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Einleitung
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Das aufälligste Merkmal, das alle Mitglieder der Ordnung Papageienvögel
verbindet, ist der besonders geformte Schnabel. Natürlich variiert auch
dieser innerhalb der zahlreichen Gattungen und Arten, aber das Prinzip
des Aufbaus und der Funktion bleibt immer gleich. Im Folgenden möchte ich
versuchen, einen kleinen Einblick in dieses faszinierende Werkzeug zu
vermitteln.
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Entwicklung
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Wie paläontologische Funde beweisen, ist die Erfindung zumindest der
Form eines hakenförmigen Oberkiefers, der über einen schaufelförmigen
Unterkiefer ragt, in der Natur häufiger gemacht worden. Eines der
Beispiele ist der Psittacosaurus (vor 96-113 Mio. Jahren), der seinen
Namen eben wegen dieser anatomischen Besonderheit trägt.
Papageien als "moderne" Vögel haben nicht nur die Form, sondern auch
das gesamte Funktionsprinzip im Laufe ihrer Entwicklung neu erfunden und
optimiert.
Die ältesten bekannten Fossilien (ca. 49 Mio. Jahre alt)
zeigen auf, dass Papageien ursprünglich wohl einen wenig gebogenen
Schnabel hatten. (Mayr, 1998). Vergleicht man diese Fossilien mit dem
heutigen Papageienschnabel, sieht man, dass es ein langer Weg der
Entwicklung gewesen sein muss.
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Einsatzort
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Wenn man sich mit dem Papageienschnabel beschäftigt, kann man
den gesamten Schädel nicht ausser Acht lassen. Schliesslich ist
das Instrument hier montiert, und hier sitzen
die Muskeln und Gelenke, mit denen die Zange bewegt wird.
Diese Bilder zeigen den Aufbau. Man beachte, wie unterschiedlich
bei den Gattungen die Augenhöhle und die Höhlungen für den Muskelansatz
(hinter dem Auge) sind.
Als Besonderheit gegenüber anderen Vogelordnungen fällt sofort auf, dass
der Oberschnabel eine vom restlichen Schädel getrennte Einheit darstellt.
Er ist lediglich durch ein Gelenk mit dem Schädel verbunden. Bei den
allermeisten anderen Vogelarten sind Oberschnabel und Schädel miteinander
verwachsen. Die Papageien zeichnen sich also durch einen sehr beweglichen
Oberschnabel aus.
Das Jochbein dient mehr oder weniger als Führung für den Oberschnabel.
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Antrieb
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Das schönste Werkzeug nutzt nichts, wenn man es nicht bewegen kann. Hier sind
die wichtigsten Muskelzüge grob eingezeichnet (nach Ritchie, 1994)
Beispiel: Amazona dufresniana
Hauptbewegungsrichtung des Oberschnabels ist auf und ab. Der Unterschnabel dagegen
kann sich in allen Richtungen bewegen.
Deutlich wird auch, das Papageien mit kürzeren
Unterkiefern aufgrund der Hebelwirkung eine wesentlich grössere Schnabelkraft
entwickeln können.
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Materialkunde
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Vereinfacht gesagt bestehen Ober- und Unterschnabel aus Knochen und den
darüber liegenden Hornschichten (Keratin), die nach aussen hin sichtbar sind. Die
Knochen haben bereits die charakteristische Form des Papageienschnabels.
Das Keratin
beider Schnabelhälften ist mit Wachstumspapillen durchzogen, die
die Wachstumsrichtung vorgeben, und so den sichtbaren Teil des
Papageienschnabels formen. Ähnlich wie bei unserem Nagelbett
beginnen die Wachstumspapillen an der sog. Ober- und Unterschnabelwurzel nahe am Kopf
in einer Hautfalte. Der keratinfreie Teil des Oberschnabels mit den Nasenlöchern
wird von der sog. Wachshaut überdeckt. Ein Teil des Schabelhorns nahe dem Kopf ist
ausserdem noch leicht durchblutet.

Amazona aestiva, Foto © H.-J. Pfeffer
Der vom Keratin gebildete Teil des Schnabels unterliegt beim Fressen, Nagen, Klettern
der Abnutzung und wächst daher ständig nach.
Nach Untersuchungen an wenigen Papageienarten beträgt das Wachstum zwischen
0,12 und 0,18 mm pro Tag! Die Geschwindigkeit des Wachstums ist an die Ernährung -
überwiegend harte oder weiche Nahrung - angepasst.(Menzel/Lüdicke, 1974).
Die einzelnen Schichten haben zudem eine
unterschiedliche Härte und nutzen sich je nach Position am Schnabel
unterschiedlich schnell ab. Da die härten Schichten innen liegen, ist garantiert, dass
der Schnabel immer scharfe Schneiden hat. Der Schnabel eines Timneh Graupapagei zeigt
hier deutlich die Abnutzung der unterschiedlichen Schichten.

Psittacus erithacus timneh, Foto © H.-J. Pfeffer
Bei allen Papageien verläuft der Oberschnabel von einer breiteren Basis am Kopf
dachförmig nach unten gebogen in einer Spitze aus, die den Unterschnabel überdeckt.
Die seitlichen Schneiden haben
je nach Gattung/Art eine mehr oder weniger starke Auszackung (Zahn), die einem Gegenstück
in den seitlichen Schneiden des Unterschnabels entsprechen. Zwischen dem Schnabelknochen
und der Hornschicht verlaufen ausserdem kleine Kanäle, die Tastkörperchen enthalten
und bis in die Hornschicht der Schabelspitze reichen können. Im vorderen Bereich der
Schnabelspitze liegen von aussen nicht sichtbar die sog. Feilkerben - kleine, je nach
Gattung/Art/Rasse unterschiedliche Abstufungen der Hornschicht. Eine Abstufung,
die "Hauptstufe" dient als Widerlager für die Unterschnabelschneide.

