Häufiger wird C. baudinii als Subsp.
zu C. funereus gerechnet. C.f. latirostris wäre hier als Subsp. geführt.
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C. funereus baudinii
Foto ©
Heike Mundt
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Unterfamilie Cacatuinae - Kakadus
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Helmkakadus: Callocephalon (Lesson, 1837) |
C. fimbriatum
Helmkakadu
Gang-Gang Cockatoo
Gefieder grau, mit hellen Federsäumen, Kopf rot mit ausgefranster kurzer Haube.
Verbreitung: Südostspitze Australiens, Victoria und New-Southwales,
nördl. Tasmanien, King Isl.; isoliertes Vorkommen auf Kangaroo-Isl.
Einzelbeschreibung
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C. fimbriatum (M)
Foto © H.-J. Pfeffer, APN |
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Rosakakadus Eolophus (Bonaparte, 1854) |
E. roseicapillus
Rosakakadu
Galah
Allg. Brust und Kopf rosa, kurze weisse Haube, Rücken grau
Subsp.: assimilis.
Verbreitung: Weit verbreitet im Inneren des Australischen Kontinents und
einigen östlich/südlich vorgelagerten Inseln. E.r. assimilis im Südwesten des Kontinents.
Anmerk.: Bei versch. Autoren (z.B. Low, 1981) als Cacatua roseicapillus geführt.
Einzelbeschreibung
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E. roseicapillus
Foto © H.-J. Pfeffer, APN
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Eigentl. Kakadus Cacatua (Vieillot, 1817) |
C. roseicapillus s. Eolophus
C. haematuropygia
Rotsteisskakadu
Red-vented Cockatoo
Gefieder weiss. Unterschwanzdecken rot, Schwanzunterseite gelblich, an der
Wurzel orange gefärbt.
Verbreitung: Inselarchipel der Philippinen
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C.haematuropygia
Foto © H.-J. Pfeffer, APN
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C. goffini
Goffins Kakadu
Goffin's Cockatoo
Gefieder weiss. Zügel leicht rötlich, Flügelunterseite leicht gelb getönt.
Verbreitung: Indonesien, auf den Tanimbar Inseln.
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C. goffini
Foto © I. Fiedel
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C. sanguinea
Nacktaugenkakadu
Subsp.: normantoni. Die Aufstellung dieser Art ist umstritten, s.
C. pastinator.
C. pastinator
Nacktaugenkakadu
Western Corella, Slender-billed Cockatoo
Allg.: weisses Gefieder,
rötlicher Anflug am Zügel, deutliche blaugraue federlose Zone um die Augen
herum. Flügelunterseite mit gelblichen Schimmer.
Subsp.: sanguinea, gymnopis, normantoni.
Verbreitung: Nominatform: zwei isolierte Populationen in Südwestaustralien, nördl.
bzw. südl. von Perth. C.p. gymnopis Westaustralien und Zentralaustralien im Bogen von
Southern Territory, Victoria, Queensland, und inneres Northern Territory.
C.p. sanguinea Nordaustralien Nortehrn bzw. Western Territory.
C.p. normanntoni Nordostaustralien, Queensland (Townsville) bis westl. Cape York, sowie
gegenüberliegendes Papua.
Einzelbeschreibung
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C. pastinator
Foto ©
H. Horstmann
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C. tenuirostris
Nasenkakadu
Long-billed Cockatoo
Allg. Gefieder weiss, roter, ausgedehnter Zügel, rotes Kehlband, kurze runde Haube.
Schwanzunterseite gelblich. Oberschnabel schmal und verlängert.
Subsp.: pastinator umstritten, s. C. pastinator.
Verbreitung: Südostaustralien, Victoria, westl. u. nördl. von Melbourne.
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C. tenuirostris
Foto © H.-J. Pfeffer, APN
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C. ducorps
Salomonenkakadu
Ducorp's Cockatoo
Gefieder weiss, bläulicher Augenring, kurze Haube, Schwanzunterseite an der Basis gelblich.
Verbreitung: Salomonen Inseln
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C. ducorps
Foto ©
Mary Ellen LePage
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C. ophthalmica
Brillenkakadu
Blue-eyed Cockatoo
Gefieder weiss, z.T. rosa Schimmer. Deutlicher blauer Augenring, Haube gelb.
