Der Rotohrara
Systematik

Foto © Hartmut Schulla


Familie:   Aratingidae
U-Familie: Aratinginae
Gattung:   Ara
Art:       Ara rubrogenys
Unterarten: 
           - keine



Anmerkung:
Während in vielen Systematiken die Gattung Ara der Familie der "Eigentlichen Papageien" (Psittacidae; U-Fam. Psittacinae) zugeordnet wird, folgen wir hier der Systematik von Wolters (1982), in der alle neotropischen (Papageien der amerikanischen Kontinente) Gattungen in der Familie der Aratingidae zusammengefasst sind. Neben anderem erscheint uns diese Aufteilung allein schon aus der langen kontinental getrennten Entwicklung geradezu zwingend. Die Familie der Aratingidae wird in mehrere Unterfamilien aufgeteilt, Gattung Ara gehört zu den Aratinginae (die keilschwänzigen neotrop. Papageien).


Bezeichnungen:
wissenschaftlich:
Ara rubrogenys (Lafresnaye 1847)

Erläuterung nach Strunden (1986):
ruber = lat.: rot
genys = gr.: Kehle, Wange
Sprachen:
Rotohrara
Red-fronted Macaw
Roodwangara, Roodoorara
Ara rubrogen

Beschreibung
Grösse: ca. 60 cm
Gefieder: Grundfarbe olivgrün bis gelbgrün. Stirn und Vorderkopf rot, Ohrdeckfedern rot. Zügel nackt mit kleinen schwarzen Federstricheln. Nacken und Hals helleres grün. Flügelbug und kleinere untere Flügeldeckfedern orangerot. Grosse untere Flügeldeckfedern und Schwanzunterseite gelblich-oliv. Schwungfedern und Schwanzoberseite blau. Schenkel rot. Schnabel: grauschwarz
Füsse: grau
Iris: orange


Geschlechtsunterschiede nicht sichtbar. Jungvögel weniger ausgefärbt, Flügelbug helles grün.
Allgemein kann es zu Farbvariationen kommen, so haben die zur Zeit (2001) im Vogelpark Walsrode ausgestellten Exemplare eher eine rötlich-grüne Grundfärbung. (s. Abb. rechts)

Foto © H.-J. Pfeffer
Verbreitung/Lebensraum
Der Rotohrara kommt nur in einem relativ kleinen begrenztem Gebiet in Südbolivien vor. Es erstreckt sich von etwa Cochabamba nach Süden entlang der Haupt und Nebentäler des Flusses Pilcomayo.
Das Verbreitungsgebiet besteht aus Hochtälern (1.000 -1.500m) mit trockenen Buschwäldern, nur in der Regenzeit haben die Flüsse einen nennenswerten Wasserstand. Die durch schroffe Canyons gekennzeichnete Landschaft ist relativ unzugänglich.
Ernährung/Lebensweise/Brut
Diese Aras ernähren sich in der Hauptsache von verschiedenen Kakteenfrüchten, Baumfrüchten und anderen Sämereien. Landwirtschaftlich kultivierte Felder (Mais) werden zur "Erntezeit" auch besucht.

Ausserhalb der Brutzeit ist der Rotohrara ein geselliger Vogel, Schwärme mit zu 50 oder 80 Individuen besetzen ein Tal, unternehmen aber auch weite Flüge zur Nahrungsaufnahme. Als Felsenbewohner verfügen die Rotohraras über erstaunliche Flugkünste, vom "Propellerflug" auf der Stelle, bis hin zum greifvogelartigen Gleiten in den Aufwinden.

Die Brut erfolgt hauptsächlich in Felsnischen der schroffen Landschaft. Oft sind es über 100m hohe Klippen über dem Fluss.
Detaillierte Brutbeobachtungen aus freier Natur liegen leider nicht vor. Erst Ende der 1970er Jahre gelangen die ersten Gefangenschaftsbruten.
Besonders interessant ist das Balzverhalten: Mit gehobenen Flügeln, so dass die roten Markierungen gut zu sehen sind, läuft das Männchen auf einem Ast hin und her und stösst dabei schrille Pfiffe aus. Die Pupillen sind stark zusammengezogen, die orangefarbene Irisdeutlich leuchtend. Solch ein Balztanz kann bis zu 15 Minuten andauern.
Anmerkungen
Der Rotohrara nimmt unter den Aras eine Sonderstellung ein. Er ist der einzige, der trockene Hochländer mit ausgeprägten Jahreszeiten besiedelt.
Sein relativ kleines, sehr spezielles Verbreitungsgebiet und die damit verbundene geringe Individuenzahl der gesamten Art machen ihn zu einem besonders schützenswerten Vogel.
Status In der roten Liste ist er zur Zeit als gefährdet eingestuft: Der Bestand ist rückläufig, die Art in viele Subpopulationen aufgesplittert und die einzelnen Vorkommen sind kleiner als 250 Individuen.

Typisches Habitat bei Cochabamba (Quelle: alltheweb.com)
Quellennachweis
Forshaw, J.M. (1981) Parrots of the world; David&Charles; ISBN 0-7153-7698-5
Low, Rosemary (1989) Das Papageienbuch; Ulmer ISBN 3-8001-7191-0
Robiller, F. (1991) Handbuch der Vogelpflege, Papageien Bd.1; Ulmer; ISBN 3-8001-7228-3
Strunden, H. (1986) Die Namen der Papageien und Sittiche; Horst-Müller-Verl.; ISBN 3-923-269-21-8
Wolters, H.E. (1982) Die Vogelarten der Erde - eine systematische Liste ...; Verl. Paul Parey


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Zusammenstellung und Fotos: © H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
  © 11/2001