Melopsittacus undulatus
Fotovorlage ©
www.skullsite.com
Der Unterschnabel wächst schaufelartig mit einer mehr oder weniger stark gekrümmten
Vorderschneide und hohen seitlichen Wänden. Bei genügender Vergrösserung kann man
die sägezahnartigen Wachstumspapillen an der Vorderschneide erkennen. In Ruhephasen
zieht der Vogel gelegentlich die Unterschnabelschneide über das "Waschbrett" der
Feilkerben.
Durch seine Form bietet der Unterschnabel Platz für eine grosse, sehr bewegliche,
fleischige Zunge, die vorn unten ein stützendes Hornplättchen enthält.
Wer das alles noch genauer und mikroskopisch-medizinisch erklärt haben möchte, dem
empfehle ich die Literaturstellen Homberger 1980 und Menzel/Lüdicke 1974 aus dem
Quellennachweis am Ende der dieser Seite.
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Bauarten (Beispiele)
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Psittrichas fulgidus
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Ara macao
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Cacatua ophthalmica
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Amazona farinosa
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Tanygnathus spp.
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Nestor notabilis
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Trichoglossus spp.
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Alle Fotos © H.-J. Pfeffer
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Werkzeugeinsatz
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Enterhaken:
Der Haken des Oberschnabels eignet sich vorzüglich zum Heranziehen von
Gegenständen (Ästen, Früchten etc.) und als Kletterhilfe. Freies Hängen
nur am Oberschnabelhaken ist kein Problem.
Schraubstock, Zange, Pinzette:
Zwischen Unterschnabel und Oberschnabel können durch die Beweglichkeit
des Oberschnabels auch grössere Gegenstände eingeklemmt
werden. Die Tastkörperchen in Ober- und Unterschnabel
erlauben im Zusammenspiel mit der sensiblen Zunge eine extreme Feinregulierung
der Klemmkraft auch bei kleinsten Teilchen.
Hobel:
Dies gilt auch beim Fressen. Werden Nüsse oder Samen gefressen, so fixiert
der Vogel den Kern mit der Zunge gegen die Feilkerben des Oberschnabels,
die Unterschnabelschneide trennt dann von unten her die Hülle ab. Auch
bei Früchten wird ggf. so verfahren, um nur noch eine hauchdünne Schale
übrigzulassen.
Seitenschneider, Säge, Schere:
Die seitlichen Schneiden von Ober- und Unterschnabel funktionieren
ähnlich wie Messerklingen, wenn der Unterschnabel vor und zurück
bewegt wird.
Becher:
Ausserdem kann der Unterschnabel durch seine Schaufelform auch als
"Vorratslager" benutzt werden. Ein paar kleinere Körnchen finden unter Zunge
Platz, während eines bereits geknackt wird.
Alles in allem handelt es sich hier um ein Universalwerkzeug mit
Greif/Schneid/Klemm/Raspel/Hak/Säg/Bagger Eigenschaften, das in feinregulierbarer
Stärke auf Gegenstände unterschiedlicher Grösse angewendet werden kann.
Besonders deutlich wird das bei den grossen Aras, einerseits knackt man
problemlos härteste Nüsse damit, andrerseits entfernt man mit dem grossen
Schnabel bei der Gefiederpflege feinste Verunreigungen vom Auge des Partners,
ohne es zu verletzen.

Typische Anwendung: "Das Schild muss weg!"
(Nestor notabilis, Foto © H.-J. Pfeffer)
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Danksagung
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Abschliessend möchte ich mich noch bei Jan Jansen (NL) für die Erlaubnis
bedanken, Fotos von
www.skullsite.com für diesen Beitrag benutzen zu dürfen.
Diese Website bietet eine grosse Anzahl an Papageienschädeln der
verschiedensten Gattungen/Arten und erlaubt so online einen interessanten
und systematischen Vergleich der Anatomie.
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Quellennachweis
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Homberger, D. (1980): Funktionell-Morphologische Untersuchungen zur Radiation der
Ernährungs- und Trinkmethoden der Papageien.
Bonner Zool. Monographien, Nr. 13.
King/McLelland (1978):Anatomie der Vögel
Stuttgart, Ulmer 1978 - ISBN 3-8001-2468-8
Mayr. G. (1998):
Eozäner Papagei aus Messel
Franfurt/M., Senckenberg. Museum
Menzel, R. u. Lüdicke, M. (1974): Funktionell-anatomische und autoradiographische Untersuchungen
am Schnabelhorn von Papageien.
in: Zool.Jb.Anat. 93.1974, S. 175-218
Ritchie, G. et al. (1994): Avian medicine : principles and application.
Lake Worth, Fla., Wingers Pub, 1994 - ISBN 0-9636996-0-1
Robiller, F. (1991): Handbuch der Vogelpflege, Papageien Bd. 1
Stuttgart, Ulmer 1991 - ISBN 3-8001-7228-3
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Zur Homepage: |
Zusammenstellung: H.-J. Pfeffer
Arbeitsgemeinschaft
Papageien-Netzwerk
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© 09/2003
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