Verbreitung: Inselarchipel Neuirland und Neubritannien östl. von Papua-Neuguinea
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C.ophthalmica
Foto © H.-J. Pfeffer, APN
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C. galerita
Gelbhaubenkakadu
Greater Sulphur-crested Cockatoo
Allg. Gefieder weiss, lange, aufwärts gebogene
Haube gelb.
Subsp.: fitzroy, triton, eleonora.
Verbreitung: Nominatf. ges. Westaustralien von Victoria bis Cape York.
C.g. fitzroy Nordaustralien, Northern Territory. C.g. triton auf Papua-Neuguinea und Palau.
C.g. eleonora auf Aru-Inseln, westl. von Papua.
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C. galerita
Foto © Thorsten Bönte, APN
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C. sulphurea
Gelbwangenkakadu, Kleiner Gelbhaubenkakadu
Lesser Sulphur-crested Cockatoo
Allg. Gefieder
weiss, Haube aufwärts gebogen, gelb bis gelborange, gelber Wangenfleck, bzw. gelbe
Ohrdeckfedern.
Subsp.: djampeana, abotti, occidentalis, parvula, citrinocristata.
Verbreitung: Indonesien, Nominatf. auf Sulawesi, C.s. djampeana auf den Tungangbesi-Inseln,
C.s. abotti auf Salembu Besar, C.s. parvula Inseln Lombok bis Flores, C.s. occidentalis auf
Timor und vorgel. Inseln, C.s. citrinocristata auf Sumba.
Einzelbeschreibung
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C. sulphurea
Foto © Markus Kaufmann, APN
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C. alba
Weisshaubenkakadu
White Cockatoo
Gefieder weiss, Haube kurz und breit, Flügel- und Schwanzunterseite gelblich.
Verbreitung: Indonesien, Halmahera und umliegende Inseln.
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C. alba
Foto © M. Greulich
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C. moluccensis
Molukkenkakadu
Salmon-crested Cockatoe, Moluccan Cockatoo
Gefieder weiss, leicht rosa getönt, lange, abwärts gebogene Haube mit rötlichen Federn.
Flügel- und Schwanzunterseite deutlich gelblich bis orange.
Verbreitung: Indonesien, Seram und einige vorgelagerte Inseln.
Einzelbeschreibung
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C. moluccensis
Foto ©
B. Manges
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C. leadbeateri
Inkakakadu
Leadbeater's Cockatoo
Gefieder weiss-rosa. Rötliches Band über der Wachshaut, Haube mit roter Bänderung.
Subsp.: mollis
Verbreitung: Australien, Nominatf. weit verbreitet im südl. Bogen vom südl. Queensland über
New-Southwales, Southern Territoy und Westaustralien.
C.l. mollis zwei isolierte Populationen im Westen bzw. Osten von Westaustralien.
Einzelbeschreibung
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C. leadbeateri
Foto ©
B. Manges
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Unterfamilie Nymphicinae
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Nymphensittiche:
Nymphicus
(Wagler, 1832) |
N. hollandicus
Nymphensittich
Cockatiel
Gefieder schiefergrau/weiss, Kopf gelblich, M. mit deutlichem
roten Ohrfleck, Haube kurz und spitz.
Verbreitung: Australien, fast über den ganzen Kontinent
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N. hollandicus
Foto © N. Ditze
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Stammesgeschichte/Verbreitung:
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Verbreitungsraum Cacatuidae |
Zur Klärung der Entwicklung der Kakadus sind bisher verschiedene Kriterien herangezogen worden.
Neben Verbreitungs- bzw. Verhaltenskriterien waren anatomische Eigenheiten besonders aufschlussreich.
Neuere Untersuchungen im Bereich der DNA liefern jedoch ein genaueres Bild, da hier z.B. konvergente
Entwicklungen der Anatomie aufgrund hochspezialisierter Lebensweisen nicht zu Fehlinterpretationen
führen können.
