 |
Es klingt wie ein Wunder: Chapmans Zergamazone wieder entdeckt!
Die kolumbianischen Ornithologen Jorge Velasquez und Alonso Quevedo rangen nach Atem
in der Kälte. Sie waren am 28. Juli 2002 mehr als 3.000 Höhenmeter durch ein Mosaik
von Viehweiden zu einem kleinen Areal des Nebelwaldes an Kolumbiens höchsten Anden-Vulkan
aufgestiegen. Am Rande des Waldes, frierend im dichten Nebel, der vom
Nachmittagswind durch die Baumwipfel gewirbelt wurde, waren sie von der Stille beeindruckt.
Plötzlich durchschnitt der schrille Schrei eines Papageis die Stille, dem sofort ein Chor
weiterer Vögel aus dem Nebel antwortete. "Die geisterhaften Silhouetten von 14 Papageien
lösten sich aus dem Nebel und kamen näher, wie wenn sie direkt aus dem Himmel kämen."
sagte Jorge. Sie kreisten näher in engen Bögen, um sich auf den Bäumen über Jorge und Alonso
niederzulassen. In diesen wenigen Sekunden, die wie eine Ewigkeit erschienen, leuchteten
die Farben Smaragdgrün, Kobaltblau und Scharlachrot vor den Augen der beiden.
Sie glaubten, sie würden ein Wunder erleben, da einer der seltensten Vögel der Welt,
die Chapmans Zwergamazone (Hapalopsittaca fuertesi) sich dort vor ihren Augen niedergelassen hatte.
|
Neunzig Jahre zuvor hatten zwei Sammler (Leo Miller und Arthur Allen) des American Museum of
Natural History in New York den gleichen Vulkan in der Zentral-Kordillere bestiegen, um die
Vogelwelt dieser Berge zu erforschen. Sie verbrachten mehrere Monate in dieser abgelegenen
hohen Bergwelt und der erstaunlichen Wildnis der Wälder und wurden mit der Entdeckung eines
eigentümlichen und interessanten Papageis belohnt, der der Wissenschaft vorher noch unbekannt war.
Die Vögel wurden im darauf folgenden Jahr von Chapman wissenschaftlich beschrieben und benannt:
Hapalopsittaca fuertesi - Die Farmer nannten diese Vögel Loro Multicolor (Vielfarben-Papagei).
1989 beschrieb dann Gary Graves, ein Ornithologe des Smithsonian Museums eine weitere neue
Papageienart aus einer Gegend nahe der, wo der Vielfaben-Papagei entdeckt worden war.
Dieser neue Vogel, eine bis dahin unbeschriebene Unterart der Zwergamazone Hapalopsittaca amazonina
(vorher bekannt aus der östlichen Anden Kordillere, von Kolumbien bis Venezuela) wurde Hapalopsittaca
amazonina velezi (Velez-Zwergamazone) benannt und ähnelt als Mitglied derselben Gattung dem
Vielfarben-Papagei.
|

H.a. velezi
|
Alarmierenderweise haben die fruchtbaren Böden und die üppige Vegetation dieses Vulkangebietes, wo die
beiden Zwergamazonenarten in enger Nachbarschaft leben, von je her eine Menge Kolonisten angezogen,
die die natürlichen Ressourcen ausbeuten, und die steilen Hänge des Vulkans abgeholzt haben.
Die Einrichtung des Los Nevados National Park konnte die Kolonisierung kaum stoppen, und was an
schützenswertem Nebelwald übriggeblieben ist, wird täglich zu Feuerholz verarbeitet, oder für Weideland
und Kartoffelfelder gerodet.
Noch schlimmer war, dass der Vielfarben-Papagei nicht wieder gefunden wurde. Obwohl Miller und Allen
detaillierte Angaben über den Fundort gemacht hatten, blieb dieser Papagei 90 Jahre lang unauffindbar.
Traurigerweise konnte die Existenz dieser Papageienart nicht mehr bestätigt werden und diese Art blieb
unbekannt,auch wenn man weiterhin annahm, dass sie noch in den letzten Resten des hohen Anden-Nebelwaldes
von Zentral-Kolumbien existieren müsse.
Basierend auf seiner 12 jährigen Arbeit über bedrohte Vogelarten in Kolumbien sagte Dr. Paul Salaman vom
Natural History Museum in London noch im April diesen Jahres (2002), dass die Hoffnung auf die Existenz des
Vielfarben-Papagei schwindet und dass dieser Papagei angesichts der Zerstörung seines Habitats als
ausgestorben angesehen werden muss.
Die missliche Situation des Vielfarben-Papageis blieb nicht unbeachtet. Nationale und internationale
Naturschutz- und Ornithologenorganisationen, wie z.B. Birdlife International haben diesen Vogel
als "Besonders vom endgültigen Aussterben bedroht" eingestuft.
Während diese schreckliche Situation die Internationalen Naturschutzgemeinschaften alarmierte, haben
andrerseits die wilde Umgebung und die schlechte Erreichbarkeit des Verbreitungsgebietes vor weiteren
Suchen nach dieser Papageienart abgeschreckt.
Dies war die Lage, bis Jorge Velasquez mit einem Team der Fundación ProAves entschied,
dass in Bezug auf
diesen sagenhaften Papagei etwas unternommen werden müsse.
Mit der Unterstüzung von Paul Salaman sind Jorge (20), von der Cafetero City of Manizales
und Student
der Colombia National University in Bogotá und sein Team dabei den verschollenen Vielfarben-Papagei
wieder zu entdecken.
Mit anfänglicher Hilfe der American Bird Conservancy und dem World Parrot Trust
wurde im Jahr 2000 eine
Serie vorbereitender Suchen in den kolumbianischen Anden nach beiden Arten, dem Vielfarben-Papagei und
der Velez-Zwergamazone gestartet. Sehr bald konnte Jorge mehrere neue Populationen der Velez-Zwergamazone
entdecken und wichtige ökologische Daten für die Erhaltung dieser Vögel sammeln. Aber der Vielfarben-Papagei
blieb verschollen, und allmählich wuchs die Überzeugung, dass dieser Vogel bereits ausgestorben sein könnte.
|

im Nebelwald
|
Im Mai 2002 konnten Jorge als Projektleiter des Vielfarben-Papagei-Projektes von Fundación ProAves
in
Zusammenarbeit mit Fundación Natura, Conservation International, The Natural History Museum,
und dem
Instituto de Ciencias Naturales der Universidad Nacional de Colombia
das Unternehmen weiter aufwerten:
Sie gewannen die Goldmedaille des BP International Conservation Awards.
Am 19. April 2002 nahm Jorge
diese Auszeichnung von Baroness Barbara Young, der Vize-Präsidentin von BirdLife International and
Fauna & Flora International während einer Feierstunde in London in Empfang.
Diesen Preis zu gewinnen, bedeutete, dass das Team der 6 Studenten von 4 kolumbianischen Universitäten
die Suche und Erhaltungsmassnahmen für den Vielfarben-Papagei und der Velez-Zwergamazone intensivieren
konnte. Jorge sagte, ohne unsere Aktion im kolumbianischen Nebelwald sind zwei der seltensten Papageien
der Welt vom endgültigen Aussterben bedroht. Die Unterstützung durch den BP Conservation Award
hat das
Team bei den Bemühungen um das Auffinden der Spezies und ihrer Rettung vor dem Ausserben weiter motiviert.
|
Nach Monaten der Suche, am 28. Juli 2002 machten Jorge und sein Teamkollege Alonso am trüben, kalten und
nebligen Nachmittag eine kurze Rast am Rande eines Waldstückes.
Wie als Herausforderung meinte Jorge skeptisch, warum sollte so eine seltene und rätselhafte Papageienart
ausgerechnet so ein winziges Stück Wald besuchen? Nur Minuten später wurden die Schreie der Papageien
hörbar.
Das Projekt-Team war über den vielleicht letzten überlebenden Schwarm des Vielfarben-Papageis gestolpert.
Eine der grössten Wiederentdeckungen der Zeit in Kolumbien.
|
Nach einer langen Nacht, in der die Entdeckung zusammen mit Einheimischen gefeiert wurde, verbrachten Jorge
und Alonso mehrere Tage damit, den Papageienschwarm weiter zu studieren. Ausführliche Notizen, Tonaufnahmen,
Fotos und Videos wurden aufgezeichnet um die Entdeckung zu dokumentieren und wichtige Informationen über die
Öklogie und Biologie deieser Spezies zu erhalten. Es ist unglaublich, dass diese 14 Vögel (3 Jungvögel
eingeschlossen) in diesen paar Dutzend Hektar Wald überleben. Die wichtigste Bedingung für diese Spezies
scheinen hohe, ausgewachsene Bäume zu sein, in denen sie sich von Beeren aus den mit Epiphyten überladenen
Baumwipfeln ernähren und wo sie die nötigen Nisthöhlen finden.
Tragischerweise wurde die Begeisterung über die Wiederentdeckung durch den Fund eines toten Jungvogels in der
Nähe des Waldes gedämpft, der wahrscheinlich einem Greifvogel zum Opfer gefallen war. Ein unerfahrener Vogel,
der keine Deckung findet, ist in dem fremden offenen Weideland, das die Greifvögel bevorzugen, eine willkommene
Jagdbeute. Wie Alonso bemerkte, überlebt der Papageienschwarm auf einer kleinen Waldinsel inmitten eines
Meeres von Weideland und Vieh. Es ist klar, dass die Papageien ums Überleben kämpfen, da sie sich verzweifelt
an dieses letzte Waldfragment klammern. Obwohl es wundervoll ist, dass diese 14 Vögel existieren, ist es
noch lange keine Garantie dafür, dass weitere Generationen überleben, und die Entdeckung des toten Vogels zeigt
deutlich, wie ungewiss und gefährdet die Zukunft des Vielfarben-Papageis ist.
Jorge hat gesagt, dass die Arbeit des Team gerade erst begonnen habe, denn nun müsse man mit grösster Eile
die nötige Arbeit zum Schutz der Art beginnen. Jetzt, wo die speziellen Habitat-Vorlieben und das
Futterverhalten der Papageien bekannt sind, hofft man, dass man weitere Areale in der Umgebung findet,
die möglicherweise weitere überlebende Papageienschwärme enthalten. Der Schutz der möglicherweise
letzten Population des Vielfarben-Papageis ist von höchster Wichtigkeit, kann aber nur mit der vollen
Unterstützung und Zugeständnissen der einheimischen Bevölkerung funktionieren, die unwissenderweise
bisher die grösste Gefahr für den Papagei war. Alonsos Kenntnis der Region und speziell ihrer Bewohner
war von entscheidender Bedeutung, um ihr Interesse an dem Projekt zu wecken, und Unterstützung bei der
Rettung eines sehr speziellen Teiles ihrer natürlichen Umgebung zu erhalten. Die Fundación ProAves
hofft nun auf amtliche Unterstüzung für den Schutz der Spezies. Wie Jorge deutlich sagt: Wir hoffen,
dass wir die einheimischen Bewohner davon überzeugen können, die letzten Wälder zu beschützen. So
liegt das ungewisse Schicksal des Vielfarben-Papageis in ihren Händen.
Für weitere Informationen kontaktieren Sie das Multicolored Parrot Project Team
via email: fundacion@proaves.org und hapalopsittaca@proaves.org
|