Folgt man den DNA-Untersuchungen von Brown und Toft (1999) ergeben sich zunächst deutlichere
Gruppierungen für die jetzt exitierenden Kakadus:
- Die "Sulphurea-Gruppe" mit sulphurea, ophthalmica, alba, moluccensis
- C. galerita
- Die "Goffin-Gruppe" mit ducorps, tenuirostris (hier sanguinea), goffini, haematuropygia
- C. leadbeateri
- E. roseicapillus
- Die "Calyptorhynchus-Gruppe" mit Callocephalon, Calyptorhynchus, Nymphicus
- P. aterrimus
(Je nach angewendeter Methodik bei den Untersuchungen gibt es für die Stammesgeschichte minimale
Unterschiede, die hier vernachlässigt werden können.)
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Stammesgeschichtlich kann aus diesen Untersuchungen folgende Entwicklung postuliert werden:
Probosciger stammt in direkter Linie von einem "Protokakadu" ab. Aus einer Weiterentwicklung
des Protokakadus entwickeln sich fast parallel die Calyptorhynchus-Gruppe bis hin zu C. leadbeateri.
Die sich dann entwickelnden weissen Kakadus tragen zunächst die Hauptmerkmale der Goffin-Gruppe,
C. galerita spaltet sich ab, während die Sulphurea-Gruppe den Abschluss der Entwicklung bildet.
Diese Ergebnisse decken sich gut mit der heutigen Verbreitung der Kakadus:
Wie schon oben bei den Arten zu sehen sind Kakadus Vögel des Austral-Asiatischen
Verbreitungsraum der Papageien. Legt man alle Verbreitungsgebiete der Arten übereinander,
könnte man den östlichen Teil des australischen Kontinentes zusammen mit Papua-Neuguinea
als Kernland bezeichnen, von wo
aus sich die Kakadus nach Norden über die Indonesischen Inselwelt bis zu den Philippinen und nach
Westaustralien hin verbreiteten.
Verfolgt man diesen Gedanken weiter, so ergibt sich folgendes Bild:
Die Ursprungsregion von Probosciger
dürfte auf Papua-Neuguinea liegen, das irgendwann einmal vom Urvater aller
Kakadus besiedelt wurde. Auf dem australischen Kontinent entwickelt sich aus dem Protokakadu eine Vorform der
Rabenkakadus paralllel mit dem Nymphensittich. Aus dieser Vorform geht später dann auch Callocephalon hervor.
Calyptorhynchusartige bilden
zunächst art-typische Vögel mit unterschiedlichen ökologischen Nischen. Durch klimatische Veränderungen
im Innern des Kontinentes weiterhin isolierte Vorkommen, aus denen die Subsp. der einzelnen heutigen
Arten hervorgegangen sind. Besonders ausgeprägt ist dies bei C. funereus.
Callocephalon mit seinem kleinräumigen Vorkommen an der Südostspitze Australiens bildet wohl eine
Art geographisches "Überbleibsel" dieser Art.
Aus einer anderen Weiterentwicklung dieser Vorform, die nun schon einige Merkmale der weissen Kakadus trägt,
entsteht Eolophus.
N.B.:Ein Fossilienfund (Oberschnabelknochen) aus dem frühen bis
mittleren Miozän in der Riversleigh-Area (Queensland, Australien) könnte auf so eine Art hinweisen.
(Boles, 1993). Es handelt sich anatomisch gesehen eindeutig um einen "weissen" Kakadu (Cacatua) - ist aber nicht
definitiv von Eolophus oder der Pastinator-Gruppe zu unterscheiden.
Diese Art muss relativ anpassungsfähig gewesen sein, wenn man einerseits sieht, das es sich bei
Eolophus um einen "Quasi-Kosmopolit" handelt, der ganz Australien besiedelt, und wenn man die
Entwicklungsgeschichte der Kakadus weiter verfolgt.
Die nächste Entwicklungsstufe (nennen wir sie der Einfachheit halber mal "Prae-Cacatua")
trägt bereits die gemeinsamen Merkmale der weissen Kakadus und muss sich
vom Kernland aus über die indonesische Inselwelt nach Norden und nach Süden/Westen über Australien verbreitet haben.
Der Inkakadu spaltet sich schon früh ab und besiedelt
den australischen Kontinent.
Die Gruppe um C.pastinator/tenuirostris entwickelt eigenständige Merkmale,
einerseits durch hohe Spezialisierung und durch rezente Merkmale eines gemeinsamen Vorfahren (Prae-Cacatua?)
mit C.galerita. Allerdings ist ein geographische Bindeglied (gemeinsamer Vorfahre) Pastinator/Tenuirostris
zu Goffini heute nicht nachweisbar.Von diesem aus könnte dann auch die Verbindung zu C. haematuropygia gezogen
werden.(... was die oben vorgestellte DNA-Analyse zeigt.)
Die C.galerita/C.sulphurea Arten entwickeln sich weitestgehend parallel zur Pastinator-Gruppe, sind aber
anpassungsfähiger. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von der Südostspitze Australiens über
Papua Neu-guinea bis nach Celebes. Der "frühe" C. galerita besiedelt Australien, und C.moluccensis (auf Seram), C. alba (auf Halmahera),
C.ophthalmica (Neu-Irland, Neu-Britannien) wären dann
endemische Abkömmlinge dieser gelbhäubigen Gruppe. Die Weiterentwicklung dieser Gruppe manifestiert sich z.B.
in den Unterarten von C. sulphurea,
die alle inselspezifisch sind.

Entwicklung nach Brown/Toft (1999)
Zusammengefasst könnte man sagen, dass Probosciger, Calyptorhynchus und Nymphicus sich direkt von der Urform der
Kakadus ableiten, während die gelbhäubigen die "modernste" Form dieser Papageienfamilie repräsentieren.
Man darf aber nicht vergessen, dass es sich sozusagen um eine
"Momentaufnahme" handelt: zwischen dem Urkakadu und dem Probosciger liegt
die gleiche Entwicklungszeit wie zwischen dem Urkakadu und Cacatua
sulphurea. Auch bisherige und zukünftige Fossilienfunde liefern nur einen
Einblick in das Vorkommen von kakaduartigen Vögeln in einem bestimmten Zeitraum an einem
bestimmten Ort.
Das vielfältige Erscheinungsbild der Mitglieder der Familie der Kakadus
wird durch ihre Stammesgeschichte und der damit einhergehenden
Anpassung an veränderte Lebensbedingungen (z.B. langzeitliche
Klimaschwankungen, Siedlungsräume) geprägt. Dies führte bisher zu
kontroversen Diskussionen über die Verwandtschaftsverhältnisse der
einzelnen Arten untereinander, da sich bestimmte Merkmale auch bei
nicht näher verwandten Arten durch den Evolutionsdruck gleich entwickeln
können (Konvergenz), was zu Fehleinschätzungen führen kann. Die
o.a. DNA-Analyse von Brown und Toft hat einen wesentlichen Beitrag zur
Klärung dieser Verhältnisse geleistet. Es liegt nun in den Händen der
Paläontologen, durch Fossilienfunde die "Missing Links" in der
Stammesgeschichte nachzuweisen.
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Ernährung/Lebensweise/Brut
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Im Zuge ihrer Verbreitung haben sich die Kakadus an sehr unterschiedliche Lebensräume angepasst.
Von den heissen Trockensavannen im Innern Australiens bis hin zu den Tropischen Wäldern Timors und
der Philippinen. Entsprechend vielfältig, bzw. spezialisiert ist ihre Ernährung. Die unterschiedlichen
Schnabelformen (obwohl alles typische Papageienschnäbel sind) zeigen dies deutlich.
Die extrem harte
Frucht der Pandanuspalme z.B. ist ein Leckerbissen für den Palmkakadu, dessen Schnabel von Grösse,
Form und Kraft her optimal darauf abgestimmt ist, diese Frucht zu knacken. Anders beim Nasenkakadu:
hier deutet der schmal und lang ausgezogene Oberschnabel deutlich auf eine eher grabende und wühlende
Nahrungsaufnahme. Tatsächlich ernährt er sich auch eher am Boden von Grassamen, Würzelchen und
krautigen Pflanzenteilen.
Ein besonderer Nahrungsspezialist ist der Braunkopfkakadu, der überwiegend Casuarinensamen zu sich
nimmt, die er aus den stark verholzten Zapfen dieser Baumart herausbricht und knackt.
Kakadus, deren Schnäbel etwas unspezifischer geformt sind, und die nicht auf spezielle Nahrung spezialisiert
sind, entwickelten sich seit der Besetzung ihres Lebensraumes durch den Menschen zu Kulturfolgern.
Ein typisches Beispiel ist der Rosakakadu.
Kakadus sind ausserhalb der Brutzeit sehr gesellige Vögel, und leben in kleinen Gruppen und
Familienverbänden bis hin zu Schwärmen mit mehreren hundert bis tausend Individuen. Auch grössere
Gruppen sind sozial durchorganisert und innerhalb eines Schwarmes übernehmen einzelne Vögel
auch "allgemeinnützige" Funktionen, wie z.B. Wächtervögel bei der gemeinsamen Nahrungsaufnahme.
Bei einigen Arten werden die flüggen Jungvögel in einer gemeinsamen Gruppe versammelt und von
wenigen Altvögeln beobachtet (- erzogen ? -), während der Hauptschwarm auf entfernte Nahrungssuche
geht.
Innerhalb der einzelnen Arten gibt es typische Lebens- und Verhaltensweisen, deren Aufzählung hier zu
weit führen würde. Nur eine Besonderheit sei vermerkt: Der Palmkakadu gehört zu den wenigen Papageien,
die ein Werkzeug nicht nur benutzen, sondern es auch ganz bewusst und zielgerichtet herstellen.
Aus einem Stück Holz oder einem Ast wird ein Stock bestimmter Grösse und Form zurechtgeschnitzt, mit
dem der Vogel dann auf einem hohlen Baumstumpf herumtrommelt, wahrscheinlich als sog. Imponiergehabe.
Wie fast alle Papageien sind Kakadus Höhlenbrüter, die überwiegend in Bäumen in Astlöchern,
morschen Stämmen und Totholz ihre Bruthöhlen suchen und ausbauen.
Zum Brutverhalten sei hier eine Tabelle nach Diefenbach (1982) angegeben, genaueres steht in den oben
angelinkten Einzelbeschreibungen.
| Art | Gelege | Brutdauer | Nestlingszeit |
| Palmkakadu |
1 | 30 | 110 |
| Gelbohr-Rabenkakadu |
1-2 | 28-30 | 90 |
| Rotschwanz-Rabenkakadu |
1-3 | 28 | 90 |
| Braunkopf Rabenkakadu |
1 | 29 | 90 |
| Helmkakadu |
2-3 | 26-28 | 55 |
| Rosakakadu |
3-6 | 22-24 | 55 |
| Inkakakadu |
3-4 | 22-24 | 55 |
| Gelbhaubenkakadu |
2-4 | 22-28 | 50-80 |
| Gelbwangenkakadu |
3-5 | 22-24 | 50-60 |
| Brillenkakadu |
2 | 30 | 120 |
| Molukkenkakadu |
2 | 30 | 90 |
| Weisshaubenkakadu |
2 | 28 | 85 |
| Rotsteisskakadu |
2-4 | 24-28 | 50 |
| Goffinkakadu |
2-4 | 28 | 70 |
| Nacktaugenkakadu |
2-3 | 21 | 45 |
| Nasenkakadu |
2-3 | 24-28 | 50-70 |
| Salomonenkakadu |
2-4 | 28 | ? |
| Nymphensittich |
4-6 | 18 | 33 |
Alle Angaben sind natürlich nur Näherungswerte. Bemerkenswert ist, dass sich bei den schwarzen Kakadus
(Probosciger und Calyptorhynchus) das Männchen nicht an der Brut beteiligt. Bei nahezu allen Arten ist
das Küken direkt nach dem Schlüpfen nicht nackt, sondern mit einem gelblichen Flaumgefieder bedeckt.
Dieses verliert sich nach wenigen Tagen, bevor das eigentliche Gefieder zu wachsen beginnt.
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Anmerkungen
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Abgesehen von den Kulturfolgern, die in der Lage sind, sich auf durch Menschen veränderte
Umweltbedingungen einzustellen, sind die meisten Kakadus in ihrer Exitenz bedroht. Dies gilt
insbesondere für die hochspezialisierten Arten. Dort, wo man die Casuarinenbäume fällt, rottet
man automatisch den Braunkopfkakadu zugleich aus.
Grossflächige Brandrodungen des Urwaldes in Indonesien zugunsten
profitabler Ölbaum- oder Teakholzplantagen,
hochgiftige Aufbereitungsabwasser aus dem Bergbau auf Papua die
hunderte Quadratkilometer Flusslandschaft in eines Todeszone verwandeln,
sind nur wenige Beispiele.
Arten, die nur auf kleinen Inselarchipelen
existieren, sind nicht nur durch wachsende Ansprüche des Menschen auf ihren Lebensraum
bedroht. Die Populationen dort sind eh nicht sehr gross, und ein so eng begrenztes Habitat
hat insgesamt ein wesentlich labileres Gleichgewicht, dass auch durch natürliche Katastrophen
zerstört werden kann.
In der Urheimat der Kakadus, in Australien herrscht eine sehr zwiespältige Haltung gegenüber
den Kakadus, was Sie unter folgenden Links nachlesen können:
Gift für Kakadus und
Es geht auch anders ...
Auch wenn diese Berichte schon etwas älter sind, hat sich an der Situation dieser interessanten
Papageienfamilie nur eines geändert: sie ist schlimmer geworden.
Einmal abgesehen vom Nymphensittich, der einer der meistgehaltenen Käfigvögel ist, sind die
meisten Kakadus als Haustiere eigentlich nicht geeignet. Ihr allgemein grosses Nagebedürfnis, die
gewaltige Stimme und ihr Bewegungsdrang sind die geringsten Argumente. Bei paarweise Haltung in
leicht beengten Verhältnissen, wie sie der menschliche Wohnraum darstellt, kann es zu blutigen
Auseinandersetzungen sogar mit Todesfolge unter den Vögeln kommen. Andererseits ist die
Paarbindung so eng, dass ein einzeln gehaltener Vogel von seinem menschlichen Ersatzpartner kaum noch
für wenige Stunden allein gelassen werden kann, ohne psychische Defekte zu erleiden.
Die Zucht gestaltet sich ebenfalls schwierig. Kakadus sind keine "Anfängervögel" und können auch
erfahrenen Haltern von anderen grossen Papageienarten (Amazonen, Graupapageien etc.) beim
"Umstieg" aufgrund ihrer besonderen Psyche grosse Probleme bereiten.
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Quellennachweis
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Alle Photos erscheinen hier mit ausdrücklicher Genehmigung der Urheber
Boles, W.E.: A new cockatoo (Psittaciformes: Cacatuidae) from
the Tertiary of Riversleigh, northwestern Queensland, and an
evaluation of rostral characters in the systematics of parrots.
- Ibis 135.1993, pp. 8 - 18
Brown, D. M., & C. A. Toft: Molecular systematics and biogeography of
the Cockatoos (Psittaciformes: Cacatuidae). - The Auk 116.1999, pp. 141-157
Diefenbach, Karl: Kakadus. Systematik, Verhalten, Freileben, Arten, Haltung, Zucht.
Bomlitz, H. Müller-Verlag 1982, ISBN 3-923269-06-4
Forshaw, J.M.: Parrots of the world; David u. Charles 1981;
ISBN 0-7153-7698-5
Homberger, D.: Funktionell-morphologische Untersuchungen zur Radiation der Ernährungs- und
Trinkmethoden der Papageien. - Bonner zoologische Monographien 13.1980
Müller, R.: Zur Speziation bei australischen Kakadus. - Trochilus 10.1989, pp. 3-20
Low, R. : Das Papageien-Buch, Stuttgart, Ulmer 1983;
ISBN 3-8001-7090-6
Robiller, F.: Handbuch der Vogelpflege, Papageien, Bd. 2, Stuttgart, Ulmer
1997, ISBN 3-8001-7229-1
Smith, G.A.: Systematics of Parrots, Ibis 117.1975, S. 18-68
Wolters, H.E.: Vogelarten der Erde, Parey 1975-81
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Zur Homepage: |
Zusammenstellung: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft
Papageien-Netzwerk
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© 07/2002
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